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Die Landschaft in Aldo Palazzeschi's Roman "Le Sorelle Materassi" und ihre Rolle für die Charakterisierung der Figuren

Hausarbeit 2014 15 Seiten

Romanistik - Italienische u. Sardische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung

II. Umland von Florenz

III. Santa Maria a Coverciano

IV. Das Haus der Sorelle Materassi

V. Beitrag der Räumlichkeiten zur Charakterisierung der Figuren

VI. Fazit

VII. Bibliografie

VIII. Erklärung

I. Einleitung

Aldo Palazzeschi, eigentlich Aldo Giurlani, wurde am 2. Februar 1885 als Sohn des Alberto Giurlani, Inhaber eines edlen Geschäfts für Handschuhe und Krawatten in der Via Calzaioli und der aus einer umbrischen Familie stammenden Amalia Martinelli in Florenz geboren. Der Nachname seiner Großmutter mütterlicherseits, Anna Palazzeschi, wurde später zu seinem Pseudonym. Seine Familie zog häufig um und wurde schließlich in der Via Calimala, nahe des Geschäfts sesshaft. Nach der Grundausbildung bei Luigi Alamanni, schrieb sich Aldo bei Leon Battista Albertis Technikum ein und machte 1902 seinen Abschluss als Buchhalter. Seine wahre Leidenschaft, vererbt von seinem Vater, war jedoch das Theater. Aldos Begeisterung war so groß, dass er im Alter von vierzehn Jahren den Schlüssel für das Haus bekam, der es ihm ermöglichte, fast jeden Abend ins Theater zu gehen. Er entschied sich gegen den Plan seiner Eltern, der es vorsah, dass Aldo das Studium der Wirtschaft und des Handels weiterführte und besuchte stattdessen die „Reale Scuola di Recitazione «Tommaso Salvini»“ (P XXII·)1.

Unter den Studenten sind auch Gabriellino D’Annunzi und Marino Moretti, welchen Palazzeschi im November 1902 kennenlernt und der zu Palazzeschis lebenslangem Freund wird. Zusammen halten sie auch die erste literarische Lesung der Werke von Maeterlinck, Pascoli, D’Annunzio und Nietzsche für welche sie die Bibliothek des Gabinetto Vieusseux mieteten. Am Ende des Schuljahres, zwei Monate, nachdem Palazzeschi sich einschrieb, wurde Goldonis „Il Ventaglio“ aufgeführt, in welchem Aldo die Rolle des „Barone del Credo“ übernahm und Moretti den Part des Scavezzo spielte.

1905 wurde dann das Gedicht „I cavalli bianchi“ mit einhundert Exemplaren, als erstes Werk Palazzeschis, veröffentlicht. Im Laufe der Jahre veröffentlichte er unzählige Werke der Poesie und Lyrik sowie zahlreiche Romane und Novellen. 1910 nahm Aldo Palazzeschi an mehreren Treffen der Futuristen teil und veröffentlichte in den folgenden Jahren einige futuristische Werke. So wurde zum Beispiel im Frühling 1910 sein „L’Incendiario“ in der Edizioni Futuriste di «Poesia» abgedruckt. Auch Il codice di Perelà gilt als „romanzo futurista“ (P XXV).

1932 veröffentlichte Palazzeschi seinen Roman „Le sorelle Materassi “, welcher zuerst in der „Nuova Antologia “ seines Freundes Antonio Baldini veröffentlicht wurde und 1934 auch in Vallecchis Band große Erfolge feierte. Aldo Palazzeschi wird in mehreren Briefen für die Accademia d’Italia vorgeschlagen, doch seine durch Marinetti begünstigte Nominierung, wird durch den Einspruch Mussolinis geschmälert. Im August 1938 stirbt seine Mutter Amalia und im Oktober 1940 sein Vater Alberto.

Daraufhin verkauft Palazzeschi das Haus an der Piazza Beccaria und zieht 1941 nach Rom. 1948 ist er Vorsitzender der Jury des Filmfestivals von Venedig, an welchem er in den Fünfzigern oftmals teilnahm. In der Zeit zwischen dem Oktober 1950 und dem Juli 1951 war er außerdem als Kinokritiker für die Zeitung Epoca (P XXVII) tätig.

1962 verlieh die Università di Padova den Hochschulabschluss honoris causa in den Geisteswissenschaften.

