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Die Bedeutung des Spiels. Wege für ein spielendes Lernen im Sachunterricht

Am Beispiel des Rollenspiels

Hausarbeit 2014 14 Seiten

Didaktik - Sachunterricht, Heimatkunde

Leseprobe

1. Einleitung

Für Erwachsene ist es eine ganz besondere Erfahrung Kinder dabei zu beobachten, während sie völlig vertieft in ihr Spiel sind. Kindern schaffen es, während des Spielens so konzentriert und ernsthaft zu sein, dass sie alles um sich herum vergessen und ausblenden. Dafür brauchen sie weder eine bestimmte Umgebung noch bestimmte Materialien zum Spielen.

Wir Erwachsenen sehen unsere Aufgabe darin den Kindern aufzuzeigen, welche Spielräume sie brauchen und wie diese gestaltet sein müssen. Doch Kinder haben ihren ganz eigenen Kopf und fühlen sich meist genau in den Spielräumen am wohlsten, die grade nicht durch an- dere vorgegeben sind und bei denen sich die Kinder unbeobachtet von den Erwachsenen füh- len.

Da bereits im frühsten Kindesalter das Spielen eine wichtige Rolle spielt, wird in dieser Ar- beit das Spiel als Grundlage für die Grundschule, insbesondere aber für den Sachunterricht betrachtet. Im Rahmenlehrplan und im Perspektivrahmen des Sachunterrichts des Landes Brandenburg ist das Spiel als solches nicht direkt verankert, jedoch bildet es eine wichtige Grundlage für den Erwerb von Kompetenzen und für die Persönlichkeitsentwicklung der Kin- der. Mit dieser Arbeit möchte ich darlegen, inwieweit die Integration des Spiels im Sachunter- richt möglich ist. Am Beispiel des Rollenspiels soll diese Möglichkeit verdeutlicht werden.

Im Rahmen einer Begriffsbestimmung und der Darlegung zur Bedeutung des Spiels für die Kinder, soll vor allem der Frage nachgegangen werden, ob sich das Spiel in Verbindung mit dem Lernen in den Grundschulunterricht, speziell im Sachunterricht, eingliedern lässt. Dazu wird die Entwicklung möglicher Kompetenzen bei Lernspielen aufgezeigt sowie die Bedeutung des Spiels im Sachunterricht. Zur besseren Veranschaulichung wird mithilfe einer kurzen Unterrichtsplanung die Integration des Rollenspiels, welches in der Arbeit noch näher erklärt wird, in den Sachunterricht verdeutlicht.

2. Das Spiel

2.1 Allgemeine Begriffsbestimmung

Eine allgemein gültige Begriffsbestimmung scheint schwierig, da das Spiel mit den unter- schiedlichsten Zusammenhängen betrachtet werden kann und sich daraus eine Reihe an Be- deutungen ergeben. Es handelt sich somit um einen Universalbegriff, der in den verschiedens- ten Bereichen der Wirklichkeit verwendet werden kann. Bei den meisten allgemeinen Defini- tionen wird schnell klar, dass verschiedene Merkmale des Spielens aneinandergereiht wurden, so dass in bestimmten Fällen einzelne Spiele nicht mehr nachweisbar sind, und somit eine Fülle an Spielen nicht berücksichtigt werden (vgl. Petillon 1999, S. 16). Für die vorliegende Arbeit ist demnach nur das Spiel der Kinder von Bedeutung, welches im Folgenden näher be- trachtet wird.

