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Eurobonds. Gemeinsamer Ausweg oder europäisierte Verschuldung?

Hausarbeit 2013 22 Seiten

BWL - Wirtschaftspolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Problemstellung und Aufbau der Arbeit

3. Ursachen und Mittel zur Stabilisierung der Euro-Zone
3.1 Finanzkrise
3.2 Mittel zur Stabilisierung
3.3. Schuldenoptimierung

4. Europäisierte Verschuldung durch Eurobonds
4.1 Das Blue Bond und Red Bond Modell
4.2 Ausgestaltung
4.2.1 Haftung
4.2.2 Sanktionsmöglichkeiten
4.3 Zinsen durch die Eurobonds
4.3.1 Durchschnittszinssatz für die Mitgliedsstaaten
4.3.2 Zinsbelastung für ratingstarke Mitgliedsstaaten
4.4 Risiken und Chancen von Eurobonds

5. Zusammenfassung

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Quellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Nationale Zentralbanken, Eurostat, Reuters Ecowin;

Entnommen am 24.01.2013 aus, Prof. Dr. Carstensen, Eurobonds: Ausweg aus der Schuldenkrise?, Institut für Wirtschaft, Universität München, 2011

Abbildung 2 Eurostat; mittels Eurostat Software Online erstellt am 15.02.2014 URL:http://epp.eurostat.ec.europa.eu/portal/page/portal/product_details/dataset?p_product_code=TIPSGO10

Abbildung 3Eurostat; mittels Eurostat Software Online erstellt am 15.02.2014 URL:http://epp.eurostat.ec.europa.eu/portal/page/portal/product_details/dataset?p_product_code=TIPSGO10

1. Einleitung

Die heutige Europäische Union ist ein langer Prozess von Verhandlungen und Verträgen, die über Jahrzehnte geführt worden sind. Spätestens mit der Integration der EWU und der Einführung des Euro als Buchgeld am 31. Dezember 1998 sind die Europäischen Mitgliedsstaaten auf wirtschaftspolitischer Ebene eng verzweigt.[1]Die Subprimekrise, die ab 2007 zur Weltwirtschaftskrise führte, sollte jedoch zeigen, dass die Europäische Fiskalpolitik keine ausreichenden Schutzmechanismen vorsah, um die unterschiedlich in Mitleidenschaft gezogenen Europäischen Mitgliedstaaten zu schützen und frühzeitig ansetzende Lösungen auf finanzpolitischer Ebene zu leisten. Die Finanzkrise, die im Bankensektor begann, verursachte hohe Staatsverschuldungen, die sich auf die Zahlungsfähigkeit von schwächeren Mitgliedsstaaten und deren Stabilität, nicht zuletzt durch schlechte Ratingeinstufungen, in der Union negativ auswirkte. Besonders die sogenannten PIIGS-Staaten, deren Zahlungsunfähigkeit mit riesigen Krediten gerettet wurde, deuteten auf die Notwendigkeit einer systemweiten Lösung hin. Hochverschuldete Mitgliedsländer gerieten in einen Teufelskreis, da sie wegen fehlender Zuverlässigkeit ihrer Staatsfinanzen höhere Zinsen zu zahlen hatten, welches ihre angeschlagene Lage zusätzlich belastete.

Aus der folgenden Abbildung wird deutlich, wie unterschiedlich sich die Zinsen, besonders mit Anfang der Krise entwickelten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2[2]

Es ist zu erkennen, dass eine gewisse Zinsdivergenz auch vor der Krise bestand, die jedoch mit der unterschiedlichen Bewältigungsfähigkeit der Krise durch die Staaten und ihren Staatsanleihen zu starken Zinsspreads führte.

