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Die Rezeption König Artus‘

Im Wandel der Modernen

Hausarbeit (Hauptseminar) 2009 28 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Geoffrey of Monmouth
1.1 Sein Werk, seine Intention, sein Artus
1.2 Die politische Ideologie der Plantagenets

2. Sir Thomas Malory
2.1 Sein Werk, seine Intention, sein Artus
2.2 Der Tudor-Staatsmythos

3. Alfred Lord Tennyson
3.1 Seine Werk, seine Intention, sein Artus
3.2 Die Konstruktion des Nationalismus

Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Kaum ein anders Motiv hat über einen vergleichbaren Zeitraum die Grundlage für derart zahlreiche und differenzierte Rezeptionen geliefert wie der Artus-Mythos. Dieser Stoff, dessen historische Ausgangssituation bis in unsere Tage noch immer nicht genau nach zu vollziehen ist[1], hat fast fünfzehn Jahrhunderte lang Historiker, Geschichtenerzähler, Liedermacher, Dichter, Maler und Bildhauer in ganz Europa beschäftigt, inspiriert und dazu angeregt dieses Thema immer wieder aufs Neue zu erfinden. Wobei die einzelnen Beweggründe ebenso differenziert sind wie die Spannbreite der Rezeption. So wurde die Geschichte von König Artus und den Rittern seiner Tafelrunde immer wieder neu erzählt, im 12. und 13. Jahrhundert von dem englischen Bischof und Chronisten Geoffrey of Monmouth, den altfranzösischen Dichtern Chrétien de Troyes, Robert de Boron und Robert Wace, sowie dem deutschen Epiker Wolfram von Eschenbach, dann im 15. Jahrhundert von Sir Thomas Malory und im 19. Jahrhundert vom englischen Dichter Alfred Tennyson, vor allem aber in den Opern Richard Wagners.[2] Im ausgehenden 20. Jahrhundert erlebt das Mittelalter und mit ihm auch der Artus-Mythos, eine Renaissance. Neben fesselnden Romanen von Rosemary Sutcliffe oder Marion Zimmer Bradley, Stücken John Ardens oder Gedichten John Heath-Stubbbs, entstehen aufwändig inszenierte Musicals oder farbenfrohe Leinwandepen. Auf der ganzen Welt ist König Artus ein Bestseller, obgleich er für zahlreiche Menschen die unterschiedlichsten Bedeutungen hat, welche gerade in den letzten Jahren geradezu absurde Ausmaße angenommen haben. So gehen einige Behauptungen so weit, Artus zu einem Außerirdischen, zum König von Atlantis oder gar zum Entdecker Amerikas zu deklarieren. Vom Mythos Besessene haben ganze Vermögen ausgegeben um seine Spur zu finden, Vereine wurden zu diesem Zweck gegründet und seit den 60er Jahren haben sich auch Hippies auf die Gralssuche gemacht. Es gibt Führer, Studien- und Busreisen, Reiseunternehmen mit sogenannten Artusferien, Zeitschriften, Dokumentationen, wissenschaftliche und pseudowissenschaftliche Werke aus esoterischer, historischer oder feministischer Richtung.[3] All dies verdeutlicht, dass die Faszination des Artus-Mythos im Laufe der Jahrhunderte eher zu- als abgenommen hat. Auffällig ist jedoch, dass kein Rezipient dabei erreicht, bzw. gar nicht erst den Versuch unternommen hat, ihm eine endgültige Gestalt zu geben. Jedes Zeitalter hat in den Geschichten des Artus-Mythos offenbar die Möglichkeit gesehen, die eigenen Gewohnheiten, Ideale oder Ängste, den jeweiligen Zeitgeist zum Ausdruck zu bringen und dieses Phänomen ist nicht allein auf die britischen Inseln beschränkt, es handelt sich vielmehr um eine gesamteuropäische Dichtung. Denn ein ganzer Kontinent hat zu seiner Entwicklung beigetragen, den Mythos verändert, ergänzt, modernisiert, interpretiert, parodiert und idealisiert, ihn dabei mit immer neuen und allen nur denkbaren Geschichten verbunden.[4] Es scheint, dass in nahezu jeder Region und zu jeder Zeit Artus eine besondere Bedeutung zukam, die definitiv nicht auf der Historizität seiner Person beruhte. Ziel dieser Arbeit soll es daher nicht sein einen möglichen historischen Kern der Legende aufzuspüren und zu verteidigen, sondern vielmehr im Rahmen des Seminarthemas auf die einzelnen Rezeptionen einzugehen und ihre Ursachen und Motivationen zu ergründen. Schon Herder war der Ansicht: „Es wäre umsonst, genau zu fragen, wenn König Artus gelebt habe; aber den Grund, die Geschichte und Wirkungen dieser Sagen und Dichtungen durch alle Nationen und Jahrhunderte, in denen sie geblüht, zu untersuchen und als ein Phänomenon der Menschheit ins Licht zu stellen, dies wäre, nach den schönen Vorarbeiten dazu, ein ruhmwürdiges Abenteuer, so angenehm als belehrend.“[5] Neben der Tatsache, dass die Artus-Geschichte die ewigen, immer wiederkehrenden Muster menschlichen Lebens, wie Krieg und Frieden, Macht und Machtausübung, Liebe, Ehre, Treue und Versagen, Taten und deren Folgen, also Fragen die Menschen zu jeder Zeit und in jeder Lebenssituation beschäftigen und damit zeitlos interessant sind, beinhaltet und ungeachtet der stoffliche Wurzeln, gehört sie zu den genealogischen Legitimationsmythen.[6] Inwieweit Artus tatsächlich posthum eine politische Rolle zukam soll an drei exemplarischen Rezipienten, unterschiedlicher Epochen, Dynastien und Genres der englischen Historie näher untersucht werden, an den bereits erwähnten Geoffrey of Monmouth, an Sir Thomas Malory, sowie an Alfred Lord Tennyson, von welchen ein jeder das heutige Artus-Bild entscheidend geprägt hat.

