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Der Prinz von Sulkowsky an der Universität Leipzig

Ein besonderer Fall von Hochstapelei

Essay 2014 36 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Hauptteil

3. Lösch alias Prinz Sulkowsky und die burschenschaftliche Bewegung in Leipzig

4. Schluß

1. Einleitung

Eine Universität wie die 1409 gegründete Alma Mater Lipsiensis hat vielfältige Facetten an sich, so offenbaren ihre Akten durchaus zahlreiche Kuriosa. Der von Günter Katsch und Gerhild Schwendler herausgegebene Band zu Leipzigs universitätsgeschichtlichen Kuriositäten kann kaum mehr als eine Auswahl derselben darstellen.1 Hochstapler sind auch in Leipzig keineswegs selten anzutreffen gewesen, die aber in diesem Band keine Berücksichtigung fanden. Doch gerade hier bei jenen sind nicht die geringsten Kuriositäten anzutreffen. Man muß sich geradezu fragen, wieso diese keinen Eingang in diese Sammlung gefunden haben. Auch mit Blick auf das bevorstehende 1000jährige Jubiläum der Stadt Leipzig darf dieser Fall eine gewisse Aufmerksamkeit für sich beanspruchen, weil er nicht nur auf den Bereich der Universität beschränkt bleibt, sondern weitere Kreise der städtischen Gesellschaft berührt.

Es geht um einen Hochstapler. Schwerpunkt der Schilderungen ist die Strategie Löschs alias Sulkowsky gegenüber Universitätsbehörden und dem sächsischen Kultusministerium in Dresden bei dem Versuch seine Ziele durchzusetzen. Hatte er welche oder hatte er Probleme? In psychologischer Hinsicht gewähren die Überlieferungen durchaus bemerkenswerte Einsichten. Wenn sich der Vorwurf der Hochstapelei hingegen rechtfertigt, dann haben wir einen Fall zu tun, der im Bereich der Betrugskriminalität angesiedelt ist. Dann geht es darum folglich sein Ziel und Motiv herauszufinden beziehungsweise seine Methode dabei darzustellen. Haben wir es aber primär um eine Hochstapelei zu tun, welche eigentlich nicht auf den materiellen Vorteil gerichtet ist, sondern ein Geltungsbedürfnis bedient, haben wir es primär mit einem psychologischen Problem zu tun. Nur muß das Eine das Andere nicht ausschließen.

Die Akte aus dem Universitätsarchiv Leipzig UAL: Bestand Rektor: Rep. II Kap. IV Nr. 12 a “Acta den als Prinz von Sulkowsky inscribirten studios. Johann Friedrich Cäsar Angelion Lösch aus Dresden betr.“ (1831-1846) ist hierbei die wichtigste Primärquelle.

Unter die Rubrik „Kuriositäten der Leipziger Universitätsgeschichte“ läßt sich der Inhalt dieser Akte wohl ebenfalls einordnen.

Bereits der Aktentitel läßt erahnen, daß der Inhalt nicht der Normalität entsprechen würde. Zu Lösch ist das für seine Leipziger Zeit die wichtigste Überlieferung, jedoch nicht die einzige, wie wir noch sehen werden. Die Akte umfaßt 33 Blatt.

Die weiteren Überlieferungen im Universitätsarchiv Leipzig sind Register und polizeiliche Untersuchungsakten über burschenschaftliche Bestrebungen an der Universität Leipzig, in denen Lösch alias Sulkowsky erfaßt wurde. Inwiefern er stärker in diese involviert war, ist daraus nicht zu ersehen. Es hat mit dem eigentlichen Fall auch nichts zu tun, wird lediglich der Vollständigkeit halber erwähnt. Das gilt auch für ein Stammbuch eines Leipziger Studenten der Theologie, in dem er sich mit dem Namen und dem Stand Graf Sulkowsky eingetragen hatte. Nicht unerheblich für die Bewertung dieses Falles sind allerdings die Leipziger und Dresdner Adreßbücher. Eigene Erinnerungen, gewissermaßen Lebensbeichten der Untersuchungsperson, sind nicht überliefert. Diese wären aufgrund häufiger subjektiver Färbung ohnehin kritisch zu werten, daß sie nicht selten Versuche eigener Exkulpation darstellen. Zudem ist deren Wahrheitsgehalt durchaus als fraglich anzusehen. Für unseren Fall ist das vielleicht sogar vorteilhaft, da man sich nicht mit Quellenkritik dieser Art zu befassen braucht. Schließlich von amtlicher Seite her kommen polizeiliche Melderegister des Stadtarchivs Leipzig als Referenzquellen in Betracht. Zum Abschluß dieser Vorbemerkungen: Eine Biographie zu dieser Person soll hier nicht geschrieben werden. Dazu reichen die verfügbaren Quellen nicht aus. Die Akten selbst eignen sich in diesem Fall aber gut, zu dieser Person eine Art Psychogramm zu erstellen.

2. Hauptteil

Am 24. November 1831 erhielt das Universitätsgericht in Leipzig einen Brief von der „Stadt-Polizei-Deputation“ von Dresden, der am 21. November ausgestellt wurde unterzeichnet mit „von Oppel“.2 (Bl. 1) Der Anfang des Schreibens läßt schon Ungewöhnliches erahnen.

