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Zwischen Nutzen und Lust. Diskurse über Freundschaft an der Grenze von Vormoderne und Moderne

von Oliver Prode (Autor)

Exzerpt 2014 10 Seiten

Philosophie - Epochenübergreifende Abhandlungen

Leseprobe

1. Von Rieval, Aelred: Die heilige Freundschaft. „De Spirituali Amicitia“ übersetzt von Karl Otten. München 1927.

Erstes Buch.

- Beginn des Textes ist ein Gespräch zwischen Aelred und Ivo, den etwas belastet. Das Ziel des Gesprächs soll es ein, folgende Fragen zu klären:

- Was ist Freundschaft?
- Welchen Segen stiftet sie?
- Woher stammt sie?
- Was ist ihr Zweck?
- Ist sie jedermanns Sache?
- Wenn nicht, für wen dann?
- Wie kann sie erhalten werden?
- Wie soll man sie pflegen? (16f)
- Zudem sollen sämtliche Antworten Ciceros zu den obigen Fragen mit Belegen aus der Bibel bestätigt werden. (17)

- Nach Tullius „Mit Wohlwollen und Liebe gepaarte Übereinstimmung mehrerer in der Auffassung der göttlichen und menschlichen Dinge“. Aelred sagt zudem,Tullius meine Liebe (Im Herzen empfundene Hinneigung) und Wohlwollen (Bestätigung durch Werk) (19).

- „Freundschaft ist die Tugend, welche zwei Seelen durch das Band der Liebe und des Wohlgefallens so fest verknüpft, dass aus beiden eine wird.“ (20)

- à Ferner wird die Frage nach zerbrochenen Freundschaften gestellt. Die Erklärung ist, dass zerbrochene Freundschaften keine endgültigen, vollkommenen Freundschaften waren. (21)

- Märtyrertum ist ein Beispiel für wahre Freundschaft. (22) Der Unterschied zwischen Liebe und Freundschaft ist, man kann mehr Menschen mit Liebe umfangen als durch Freundschaft ins Herz schließen. (23)

- Ohne Liebe existiert keine Freundschaft (24), also lose Verbindungen zum Zweck sind keine wahren Freundschaften. (23f)

- Aelred differenziert 3 Arten von Freundschaften:

- Sinnliche Freundschaft: Gesinnungsgenossen mit Neigung zu gewissen Lastern (24)

- Weltliche Freundschaft: Verbindungen aus Gewinnsucht, lasterhaft, ohne Ehre, lose Verbindungen die jederzeit zerbrechen können (24f)

- Geistliche Freundschaft: Übereinstimmung in Lebensführung, Weltanschauung, Gemeinsamkeit der Ideale (24), echte, wahre Freundschaft, das was Cicero meinte (26f)

- Welchen Segen stiftet Freundschaft? (27)

- à Glück, Glückseligkeit, Klugheit, Gerechtigkeit, Starkmut, Mäßigung (27)

- Woher stammt Freundschaft? (27)

- Aelred zufolge ist sie naturgegeben von Gott (27f), Gott ist Quell aller Güter auch der Geistlichen, nicht greifbaren. (28) Durch Zusammenleben von Tieren wird auch Freundschaft symbolisiert à Dies ist ein Hinweis auf natürliche Gottgegebenheit. (29)

- Aelred begründet die Gottgegebenheit der Freundschaft mit der Schaffung Evas durch Adams Rippe à Alle Menschen sind seit jeher miteinander verbunden à Freundschaft muss etwas göttliches sein. (30)

Zweites Buch

- Ivo ist verstorben, das Gespräch wird fortgesetzt mit Walter.
- Der Sinn / Zweck / Nutzen von Freundschaft wird erläutert: Freundschaft trägt Segen in sich und hat Kraft Böses fernzuhalten (36), jemanden zu haben, mit dem man alles teilen kann, gutes wie schlechtes. (37) Dieses „Teilen“ hilft, hat regelrecht gesundende Wirkung. (38)
- „Freundschaft eine Stufenleiter zur Liebe und Erkenntnis Gottes“ (40)
- Im Sinne der Freundschaft herrscht Vertraulichkeit und damit verbundener, bzw. dadurch möglicher und entstehender steter Austausch. (40)
- Höflichkeit, Freundlichkeit, Aufrichtigkeit, Liebenswürdigkeit, Nachgiebigkeit, Charakter, Liebe des Herzens, Liebe der Tat, alles dies hat seinen Ursprung in Christus und alles sind Aspekte der wahren Freundschaft. (40)
- à Christus schenkt die Freundschaft und Freundschaft nähert Mensch zu Christus / Gott an. (40) Aelred spricht von einem „geistigen Kuss“, ein „Seelenkuss“, eine Verbindung von Mensch mit Christus durch Freundschaft, eine „Umarmung Christi“. (42)
- Das Ziel der Freundschaft wird von Christus festgelegt: „Niemand hat eine größere Liebe, als wenn er sein Leben gibt für seine Freunde“. (Joh 15,3) (44)
- Wahre Freundschaft ist nur unter rechtschaffenen Menschen möglich (46-49)
- „Bei echten Freunden kommt die Freundschaft als erstes und einziges“ (52), etwaige Vorteile sind nur Folgeerscheinungen, die Freundschaft besteht nicht zum Zwecke des Erreichens dieser Vorteile. (52)
- Nichts darf einem Freund versagt werden (53f), nur Sünden ist dem Freund abzuschlagen (53).
- Das Ziel einer Freundschaft ist es, sich so nahe zu stehen, so für einander immer und überall da zu sein, dass man füreinander sterben würde. Aber das Sterben ist nicht das Ziel der Freundschaft. (53f)