1. Geoffrey of Monmouth

Weder in Gildas De Exicidio et conquestu Britanniae [7] (um 545), noch in Beda Venerabilis Historia ecclesiastica gentis Anglorum [8] (um 731) taucht auch nur die Erwähnung des Namen Artus auf. Der vielgerühmte Sieg über die sächsischen Invasoren am Mons Badonis wird hier einem Ambrosius Aurelianus zugeschrieben.[9] Nur einige vereinzelte Hinweise lassen sich in einigen älteren walisischen Chroniken ausmachen. Während der ersten Jahre des 7. Jahrhunderts wurde Artus jedoch bereits als mächtiger Clanführer mit großen Heldentaten auf dem Schlachtfeld dargestellt. Im 12. Jahrhundert schließlich transformierte Geoffrey of Monmouth[10] Artus von einem keltischen Kriegsherrn in die vertrautere Gestalt eines mächtigen Königs. Abgesehen von dem hohen Einfluss, welchen Geoffreys Werk auf die spätere Rezeption[11] ausüben sollte, handelte es sich bei der Historia Regum Britanniae[12] wahrscheinlich um eine der ersten Schriften welche eine offensichtlich politische Bearbeitung des Artus-Stoffes so öffentlichkeitswirksam machte. Denn in ihr kreierte Geoffrey of Monmouth, als ambitionierter Kleriker eine Geschichte, in welcher er den ruhmreichen König Artus genealogisch mit den neuen Herrschern über England, den Normannen[13], verband. Da diese noch relativ unerfahren im europäischen Mächtespiel waren, bemühten sie sich eifrig ihren neuen Status durch diverse kulturelle Medien zu rechtfertigen und zu stabilisieren. Geoffreys Geschichte der Könige Britanniens entsprach diesem Anliegen genau.[14] Die normannischen Herrscher wussten, dass die Sachsen vor ihnen ebenso Neuankömmlinge und zu dem noch Heiden gewesen waren und dass hinter ihnen eine lange, unbekannte britannische Geschichte lag. Geoffreys Historia hingegen, bescherte den neuen Herren eine berühmte britannische Hinterlassenschaft.[15]