„Inhalts der in beglaubigter Abschrift hier angefügten hohen Regierungs-

verordnung ist uns anbefohlen worden : dem Studiosus juris Lösch, welcher unter dem Namen Johann Friedrich Cäsar Angelion von Sulkowsky mit einer Bittschrift allerhöchsten Orts3 eingekommen ist, zu eröffnen : daß er auf sein Gesuch abfällig zu bescheiden sey , ihm dabei aber wegen des sich angemaßten ihm nicht zukommenden Namens Verweis zu geben und die Annahme dieses Namens bei sonst zu erwartender Strafe zu untersagen.

Wenn jedoch gedachter Student Lösch sich dermalen seiner Studien wegen in Leipzig aufhält und wir ihn daher an Polizeistelle nicht bescheiden können, so ersuchen ein wohllöbliches akademisches Gericht wir andurch ganz ergebenst, Löschen der hohen Verordnung gemäß gefälligst zu bescheiden zu lassen, auch uns davon , daß diese Bescheidung erfolgt, Nachricht gefälligst zu ertheilen.---“

Am 5. November 1831 war eine entsprechende Anweisung der Königlich Sächsischen Landesregierung an die Polizeideputation in Dresden ergangen. (Bl. 2) Vorladungen hatte Lösch wohl mehrfach ignoriert (Bl. 3), wovon ein Protokoll gezeichnet vom Universitätsaktuar Christian Ernst Mirus (1781-1837) vom 22. Dezember 1831 kündet. An jenem Tag war wohl Lösch alias Graf Sulkowsky erschienen, wobei ihm die Anordnung, daß er sich des Namens Sulkowky zu enthalten habe und die damit verbundene Strafandrohung bedeutet wurde, falls er dem Reskript nicht Folge leistet. Lösch hatte Mirus zufolge auch die Bekanntmachung bescheinigt.

Eine Abschrift eines Schreibens aus Leipzig vom 14. Februar 1832 vom königlichen Kommissar, Hof- und Justizrat von Langenn4 (Bl. 6) an den Rektor Klien5 hat folgenden Inhalt:

„Auf hiesiger Universität studiert unter dem Namen eines Grafen und Fürsten Caesar Angelion Sulkowski ein gewisser Lösch, Sohn eines Privatgelehrten und Doctors der Philosophie Lösch zu Dresden.6

Bei den Seiten der Königl. Landes-Regierung im Jahre 1829. Rücksichtlich der Familienverhältnisse der [---] Lösch angestellten Erörterungen hatte sich ergeben, daß dieselben sich weder wegen des von ihnen in Anspruch genommenen Familien-Namens Sulkowski, noch wegen des ebenfalls behaupteten Grafenstandes zu legitimiren vermochten; es wurde ihnen daher die Führung des Namens Sulkowski, wie des Grafentitels untersagt.

Nachdem sich nun der hier studirende Lösch junior neuerdings an Sr. Excellenz den Herrn Staats-Minister des Innern von Lindenau7 schriftlich gewendet und den Namen eines Grafen Sulkowski wiederholt in Anspruch genommen hat, so bin ich Seiten Sr. Excellenz veranlaßt worden, denselben hierauf anderweit abfällig zu bescheiden. Es hat jedoch gedachter Studiosus Lösch auf die von mir gegebene Weisung, daß der den dermalen geführten Namen nicht willkürlich und ohne genügende Nachweisung verändern könne und mithin so lange, als er sich nicht über rechtmäßige Führung eines andern sattsam legitimirt habe, bei jenen verbleiben müsse, nichtsdestoweniger Ernahmens ohngeachtet, mit Bestimtheit erklärt, daß er zu dem Namen Lösch nicht wieder zurückkehren werde.---“

Langenn machte an dem Schreiben für den Rektor noch klar, das von dem Fall Lösch den Sicherheitsbehörden Mitteilung gemacht wurde. Dieses vorwegnehmend: Da später in den Personal- und Vorlesungsverzeichnissen der Universität Leipzig schon der Name Lösch erscheint, ist somit klar, daß Lösch alias Sulkowsky nicht auf Führung des Namens in den Verzeichnissen beharrte, um den Fortgang seines Studiums nicht zu gefährden.

Klien macht seinerseits Langenn am 15. Februar 1832 Mitteilung. Eine nicht unwichtige hiervon ist jene, daß er, also Lösch, in bedrängten finanziellen Verhältnissen lebt. (Bl. 7) Der Akte zufolge geschah erst einmal nichts. Von Amtswegen verspürte man möglicherweise auch keine Eile. Erst über zwei Jahre später gibt es Bewegung.

Am 17. Juni 1834 sendete der königliche Regierungskommissar von Langenn (Bl. 9) einen Brief an das Universitätsgericht in Leipzig.

„Ein von mir unterm 14. Februar 1832. An den damaligen Rector der hiesigen Universität, Herrn Domherrn und Professor Dr. Klien, erlassenes Communicat, den Student Lösch betreffend, welcher sich Graf oder Fürst von Sulkowsky nannte, ist am 15. Desselben Monats an das wohllöbl. Universitätsgericht abgegeben worden, damit durch dasselbe ernannter Lösch anderweit beschieden werde.

