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Sprachgeschichte und -analyse des Französischen in Québec. Die Rolle in Medien und Gesellschaft

Seminararbeit 2013 17 Seiten

Didaktik - Französisch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

1. Einleitung

2. Sprachgeschichtliche Entwicklung

3. Sprachliche Analyse
3.1. Phonetik
3.2. Graphie
3.3. Morphologie
3.4. Lexik
3.5. Semantik
3.6. Syntax

4. Das Joual

5.Umrisse einer standardsprachlichen Norm desfrançais québécois

6. Medien und Gesellschaft

7. Der Status des français québécois

8. Schlussbemerkung

9. Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Québec ist die größte von zehn kanadischen Provinzen, die sich nord-östlich direkt an der Grenze der USA entlang des St.-Lorenz Stroms befindet. Die Fläche der kanadischen Provinz beträgt 1, 542,056 km2, welche mehr als drei-mal so groß wie die Region Frankreichs ist.[1] Die frankophone Provinz grenzt westlich an der kanadischen Provinz Ontario und östlich an die Provinzen Neufundland und Labrador sowie Neubraunschweig. Québecs landschaftliche Vielfalt und Abwechslung ist faszinierend, denn südlich von Québec befinden sich die Appalachen und nördlich grenzt die Provinz an das Kanadische Schild. Die Landschaft Québecs kennzeichnet sich durch endlose Wald,Taiga und Tundra-Flächen, die sich über eine Millionen Gewässer teilen.[2] Die größte und bekannteste Stadt von Québec ist nicht die Hauptstadt Québec, sondern die Metropole Montréal. Gleichzeitig ist Québec auch die Provinz mit dem höchsten frankophonen Bevölkerungsanteil, was zur Folge hat, dass das Französische von der absoluten Mehrheit gesprochen wird. Aufgrund dessen, dass das français québécois, die Kultur und die öffentlichen Institutionen einen sehr hohen Stellenwert innerhalb Kanadas haben, kann man die Provinz als nahezu „eigenständige Nation“ bezeichnen, wo zurzeit etwa acht Millionen Menschen leben. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Québec seit dem Jahre 1791 über ein selbst einberufenes Parlament verfügt, welches zu den ältesten Parlamenten der Welt zählt. Wie bereits angesprochen, stellt die sprachliche Situation der nordamerikanischen Provinz eine große Besonderheit dar. Kanada ist offiziell eine zweisprachige Nation, jedoch wird wie bereits erwähnt in Québec das Französische von der absoluten Mehrheit gesprochen, was wiederum das kulturelle Selbstverständnis der Quebecer fördert[3]. Die folgende Arbeit soll genauen Aufschluss über die Entwicklung und Etablierung der französischen Sprache in Québec geben. Zudem werden sprachliche Charakteristika des français québécois genauer untersucht und der Status der Medien/Gesellschaft und des Frankokanadischen im internationalen Kontext werden näher beleuchtet.

2. Sprachgeschichtliche Entwicklung

Den signifikantesten Meilenstein, der für die Entwicklung des heutigen, modernen Kanadas von zentraler Bedeutung ist, legte im Jahre 1497 der genuesische Entdecker namens Giovanni Cabote, der im englischen Auftrag Neufundland und Neuschottland entdeckte und gleichzeitig die fischreichen Neufundland-Bänke eroberte. Von nun an, markierten die fischreichen Neufundland-Bänke ein Ziel europäischer Hochseefischer und somit kam es auch zu den ersten Kontakten mit der einheimischen Bevölkerung Kanadas, den Indianern. Im Hinblick auf das französische Interesse an Übersee machte François Ier, ein französischer Ritterkönig, die ersten Anfänge. Nach bereits zwei misslungenen Expeditionen, glückte die dritte Expedition unter dem französischen Entdecker Jacques Cartier aus Saint-Melo, welcher die Prinz-Eduard Insel und die Küste Neubraunschweigs entdeckte[4]. Genau wie der florentinische Seefahrer Giovanni di Verrazzano (1485-1528) war Jacques Cartier auf der Suche nach einer alternativen Route nach Asien. Bei Cartier’s zweiter Reise mündete er in den St.-Lorenz Strom ein und machte von dem neu entdeckten Land Besitz[5]. Die Entdeckungsfahrt Cartiers führte in der folgenden Zeit zur Etablierung des Pelzhandels, allerdings vorerst nicht zu einer andauernden französischen Besiedlung wegen der politischen und religiösen Situation im Mutterland Frankreich. Unter der Regierung von Heinrich IV, kam es schließlich zur Wiedererweckung des französischen Interesses an Übersee, besonders durch Samuel de Champlain, ein französischer Kolonisator. Während seiner Reise mit den Spaniern nach Amerika, schrieb er Berichte über seine Entdeckungen und wurde wegen seines Entdeckergeistes als eigentlicher Begründer der Nouvelle-France benannt. Erst durch die Expedition von Samuel de Champlain kam es zwischen den Jahren 1604 und 1634 zur ersten Errichtung kleinerer Siedlungen entlang des St.-Lorenz Stroms, darunter auch die heutige kanadische Provinz Québec im Jahre 1608[6].Die Bedeutung des Pelzhandels und der Fischerei machten das Interesse der französischen Krone an dem neu gewonnenen Territorium aus.