1.1 Sein Werk, seine Intention, sein Artus

„Heute wissen wir längst, daß in Geoffreys Historia über einem schmalen Grundstock ein großes Phantasiegebäude errichtet ist“[16], daher ist die Frage nach seinen Quellen[17] müßig. Zudem hat auch Geoffrey die Quellen, welche er verwandte, abgewandelt, ausgeschmückt und modernisiert. Der Hof seines Königs Artus ähnelt den normannischen Höfen seiner Zeit, in denen man die Idee der Ritterlichkeit kultivierte. Er verlegte außerdem den Hof von Cornwall nach Caerleon, änderte die Namen von Artus‘ magischen Waffen und hatte, wie damals üblich, ein besonderes Verhältnis zu Zahlen, ebenso wie er Reden und Unterhaltungen erfindet und detailliert Feldzüge beschreibt, die nie statt gefunden haben.[18] Daher ist viel entscheidender mit welcher Intention Geoffrey sein Werk geschaffen hat, denn man ginge sicherlich zu weit, behaupten zu wollen, dass es Geoffreys Ziel war die Artus-Epik zu begründen. Unabhängig von seinem Zunamen ist nicht eindeutig belegt, dass Geoffrey wirklich Waliser war[19], besser dokumentiert ist jedoch seine Bekanntschaft mit dem normannischen Adel. Daher liegt die Vermutung nahe, dass er ein Parallelwerk zu Aeneis, mit seinem symbolhaften Helden Artus eine epische Verherrlichung des Normannenreiches in trojanischer Tradition schaffen wollte.[20] Die politische Intention Geoffrey of Monmouths war es also, so wie Karl der Große die französische Dynastie legitimierte[21], Artus zur Legitimation der Normannenherrschaft in England heranzuziehen.[22]

Der entscheidende Verweis auf Geoffreys politische Ausrichtung findet sich in den drei Widmungen der Historia, die eine ist an Robert of Gloucester, den illegitimen Sohn König Henrys I.[23], eine weitere an Robert of Gloucester und Waleran, den Grafen von Meulan, die letzte an Robert of Gloucester und König Stephen gerichtet. Allerdings herrscht in der Forschung keine Einigkeit bezüglich der Reihenfolge der einzelnen Widmungen.[24] Auffällig ist jedoch, dass der Name Roberts of Gloucester in allen drei Widmungen erscheint und auch der einzige ist, der im Text der Historia [25] angesprochen wird. Robert zählte neben Bischof Alexander zu den mächtigsten Parteigängern Mathildas, welche Henry I. als Thronfolgerin designiert hatte, jedoch war ihr Stephan mit seiner Thronergreifung zuvorgekommen. So kann Geoffrey zweifelsohne als Anhänger Mathildas angesehen werden, während die Einfügung der Namen des normannischen Adeligen Waleran und des Königs Stephen später erfolgt und von der politischen Situation erzwungene Konzessionen sind. Denn die politische Situation während derer Geoffrey seine Historia verfasste, war von Krisen gekennzeichnet. König Henry I. hinterließ, als absoluter Herr von England und der Normandie, als Eroberer von Wales und der Bretagne, mit seinem Tod 1135 eines der mächtigsten Reiche der damaligen Welt. Obwohl dieses anglofranzösische Reich zwar vereinigt war, zeigt sich bereits unmittelbar nach dem Tod Henrys, durch die eilige Krönung seines Neffen Stephen, wie wenig befriedet es tatsächlich war. Denn Stephen hatte noch zu Beginn des Jahres 1127, gemeinsam mit den anderen englischen Adligen geschworen, Henrys kürzlich nach England heimgekehrte Tochter Mathilda als künftige Regentin anzuerkennen. Geoffrey, der damals in Oxford weilte und in engen Beziehungen zu den Mächtigen des Reiches stand, scheint die drohenden Gefahren erkannt oder zumindest geahnt zu haben, denn der ohnehin schon bröckelige Zusammenhalt des Reiches im Inneren, war von außen dreifach durch kriegerische Auseinandersetzungen[26], seitens Schottlands, Wales und von der Normandie aus, gefährdet.[27] Man kann Geoffreys Stellungnahme zu dieser politischen Situation durchaus in der Historia ausmachen, so heißt es in Buch XI: „Why, you slothful race, weighed down by your terrible sins, why with your continual thirst for civil war have you weakened yourself so much by internal strife? You once subjected far-off realms to your power, but are now unable to protect your land, your wives and children from your foes, […] Go on, wage your civil war […] Your kingdom is divided against itself, lust for civil strife and a cloud of envy has blunted your mind, your pride has prevented you from obeying a single king, and so your country has been laid waste before eyes by most wicked barbarians, and its houses fall one upon another.”[28] Diese verba auctoris scheint der Schlüssel zum Verständnis der Historia zu sein. Dieser Abschnitt bezieht sich zwar auf Gildas § 24[29], Geoffrey verwendet sogar die von Gildas gebrauchten Worte, Gleichnisse und Bibelzitate, aber die Forderung nach Einigkeit findet sich bei Gildas nicht und muss daher Geoffreys persönliches Anliegen sein. Es ist offensichtlich, dass dieser Part vor dem Hintergrund der Uneinigkeiten niedergeschrieben wurde, welche durch den Tod Henrys I. und Stephens Machtergreifung hervorgerufen wurden.[30] In diesem Zusammenhang ist somit auch die Widmung an Robert of Gloucester zu lesen, welche den Wunsch nach einem zweiten Henry deutlich macht, welcher das Land erneut einen und zu alter Stärke zurückführen sollte. „Robert of Gloucester […] is called the product of the illustrious king Henry’s son, whom philosophy has nurtured in the liberal arts, and whose natural valour has made him a commander of knights in the battle; hence the island of Britain now congratulates herself on gaining in you a Henry reborn for our time.“[31]