Nun ist zwar ernannter Lösch in dem Verzeichniß der Studirenden unter diesem Namen aufgeführt8, in dem Leipziger Adreßbuch auf das gegenwärtige Jahr Seite 69. Ist er aber wiederum mit dem Namen Cäsar Angelion Prinz von Sulkowsky bezeichnet und ich veranlasse daher das wohllöbl. Universitätsgericht, dahin geeignete Veranstaltung zu treffen, daß mehrbesagter Lösch weder fernerhin unter dem angenommenen Namen Sulkowsky in dem Adreßbuch aufgeführt werde, noch überhaupt sich dieses Namens bediene, vielmehr der ihm bereits vorhin ertheilten Weisung gebührende Folge leiste.---“

Zu bemerken ist die Fußnotiz mit Hinweis auf eine Resulution auf dem gleichen Blatt.

„H Prof. Pohl als Präses der kameralistischen Gesellschaft das Nöthige mitzutheilen und im Uebrigen zum Vortrage übrigens Citetur Lösch zu anderweiten Befragung.“9

Zu dieser „anderweiten Befragung“ kam es dem Protokoll vom akademischen Aktuar Hermann Otto Böttger zufolge auch am 9. Juli 1834 im Beisein vom Universitätsrichter Rüling.10 (Bl. 11) Demnach bekannte Lösch Mitglied in der kameralistischen Gesellschaft11 zu sein, daß er unter dem Namen Prinz Sulkowsky immatrikuliert habe, wobei ihm die Führung dieses Namens verboten wurde. Weiterhin gab er zu einer 1832 erhaltenen Aufforderung seine Inskription abzuändern nicht gefolgt sei, statt dem wiederholte er seine Versicherung,

„daß die Matrikel nicht in seinem Händen sey sondern durch seine Mutter in Dresden verbrannt worden sey.“

Lösch wollte seine Matrikel nicht ändern, da er angeblich nur kurze Zeit sich in Leipzig aufhalten wolle. Er sei nur wegen der Erteilung eines Scheines aus den Matrikeln hier und wolle die Entscheidung des Ministeriums abwarten, ob dieser ihm nicht unter dem Namen Sulkowsky erteilt werden könne. Es wurde ihm bedeutet bis zum Entschluß des Ministeriums sich des Namens Sulkowskys sich zu enthalten. Zudem wurde Lösch angehalten binnen 8 Tagen nachzuweisen, daß er seine „Vorstellung“ beim Kultusministerium eingereicht hat. Folgt man dem Aktenverlauf, so hatte Lösch seine Vorstellung im Kultusministerium wohl nicht gemacht, wohlweislich aus gutem Grund. Er dürfte sich seiner Abfuhr sicher gewesen sein, welche er dort erhalten hätte, womöglich Schlimmeres. Die nächsten Nachrichten in seinem Falle datieren Januar 1837. So schreibt Lösch an einen „Herrn Hoftrath“ [vermutlich den Universitätsrichter Rühling M.T.] am 16. Januar 1837 einen mehrseitigen Brief. (Bl. 12 f.) Letztlich läßt es sich hier kürzer machen: Es geht wiederum um den Namen Sulkowsky. Allerdings schreibt er, daß 1828 die kirchliche Anerkennung des Namens erfolgt sei, ja sogar die von König Anton von Sachsen, der ihn von der Militärpflicht zu entbinden geruht haben soll. (Bl. 13) Davon war zuvor nichts in der Akte zu sehen gewesen. Außerdem, was gegen Lösch alias Sulkowsky hier spricht, hätte er ja bei den kirchlichen Behörden eine zweite Ausfertigung dieser Bescheinigung erfolgen lassen können, womit dieses Problem vermutlich erledigt gewesen wäre. Wäre eine solche Entbindung vom Militärdienst durch König Anton erfolgt, so wäre sicher in Dresden in der königlichen Kanzlei hiervon ein Vermerk erfolgt, der dann berücksichtigt hätte werden müssen. Es dürfte dieser Vorgang als reine Erfindung zu werten sein. Diese Falschaussage hatten die Behörden nicht weiter verfolgt. Der Verfasser war ja schon bekannt. Allerdings schreibt er u.a.

„---Die hierbey betheiligten hohen Behörden haben sich nie mit Unbekantschaft unserer Verhältnisse entschuldigen können, als vielmehr ausdrücklich erklärt, Sr. Majestät haben mir diese Gnade mit Uebergehung weiterer Förmlichkeiten erwiesen, um mir in meinen Fortkommen förderlich zu seyn. Ebenso wurde mir im Jahre 1830 eine königl. Unterstützung zu einer Reise nach Polen unter Anerkennung meines Standes zu Theil; so wie ich und mein Vater in demselben Jahre auf unsern Stand lautende Pässe erhielten. Die von dem und jenen Staatsbeamten zuweilen gemachten Einsprüche wurden zwar nie ausdrücklich, aber doch stillschweigend dadurch zurückgerufen und mithin ungültig, inwiefern hohe Staats-Behörden auf jene Einsprüche wissentlich nicht Rücksicht nehmend dennoch nach unserm Begehren und somit der Wahrheit gemäs für uns ausfertigten.“(Bl. 13)

