Lade Inhalt...

Suizid im Jugendalter. Präventions-Möglichkeiten der Sozialarbeit und anderer niedrigschwelliger Angebote

Hausarbeit 2013 18 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist uizid?
2.1 Definition
2.2 uizidversuch

3. tatistiken
3.1 Erfassungsproblem

4. uizid im Jugendalter
4.1 Risikofaktoren für uizidalität im Jugendalter
4.2 Die Rolle der ozialarbeiter
4.3 Chancen und Grenzen niedrigschwelliger Hilfe

5. Resümee

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„ Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage:

Ob's edler im Gemüt, die Pfeil' und Schleudern des wütenden Geschicks erdulden oder, sich waffnend gegen eine See von Plagen, im Widerstand zu enden. Sterben schlafen “ aus: Hamlet III, 1. (Hamlet)

William Shakespeare, englischer Dichter und Dramatiker, (1564 1616)

In Deutschland sterben jährlich doppelt so viele Menschen durch einen Suizid als durch einen Verkehrsunfall. Die durchschnittliche Suizidrate liegt bei ca. 11.000 im Jahr. Statt der Thematik „Suizid“ im alltäglichen Leben mehr Aufmerksamkeit zu schenken, wird die gesellschaftliche Tabuisierung der Selbsttötung fortgesetzt. Oftmals sind die Bewegründe sehr verschieden, angefangen von Liebeskummer bis hin zur finanziellen Existenzangst. Daher kann grundsätzlich jeder Mensch unabhängig von Alter, Geschlecht und Zugehörigkeit in eine Situation kommen, wo er oder sie sich vorstellt, mit einer Selbsttötung seinem Leben ein Ende zu setzen. Auffällig ist, dass Suizid und Suizidversuche in keinem anderen Lebensabschnitt häufiger auftreten als im Jugendalter. Dies liegt vor allem daran, dass das Jugendalter die „Zeit der Krisen“ ist, da die Jugend geprägt von der Entwicklung des Selbstwertes und der Identität ist.

Aufgrund dieser schwierigen Lebensphase, steht die Soziale Arbeit vor großen Herausforderungen: Zum einen ist der Zugang zu suizidgefährdeten Jugendlichen geprägt von einer großen Hemmschwelle seitens der Jugendlichen und zum anderen mangelt es den Sozialarbeitern häufig an Fachwissen. Oftmals sind es die niedrigschwelligen Angebote, die eine erste Kontaktaufnahme zwischen Sozialarbeitern und suizidgefährdeten Jugendlichen ermöglichen. Diese niedrigschwelligen Angebote müssen an die Bedürfnisse und die Hemmschwelle der Jugendlichen anknüpfen. Es stellt sich also die Frage, welche Zugänge den Kontakt zu den suizidgefährdeten Jugendlichen erleichtern und welche ihn erschweren?

Die vorliegende Hausarbeit widmet sich daher dem Thema „Suizid im Jugendalter“ in Hinblick auf die Konzeption der niedrigschwelligen Hilfe in der Sozialen Arbeit.

Der erste Teil der Hausarbeit beschäftigt sich mit den Begriffen „Suizid“ und „Suizidversuch“, indem versucht wird diese zu definieren.

Im Hauptteil soll einerseits die Präsenz und Wichtigkeit der Thematik verdeutlicht werden,indem Statistiken herangezogen und die Risikofaktoren für Suizidalität im Jugendalter näher beleuchtet werden und andererseits sollen die Faktoren, die den Zugang zu den Jugendlichen erleichtern bzw. erschweren, erläutert werden.

Anschließend folgt die Vorstellung von drei Beratungsmethoden der SuizidPrävention, die in Hinblick auf ihr niedrigschwelliges Hilfsangebot untersucht werden.

Abschließend folgt ein kurzes Resümee.

Aufgrund der Lesbarkeit und Übersichtlichkeit der Hausarbeit wird auf die Nennung von weiblichen und männlichen Formen z.B. Sozialarbeiter/Sozialarbeiterin, verzichtet. Mit der Personenbezeichnung sind stets beide Geschlechter gemeint.

2. Was ist Suizid?

Der Begriff „Suizid“ entstammt dem Lateinischen sui cidium (Selbsttötung) bzw. sua manu cadere (sich durch eigene Hand fällen). Der Suizid ist als „Akt selbstzugefügter Lebensbeendigung anzusehen“ (Bründel 1993: 25). In den meisten Religionen und Kulturen wird Suizid als „Schande“ oder „Sünde“ angesehen. So war eine kirchliche Bestattung von „Selbstmördern“ nach katholischem Kirchenrecht („Codex kanonischen Rechts“) noch bis 1983 in Deutschland zumindest umstritten (vgl. Bojack 2010: 4).

2.1 Definition

Nun soll sich der Frage gewidmet werden, was Suizid denn tatsächlich ist und beinhaltet. Es ist festzuhalten, dass im Fall des Suizides keine direkte psychische Erkrankung im Sinne einer psychischen Krankheitsdefinition vorliegt. Vielmehr wird der Suizid derzeit als eine Art Nebenprodukt vielfältiger psychischer Erkrankungen oder belastender Lebensereignisse bzw. besonderer Lebensumstände und Lebensweisen gesehen. Dadurch ist es schwierig, eine einheitliche Definition des Suizides zu finden.

Zum Beispiel beschreibt die Gesundheitsberichterstattung des Bundes den Suizid in 2001

folgenderweise: „ Freitod, d.h. absichtliche Selbsttötung, die als Reaktion auf eine Lebenskrise, Identitätskrise oder Ausdruck einer Autoaggression verstanden werden kann. “ (Ertelt, 2008, S. 9).