[...]


[1] Historisch greifbar ist ein König Artus kaum. Zwar haben sowohl Philologen wie auch Archäologen in den letzten Jahrzehnten unzähliges über seine Zeit und Lebensumstände herausgefunden, dennoch kann man von seiner Existenz nicht mit Sicherheit ausgehen. Es gibt weder ein zeitgenössisches Porträt, noch ist ein Pergament mit seiner Unterschrift oder seinem Siegel überliefert, keine Rüstung, kein Schwert, kein Zepter, keine Krone oder eine Erwähnung durch einen ernsthaften Geschichtsschreiber. Vgl.: Ohff, Heinz, König Artus. Eine Sage und ihre Geschichte, München, Zürich 2004, S. 9f, (zit. als: Ohff, 2004), „In kaum einer Gestalt der historischen Erinnerung sind Wirklichkeit, Sage, Dichtung und Zaubermärchen so eng ineinander verwoben wie bei der dieses britischen Helden aus dem 5. Jahrhundert. Als Sagenkönig, der dennoch nicht nur König der Sage war, wurde Artus mit seiner Tafelrunde und der Suche nach dem Gral in einem so hohen Maße zum Inbegriff edlen Rittertums, ja zum charismatischen Heros mit messianischen Zügen, daß seine historischen Umrisse dabei fast völlig verschwanden.“ Baumer, Franz, König Artus und sein Zauberreich. Eine Reise zu den Ursprüngen, München 1991, S. 7, (zit. als: Baumer, 1991).

[2] Vgl. Baumer, 1991, S. 8.

[3] Vgl. Phillips, Graham, Keatman, Martin, Artus. Die Wahrheit über den legendären König der Kelten, München 1995, S. 9ff, (zit. als: Phillips, Keatman, 1995).

[4] Vgl. Furch, Karoline, Die Wiederkehr des Mythos. Zur Renaissance der Artus-Mythen in der modernen Fantasy-Literatur, (Schriftenreihe und Materialien der Phantastischen Bibliothek Wetzlar, Bd. 9), Wetzlar 1998, S. 8f, (zit. als: Furch, 1998).

[5] Herder, Johann Gottfried, Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit, Leipzig 1841, S. 235.

[6] Müller, Ulrich, Artus-Rezeption ohne König Artus. Zur deutschen Artus-Rezeption unter dem Einfluß Richard Wagner, in: Moderne Artus-Rezeption 18.-20. Jahrhundert (Göppinger Arbeiten zur Germanistik, Bd. 548), hrsg. v. Kurt Gammerschlag, Göppingen 1991, S. 143 (zit. als: Müller, 1991)

[7] Gildas der Weise, (um 500-572), sein erhalten gebliebenes Werk Der Untergang Britanniens ist eine Predigt in drei Teilen, in welcher er die Taten seiner weltlichen wie geistlichen Zeitgenossen verurteilt. Aufgrund seines literarischen Stils ist anzunehmen, dass er eine klerikale Ausbildung genossen hat, bzw. Mönch gewesen ist. Auch wenn Gildas als historische Quelle angesehen wird, so handelt es sich bei ihm jedoch um keinen Historiker. Statt einen historischen Bericht für die Nachwelt abzufassen, beabsichtigte er mit seinem Werk vielmehr seinen Zeitgenossen nach Art eines alttestamentlichen Propheten zu predigen. Gildas Anspielung auf die Schlacht am Mons Badonis ist heikel zu betrachten. So weisen walisische Traditionen Artus und keinen anderen als Feldherren und Sieger aus, während Gildas weder den Namen des Befehlshabers, noch Artus selbst erwähnt. Vgl. Ashe, Geoffrey, Gildas, in: The New Arthurian Encyclopedia hrsg. v. Norris J. Lacy, New York, London 1996, S. 195f (zit. als: Lacy, 1996).