Es stellt sich daher die Frage, ob eine einheitliche Währung bei 18 verschiedenen Staatsanleihen einen Konstruktionsfehler bedeutet, welchen es zu korrigieren gilt. So sind die Finanzen einzelner Mitgliedsstaaten von der Laune der Finanzmärkte, Hedgefonds, Kreditausfallversicherern, Ratingagenturen sowie Finanzspekulanten abhängig.[3]`[4]Um diese Situation zu beenden, stehen die europäischen Länder vor der Herausforderung, eine langfristige Lösung zu finden, die eine gerechte Versorgung mit Kapital und eine einheitliche Zinsbelastung für alle Mitglieder der Union darstellt. Eurobonds als einheitliche Anleihe für alle Staaten der Währungs-union könnten das erwähnte Problem beheben, indem alle Staaten dadurch gleiche Finanzierungsbedingungen an den internationalen Kapitalmärkten mit kongruenter Zinsbelastung für ihre Haushalte bekommen.[5]Die Idee besteht in der Konsolidierung europäischer Staatshaushalte unter gleichen Bedingungen. Der Ansatz von Eurobonds ist mit mehreren Vorteilen aber auch Nachteilen verbunden, die im Rahmen dieser Arbeit zu betrachten sind.

2. Problemstellung und Aufbau der Arbeit

In dieser Arbeit werden nachfolgend Eurobonds als wirksames Instrument zur Behebung der Schuldenkrise und zur Stabilisierung der Finanzen der Eurostaaten diskutiert. Das Ziel ist es zu untersuchen, wie geeignet der Einsatz von Eurobonds für die aktuelle Verschuldungskrise wäre und welche Auswirkungen und Gefahren dadurch für die Staaten des Euroraums entstehen. Um diese Forschungsfrage zu beantworten werden zuerst im dritten Kapitel der Arbeit die Ursachen der Staatsverschuldungskrise näher betrachtet. Diese haben ihren Ursprung in der Finanzkrise, die mehrere europäische Staaten an den Rand der Insolvenz brachte. Nachfolgend werden die aktuell vorhandenen Mittel zur Stabilisierung und Maßnahmen zum Schuldenabbau in der Wirtschafts- und Währungsunion erläutert. Das vierte Kapitel beschäftigt sich mit dem Vorschlag über die Einführung von Eurobonds, welcher nach Meinung der Erfinder dieser Idee wesentlich zur Behebung der Verschuldungskrise beitragen kann. Dabei fokussiert sich die Analyse auf dem Blue Bond und Red Bond Modell, welches viel realistischer und realisierbarer als ein uneingeschränkter Einsatz von Eurobonds erscheint. Eine grobe Ausgestaltung dieses Modells, die Zinsbelastung für die Mitglieder sowie mit dem Einsatz verbundene Risiken und Chancen werden im Anschluss dargestellt und analysiert. Zum Schluss soll eine Aussage getroffen werden, wie angemessen die Einführung von Eurobonds wäre und welche damit verbundenen Änderungen im Euroraum zu erwarten sind.

3. Ursachen und Mittel zur Stabilisierung der Euro-Zone

In diesem Kapitel wird zuerst die Finanzkrise analysiert, die mehrere Probleme beim Aufbau des europäischen Finanzsystems offenbarte. Die prekäre Lage mehrerer Staatshaushalte, Liquiditätsknappheit und drohende Zahlungsunfähigkeit angeschlagener Euroländer gefährdeten die Zukunft der Gemeinschaftswährung und der Union als Ganzes. Es wurden dringlich Stabilisierungsmaßnahmen gefordert, die nachfolgend diskutiert werden.

3.1 Finanzkrise

Nach Meinung von Experten wurde die Finanzkrise hauptsächlich durch eine expansive Politik mit niedrigen Zinsen verursacht, welche die wichtigsten Notenbanken Europas in der letzten Dekade verfolgten. Die Geschäftsbanken mehrerer Länder hatten dadurch einen Anreiz, ihre Kreditausgaben auszuweiten, sodass sogar konservative Anleger wie Versicherer und Pensionskassen nach hochverzinslichen Alternativen suchten.[6]Die von Banken eingegangenen Hochrisiken bei Investitionen und spekulative Geschäfte sind fehlgeschlagen. Es sind folgende Ursachen der Finanzkrise zu nennen.[7]

- Menschliche Gier ohne Rücksicht auf langfristige Auswirkungen;
- Fehlverhalten der Bankmanager, die eine maximale Rendite um jeden Preis verfolgten;
- Mangelnde Regulierung der Finanzmärkte seitens der Staaten.