Ein ebenso umfängliches Schreiben in derselben Sache ließ Lösch alias Sulkowski am 20. Januar 1837, unterzeichnet mit „ergebenster Caesar Angelion Sulima von Sulkowski, jur utr. Stud.“ (Bl. 14 f.) Schon der durch das Universitätsgericht auf dem Schreiben erfolgte Randvermerk besagt die Ablehnung des Ansinnens. Den Bescheid erhielt Lösch mit dem 23. Januar 1837 (Bl. 14 u. Bl. 16) Zwischenzeitlich wurden die Akten „Den als Prinz von Sulkowski inscribirten Stud. jur. Johann Friedrich Cäsar Angelion Lösch aus Dresden betr.“ an das Kreisamt gegeben: Der Kreisdirektor Paul von Falkenstein12 nämlich leitete diese am 21. März 1837 an das Universität zurück. (Bl. 17) Dann geschah zwei Jahre erst einmal nichts. Doch nun will Lösch, immer noch auf dem Namen und Stand Sulkowsky bestehend sich zur juristischen Staatsprüfung anmelden. Ein mit v. Karlowitz13 unterschriebenes Schreiben des Ministeriums des Kultus und öffentlichen Unterrichts vom 15. März 1839 an das Universitätsgericht Leipzig lautet folgendermaßen:

„An das Ministerium des Cultus- und öffentlichen Unterrichts ist die urschriftlich beifolgende „Caesar Angelion Sulema Com. Sulkowski“ unterschriebene Eingabe gelangt, worin der Bittsteller ansucht, daß er unter diesem Namen zur juristischen Candidatenprüfung zugelassen, ihm auch gestattet werden möge , sich bei der Universität Leipzig zu habilitiren.14

Da jedoch aus dem Gesuche hervorgeht, daß die angegebenen Familienverhältnisse des Bittstellers erörtert und demselben die Führung des Namens eines Grafen Sulkowsky untersagt worden so begehret Man das Universitätsgericht wolle demselben bescheiden daß das unterzeichnete Ministerium nicht competent sey , die über seinen Namen Stand erhobenen Zweifel zur Erledigung zu bringen, er sich vielmehr deshalb an das Ministerium des Innern zu wenden habe.---“ (Bl. 18)

Der Unterschreiber von Karlowitz war der sächsische Kultusminister selbst. Auf der Rückseite desselben Schreibens befindet sich der Vermerk vom 4. April 1839, das im Beisein von Universitätsrichter Rüling und dem Universitätsgerichtsaktuars Paul Hermann Krug Lösch diese „Ministerialverordnung“ vom 15. März 1839 bekannt gemacht worden war.

Das Gesuch letztlich, welches Lösch alias Sulkowsky im gedrechselten Latein am 22. Februar 1839 nach Dresden schickte, ist in der Akte enthalten. (Bl. 19-22) Auf Blatt 22 betitelt er sich mit „observantissimus cultor Caesar Angelion Sulima Com. Sulkowski jura examinando docens“ Dabei wie in früheren Schriftstücken auch macht er der sächsischen Landesregierung den Vorwurf des Verletzens einiger sächsischer Gesetze und der Verfassungsurkunde.15 Auch damit drang der Antragsteller nicht durch.

Dann geschieht erst einmal wieder nichts bis zum Jahr 1846.

Lösch alias Sulkowski, sich nun Dozent der Rechte nennend, will mit einem erneuten Gesuch beim Universitätsgericht vom 2. Dezember 1846. Dieses ist zwar nicht in Latein wie gegenüber dem Kultusministerium, doch ebenso umfänglich und umständlich zugleich. Letztlich ging es ihm um wiederum um Bestätigung der Rechtmäßigkeit des Namens Sulkowsky. (Bl. 23-26) So erging sein Gesuch dahin:

„Das wohllöbliche Universitätsgericht wolle mir so bald als möglich da periculum in mora [Also Gefahr bei Verzögerung M.T.], ein einfaches Zeugnis ausstellen, worin angegeben werde, daß ich am 30sten Novbr. 1830 bei dieser Universität unter dem Namen Caesar Angelion Princeps de Sulkowski als Student der Rechte inscribirt worden sey und bis zu Anfang des Jahres 1837 unter academischer Gerichtsbarkeit16 unbescholten gestanden habe.---“(Bl. 25)

Der Randvermerk auf Bl. 23 macht klar, daß das Universitätsgericht dem Ersuchen nicht nachkam. Doch Lösch alias Sulkowsky setzte nach. Ein noch längerer Brief vom 8. Dezember an das Universitätsgericht zielte darauf ab, das Lösch alias Sulkowsky bestätigt bekommt, daß er unter dem Namen Sulkowski eingeschrieben wurde und das „Triennium“ absolviert hat. (Bl. 27-32, hier explizit Bl. 31) Standesbewußt wie immer unterschrieb Lösch mit „Caesar Angelion Sulima Graf Sulkowski“. (Bl. 32) Als Begründung für eine möglichst schnelle Ausfertigung gab Lösch alias Sulkowsky vor, ins Ausland gehen zu wollen und nur deshalb des Zeugnisses bedürfe, um dort das Studium nachweisen zu können.17 (Bl. 32) Am 11. Dezember 1846 erschien Lösch als „Docent der Rechte“ vor dem Universitätsgericht mit der Bitte um Ausstellung des Zeugnisses. Dieses wurde der Randnotiz vom Blatt 33 nach auch ausgefertigt. Die Rückseite ist ein Entwurf für dieses Zeugnis. Bei der Betrachtung aller weiteren Umstände wird allerdings unklar, wozu er diese Bescheinigung überhaupt brauchte.

Betrachtet man die Personal- und Vorlesungsverzeichnisse der Universität Leipzig, so wurde Lösch im Jahr 1835 schon letztmalig aufgeführt.18 Das gilt auch für das Leipziger Adreßbuch.19 Doch dafür gibt es möglicherweise eine Erklärung. Darauf kommen wir bei der Auswertung polizeilicher Melderegister im Stadtarchiv Leipzig zurück.

