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Rezension des Bandes "Arabischer Frühling, Hintergründe und Analyse"

Rezension / Literaturbericht 2014 6 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Afrika

Leseprobe

Rezension des Sammelbandes: "Der arabische Frühling. Hintergründe und Analyse"

Unter Herausgeberschaft von Thorsten Gerald Schneiders ist im Schneiders-Verlag in Wiesbaden 2013 der Sammelband "Der Arabische Frühling: Hintergründe und Analyse” erschienen. Der vorliegende Band wird von den Herausgebern wie folgt erörtert: "Als die ersten Verlage und Autoren die Bedeutung des Moments auf dem Tahrir-Platz erkannten und sich an die Konzeptionierung erster Werke begaben, war die Massenkundgebung auf dem Tahrir-Platz noch nicht zu Ende gekommen und somit war die Analyse der Ereignisse wenig nützlich und führte sogar zu vorschnellen Schlussfolgerungen.

Die ersten Bücher auf dem Markt gaben einen Eindruck von einem unmittelbaren Erleben der Revolten. Das zeichnet sie aus und macht sie wertvoll. Die Geschehnisse lassen sich aber erst aus einer gewissen Distanz heraus erfassen, die die Emotionalität des Augenblicks hinter sich lässt. An dieser Stelle setzt dieses Buches fort".

Definition des Arabischen Frühlings: Dieser Begriff bezeichnet eine ziemlich heterogene regierungskritische Protestbewegung, die Ende 2010 entstand und sich über mehrere Jahre erstreckte. Sie wirkte oder bestärkte in allen Staaten der arabischen Welt unterschiedliche Widerstandsformen, angefangen von reinen Online-Aktivitäten über Massenkundgebungen in Ägypten oder Bahrain bis hin zu Aufständen und Bürgerkriegen (Siehe Syrien) bzw. Bürgerkriegsähnlichen Zuständen (Siehe Libyen).

Begründung der Konzeption des Bandes:

Dieser Band konzentriert sich weniger auf eine Ich-war-dabei-Haltung, sondern darauf, Hintergründe zu liefern und Perspektiven aufzuzeigen. Es geht darum, die Ereignisse fernab der rein medialen Wahrnehmungen zu begreifen und die Menschen sowie ihre Länder verstehen zu lernen.

Dieser Band knüpft inhaltlich an den ausführlichen Band "Die Araber im 21. Jahrhundert, Politik, Gesellschaft und Kultur" an, in dem es ursprünglich ein Kapitel zum Arabischen Frühling geben sollte. Doch die Aufstände und Ereignisse in der arabischen Welt hatten aktuelle Themen überlagert, deswegen haben sich die Autoren und der Verlag entschieden, das Thema in zwei Bände aufzuteilen, eine Trennung, welche mehr Klarheit und ein gezielteres Studium ermöglichen würde.

Der Arabische Frühling hatte die meisten Menschen völlig überrascht, vor allem durch seinen Zeitpunkt und seine Intensität. Aus diesem Grund wurden im benachbarten Europa die Aufstände mit Argwohn betrachtet und grundlegende Fragen wurden behandelt: Was kommt jetzt nach dem Sturz der Diktatoren? Driftet die arabische Welt ab in die Hände von radikalen Islamisten? Welche Zukunft erwartet die Christen und die anderen Minderheiten in dieser explosiven Region? Wie wird die Geschlechterpolitik aussehen und welche Rolle spielte die Jugend in der Revolution?

In dem vorliegenden Band erklären nun ausgewiesene Experten allgemeinverständlich und gut lesbar die Entstehung, den Verlauf und die Perspektive der revolutionären Bewegungen in der arabischen Welt. Sie beleuchten die Hintergründe und nehmen die zentralen Schauplätze wie Ägypten, Jemen, Syrien und den Maghreb in den Blick.

