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Die Anfänge des Christentums in Kleinasien. Ephesus als paulinisches Missionszentrum

von Oliver Prode (Autor)

Essay 2013 9 Seiten

Theologie - Systematische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bedeutung Kleinasiens für die Ausbreitung des Christentums

3. Ephesus als paulinisches Missionszentrum
3.1 Warum Ephesus?
3.2 Quellenlage
3.3 Die Paulusmission in Ephesus
3.4 Ephesus als Zentrum für Mission

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In diesem Essay zur Thematik „Der Ursprung des Christentums in Kleinasien. Die Bedeutung der Stadt Ephesus als paulinisches Missionszentrum“ werde ich zunächst die Bedeutung Kleinasiens für die Ausbreitung des Christentums in der Antike darlegen. Daran anknüpfend werde ich den Schwerpunkt auf die Stadt Ephesus legen, welche u.a. im Zuge der paulinischen Mission von enormer Bedeutung war. Zum Abschluss ziehe ich ein Fazit und formuliere eine Zusammenfassung, welche die Ergebnisse der grundsätzlichen Thematik dieses Essays kurz auf den Punkt bringt.

2. Bedeutung Kleinasiens für die Ausbreitung des Christentums

Der territoriale Raum Kleinasiens war in der Antike geprägt von einer großen Vielzahl unterschiedlicher Gottheiten und Religionen, welche parallel zu einander existierten und sich weiter entwickelten. Gleichzeitig prägten sowohl die voranschreitende Hellenisierung als auch der Versuch eigene religiöse Traditionen zu erhalten, die griechisch-römische Epoche Kleinasiens.[1] Neben vielen verschiedenen Kulten und Religionen wie der Verehrung der Artemis oder der Kybele, spielten weiterhin die Juden eine Rolle sowie das beginnende Christentum, welches sehr früh verschiedene Splittergruppen wie die Montanisten oder die Nikolaiten hervorbrachte.[2] Darüber hinaus entstand mit dem römischen Kaiserkult ein neuer religiöser Faktor, welcher auch in Kleinasien ausgeübt wurde.[3] Weiterhin ist das Netzwerk von Städten, welches durch den regen Handel in Kleinasien bestand, gemeinsam mit der religiösen Vielfältigkeit und Akzeptanz in verschiedensten Formen ein wichtiger Grundstein für die Verwirklichung der urchristlichen Mission.

Ferner zeigt sich die Bedeutung des Raumes Kleinasien in vielen historischen Ereignissen wie beispielsweise der Entstehung vieler religiöser Schriften, den ersten ökumenischen Konzilen aber auch den Christenverfolgungen.[4] Winter stellt unter Berücksichtigung all dieser Aspekte fest, dass der Raum Kleinasien eine entscheidende Bedeutung bei der frühchristlichen Ausbreitung des Christentums einnimmt: So bezeichnet er Kleinasien als Ausgangspunkt vieler religionshistorischer Entwicklungen und verweist darauf, dass Kleinasien das Ziel der Missionstätigkeit der Apostel war.[5]

3. Ephesus als paulinisches Missionszentrum

3.1 Warum Ephesus?

Die Erkenntnisse Winters ergänzen die Befunde von Christian Marek, welcher speziell für die Stadt Ephesus - die Hauptstadt der Provinz Asia, welche den westlichen Raum Kleinasiens umfasste - feststellt, dass dort und allgemein in Kleinasien ein idealer Nährboden und „beste Infrastruktur“ gegeben waren, sodass dort erfolgreich missioniert werden konnte.[6] Im Zuge seiner Missionsreisen verfolgte Paulus die Strategie, seine Mission auf wichtige Städte des römischen Reiches – bspw. Antiochien oder Korinth - zu zentrieren, da er dort mehr Zuhörer erreichen und weitere Missionare in benachbarte Gebiete aussenden konnte. Dass in einer Hafen- und Handelsstadt wie Ephesus stets viele Besucher ankamen und von dort in andere Gebiete reisten, ist ein weiterer Grund für diese Strategie, um die Botschaft Jesu möglichst weit zu verbreiten.[7] Neben dem Handel ist der Wohlstand der Stadt Ephesus durch den weit verbreiteten Artemiskult und das Artemision zu erklären. Dies zog viele Pilger und Touristen nach Ephesus, welche den Wohlstand der Stadt mehrten.[8]

3.2 Quellenlage

Für Exegeten und Historiker gibt es eine Vielzahl an Literatur, welche die Relevanz Ephesus‘ für das frühe Christentum betont. So finden sich in der Apostelgeschichte gleich mehrere Verse, welche u.a. das vorpaulinische Christentum, das Wirken Paulus‘ sowie dessen Abschiedsrede an die Epheser beschreiben.[9] Darüber hinaus belegen einige neutestamentliche Briefe, dass das missionarische Handeln Paulus‘ in der Stadt Ephesus wesentlichen Einfluss auf die Nachbarstädte hatte: So ist davon auszugehen, dass Paulus von Ephesus aus mit Gemeinden in Makedonien (der Korintherbrief), in Achaia (der Philipperbrief) sowie in Galatien (der Galaterbrief) kommunizierte.[10] Der Korintherbrief ist von besonderer Relevanz, da dieser mehrere Hinweise auf Paulus‘ Wirken in Ephesus verrät, ähnliches findet sich im Römerbrief, welcher vermutlich in Korinth entstand.[11] Ferner adressiert der unbekannte Autor der Johannesoffenbarung in seinen sieben Briefen an die Kirchen Asias die Stadt Ephesus, auch der Bischof von Antiochia, Ignatius, schrieb einen überlieferten Brief an die Epheser.[12] Ferner muss auch das Konzil von Ephesus 431 bzw. die Räubersynode 449 beachtet werden. Es gibt weitere Dokumente, deren Untersuchung jedoch den Rahmen dieses Essays sprengen würde, daher soll im Folgenden vornehmlich auf die primär in der Apostelgeschichte überlieferte Paulusmission eingegangen werden.