Drittes Buch

- Man soll seine Freunde sorgsam wählen, da man nach in Freundschaft verbunden „verpflichtet“ ist. (58)

- Es gibt vier Stufen zur vollkommenen Freundschaft:

Auswahl à Erprobung à Eingehen der Freundschaft à „gänzlichste Übereinstimmung in weltlichen und religiösen Fragen, getragen von inniger Liebe und aufrichtiger Wohlgeneigtheit“ (58)

- Es gibt auch „fehlerhafte“ Freunde, das ist menschlich, man ist als Freund in der Pflicht zu verzeihen (60), auch die Bibel betont Versöhnung, Vergeben und Verzeihen. (62)

- Ausschlusskriterien für Versöhnung / Freundschaft sind z.B. Beschimpfung, Boshaftigkeit, Überheblichkeit (Das Gegenteil, Demut, ist notwendig zur Versöhnung), Verrat, Hinterlistige Beschuldigung und Verleumdung. (62ff)

- Bei der Wahl des Freundes, soll man auf Ähnlichkeiten zu sich selbst achten. (65)

Auffallend: à Eigentlich muss dies dazu führen, dass man selbst sich auch stets gut, tugendhaft, ehrlich usw. verhält? Vll. Ein Appell?

- Stellt man hinterher fest der Freund ist doch fehlerhaft, soll versucht werden ihn zu bessern (68), wenn dies misslingt soll man dennoch befreundet bleiben, nur wenn es schadet soll man die Freundschaft abbrechen. (69)
- „Freundesliebe muss auch zurückstehen hinter die Forderungen von Treu und Glauben, hinter das Allgemeinwohl und die Belange des Vaterlandes“. (69)
- Liebe, Anhänglichkeit, Verlass und Vertrautheit machen Freundschaft aus. (im Detail S. 71)
- Ist das Ziel der Freundschaft für den Freund gleich dem eigenen Ziel? (z.B. Geld?) (76-78)
- Taktgefühl (Ruhe, Schicklichkeit, Zeigen von Emotionen wie Mitleid usw.), Geduld (Fleiß des Freundes, aber auch Verlässlichkeit unter Druck, Verschwiegenheit usw.) (78f) sind wichtige Eigenschaften beim Freund.
- Einige werden geliebt und ins Herz geschlossen, ohne dass eine enge Freundschaftsbeziehung entsteht (82), Jesus nannte die Seinen Brüder und Freunde (Bibelbelege S. 83)
- Jugendliebe / -Freundschaft kann Nährboden sein für spätere, echte Freundschaft, wenn man als Mensch gereift und vollkommener ist. (84)
- Das Pflegen der Freundschaft benötigt Treue, Vermeiden / Abwesenheit von Argwohn, Abwesenheit von u.a. Neid und stattdessen absolute Ebenbürtigkeit und Gleichheit im Miteinander ohne Berücksichtigung etwaiger Unterschiede in z.B. Bildung oder Finanzen, Respekt. (84f)
- Man darf Freund um alles bitten, muss ihm aber auch alles gewähren. (89)
- Man muss den Freund respektieren und ihm helfen, unterstützen, darf ihm grundsätzlich nicht widersprechen, muss rücksichtsvoll sein, dennoch ist z.B. notwendiger Tadel angebracht, man darf den Freund nicht „ins Verderben rennen“ lassen à Mühe den Freund zu verbessern, ihm zu helfen. (92f)
- Sind Freunde z.B. bei der Ämtervergabe zu bevorzugen? à Nein! Hier muss Vernunft über Herz siegen, zudem geht es nicht darum was der Freund leisten, sondern was er ertragen kann. (97)
- à Beispiel für Ämtervergabe / Bevorzugung: Petrus der ranghöhere Jünger, Johannes der vertrautere (Bibelstellen S. 98)
- Unterschied: Herzens- und Verstandesfreundschaft, dennoch muss dies nicht heißen dass bei dem einen das andere fehlt. (99-103)
- Zusammenfassung: „Der heiligen Freundschaft Mutter ist die Liebe“, Nächstenliebe, wer sündigt liebt nicht, man soll rein und sittlich sein, Liebe darf niemanden ausschließen, „Liebe des Herzens“, Wahl des Freundes nicht unbedingt vom Herzen abhängig, auch sehr vom Verstand (à Wahl des Freundes), verschiedene Aspekte wie Treue und Verlässlichkeit für Wahl des Freundes, man muss Freundschaft pflegen, füreinander da sein, sich gegenseitig helfen, Freundschaft nur möglich in Einheit mit Christus, gottgegeben. (104f)

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Details

Seiten
10
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656754947
ISBN (Buch)
9783656856405
Dateigröße
586 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v281019
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Historisches Seminar
Note
1,3
Schlagworte
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    Oliver Prode (Autor)

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