Der Inhalt:

Das Buch ist in drei Teile bzw. Kategorien eingeteilt:

1. Teil: Anfang und Ende - Entstehung und Entwicklung der Aufstände (S. 17-116)

Der vorliegende Teil beschäftigt sich zunächst mit allgemeinen Einschätzungen zur Entstehung des Arabischen Frühlings. Er skizziert die grundlegenden Abläufe und ordnet sie in das internationale Geschehen ein, da der Zeitpunkt der Ereignisse für die Außenwelt bzw. die außenstehenden Beobachter vollkommen überraschend war. Dieser Band wird durch eine Chronologie mit den wichtigsten Ereignissen der ersten Monate im Überblick abgerundet.

Zu den einzelnen Beiträgen:

1. Kapitel: Reinhard Schulze (Universität Bern): Irhal-Hau ab, auf den Wegen zur arabischen Revolte 2011. Sozialgeschichtliche Kontexte eines Epochenbruchs

Dieser Beitrag berücksichtigt u.a. die sozialen Fragen während der Revolution bzw. des Epochenbruchs. In ihm geht es um die arabischen Revolte der Jahre 2011 und 2012. Dieser Epochenbruch berührte die Bausteine der modernen Nationalstaatlichkeit: gesellschaftliche Solidarität und Souveränität, Staatlichkeit und Herrschaftsordnung sowie kulturelle Deutungen etwa in Bezug auf die moderne Differenzierung von Religion und Gesellschaft.

Der Begriff Epochenbruch wurde erstmals von Hans Blumenberg eingeführt. Er lässt offen, ob sich der Wandel innerhalb einer Epoche vollzieht oder ob er eine neue Epoche einleitet. Schulze erklärt ebenfalls, dass die Orientierung der arabischen Revolte von 5 Strukturkonflikten beeinflusst wurde:

a) Ost-West-Konflikt: Die politische Ordnung der arabischen Welt war immer noch im Gefüge des Ost-West-Konflikts eingebettet, der zu einer innerarabischen Blockbildung geführt hatte: Pro-sowjetischer Block und royalistischer pro-westlicher Block.

Das Machtzentrum bildete vielfach das Militär, dessen Legitimität als Stifter einer antikolonialen nationalen Souveränität gefeiert und dessen Vertreter als Staatshüter gesehen wurden und vielfach gegen die zuvor bestehende Ordnung putschten. Das Kapitel erklärt ebenso, dass das Militär nicht nur das Gefüge der politischen Macht beherrschte, sondern auch den ökonomischen Sektor. Insbesondere die Wirtschaftszweige, die den Export von Rohstoffen für den Weltmarkt kontrollierten, wurden von Angehörigen des Armeeregimes beherrscht, da diese Rohstoffe als "nationale Güter" gedeutet werden und das Militär sich als Garant der nationalen Einheit der Staaten sah, der den Wirtschaftskreislauf verwalten kann, der mit diesen Gütern zusammenhing.

b) Generationskonflikt: Die politische Macht konzentrierte sich auf die Generation, die zwischen 1930/50 geboren ist und in der alten Kalter-Kriegsordnung sozialisiert worden war.

c) Geschlechterkonflikt: Dies betrifft u.a. die Chancen der Frauen in der Arbeitswelt insbesondere in Länder wie Ägypten, wo die Arbeitschancen konstant bleiben und eine Zunahme der Frauenchancen in der Arbeitswelt zulasten der Männer geht. Das betrifft noch dazu die Frauenrolle in der Politik in den Männer-dominierten Gesellschaften.

d) Arbeitslosigkeitskonflikt als Folge der ökonomischen Globalisierung.

e) Konflikt bzw. Unsicherheit in Bezug auf die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln.

[...]

Details

Seiten
6
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656756095
Dateigröße
476 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v281027
Institution / Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta – Geistes- und Kulturwissenschaften
Note
1,7
Schlagworte
rezension bandes arabischer frühling hintergründe analyse

Autor

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