Für eine Begriffsbestimmung scheint die Auslegung von Einsiedler (vgl. Einsiedler 1999, S. 15) als sinnvoll:

„Wir verstehen unter Kinderspiel eine Handlung oder eine Geschehniskette oder eine Empfin- dung,

- die intrinsisch motiviert ist/ durch freie Wahl zustande kommt,
- die stärker auf den Spielprozess als auf ein Spielergebnis gerichtet ist (Mittel-vor-Zweck),
- die von positiven Emotionen begleitet ist
- und die im Sinne eines So-tun-als-ob von realen Lebensvollzügen abgesetzt ist.“

Anhand dieser Begriffsbestimmung lässt sich erkennen, wie umfassend die Entfaltungs- und Gestaltungsmöglichkeiten im Spiel sind. Die genannten Merkmale sollen dabei lediglich zur Identifizierung des Kinderspiels dienen, was nicht bedeuten soll, dass bei Nichtzutreffen be- stimmter Merkmale von der Bezeichnung Spiel abgesehen werden muss (vgl. Einsiedler 1999, S. 16).

2.2 Die Bedeutung des Spiels für die Kinder

Das die Bedeutung des Spiels in den letzten Jahren verloren gegangen ist, wird leider immer wieder deutlich, wenn man Kinder beobachtet. Viele Kinder haben das Spielen nur noch sehr eingeschränkt gelernt oder können so gut wie keine Spielfähigkeit aufbauen. So kann es durchaus passieren, dass es Kindern in einer Umgebung mit vielen Spielanreizen, schnell langweilig wird und sie nicht wissen, was genau sie nun spielen können. Auch viele Erwach- sene schreiben dem Spiel der Kinder keine hohe Lernbedeutung mehr zu. Spielen wird immer mehr als nutzlose Zeitverschwendung eingeschätzt.

Spielen hat für Kinder nichts mit einer zufälligen Freizeitgestaltung zu tun und es ist auch keine rein lustbetonte Tätigkeit, sondern für Kinder ist spielen die zentrale Tätigkeitsform (vgl. Mogel 2008, S. 9). Kinder versuchen die Welt um sich herum zu verstehen und zu begreifen. Während sie spielen, vergessen Kinder alles was um sie herum passiert. Sie sind somit in der Lage, zu jeder Zeit und überall zu spielen.

Das Spiel hat somit einen sehr hohen Bedeutungswert für die Kinder und ihre Persönlichkeitsentwicklung. Es bietet ihnen die Gelegenheit sich auf ihre Umwelt einzulassen (vgl. Fritz 1993, S. 46) und dabei spielerisch ihre eigene Wirklichkeit zu schaffen. „Durch das Spiel kann das Kind Innenwelt und Außenwelt voneinander trennen und zugleich aber in wirkungsvoller Weise miteinander verbinden.“ (vgl. Fritz 1993, S. 46)

Kinder erleben ihr eigenes Spiel als wichtig und durchaus real (vgl. Mogel 2008, S. 17) und erschaffen sich durch die Spielhandlung eine emotionale und geistige Freiheit(vgl. Fritz 1993, S. 46). Dabei bringen sie eine hohe Eigeninitiative auf um ein Spiel zu beginnen und weiterzuführen (vgl. Mogel 2008, S. 9). Eine hohe Bedeutung kommt insbesondere den Rollen- und Symbolspielen zu. Hier haben die Kinder die Möglichkeit typische Verhaltensweisen nachzustellen (vgl. Mogel 2008, S. 17) und dadurch „[…] eine geistige und emotionale Distanz zu ihrer inneren und äußeren Welt[…]“ (vgl. Fritz 1993, S. 46 - 47) zu schaffen.

Wichtig ist in jedem Fall, dass den Kindern Raum und Zeit geboten wird, um sich voll und ganz auf ihr Spiel und seine Handlung zu konzentrieren. Nur so kann man dem Kind gerecht werden und es hat die Möglichkeit sich zu entfalten.