[8] Beda der Ehrwürdige (um 673-735) war ein angelsächsischer Benediktinermönch, Theologe und Geschichtsschreiber. Seine Kirchengeschichte des englischen Volkes besitzt den Vorzug einer neutralen Quellenauswertung, deren Schwerpunkt Gildas ausmacht. Auch Beda erwähnt die Schlacht vom Mons Badonis, jedoch ebenfalls ohne sie mit einem König Artus in Verbindung zu bringen. Trotzdem wurde er zur Hauptquelle späterer Rezipienten, wie Geoffrey of Monmouth. Vgl. Galyon, Aubrey E., Bede, in: Lacy, 1996, S.33f.

[9] Vgl. Gerritsen, W. P., Artus (Arthur), Artussage, Artus-Romane, in: Lexikon des Mittelalters. Bd. I. Aachen bis Bettelordenskirchen, München, Zürich 1980, Sp. 1074f.

[10] Geoffrey of Monmouth (1090/1100-1155) war der Begründer des britischen Geschichtsbildes, welches für Jahrhunderte zum allgemeinen Bildungsgut Westeuropas wurde. Dagegen kommt er keinesfalls als Begründer des romantischen Artus-Bildes infrage, denn romantische Artus-Erzählungen gab es vor und neben ihm, und seine Historia gehört ihrer literarischen Gattung nach zur Geschichtsschreibung, nicht zur Romanze. Vgl. Ashe, Geoffrey, Geoffrey of Monmouth, in: Lacy, 1996, S. 179ff.

[11] Wace Roman de Brut (1155), Layamon Brut (um 1200), Chretién des Troyes, Erec et Enide (um 1170), Lancelot, Yvain, Perceval ( 1177-1181). Vgl. Langosch, Karl (Hg.), König Artus und seine Tafelrunde. Europäische Dichtung des Mittelalters, Stuttgart 1999, S. 713ff (zit. als: Langosch, 1999).

[12] Die Geschichte der britannischen Könige, war eine Sensation, nach ihrem Erscheinen im Jahre 1138 überschwemmte sie schon bald Europa. Über zweihundert handschriftliche Kopien sind als Beweis für ihre Popularität erhalten geblieben. Vgl. Williams, Gwyn A., Excalibur. Europäische Legenden um Artus, München 1996, S. 75, (zit. als: Williams, 1996)

[13] Im Jahr 1066 übernahm William, Herzog der Normandie, die Macht über das Königreich und die Normannen drangen aus ihrem Heimatland über den Kanal als neue Herrscher- und Landbesitzerkaste in England ein. Zwar unterschieden sie sich nach einigen Jahrzehnten nicht mehr so deutlich von den einheimischen Engländern, dennoch sollte das Inselreich drei Jahrhunderte lang einen Französisch sprechenden Adel und Könige mit Hausmacht auf dem Kontinent haben. Vgl. Gelfert, Hans-Dieter, Kleine Kulturgeschichte Großbritanniens. Von Stonehenge bis zum Millenium Dome, München 1999, S. 43.

[14] Vgl. Barczewski, Stephanie L., Myth and National Identity in Nineteenth-Century Britain. The Legends of King Arthur an Robin Hood, Oxford 2000, S. 14f, (zit. als: Barczewski, 2000).

[15] Vgl. Williams, 1996, S. 82.

[16] Schirmer, Walter F., Die frühen Darstellungen des Arthurstoffes, (Arbeitsgemeinschaft für Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen. Geisteswissenschaften, Bd. 73), Köln 1958, S. 19, (zit. als: Schirmer, 1958).