In seinen späten Jahren, ereilten Ihn einige private Schicksalsschläge, wie zum Beispiel der Tod seines Freundes Gion Brosio im Jahre 1968 oder der Einbruch in seine Wohnung in Rom, bei welchem seine wertvolle Briefmarkensammlung gestohlen und seine Porzellansammlung zerstört wurde. Auch sein gesundheitlicher Zustand verschlechterte sich und seine zahlreichen Krankheiten schränkten sein Leben stark ein. Am 17. August verstarb er dann an den Folgen eines entzündeten Zahnes in Rom und wurde auf seinen Wunsch hin auf dem Friedhof von Settignano beerdigt. Sein Erbe hinterließ er der geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universià di Firenze. (P XXIX)

Da sich Palazzeschi sowohl als Kind mit seinen Eltern, als auch in seinen späteren Lebensjahren größtenteils in der Region um Florenz und Settignano aufhielt und sich mit ihr stets sehr verbunden fühlte, kannte er jedes Detail dieser Landschaft, die auch Gegenstand meiner vorliegenden Hausarbeit ist und auf welche ich im nun folgenden Abschnitt näher eingehen werde.

II. Umland von Florenz

Zu Beginn des Romans beschreibt Palazzeschi, für alle die Florenz gar nicht, oder nur wenig kennen, das Umland von Florenz, zu welchem auch der Ort der Handlung „Santa Maria a Coverciano“ gehört.

Er versucht seine Sicht auf Florenz deutlich zu machen und wirkt dabei überwältigt von der Anmut dieses Ortes. Immer wieder spricht er von der Eleganz und Schönheit Florenz’ aber speziell von den sie vollständig umgebenden „ colline armoniosissime.” (P3)

Der Ruhm, der diesen Hügeln zugeschrieben wird, liegt wohl darin begründet, dass sich in Ihnen schon zahlreiche „personaggi grandi della storia“ (P10) aufhielten. So waren es nicht nur Fürsten und Könige sondern auch Gelehrte und Künstler die hier wohnten und wirkten, die in diesen Hügeln Ruhe oder Inspiration suchten, die aus dem Alltag fliehen oder Kraft und Heiterkeit wiedererlangen wollten. Die Hügel waren sowohl ein Ort der Freude als auch ein Ort des Schmerzes, ein Ort an dem man die Vergangenheit Revue passieren lassen kann oder an den man sich zurückzieht um Kraft und Mut für die Zukunft zu sammeln. Zudem fließen durch diese Hügel die beiden Flüsse Africo und Mensola. Wobei der erste von Fiesole kommt und der zweite von Vincigliata herfliesst. Palazzeschi beschreibt sie als „Rigagnoli in cui la luna e il sole fanno luccicare appena un filo d’argento o d’oro nascosto fra l’erbe, ma che nell’ora del temporale divengono rumorosi all’improvviso minacciosi, turbolenti: s’infuriano, straripano con l’impeto della gioventù e dopo un’ora non è più niente, si addormentano proprio come i fanciulli dopo essersi scalmanati e aver fatto tanto rumore.“ (P 10). Dass irgendwo, zwischen diesen beiden Flüssen, eventuell das Haus gestanden haben könnte, in dem Giovanni Boccaccio seinen «Decamerone» erlebte oder träumte und für die Nachwelt aufschrieb, lässt die Landschaft noch faszinierender werden, als sie durch das Vorhandensein zahlreicher Häuser Boccaccios von Natur aus bereits war.

Palazzeschis regelrechte Bewunderung für die colline bringt er zum Ausdruck indem er sie mit einer „signora vera, principessa“ (P6) gleichsetzt während die pianura die Position der „ serva, cameriera o ancella“ (P6) einnimmt. In der armen pianura, welche als Anbaufläche für das Gemüse der Reichen Bewohner dieser sagenumwobenen Hügel dient, findet die weitere Erzählung statt (P8).

[...]


1 Palazzeschi, Aldo (1934): Sorelle Materassi, A cura di Francesca Serra (2001); Milano: Arnoldo Mondadori Editore S.p.A.; (zit. P)

Details

Seiten
15
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656754886
ISBN (Buch)
9783656754893
Dateigröße
644 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v280997
Institution / Hochschule
Universität Konstanz
Note
2,3
Schlagworte
landschaft aldo palazzeschi roman sorelle materassi rolle charakterisierung figuren

Autor

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Titel: Die Landschaft in Aldo Palazzeschi's Roman "Le Sorelle Materassi" und ihre Rolle für die Charakterisierung der Figuren