Seitens des sächsischen Landtages wurde er 1839 ebenfalls als Repetent der Rechte bezeichnet.20 An der Führung dieses Titels nahm man dort keinen Anstand. Also müßte er ja an der Leipziger Juristenfakultät im Doktorbuch verzeichnet sein. Es wird jetzt das nachgeholt, was seinerzeit sowohl Universität als auch Ministerium unterließen: Die Prüfung ob denn Lösch alias Sulkowsky mit abgeschlossener Kandidatenprüfung bzw. Habilitation im angegebenen Zeitfenster nachzuweisen ist.

Die Prüfung fällt eindeutig aus: UAL: Doktor-Buch Jur. Fak. 1810-1902 Nr. I 02 Bd. 2. In den Jahren 1839-1846 und danach gibt es bei der durchaus überschaubaren Anzahl von Promotionen21 an der Juristenfakultät keinen Lösch, und schon gar keinen aus Dresden. Also hatte Lösch alias Sulkowsky sich auch des akademischen Titels zu Unrecht bedient. Das wiederum macht die ganze Angelegenheit nicht weniger kurios. Daß ausgerechnet bei dem Brief des Ministers von Karlowitz 15. März 1839 die Leipziger Universitätsbehörden nicht stutzig wurden und eine Prüfung in dem Doktorbuch vorgenommen hatten, bleibt unverständlich, wenn man es rein juristisch ansieht. Man hat ihn wohl nicht ernst genommen. Wie will jemand, der zunächst zur Kandidatenprüfung zugelassen werden will, gleich die Erlaubnis bekommen können zu habilitieren? Die Frage mit dem adligen Namen kann hierbei einmal außen vor bleiben. Ist das selbst für damalige Verhältnisse nicht etwas stark ambitioniert? Das erscheint indes doch geradezu dreist. Eine Prüfung eines derartigen Gesuches, das zudem noch über den Rücklauf aus dem Ministerium zur Universität gelangte, hätte schon erfolgen müssen. Zumindest würden wir heute so denken. Damals hatte man das unterlassen und stillschweigend toleriert. Und um das Maß richtig voll zu machen bezeichnete sich Lösch alias Sulkowsky in einem Schreiben an das Universitätsgericht mit einem üblichen langen Brief vom 20. Januar 1837 als „künftiger Privat-Docent alhier“. (Bl. 16) Freilich auf den Namen hin bezogen:

„E. Wohllöbl. Universitätsgericht wolle mir das testimonium morum auf den Namen von Sulkowski oder wenigstens auf diesen ohne weiteren Beisatz geneigtest ausfertigen, indem ich auf den mit unseren Namen verknüpften höhern Stand in der Eigenschaft als künftiger Privat-Docent alhier einstweilen verzichte, hierbey aber meine bessern Rechte mir reservire.“

Wenngleich dieses Schreiben, wie oben bereits gesagt wurde, eine Ablehnung seitens des Universitätsgerichtes erfuhr, so täuscht auch das nicht über folgendes hinweg: Offenkundig ist entweder hier der universitätsinterne Schlendrian am Wirken gewesen gepaart mit einem gehörigen Maß an Trägheit oder man tolerierte den Verfasser, da man über diesen hinreichend Bescheid wußte. In vielen Fällen geht mit der Hochstapelei auch Urkundenfälschung einher. Es ist nirgends zu ersehen gewesen, daß Lösch alias Sulkowsky für die Führung des Titels eines Privatdozenten der Rechte einen urkundlichen Nachweis erbringen sollte. Ob er denn überhaupt über juristische Examina verfügte, ist auch nicht zu ersehen. Da brauchte er sich nicht mal die Mühe dergleichen zu machen, da mit dem Triennium die Universität so unglaublich blauäugig war, ihm dieses zu attestieren. Ob Lösch alias Sulkowsky wirklich den Nachweis des Trienniums brauchte als Studiennachweis im Ausland, wie er vorgegeben hatte, muß man auch nicht unbedingt glauben. Allerdings wird sonst aber auch nicht zwingend klar, wozu er den Nachweis eigentlich haben wollte, wenn man es rein rational erklären wollte. Psychologisch gesehen dürfte es hauptsächlich der Bedienung seines Geltungsbedürfnissen helfen. Zwischen 1837 und 1849 brachte Lösch sieben Kinder mit einer Leipzigerin zur Welt, und zwar in Leipzig. Doch darauf kommen wir später zurück. Die Dresdner Adreßbücher der Jahre ab 1833 bis 1858 belegen zumindest, daß diese Löschs dauerhaft in Dresden ansässig waren.22 Ab 1852 war zumindest Lösch jun. bis zur letzten Erwähnung im Dresdner Adreßbuch von 1858 in Dresden ansässig. Über sonstige Aufenthaltsorte ab 1835 läßt sich nichts Sicheres sagen, wenn man auf die Personal- und Vorlesungsverzeichnisse der Universität als auch der Leipziger Adreßbücher sich angewiesen sieht. Zuvor sind für seinen Aufenthalt in Leipzig die Personal- und Vorlesungsverzeichnisse der Universität und die Leipziger Adreßbücher die Referenzquellen. Doch für die Jahre 1837 und 1839 und selbst für 1846 belegen die in der Akte UAL: Bestand Rektor: Rep. II Kap. IV Nr. 12 a “Acta den als Prinz von Sulkowsky inscribirten studios. Johann Friedrich Cäsar Angelion Lösch aus Dresden betr.“ (1831-1846) von Lösch alias Sulkowsky sowohl an Ministerium als auch an das Universitätsgericht gerichteten Schreiben, daß er diese von Leipzig aus gesendet hatte. In dem lateinischen Brief vom 22. Februar 1839 steht auch als latinisierte Anschrift: „Lipsiae 22. Febr. 1839. In horto Reimeri, No 954.“ (Bl. 22)23 Die Indizien deuten bereits jetzt darauf hin, daß Lösch alias Sulkowsky zumindest bis 1846, womöglich länger, in Leipzig wohnhaft gewesen war, ohne daß das seit 1835 im Leipziger Adreßbuch registriert wurde. Wir können vorgreifend aufgrund weiterer Quellen aus dem Stadtarchiv Leipzig sogar sagen, daß er auf jedem Fall die ganze Zeit mindestens bis 1849 in Leipzig gewesen ist.