Als Konsequenz saßen die Banken in Europa und den USA auf einem Berg fauler Hypothekarkredite, deren massiver Ausfall die Finanzkrise auslöste.[8]Folglich wurden die Staaten gezwungen, die Schulden von zahlreichen Großbanken in Höhe von mehreren Hunderten Milliarden Euro zu übernehmen, um eine Wirtschaftskatastrophe zu vermeiden.

Nach Angaben des IWF belief sich die Summe der benötigten Kapitalspritzen für Großbanken auf mehr als 600 Milliarden Euro.[9] So wurde zwischen 2008 und 2012 ein drastischer Anstieg der Staatsverschuldung im Euroraum registriert. Während vor der Finanzkrise die Höhe der Bruttoverschuldung des Staates, zum Zeitpunkt der Erhebung, in 16 Ländern[10]der Gemeinschaftswährung 70,3 % ihres BIP betrug (etwa 6.489 Mrd. Euro), so stieg diese Zahl auf 90,8 % in 2012 (etwa 8594 Mrd. Euro) an.[11]Damit erfüllte die Mehrheit der EU-Länder nicht die Kriterien des Maastricht-Vertrages, welcher die Höchstmarke für die Staatsverschuldung auf 60 % des BIP setzte.[12]Besonders hart wurden die PIIGS-Staaten von der Finanzkrise getroffen, da ihre Wirtschaften nicht bereit waren, die Last der zunehmenden Staatsverschuldung zu tragen. Folgende Gründe sind dafür verantwortlich:[13]

- Hohe Lohnstückkosten und schlechte Wettbewerbsfähigkeit der Länder wie Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien
- Defizite in den Leistungsbilanzen durch hohe Importe nach dem Euro-Boom
- Realzinseffekt durch hohe Inflation

Inflationsdifferenzen zwischen mehreren Staaten der Währungsunion führen zwangsläufig zu Einbußen von Marktanteilen und dem Verlust preislicher Wettbewerbsfähigkeit in den wirtschaftsschwächeren Mitgliedsländern.[14]Durch die Unfähigkeit von Mitgliedsländern, wie Griechenland, ihren Zahlungen an ihre Gläubiger nachzukommen, verwiesen sie auf die Unterstützung der Euro-Partner, der Europäischen Zentralbank und des Internationalen Währungsfonds.[15]Die Nebenwirkung dieser Ereignisse war die Herabstufung der Kreditwürdigkeit von betroffenen Staaten und ihren wichtigsten Finanzinstitutionen durch Rating-Agenturen. Diese Maßnahme führte zu einem kräftigen Anstieg der Zinsen für staatliche Anleihen, sodass die am Rand des Bankrottes stehenden Staaten nur zu schlechten Konditionen frisches Kapital leihen konnten. Diese Tatsache hat ihre Lage auf Dauer noch weiter erschwert. Es wurde klar, dass die einmaligen Hilfsmaßnahmen nicht ausreichend sind, und eine langfristige Lösung erarbeitet werden musste. Dies lag mit daran, dass die beschlossenen Rettungsmaßnahmen auf drei Jahre begrenzt sind und somit Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit nicht ausreichend besichern konnten. Hierdurch offenbarte sich ein erheblicher Reform-bedarf sowohl im institutionellen Rahmen der Währungsunion als auch in den Mitgliedstaaten selbst.[16]

3.2 Mittel zur Stabilisierung

Die im vorigen Kapitel beschriebene Finanzkrise und ihre Auswirkungen auf einige Staaten veranlassten eine rasche Reaktion, um die Situation zu stabilisieren und den Euro als Gemeinschaftswährung zu retten. Die Finanzierungspakete von EU, IWF und EZB mit strikten Auflagen und hohen Zinsaufschlägen von internationalen Investoren zwangen die betroffenen Staaten zu Reformen und zur Haushalts-disziplin, auch wenn diese auf Kosten der Lebensqualität der eigenen Bevölkerung ging. In den vergangenen Jahren wurden zur Abwendung der akuten Verschuldungs-krise die temporären Stabilitätsmechanismen EFSM (60 Mrd. Euro) und EFSF (440 Mrd. Euro) eingeführt, von denen 190 Mrd. als Barreserven angelegt wurden und welche zusammen einen Euro-Rettungsschirm in Höhe von bis zu 500 Mrd. Euro bildeten.[17]