3.3 Die Paulusmission in Ephesus

Die Mission des Paulus in Ephesus fand von 52-55 n. Chr. statt und wird von Eckhard Schnabel in drei Phasen gegliedert: Als erste Phase bezeichnet Schnabel einen Kurzaufenthalt Paulus in Ephesus im Jahr 51, als er nur in der dortigen Synagoge predigte. Im Gegensatz zu vielen anderen Exegeten behauptet Schnabel, auch im Jahr 51 sei die Mission in Ephesus bereits erfolgreich gewesen.[13] Bereits zu diesem Zeitpunkt fanden Paulus bzw. seine beiden Gefährten Priska und Aquila, ebenfalls Missionare, in Ephesus den Juden Apollos vor, welcher bereits christlich missionierte. Dieser missionierte jedoch mit der Johannestaufe und nicht der Taufe im Namen Jesu Christi, d.h. die von ihm getauften Christen galten als „unfertige Christen“. Aufgrund dessen lehrten Priska und Aquila ihn weiter an, sodass auch er im Namen Jesu taufte und entsandten ihn zu weiteren Missionstätigkeiten.[14] Dementsprechend wird klar, dass Paulus vermutlich nicht der erste Missionar in Ephesus war, da er bereits missionierte „unfertige Christen“ vorfand als er ankam. Die ephesische Gemeindegeschichte begann bereits mit dem Wirken des Apollos.[15]

[...]


[1] Winter, Engelbert: Die religiöse Vielfalt Kleinasiens, in: NTAK Bd. 3: Weltauffassung – Kult – Ethos, hg. v. Jürgen Zangenberg. Neukirchen-Vluyn 2011, S. 61.

[2] Koester, Helmut: Ephesos in Early Christian Literature, in: Ephesos. Metropolis of Asia. An Interdisciplinary Approach to Its Archaeology, Religion and Culture. Havard Theological Studies Bd. 41. Havard 2004, S. 133. Marek, Christian: Geschichte Kleinasiens in der Antike. München 2010, S. 650; 658; Für weitere religiöse Kulte vgl. S. 627-647 und Johnson, Sherman: Early Christianity in Asia Minor, in: Journal of Biblical Literature 77, 1/1958, S. 12. Winter, Engelbert: Die religiöse Vielfalt Kleinasiens, S. 62.

[3] Winter, Engelbert: Die religiöse Vielfalt Kleinasiens, S. 64.

[4] Ebd, S. 64f.

[5] Marek, Christian: Geschichte Kleinasiens in der Antike, S. 650. Winter, Engelbert: Die religiöse Vielfalt Kleinasiens, S. 64.

[6] Marek, Christian: Geschichte Kleinasiens in der Antike, S. 650. Für einen Überblick zur aktuellen Forschungsdiskussion bzgl. Mission / Christentum in Ephesus vgl. Schnabel, Eckhard: Die ersten Christen in Ephesus. Neuerscheinungen zur frühchristlichen Missionsgeschichte, in: Novum Testamentum 41, 4/1999, S. 349-351.

[7] Behan, Warren: Paul’s Third Missionary Journey, in: The Biblical World 34, 2/1909, S. 121. Filson, Floyd: Ephesus and the New Testament, in: The Biblical Archaeologist 8, 3/1945, S. 73f.

[8] Filson, Floyd: Ephesus and the New Testament, S. 76f.

[9] Schnabel, Eckhard: Die ersten Christen in Ephesus, S. 352. Vgl. Apg 18,18-19,7; 19,8-20,1; 20,18-35.

[10] Koester, Helmut: Ephesos in Early Christian Literature, S. 122. Schnabel, Eckhard: Die ersten Christen in Ephesus, S. 353.

[11] Behan, Warren: Paul’s Third Missionary Journey, S. 124. Vgl. 1 Kor 15,31; 16,8; Röm 16 usw. Koester, Helmut: Ephesos in Early Christian Literature, S. 122.

[12] Koester, Helmut: Ephesos in Early Christian Literature, S. 132.

[13] Schnabel, Eckhard: Urchristliche Mission. Wuppertal 2002, S. 1164-1166. Auf Schnabels Argumente für eine erfolgreiche Mission 51 gehe ich aus Platzgründen nicht ein. Diese finden sich vornehmlich auf S. 1164f.

[14] Behan, Warren: Paul’s Third Missionary Journey, S. 123f. Schnabel, Eckhard: Urchristliche Mission, S. 1162f.

[15] Schnabel, Eckhard: Die ersten Christen in Ephesus, S. 352; 367. Ob die ersten Christen in Ephesus nun durch Apollos bzw. Paulus auftraten ist diskussionswürdig, je nach Interpretation von Paulus‘ erstem Aufenthalt 51 in Ephesus. Siehe auch S. 371f.

Details

Seiten
9
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656754855
ISBN (Buch)
9783656754879
Dateigröße
460 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v281017
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Biblische Theologie
Note
2,0
Schlagworte
Paulus Mission Ephesus Ephesos Paulusmission Exegese Theologie NT Theologiegeschichte Neues Testament Kleinasien Christentum Ausbreitung Geschichte Christentumsgeschichte Ausbreitung des Christentums Antike Urchristen Urchristentum Missionszentrum Apostelgeschichte Korintherbrief Epheser Priska Aquila Artemis Nikolaiten

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