[...]


1 Leipzigs universitätsgeschichtliche Kuriositäten: Von gestrengen Magistern, gestrandeten Scholaren und gestohlenen Kassen, hrsg. von Günter Katsch und Gerhild Schwendler, Leipzig 1990.

2 Carl Wilhelm von Oppel (1767-1833)

3 Das Schreiben an den Kabinets- und Staatsminister von Lindenau befindet sich in der Akte auf Blatt 5 f. Es datiert den 28. Januar 1832. „---Die Angelegenheit betrift unseren Namen. Durch widriges Schicksal bestimt hatten wir geraume Zeiten des interimistischen Namens Lösch bedient, theils von unserm verlöschten Glücks theils von der Stadt Lezno in Großpolen entlehnt. Seit mehreren Jahren jedoch führen wir unsern eigenthümlichen Namen Sulkowski wieder, zu welchem wir uns öffentlich bekannt und legitimirt haben. Leider suchte man sich der Documente mit Arglist und allerley guten Versprechungen zu versichern und selbige ad acta zu nehmen, so daß man einer Producirung anderer Beweisthümer ganz und gar nicht mehr entgegen sehen darf.---“ (Bl. 4) Allein schon diese Zeilen lassen schon an der Richtigkeit der Aussagen des Briefschreibers zweifeln. Letztlich hatten die weiteren Ausführungen nur den Zweck, daß der Minister sein Einverständnis für die Führung des Namens und des Titels geben sollte. Auch Lösch alias Sulkowski spricht von einem „bedrängten Vermögensumständen“. So heißt es: „Bey unseren bedrängten Vermögens-Umständen hatte ich im September 1831 um eine Cönigliche Privatunterstützung und keineswegs um ein Consistorial-Stipendium angehalten. Hierauf haben die evangelischen geh. Räthe beschlossen, daß mir für meine ganze academische Laufbahn kein Stipendium zu verwilligen sey, ich mich auch übrigens des Namens Sulkowski streng zu enthalten habe.“ Doch so sah Lösch alias Sulkowski das nicht. Es heißt weiter: „Ich sehe aber nicht ein, wie man mich von algemeinen Beneficien ausschließen und gleichwohl verlangen kann, mich mich meines Namens zu begeben. Meint der Staat, ich hätte als Sulkowski kein Recht auf ein Stipendium, so hat er auch kein Recht auf meinen Namen; den es ist höchst inconsequent, mich in dem einen Falle anzuerkennen und in dem andern nicht.---“ So argumentiert er schon beinahe auf der Abstraktionsebene der Staatstheorie: „Zwischen State und dem Staatsbürgern ist ein Wechselverhältnis; folglich ist nicht der eine Theil befugt allein zu fordern, der Andere allein zu leisten. Da der Staat seine Verbindlichkeiten gegen uns und hauptsächlich gegen meinen guten Vater nicht erfült, so haben wir mithin keine gegen ihn und indem Staat jenes Wechselverhältnis aufhebt und uns nicht als Staatsbürger, sondern als Fremde, als Staats-Genossen betrachtet, so hat derselbe auch nur das Recht von uns zu fordern, daß wir nicht störend auf das Staatswohl einwirken---“ (Bl. 5)