3. Spielformen

Es gibt unendlich viele Spielmöglichkeiten für Kinder. Leider bleibt das Spielen bei vielen Tagesabläufen der Kinder auf der Strecke. Dabei ist es durch die Fülle an unterschiedlichsten Spielformen ganz einfach, das Spiel auch in den Alltag der Kinder mit einzubinden. Mögliche Spielformen sind zum Beispiel: Übungs-, Experimentier-, Rollen-, Bewegungs-, Musik-, Ent- spannungs-, Beobachtungs-, Reaktions-, Gruppen-, Konzentrations-, Sprach- und Ratespiele. Der Versuch die Fülle an Spielen zu klassifizieren und zu systematisieren hat eine Vielzahl an Klassifikationsmodellen hervorgebracht. Das Klassifikationsmodell nach Piaget beispielswei- se „[…] geht vom Spieler aus und stellt die geistige Struktur, die zur Bewältigung des Spiels notwendig ist, in den Mittelpunkt.“ (vgl. Fritz 1993, S. 49). Es gibt weiter Systematiken die sich dahingehend voneinander unterscheiden, unter welchem Gesichtspunkt das Spiel betrachtet wird. So setzten andere Versuche nicht den Spieler in den Mittelpunkt, sondern beziehen sich auf das Spiel an sich, das verwendete Spielmaterial, den Spielinhalt oder aber auch die Sozialform. Diese Klassifikationen bieten die Möglichkeit die Erscheinungsformen und die Wirkung des Spiels näher zu betrachten (vgl. Fritz 1993, S. 50).

Nachstehend soll das Rollenspiel näher betrachtet werden, da es aufgrund des Einübens „[…] interaktionaler Fähigkeiten und Fertigkeiten, die Voraussetzungen zur erfolgreichen Gestal- tung sozialer Situationen […]“ (vgl. Blaum 1980, S. 47) darstellt. Damit nimmt das Rollen- spiel eine zentrale Bedeutung in der Entwicklung sozialer, interaktionaler Kompetenzen von Kindern ein.

3.1 Rollenspiel

Für die Entwicklung von Kindern nehmen Rollenspiele eine zentrale Bedeutung ein. Sie be- kommen hierbei die Möglichkeit sich in einem selbst gestalteten Raum kreativ zu bewegen, in dem „sie im Sinne eines So-tun-als-ob in Distanz zur Wirklichkeit treten können.“ (vgl. Petil- lon 1999, S. 18). Gleichzeitig kann das Rollenspiel auch als eine Art Gegensystem zur Er- wachsenenwelt gewertet werden. Es kann als Mittel der Parodie die Ordnung der Realität für den Moment außer Kraft setzen und die Logik der Erwachsenen brechen (vgl. Petillon 1999, S. 18).

Beim Rollenspiel erhalten die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit sich in die Rolle anderer Personen hinein zu versetzen. In dieser Rolle haben sie dann die Möglichkeit eine ihnen vorgegebene Situation in spielerischer Weise zu gestalten (vgl. Mattes 2011, S. 162). Unterscheiden kann man diese Form des Spieles in gelenktes und offenes/freies Rollenspiel. Im gelenkten Rollenspiel gibt es präzise und festgelegte Vorgaben für das spätere Handeln im Spiel (vgl. Meyer 2011, S. 357). Sie benötigen daher eine intensivere Vorbereitungsphase, da es hier genaue Regieanweisungen gibt und die Schülerinnen und Schüler sich intensiver mit der Ausgestaltung der Rollen auseinandersetzen müssen (vgl. Mattes 2011, S. 162). Im offenen/freien Rollenspiel gibt es hingegen keine festen Vorgaben der Handlungsalternativen. Die Kinder bekommen hierbei die Möglichkeit ihre ihnen zugewiesenen Rollen kreativ, frei und konstruktiv auszugestalten (vgl. Meyer 2011, S. 357).

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Details

Seiten
14
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656749356
ISBN (Buch)
9783656747970
Dateigröße
429 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v281127
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,7
Schlagworte
Spiel Sachunterricht Rollenspiel Grundschule

Autor

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Titel: Die Bedeutung des Spiels. Wege für ein spielendes Lernen im Sachunterricht