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Die Philosophie des Absurden in "L'Étranger" anhand des Protagonisten Meursault

Seminararbeit 2014 18 Seiten

Didaktik - Französisch - Literatur, Werke

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Einleitung

II Hauptteil
2. „L’Étranger“
2.1 Hinführung zum Werk
2.2 Erzählstruktur
2.3 Inhaltsangabe

3. Die Philosophie des Absurden in „L’Étranger“
3.1 Das Absurde - die Situation des Menschen in einer gleichgültigen Welt
3.2 Das Absurde - Konsequenzen menschlichen Handelns

III Schlussbetrachtung

IV Literaturverzeichnis

I Einleitung

« Rien, rien n’avait d’importance et je savais bien pourquoi. Lui aussi savait pourquoi. Du fond de mon avenir, pendant toute cette vie absurde que j’avais menée, un souffle obscur remontait vers moi à travers des années qui n’étaient pas encore venues et ce souffle égalisait sur son passage tout ce qu’on me proposait alors dans les années pas plus réelles que je vivais. Que m’importaient la mort des autres, l’amour d’une mère, que m’importaient son Dieu, les vies qu’on choisit, les destins qu’on élit, puisqu’un seul destin devait m’élire moi-même […] »

(Camus 1942 : 140)

Die Bestimmung, auf die der Protagonist Meursault wartet, ist sein nahender Tod an der Guillotine. Im Angesicht seiner drohenden Hinrichtung scheint er befreit von allen irdischen Zwängen und ihnen gegenüber gleichgültig: eine absurde Situation. Der Mord wird von ihm als zufällige Situation beschrieben und entzieht sich jeder Logik. Meursault wird sich bewusst, dass er zwar früher als andere sterben wird, dies jedoch in einer sinnentleerten Welt sowieso keinen Unterschied machen werde. Ein Mord ohne Vorsatz ist für die Gesellschaft aber unbegreiflich, die Philosophie des Absurden schwer zu verstehen. Es ist u. a. das Mysterium des Menschen in einer gleichgültigen Welt, das Camus ersten Roman „L’Étranger“ von seiner Veröffentlichung im Jahr 1942 an bis heute zu einem seiner meist verkauften Exemplare macht. Die Philosophie des Absurden ‚verwehrt’ sich gewissermaßen ihren Lesern, „il résiste à ses lecteurs“ (Guérin 2009: 289): Sie erlaubt keine allgemeingültige Interpretation. „L’Étranger“ verschaffte Camus einen kometenhaften Aufstieg als Autor zwischen Philosophie, Literatur und Journalismus, bis zur Publikation von „L’homme revolté“. Mit seiner Kritik am Repressionssystem der Sowjetunion wurde er von der politisch Linken geächtet, vom Comité National des Écrivains (CNE) sogar ausgeschlossen. Während der 1950er Jahre schrieb Camus gewissermaßen allein gegen alle anderen und argumentierte vor allem gegen seinen Rivalen Jean-Paul Sartre. In Frankreich harsch kritisiert, bekam Camus außerhalb Frankreichs als Schriftsteller und Moralist hohe Anerkennung zugesprochen, die 1957 in der Verleihung des Literaturnobelpreis mündete.

Die Philosophie des Absurden von Camus ist heute, 62 Jahre später, aktueller denn je. Das Individuum beschäftigt sich in der stark vernetzten, globalisierten und technisierten Welt noch dringlicher mit der Frage nach dem Sinn bzw. der Sinnlosigkeit des eigenen Lebens. Im Rahmen dieser Seminararbeit soll daher der Philosophie des Absurden im Werk „L’Étranger“ nachgegangen werden: Was beinhaltet die Philosophie? Wie wird sie in „L’Étranger“ geschildert und was sind schlussendlich die Konsequenzen und Antworten für menschliches Handeln? Um diese Fragen zu beantworten, wird im ersten Teil kurz zum Werk hingeführt, die Erzählstruktur erklärt und der wichtigste Inhalt kurz dargestellt (2.1), um eine Grundlage für das weitere Vorgehen zu schaffen. Anhand einer Interpretation des Erzählers und Protagonisten Meursault wird dann die Philosophie des Absurden näher erklärt. Zunächst soll die Situation des Menschen in der absurden, gleichgültigen Welt geschildert werden, indem insbesondere das Schlusskapitel analysiert wird. Ziel ist es im Anschluss, die Konsequenzen des Absurden für das menschliche Handeln anhand exemplarischer Textstellen zu erklären.