[17] Neben schriftlichen Quellen, er nennt Gildas und Beda, benutzte er mindestens ebenso viele mündliche, sagenträchtige Überlieferungen. Nennius, welcher als einer der ersten den dux bellorum als Artus benennt, scheint nicht zu Geoffreys Quellen gezählt zu haben. Vgl.: Langosch, 1999, S. 705, vgl. Monmouth, Geoffrey of, The History of the Kings of Britain. An Edition and Translation of De gestis Britonum [Historia Regum Britanniae], hrsg. v. Micheal D. Reeve, übers. v. Neil Wright, Woodbridge 2007, S. 4 (zit. als: Geoffrey, 2007).

[18] Vgl. Williams, 1996, S. 77.

[19] Seinem Beinamen zufolge würde er aus dem im südöstlichen Wales liegenden Monmouth stammen. Wobei die zeitgenössische Kontroverse sich noch immer damit beschäftigt ob er Bretone oder Waliser war. Vgl. Pilch, H., Geoffrey von Monmouth, in: Lexikon des Mittelalters. Bd. IV. Erzkanzler bis Hiddensee, München, Zürich, 1989, Sp. 1263f.

[20] Geoffrey beginnt mit dem legendären Begründer Britanniens, Brutus von Troja, Urenkel des Aeneas, der auf seiner Reise auch die Stadt Tours gründete. Daher stammen sowohl die französischen wie auch die walisischen Untertanen des Königs, die Sachsen ließ er bewusst unerwähnt, von den Trojanern ab. Da England schließlich Teil des Angevinischen Reichs wurde, ein nützlicher Gedanke. Desweiteren tauchen in seiner Historia mythische Gestalten wie die ursprünglichen Gottheiten Belinus und Brennius auf, welche Rom plünderten, aber auch authentische Figuren wie Julius Cäsar und die aus Britannien kommenden Anwärter auf das Römische Reich, wie Maximus oder Maximianus. Auch die unterschiedlichsten Gestalten aus der britannischen Prähistorie, der Waliser, des Volkes von Cornwall und der Bretonen tauchen auf, so etwa König Lear und seine drei Töchter, Lud, welcher London als Caerludd erbaute, Cambeline, Konstantin, Old King Cole. Darauf folgen die Prophezeiungen Merlins, welche genau im Zentrum des Werkes stehen und die Herrschaft Artus‘ einleiten, des bedeutendsten Königs der Britannier, dessen Taten fast ein Fünftel vom Gesamtumfang des Buches einnehmen. Vgl. Williams, 1996, S. 81, Vgl. Westphal, Wilfried, Artus. König von Camelot. Wahrheit und Legende, Weyarn 2000, S. 20ff, (zit. als: Westphal, 2000).

[21] Vgl. Geoffrey, 2007, S. 4.

[22] Vgl. Schirmer, 1958, S.19f.

[23] Henry I. (1068-1135) war der jüngste Sohn Wilhelm des Eroberers. Er regierte als Nachfolger seines Bruders, William II., aus seiner Regierungszeit sind die Beschleunigung der Verwaltung, die Wiedervereinigung der Domänen seines Vaters und die umstrittene Entscheidung, seine Tochter als seine Erbin einzusetzen, bekannt geworden. Vgl. Snith, K., Heinrich I., in: Lexikon des Mittelalters. Bd. IV. Erzkanzler bis Hiddensee, München, Zürich, 1989, Sp. 2049f.

[24] Vgl. Schirmer, 1958, S. 38.

[25] Vgl. Geoffrey, 2007, Buch XI.

[26] Schottland fiel in Northumberland ein und trotz Einigung blieb das Gebiet in schottischer Hand. Wales wurde trotz mehrerer militärischer Einsätze zwischen 1136-38 sich selbst überlassen. Am schlimmsten jedoch waren die Adelszwistigkeiten in der Normandie, welche in einen Bürgerkrieg ausarteten. Vgl. Schirmer, 1958, S. 25.

[27] Vgl. Ebd. S. 23ff.

[28] Geoffrey, 2007, S. 256.

[29] Vgl. Schirmer, 1958, S. 38f.

[30] Vgl. Ebd., S. 26.

[31] Geoffrey, 2007, S. 4.

Details

Seiten
28
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656749158
ISBN (Buch)
9783656749141
Dateigröße
608 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v280893
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Historisches Institut
Note
1,0
Schlagworte
Artus Geoffrey of Monmouth Thomas Malory Alfred Tennyson Idylls of the King Historia Regum Britanniae Plantagenets Geschichte der Könige Britanniens

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