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Perfektivität und Telizität. Zusammenhang und Abgrenzung der Begriffe

von Corinna Pogan (Autor)

Seminararbeit 2014 11 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Aspekt und Aktionsarten

3. Zusammenhang und Abgrenzung der Termini Telizität und Perfektivität
3.1 Telizität entspricht Perfektivität
3.1.1 Quantelung und Kumulativität
3.1.2 Zusammenhang von Quantelung, Telizität und Perfektivität
3.2 Abgrenzung von Telizität und Perfektivität

4. Gegenüberstellung der Theorien

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung/Grundlagenteil

1. Einleitung

Die Begriffe Telizität und Perfektivität werden in der Literatur nicht einheitlich ver- wendet. Gleiches gilt für die Definition bezüglich Aspekt und Aktionsart, die den Begriffen Telizität und Perfektivität übergeordnet sind. Das Ziel dieser Seminararbeit besteht darin, zu untersuchen, inwieweit eine Abgrenzung der beiden Begriffe sinn- voll ist oder aber eine Gleichsetzung von Telizität und Perfektivität begründet ist. Da Perfektivität und Telizität mit Aspekt und Aktionsart in Verbindung stehen, werden diese Begriffe in Kapitel 2 definiert und auf die Problematik der Abgrenzung zwi- schen diesen eingegangen. Anschließend folgt in Abschnitt 3.1 und 3.2 eine Vorstel- lung der Hypothesen, ob Telizität und Perfektivität synonym oder zueinander distinkt zu behandeln sind. Darauffolgt in Kapitel 4 eine Diskussion und Gegenüberstellung der vorgestellten Theorien und es wird abschließend ein Fazit gezogen.

2. Aspekt und Aktionsarten

Der Terminus des Aspekts hat in der Literatur ein umfangreiches Anwendungsge- biet. Der Begriff aspect taucht erstmals in französischen Wiedergaben von russischen Grammatiken auf, als Übersetzung des russischen Wortes vid. Damit wurde ur- sprünglich ausschließlich eine grammatische Kategorie der slawischen Sprachen bezeichnet. Heutzutage ist jedoch mit dem Begriff Aspekt laut Andersson (2004: 5) die „Perspektivierung des Geschehens“ gemeint und wird damit auch in Zusammen- hang mit Sprachen verwendet, in denen Aspekt keine formale grammatische Katego- rie, sondern eine semantisch-funktionelle Kategorie darstellt, sowie dies im Deut- schen der Fall ist. Man spricht dann laut Andersson (2004: 10) von Aspektualität als Oberbegriff, da keine formalen Mittel existieren um Aspekt zu kennzeichnen, aber durchaus die Intention besteht Vorgangsquantifizierungen auszudrücken. Zum Be- griff des Aspekts gehört auch das Oppositionspaar der Perfektivität und Imperfektivi- tät. Mit dem Ausdruck der Perfektivität wird laut Comrie (1976: 4) eine Situation als Außenperspektive beschrieben und im Gegensatz dazu Imperfektivität mit Hinblick auf die Innenperspektive. Smith (1991: 10) unterscheidet zwischen Perspektivenas- pekt und Situationsaspekt. Der Perspektivenaspekt wird auch als grammatischer As- pekt bezeichnet und der Situationsaspekt als lexikalischer Aspekt. Der Perspekti- venaspekt ist derjenige Aspekt, der in allen Sprachen konzeptualisiert ist, aber nicht unbedingt grammatikalisiert sein muss. Unter dem Situationsaspekt werden die ver- schiedenen Situationstypen gefasst.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Situationstypen

(Vgl. Heindl (2014: 16) und Smith (1991: 30))