II Hauptteil: L’Étranger - Der Fremde

2.1 Hinführung zum Werk

Bevor Camus 1940 mit „Der Fremde“ einen der wichtigsten Romane des 20. Jahrhunderts verfasste, hatte er bereits vier Jahre zuvor die Schrift „La Mort Heureuse“ begonnen, welche dem Roman in vielen Zügen stark ähnelt und inhaltliche Parallelen aufweist: Mersault, der Protagonist in „La Mort Heureuse“, ist in seinem Leben auf der Suche nach Glück durch die Erfüllung materieller Wünsche, weswegen er einen Mord begeht (Guérin 2009). Doch im Angesicht seines nahenden Todes begreift er, dass der Tod das einzige ist, das dem Leben seinen Wert und Preis gibt (Camus 1971). Themenkomplexe wie der Alltag in Belcourt in Algier, die Beschreibung banal erscheinender Anekdoten, die Themenfelder Sonne, Hitze und Meer und die Angst vor dem Tod bleiben den beiden Romanen zwar gemein, aber trotzdem hat Camus mit „L’Étranger“ ein vollkommen neues Buch kreiert, indem die tragenden Themen „Glück, Zeit, Arbeit und Geschichte“ (Sändig 2004: 29) bearbeitet werden.

„L’Étranger“ ist Camus erster veröffentlichter Roman und wurde im März und April 1942 verfasst. Er geht ein in den Zyklus der „drei Absurden“, wie Camus ihn zusammen mit seinen Werken „Le Mythe de Sisyphe“ und „Caligula“ in seinen Notizen im Jahr 1941 bereits nannte. „L’Étranger“ stelle die „Nacktheit des Menschen im Angesicht des Absurden“ dar (Guérin 2009).

2.2 Erzählstruktur

Der Roman ist durchgängig autodiegetisch und strikt chronologisch in Form eines ‚journal intime’ geschrieben. Dies erscheint widersprüchlich, da es zwar einen Ich-Erzähler gibt, dieser aber nicht wie gewohnt subjektiv, sondern sehr objektiv beschreibt. Der Roman ist in zwei gleich umfangreiche Teile unterteilt: der erste Teil umfasst eine beschriebene Zeitspanne von 18 Tagen und wird in 6 Kapiteln dargestellt, der zweite Teil umfasst 11 Monate und wird in 5 Kapiteln abgehandelt. Die Erzählzeit ist meist das passé composé, was weniger literarisch wirkt als das traditionelle passé simple. Die Verwendung des passé composé sorgt für eine enge zeitliche Nähe, obwohl die Abstände zwischen erzählter Zeit und Erzählzeit sehr dennoch sehr unterschiedlich sind.

2.3 Inhaltszusammenfassung

Nach dem Tod Meursaults Mutter fährt dieser ins Altersheim von Algier nach Marengo, um sich um die Beerdigung zu kümmern. Als er am nächsten Tag seine Mutter noch ein Mal sehen könnte, verneint er diese Möglichkeit. Nach seiner Rückkehr beginnt er den folgenden Tagen eine Affäre mit Marie Cardone, die er flüchtig kennt. Er stellt fest, dass der Tod seiner Mutter in seinem eigenen Leben nichts verändert habe.

Die Nachbarn Meursaults werden daraufhin genauer porträtiert: Salamano, der seinen Hund misshandelt, obwohl dieser sein einziger Freund ist, und Raymond Sintès, der Meursault spontan zum Abendessen einlädt. In dem Gespräch zwischen den beiden erzählt Raymond, er sei von einer Gruppe Araber verletzt worden, weil er die Schwester eines Arabers als Maitresse benutzt haben soll. Raymond fordert Meursault auf, einen Brief an die besagte Frau zu schreiben, um sich an ihr rächen zu können. Dies tut Meursault aus pragmatischen Gründen.