4 Friedrich Albert von Langenn (1798-1868)

5 Karl Klien (1776-1839), Juraprofessor an der Universität Leipzig

6 Dresdner Adreßbuch von 1832, S. 148. Hier sind mehrere Löschs verzeichnet. Es ist daher schwierig auszumachen, welcher der Löschs der Vater gewesen sein soll. Im Dresdner Adreßbuch von 1832 jedenfalls ist der Name Sulkowsky nicht vorhanden. Im Dresdner Adreßbuch von 1833, S. 251 steht jedoch ein „Sulkowsky, D. [Das „D“ für Doktor M.T.] J. F. L. A. Privatgel. Am Altenm. 31 4 Tr.“ Es handelt sich hier um den Vater. Ebenso war dieser wohnhaft geblieben am Alten Markt nur mit dem Wechsel der Wohnung verzeichnet mit denselben Namen in dem von 1834 S. 241; 1835 S. 242; 1836 S. 243; 1837 S. 248; 1838 S. 244; 1839 S. 254; 1840 S. 254; 1841 S. 262; 1842 S. 272; 1843 S. 279; 1844 S. 280; 1845 S. 387; 1846 S. 231; 1847 S. 234; 1848 S. 98; 1849 S. 116. Im Jahr 1850 findet sich im Dresdner Adreßbuch S. 310 der Eintrag: „Sulkowsky, J. F. D. phil. Altmarkt 22, IV. Ebenso 1851 S. 134. Auch diese Einträge sind auf den Vater bezogen. Im Dresdner Adreßbuch von 1852 S. 138 stehen hingegen zwei Sulkowsky’s „Sulkowsky, J. Colport., Roseng. 29 m.“ und „-[der zweite M.T.] J. F. D. Privatgelehrter Altm. 24 m.“ Ebenso in dem von 1853 S. 140. Im Dresdner Adreßbuch von 1854 S. 147 steht nur „Sulkowsky, J. Colport., Roseng. 29 m.“ drin. Im Dresdner Adreßbuch von 1855 S. 199 stehen „Sulkowsky gen. Lösch, Chrst. Doctors W., Altm. 24 m. –[der zweite M.T.] gen. Lösch, J. Colport., Roseng. 29 m.“ Im Dresdner Adreßbuch von 1856 S. 209 steht „Sulkowsky siehe Lösch“. Man hat also nahezu ein ganzes Jahrzehnt benötigt um das soweit zu berichtigen! Auf S. 123 im Adreßbuch stehen „Lösch gen. Sulkowsky, Chrstne., D. phil. W., Bischofsw. 20 I.“ und „Lösch gen. Sulkowsky, J., Colporteur, Bischofsw. 20 I.“ im Jahr 1858 S. 117 erscheinen beide, also die Wittwe Lösch. sen. und Lösch jun. letztmalig im Dresdner Adreßbuch. Mit der als „Colporteur“ bezeichneten Person ist schon der sich „Prinz von Sulkowsky“ nennende Lösch gemeint.

7 Bernhard von Lindenau (1780-1854)

8 Personal- und Vorlesungsverzeichnis der Universität Leipzig Sommersemester 1834, S. 13. Seine Anschrift wäre demnach Gerbergasse 1120 gewesen.

9 Vgl. Bl. 10.

10 Carl Adolph Rüling (1781-1845)

11 Leipziger Adreßbuch 1834, S. 70. Darin steht ein Cäsar Angelion von Sulkowsky aus Dresden als Mitglied der von Carl Eduard Otto am 8. November 1821 gegründeten „Juristischen Gesellschaft“, die hier „Otto`sche dogmatisch-exegetische Gesellschaft“ genannt wird. Ebenso im Leipziger Adreßbuch 1835, S. 75. Bereits im Leipziger Adreßbuch von 1836, S. 95 unter den Mitgliedern der Juristischen Gesellschaft ist Lösch nicht mehr aufgeführt.

12 Johann Paul von Falkenstein (1801-1882)

13 Hans Georg von Karlowitz (1772-1840)

14 Inwieweit diese nicht nur den Namen betreffende Absicht auch der Habilitationsordnung der Leipziger Juristenfakultät entspricht, ist auch zweifelhaft. Zunächst wäre mit der Kandidatenprüfung das erste Examen, mit dem zweiten Examen das Lizentiat verbunden, wenn er direkt als Anwalt tätig werden wollte. Er könnte nach dem ersten Examen Promovieren und danach habilitieren, aber nicht als Anwalt tätig werden. Dazu bräuchte er das zweite Examen. Das war auch zu dieser Zeit der Fall gewesen. Der Aussage nach hatte Lösch jedoch noch keine abgeschlossene Kandidatenprüfung. Zu den ersten Leipziger Habilitationen: Jens Blecher, Vom Promotionsprivileg zum Promotionsrecht: Das Leipziger Promotionsrecht zwischen 1409 und 1945 als konstitutives und prägendes Element der akademischen Selbstverwaltung, Diss. Halle-Wittenberg 2006, S. 93 ff.

15 Mitteilungen über die Verhandlungen des Ordentlichen Landtags im Königreiche Sachsen während der Jahre 1839 und 1840 I. Kammer, Dresden 1840. S. 1052 und 1324. S. 1052: „---5) Herrn Cäsar Angelion Graf Sulkowski, Repetens der Rechte zu Leipzig, Beschwerde gegen das hohe Ministerium des Innern wegen angeblicher Verletzung mehrerer Gesetze und der sächsischen Verfassungsurkunde Präsident von Gersdorf: Diese etwas starke Eingabe würde an unsere vierte Deputation zu überweisen sein. Der Name könnte vielleicht glauben machen, der Beschwerdeführer sei ein Ausländer, es ist aber ein Inländer. S. 1324: Vizepräsident von Karlowitz machte zu Lösch folgende Bemerkung: „---2) der Repetent der Rechte zu Leipzig, Lösch, mit seiner die Unterschrift Cäsar Angelion Sulima Graf Sulkowski tragende Beschwerde wider das hohe Ministerium des Innern in Betreff der ihm verweigerten Anerkennung seines Namens und Gesammttitels auf den Grund der Landtagsordnung § 118 sub f. und g., weil die Wahrheit des Anführens ganz unbescheinigt geblieben und nicht nachgewiesen worden ist, daß die Beschwerde auf dem verfassungsmäßigen Wege bis zu dem betreffenden Ministerialdepartement gebracht worden.---.“ Diese und eine weitere nicht diesen Fall betreffende Beschwerde ist seiner Empfehlung an die II. Kammer zu befördern. Doch auch diese Berufung wurde ablehnt. Sachregister über die Königl. Sächsischen Landtagsverhandlungen in den Jahren 1839 und 1840, Dresden und Leipzig 1840, S. 178.