So schwer es ist, eine einheitliche Definition für den Begriff Aspekt in der Literatur zu finden, so problematisch ist es auch Aspekt und Aktionsarten voneinander abzu- grenzen. Die Aktionsarten werden nach Krifka (1989) und Smith (1991: 30) unter dem Perspektivenaspekt zusammengefasst. Die Aktionsarten bilden demnach keine eigenständige grammatische Kategorie, sondern gehören untergeordnet zum Aspekt. Wobei bei Smith die Unterscheidung zwischen grammatischen und lexikalischen Aspekt der Unterscheidung zwischen Aspekt und Aktionsart nahe kommt. In Zu- sammenhang mit den Aktionsarten gehört u.a. die Unterscheidung zwischen Telizität und Atelizität. Doch wo hört die Differenzierung, auf welche Art und Weise ein Verb etwas denotiert, auf? Die Gesamtidee des Konzepts der Aktionsarten ist nach Bodel- sen (1951: 259-260) überflüssig, da die Möglichkeiten der vermeintlichen Einteilung der Verben nach verschiedener Art und Weise nahezu unendlich ist. Doch es besteht durchaus die Notwendigkeit, Aspekt und Aktionsarten voneinander abzugrenzen, denn bei den Aktionsarten geht es um „die Art, wie das Geschehen in die Vorstellung des Zeitstroms eingefügt wird“ (vgl. Pollak 1967: 404).

Aktionsarten haben also in Abgrenzung zu Aspekt nichts mit Grammatik zu tun, sondern laut Kortmann (1991: 13) mit den inhärenten temporalen Eigenschaften von Prädikaten, also mit dem Lexikon. Man kann demnach die Aktionsarten nicht mit Aspekt gleichsetzen, oder gar vollkommen vernachlässigen. Aspekt beschreibt laut Kortmann (1991: 13) eine Situation unabhängig von den Aktionsarten als perfektiv oder imperfektiv. Das bedeutet, ein Ereignis kann aus der perfektiven oder imperfek- tiven Perspektive betrachtet werden, unabhängig davon, ob es telisch oder atelisch ist (vgl. Bertinetto 2000: 192). Das Problem der Abgrenzung besteht darin, dass Aspekt und Aktionsarten in enger Verwandtschaft zueinander stehen und sowohl nicht kom- plett getrennt voneinander betrachtet werden können, als auch nicht als eine gemein- same Kategorie aufgefasst werden können. Auf dieses Problem soll im Folgenden in Bezug auf den Zusammenhang bzw. Abgrenzung der Begriffe Perfektivität und Teli- zität eingegangen werden.

3. Zusammenhang und Abgrenzung der Termini Telizität und Per- fektivität

Im folgenden Kapitel geht es um den Zusammenhang und um die Unterschiede der Begriffe Telizität und Perfektivität. Der Terminus Perfektivität steht in Opposition zu dem Begriff Imperfektivität und wird in Zusammenhang mit Aspekt verwendet. Teli- zität steht in Opposition zu Atelizität und wird u.a. mit dem Oberbegriff der Aktions- arten verwendet.

3.1 Telizität entspricht Perfektivität

Telisch wird nach Krifka (1989) ein Verbalausdruck genannt, wenn ein Endpunkt bzw. ein Grenzwert erreicht ist und das Ereignis nicht weiter andauern kann.

(1) Er läuft vier Kilometer .

Als atelisch bezeichnet er Verbalausdrücke bzw. Sätze, bei denen es keinen natürlichen Endpunkt gibt.

(2) Er läuft.

Diese Unterteilung ist laut Krifka (1989) jedoch nicht hinreichend, um jeweils zwischen den Oppositionspaaren telisch und atelisch bzw. perfektiv und imperfektiv unterscheiden zu können.

3.1.1 Quantelung und Kumulativität

Krifka (1989: 41) verwendet die Begriffe „kumulativ“ und „gequantelt“, da laut ihm die Tatsache, ob ein einzelnes Ereignis einen natürlichen Endpunkt besitzt oder nicht, die Opposition nicht ausreichend erklären kann. Es geht vielmehr darum, wie ein Ereignis beschrieben wird.

[...]

Details

Seiten
11
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656754602
ISBN (Buch)
9783656754619
Dateigröße
425 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v281034
Institution / Hochschule
Universität Stuttgart – Institut für Germanistik/Linguistik
Note
1,2
Schlagworte
Perfektivität Telizität Abgrenzung telisch atelisch perfektiv imperfektiv Imperfektivität Zusammenhang synonym Unterschied Typologie Imperfektparadox Atelizität

Autor

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    Corinna Pogan (Autor)

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