Diese Definition schließt z.B. auch kritisch bzw. riskant lebende Menschen mit ein, wie zum

Beispiel Extremsportler, da der Begriff Autoaggression nicht näher erläutert wird.

Die einfachste Definition von suizidalen Verhaltensweisen stammt von Erwin Stengel, einem österreichischbritischer Psychologen: „ Suizid ist eine auf einen kurzen Zeitraum begrenzte absichtliche Selbstschädigung von der der Betreffende, der diese Handlung begeht, nicht wissen konnte, ob er sieüberleben wird oder nicht “ (Bronisch, 2007, S. 12). Emile Durkheim, französischer Soziologe, bezeichnet den Suizid als „… jeden Todesfall, der direkt oder indirekt auf eine Handlung oder Unterlassung zurückzuführen ist, die vom Opfer selbst begangen wurde, wobei es das Ergebnis seines Verhaltens im Voraus kannte “ (Liegener, 2007, S. 3). Als Suizidenten werden diejenigen bezeichnet, die Suizid begehen.

2.2 Suizidversuch

Bevor es überhaupt zu einem Suizid kommt, gibt es viele Suizidversuche. Nach der Definition von Norman Kreitman, einem britischen Psychologen, ist es ein selbst initiiertes, gewolltes Verhalten eines Menschen, der sich selbst verletzt bzw. einen Suizidversuch unternimmt, ohne infolge dessen wirklich das Leben zu verlieren (vgl. Bronisch 2007: 1213). Über Suizidversuche allgemein und entsprechend im Kinder und Jugendalter liegen keine sicheren Daten vor. Jedoch ist bekannt, dass Suizidversuche gerade in der Pubertät stark ansteigen. Am häufigsten ist die Altersgruppe zwischen 15 und 19 Jahre betroffen (vgl. Niklewski/Rieke Niklewski 2008: 196). Hinzukommt die Feststellung, dass 75% der Jugendliche, die Suizid begangen, bereits als Kinder „Versuche“ unternommen hatten (Niklewski/RiekeNiklewski 2008: 197). Der Suizidversuch wird unabhängig von der Definition als „Hilfeschrei“ interpretiert und ist demnach eine Möglichkeit für Außenstehende die Warnsignale frühzeitig zu erkennen. Dies setzt ein gewisses Fachwissen über die Anzeichen voraus. Zu diesen Faktoren für eine Suizidgefahr bei Kindern und Jugendlichen zählen unter anderem folgende:

-Depression
-Geringe Selbstachtung  Ruhelosigkeit
-Schwache Impulskontrolle  Einsamkeit
-Neigung zu Unfällen
-Allgemeine Verhaltensstörungen
-Schulversagen
-Niedrige Stress oder Frustrationstoleranz  Hypersensibilität
-Alkoholismus und Drogenmissbrauch

Es ist wichtig zu erwähnen, dass bei zahlreichen Jugendlichen die genannten Faktoren auftreten können ohne suizidale Tendenzen zu haben. Sie sollen daher als sensibilisierende Faktoren gesehen werden (vgl. Freeman/Reinecke 1995: 139).

3. Statistiken

In der offiziellen Statistik werden Suizide unter dem Begriff „vorsätzliche Selbstbeschädigung“ (ICD10: X60X84) zusammengefasst. Laut einer Statistik zur Anzahl der Suizide nach Bundesländern sterben in den großen Flächenbundesländer Nordrhein Westfalen, Bayern und BadenWürttemberg die meisten Menschen von eigener Hand. Der Statistische Bundesamt weist für das Jahr 2007 in der Gruppe der 1014 Jährigen 23 Suizide und in der Gruppe der 1519 Jährigen 196 Suizide auf. In dieser letzten Gruppe sind die jungen Männer mit 149 erfolgten Suiziden, davon 47 junge Frauen, besonders häufig vertreten (vgl. Bojack 2010: 5). Diese Zahlen zeigen deutlich, dass junge Männer bis zu dreimal häufig Suizide verüben als gleichaltrige junge Frauen, was ebenfalls für die höheren Altersgruppen gilt.

In der Altersgruppe der 15 bis 20Jährigen sind Suizide seit Jahren die zweithäufigste Todesursache nach den tödlichen Verkehrsunfällen: im Jahr 2010 waren es 28,8 % aller tödlichen Verletzungen, das sind allein 189 Sterbefälle (vgl. Ellsäßer 2012: 5). Aktuelle Angaben zu den häufigsten Selbstmordmethoden gibt es nicht. Dennoch zählen „Erhängen“, „Sturz in die Tiefe“ und „Arzneimittel“ als verbreitete Methoden, um sich selbst das Leben zu nehmen.

Im Geschlechtervergleich verhalten sich die jungen Suizidenten so, wie die Erwachsenen: Mädchen begehen eher Suizidversuche. Jungen hingegen wählen in ihren Handlungen dann vermehrt solche, die mit größerer Sicherheit zum Tod führen, also eine Waffe, den Strick oder den Sprung ins Leere. Junge Frauen greifen eher zu einer Überdosis Medikamente, was die Chance einer Rettung erhöht.

[...]

Details

Seiten
18
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656756934
ISBN (Buch)
9783656756484
Dateigröße
630 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v281058
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1,7
Schlagworte
suizid jugendalter präventions-möglichkeiten sozialarbeit angebote

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Suizid im Jugendalter. Präventions-Möglichkeiten der Sozialarbeit und anderer niedrigschwelliger Angebote