16 Interessant hierbei ist hierbei, daß die akademische Gerichtsbarkeit des Consilium perpetuum in Leipzig bereits im April 1829 aufgehoben wurde. Das im April 1829 von Staats wegen geschaffene Universitätsgericht war ein Instrument, welches ebenso wie die Rentverwalterei geschaffen wurde, die bisherige akademische Autonomie zu brechen und der Überwachung der Universität diente. Rudolph Rentsch, Die akademische Gerichtsbarkeit der Universität Leipzig bis zu ihrer Aufhebung im Jahre 1829, Diss. Leipzig 1921, S. 119. „Im Jahre 1813 entzog man schließlich die peinliche Gerichtsbarkeit der Universität. Zwar sträubte sich die Hochschule gegen jede fernere Beeinträchtigung ihrer Rechte, da es nach der Auffassung ihrer Mitglieder schimpflich war, wenn einer Universität, es sei nun mit oder ohne ihre Schuld die Gerichtsbarkeit über die Studirenden genommen, und einer anderen Obrigkeit übertragen wird. Den letzten Rest gab der Selbstständigkeit der Gerichtsbarkeit der Universität die Wirkung der Karlsbader Beschlüsse. Ein Universitätsgericht trat an Stelle des Consilium perpetuum. Die Universität erhielt 1828 den Universitäts-Richter, der mit einem ständigen Beisitzer aus den Professoren unter der Teilnahme und dem Ehrenvorsitze des Rektors die Rechtspflege führt, die sich in der Ausübung der Disziplinargewalt erschöpft." -Susanne Rudolph, „Die akademische Gerichtsbarkeit der Universität Leipzig“, in: Universität als Landesgeschichte. Die Universität Leipzig in ihren territorialgeschichtlichen Bezügen, hrsg. von Detlef Döring, Leipzig 2007, S. 187-206. -Hartmut Zwahr, „Staatsreform und Revolution. Die Universität Leipzig 1830“, in: Naturwissenschaft – Geschichtswissenschaft – Archivwissenschaft. Festgabe für Gerald Wiemers zum 65. Geburtstag (=Veröffentlichungen des Universitätsarchivs Leipzig, Bd. 8), Leipzig 2007, S. 98-126. Hier S. 99. Ders. und Jens Blecher, Geschichte der Universität Leipzig, hrsg. im Auftrag des Rektors der Universität Leipzig Professor Dr. jur. Franz Häuser von der Senatskommission zur Erforschung der Leipziger Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte, Bd. 2: Das neunzehnte Jahrhundert 1830/31-1909: Von der Universitätsreform bis zur Reichsgründung 1830/31-1871, Leipzig 2011, Kapitel I: Reorganisation der Universität seit Frühjahr 1830, S. 23-48. –Jens Blecher, Vom Promotionsprivileg zum Promotionsrecht, a.a.O., S. 55 f. Anm. 233.

17 Ob er wirklich ins Ausland gehen wollte und dieses nur als Studienbescheinigung haben wollte, lassen wir hier offen. An späterer Stelle kommen wir darauf zurück.

18 Personal- und Vorlesungsverzeichnis der Universität Leipzig zum Sommersemester 1835, S. 14.

19 Siehe Anm. 11.

20 Mitteilungen über die Verhandlungen des Ordentlichen Landtags im Königreiche Sachsen während der Jahre 1839 und 1840 I. Kammer, Dresden 1840. S. 1052 und 1324. S. 1052.

21 Daß die Zahl der Promotionen zu dieser Zeit noch nicht sehr groß war, ist nicht verwunderlich, wenn man berücksichtigt, welche Ausmaße schon die damit verbundenen Doktorschmäuse hatten. Georg Erler, Leipziger Magisterschmäuse im 16., 17. und 18. Jahrhundert, Leipzig 1905. Nicht von Ungefähr wandte sich der Historiker Heinrich Wuttke genau gegen diese auf Brauchtum basierende Praxis bei der Promotion, für die es seiner Feststellung nach keine satzungsmäßige Grundlage gab und so der Willkür Tür und Tor öffnete. Nicht ohne Grund sprach Wuttke despektierlich von der „Leipziger Magisterbäckerei“. Jens Blecher, Vom Promotionsprivileg zum Promotionsrecht, a.a.O., S. 154. -Jens Blecher und Mario Todte, „Johann Karl Heinrich Wuttke (1818-1876)“, in: Sächsische Lebensbilder Bd. 6 Teilband 2: L-Z, Stuttgart 2009, S. 377-408. Hier S. 814-821. –Mario Todte, Studien zum Geschichtswerk von Heinrich Wuttke (1818-1876), S. 88.

22 Siehe Anm. 3.

23 In den Schreiben vom 2. Dezember 1846 und 8. Dezember 1846 an das Universitätsgericht gab er die Leipziger Adresse, Königsstraße Nr. 16 an. (Bl. 26 u. Bl. 32.)

Details

Seiten
36
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656745686
ISBN (Buch)
9783656745693
Dateigröße
650 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v281070
Note
Schlagworte
Universitätsgeschichte Psychologie Historische Hilfswissenschaften

Autor

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Titel: Der Prinz von Sulkowsky an der Universität Leipzig