Nachdem die kanadische Provinz Québec im Jahre 1608 durch Samuel de Champlain gegründet wurde, folgten im Jahre 1634 die Gründung von Trois-Rivières und im Jahre 1642 wurde die heutzutage größte Stadt Québecs Montréal gegründet. Zwischen den Städten am Ufer entlang des St.-Lorenz Stroms folgte dann langsam die anfängliche Besiedlung der Nouvelle-France[7]. Zwischen dem Anfang des 17.Jahrhunderts und der englischen Machtübernahme verlassen etwa 10 000 Franzosen ihr Heimatland Frankreich um in Kanada ihre Zukunftspläne zu realisieren. Da sich zur damaligen Zeit Frankreich und England zwischen den Jahren 1689 und 1760 in andauernden militärischen Konflikten befanden, gingen letztlich die Engländer als Sieger hervor. Schließlich kam es mit dem Vertrag von Paris im Jahre 1763 zum endgültigen Verlust aller französischen Besetzungen Nordamerikas. Der Verlust des Régime français hatte sofortige Folgen für die damalige Gesellschaftsstruktur, da die französische Armee und die Oberschicht zurück ins Mutterland kehrten und nur kleine Geschäftsleute in Québec verblieben. Das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben wurde von nun an von der anglophonen Bevölkerung dominiert, allerdings hatten es zu dieser Zeit die Frankophonen einer enormen Bevölkerungszunahme zu verdanken, dass sie nicht völlig von den Anglophonen auch in sprachlicher Hinsicht unterdrückt wurden. Eine Vielzahl von Reiseberichten beispielsweise eines schwedischen Naturforschers namens Peter Kalm oder des Jesuiten Pierre-François Xavier de Charlevoix beweisen, dass die Grundlage der französischen Sprache Kanadas nicht in den französischen Dialekten zu sehen ist, sondern das das Frankokanadische primär auf der französischen Gemeinschaftssprache (Koine) des 17. und der ersten Hälfte des 18.Jahrhunderts basiert. Jedoch ist es auch üblich, dass regionale linguistische Besonderheiten, welche im weitesten Sinne auf einem dialektalen Ursprung basieren, zum Ausdruck kommen[8].Im Jahre 1867,wo der kanadische Staat in seiner bundesstaatlichen Form entstand, schrieb der sogenannte Constitution Act die Zweisprachigkeit von Englisch und Französisch fort, was bedeutete, dass sowohl Englisch als auch Französisch im Bundesparlament und im Parlament von Québec gleichberechtigt wurden.

Somit wurden bis in die 60er Jahre des 20.Jahrhunderts keine neuen Statusveränderungen für das français québécois vorgenommen, abgesehen von relativ unerheblichen Veränderungen wie beispielsweise die im Jahre 1910 eingeführten zweisprachigen Fahrkarten in Québec(Loi Lavergne). Allerdings bekam die sprachliche Situation Kanadas in der zweiten Hälfte des 20.Jahrhunderts eine neue Energie, was damit zusammenhing, dass den Frankophonen bewusst wurde, dass sie von der anglophonen Bevölkerung unterdrückt wurde. Es war auch in der Tat so, dass die frankophone Bevölkerung ein minderwertiges Bildungsniveau hatte und sie gute Englischkenntnisse brauchten um einen sozialen Aufstieg zu erlangen[9].Unter der liberalen Regierung von Jean Lesage, Permier Minister Québecs, ändern sich die ökonomischen Machtverhältnisse zu Beginn der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts. Innerhalb von nur sehr kurzer Zeit kam es zu einer radikalen aber gewaltlosen Umstrukturierung der Gesellschaft. Jene Umstrukturierung ist auch als Révolution tranquille bekannt, in welcher die Frage aufkam wie man das Französische erneut verstärkend etablieren kann. Die Idee, das Französische zunehmend in der kanadischen Provinz zu verstärken, prägt politische Diskussionen der sechziger und siebziger Jahre. Unter der Führung von Pierre Eliott Trudeau, Premier Minister von Kanada zwischen 1968&1984, kam es zur gezielten Durchsetzung der Zweisprachigkeit[10].Im Jahre 1963 hat Ottawa, die Bundeshauptstadt Kanadas, die Commission royale d’enquête sur le bilinguisme et le biculturalisme eingesetzt. Diese Kommission hat zwischen 1967 und 1970 ihren sechs Bücher enthaltenden fünfbändigen Bericht präsentiert. Für den sprachgeschichtlichen Kontext werden in den ersten drei Büchern die wichtigsten Probleme behandelt, in denen es um die sprachliche Situation im administrativen Bereich, im Arbeitsleben und im Bildungswesen geht. Das Ziel dieser Commission royale war es, den Status der Zweisprachigkeit zu erläutern und darzulegen welche Stellung die eine oder andere Sprache in verschiedenen Institutionen des alltäglichen Lebens einnehmen[11].

[...]


[1] Vgl. Gouvernement du Québec 2013

[2] Vgl. Offizielle Tourismus-Website der Regierung von Québec

[3] Vgl. Barmeyer 2006,147-148.

[4] Vgl. Wolf 1987, 1.

[5] Vgl. Pöll 1998, 61.

[6] Vgl. Wolf 1987, 1-2.

[7] Vgl. Pöll 1998, 61-62.

[8] Vgl. Wolf 1987,17-18.

[9] Vgl. Pöll 1998,63-64.

[10] Vgl. Pöll 1998,64-65.

[11] Vgl. Wolf 1987,95-96.

Details

Seiten
17
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656755159
ISBN (Buch)
9783656755142
Dateigröße
545 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v281044
Note
2,7
Schlagworte
Québec francais québecois Französisch in Kanada

Autor

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