Als Marie ihn später fragt, ob er sie liebe, erwidert er, dass er dies vermutlich nicht tue, woraufhin sie enttäuscht ist. Auf die Frage Maries, ob er sie heiraten wolle, antwortet er gleichgültig, dass man dies machen könne, wenn sie es gerne wolle. Ein Streit in der Wohnung von Raymond lenkt die beiden ab: Raymond schlägt zunächst die besagte Araberin und ohrfeigt danach den hinzugekommenen Polizisten, der Raymond mit auf das Revier nimmt. Raymond sucht nachmittags Meursault auf und bittet ihn, bei der Polizei zu Raymonds Gunsten auszusagen, woraufhin Meursault einwilligt. Marie und Meursault werden von Raymond für das kommende Wochenende in eine Strandresidenz seines Freundes Masson eingeladen, mit dem sie das Wochenende verbringen. Nach einem ausgelassenen Tag am Meer spazieren die drei Männer am Strand entlang und begegnen zwei Arabern, die nach Raymonds Erklärung Bekannte seiner Maitresse seien und es auf ihn abgesehen haben. Es kommt zu einem Streit, bei dem Raymond verletzt wird. Nachdem Masson und Meursault Raymond auf Grund seiner stark blutenden Verletzung zum Arzt gebracht haben, entscheiden sich Meursault und Raymond erneut an den Strand zu gehen, wo sie wieder die beiden Araber treffen. Raymond möchte einen der beiden mit seinem Revolver erschießen, was Meursault im letzten Moment zu verhindern weiß. So gibt Raymond Meursault seinen Revolver und kehrt zurück in das Haus, während Meursault allein am Strand verweilt. Er ist überrascht, dass der Araber, der Raymond verletzt hatte, auch an den Strand zurückgekehrt ist. Die beiden stehen sich gegenüber und beobachten sich argwöhnisch. Meursault macht, geblendet von der Sonne, eine Vorwärtsbewegung, sodass der Araber sein Messer zieht, das sich in der Sonne spiegelt. Geblendet von der Klinge des Messers drückt Meursault ab und tötet schließlich den Araber, auf den er danach noch vier Mal schießt.

Meursault wird daraufhin verhaftet. Im zweiten Teil des Romans wird geschildert, wie sich Meursault einigen Verhören unterziehen muss und so 11 Monate in Gefangenschaft verbringt. Das Gespräch mit dem ihm zugeteilten Pflichtverteidiger verläuft schwierig, da Meursault keine logische Rechtfertigung seiner Tat hervorbringen kann und sich der Wahrheit zutiefst verpflichtet fühlt. Das Gespräch mit dem Richter hilft auch nicht weiter, da er sich von diesem nicht von einer christlichen Moralvorstellung überzeugen lassen möchte. Der Staatsanwalt wirft Meursault in der Verhandlung vor, die Tat geplant zu haben. Zudem thematisiert er den Tod Meursaults Mutter und die Tatsache, dass Meursault auf ihrer Beerdigung nicht geweint habe und sie nicht nochmal sehen wollte. Meursault verliert schnell das Interesse, da er erkennt, dass ihm der Staatsanwalt falsche Motive unterstellt. Er wird schließlich zum Tode verurteilt. Meursault wird sich in der Zeit nach der Verurteilung darüber klar, dass es egal ist, wann man stirbt, da das Leben sowieso sinnentleert sei. Meursault wird wütend und laut, als der Pfarrer ihm sagt, er werde für Meursault beten. Daraufhin bekennt sich Meursault vollkommen zum absurden irdischen Leben (Camus 1942).

3. Die Philosophie des Absurden in „L’Étranger“

3.1 Das Absurde - die Situation des Menschen in einer gleichgültigen Welt

Die Philosophie des Absurden in „L’Étranger“ ist zunächst eng verbunden mit dem Motiv des „Fremden“, das sich durch das gesamte Werk zieht. Zwar wird der Protagonist Meursault in seiner gewohnten Umgebung porträtiert, aber sie erscheint dem Leser fremd, weil Meursault sie sehr objektiv und teilnahmslos beschreibt (Timm 1971). Der erste Teil des Romans wird auch als „contingence des actes“ bezeichnet (Guérin 2009), da der Eindruck entsteht, dass Banalitäten aneinander gereiht objektiv erzählt werden. Auch wird der erste Teil öfter mit „grâce“ bezeichnet, um zu verdeutlichen, dass sich der Protagonist im ersten Teil im Gnadenzustand des Absurden befinde, wohingegen im zweiten Teil sein Verhalten von der Gesellschaft be- und verurteilt werde (Coenen-Mennemeier 2007: 253). Im Folgenden soll anhand einiger exemplarischer Stellen die Situation des Menschen in einer gleichgültigen Welt erläutert werden, damit in einem zweiten Schritt die Konsequenzen der Philosophie auf menschliches Handeln erörtert werden können.

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Details

Seiten
18
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656754749
ISBN (Buch)
9783656754756
Dateigröße
552 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v280995
Institution / Hochschule
Universität Trier
Note
Schlagworte
philosophie absurden protagonisten meursault

Autor

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