Zusätzlich wurde der ESM vereinbart, der im Juli 2012 in Kraft trat. Durch die Berufung auf den sogenannten Naturkatastrophen-Paragraph, standen im Mai 2010 weitere 60 Mrd. Euro zur Verfügung (Artikel 122 AEUV Abs. 2)[18]. Der ESM sieht unter den Bedingungen der Erfüllung strikter Auflagen folgende Instrumente vor:[19]

- Vorsorgliche Finanzhilfe für grundsätzlich gesunde Wirtschaften bei vorübergehenden Schwierigkeiten, um das Vertrauen der Märkte zu stärken;
- Darlehen für finanziell angeschlagene Länder, die sich im Gegenzug zu Reformen verpflichten;
- Finanzhilfen zur Rekapitalisierung von Finanzinstituten, falls spezifische Probleme die finanzielle Stabilität des Landes gefährden;
- Ankauf von Anleihen eines Mitgliedes auf dem Primärmarkt und wenn nötig auch auf dem Finanzmarkt (Sekundärmarkt), um eine ausreichende Liquidität des Staates zu sichern.

Die Höhe der Beteiligung einzelner Länder am ESM hängt von der jeweiligen BIP-Größe ab, die Liste wird von Deutschland mit 27,1 % und Frankreich mit 20,4 % angeführt.[20]Neben den Stabilitätsmechanismen wurden auch weitere Maßnahmen getroffen, die eine übermäßige Staatsverschuldung nachhaltig verhindern sollen. Dazu zählen ein Fiskalvertrag und ein verschärfter Wachstums- und Stabilitätspakt, eine Finanzmarktregulierung, die auf Haftung, Transparenz, Gerechtigkeit und Aufsicht basiert, sowie die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit durch eine neue wirtschaftspolitische Steuerung.

3.3. Schuldenoptimierung

Um die Staatsverschuldungskrise dauerhaft zu überwinden und das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen werden weitere Maßnahmen erforderlich. Diese sollten folgende Punkte berücksichtigen:

- Maßnahmen zur Wiederherstellung der Kreditwürdigkeit u.a. der PIIGS-Staaten. Eine stärkere inländische Quote für die Staatsanleihe wäre wünschenswert.[21]Bessere Kreditwürdigkeit würde die Zinsbelastung verringern;
- Stabilisierung braucht wirksame Sanktionen bei Verstößen gegen finanzpolitische Verpflichtungen, so dürfte die Wachstumsrate der Ausgaben nicht über der durchschnittlichen Wachstumsrate des BIP eines Landes liegen;[22]
- Durch die Errichtung eines europäischen Rettungsfonds sollten die Mittel akkumuliert werden, um sie in den Krisenjahren für die Stabilisierung des Euro und der Finanzmärkte zu verwenden. Anhand dieses Fonds sollen mögliche Spekulationen gegen die Gemeinschaftswährung verhindert werden;
- Die Einführung von Eurobonds würde zur Überwindung der Staatsverschuldungskrise beitragen, da diese Titel wahrscheinlich eine höhere Kreditwürdigkeit als Anleihen einzelner Staaten aufweisen könnten. Jedoch setzen die politischen Bedingungen eine gegenseitige Solidarität der Bürger Europas voraus, die zurzeit nicht vorhanden ist.[23]

4. Europäisierte Verschuldung durch Eurobonds

Der Vorsitzende der Euro-Gruppe Jean-Claude Juncker und der italienische Finanzminister Giulio Tremonti schlugen eine gemeinsame Verantwortung aller Euro-Staaten für europäische Schuldentitel vor.[24]Diese Idee fand einerseits mehrere Befürworter, vor allem in den Krisenstaaten. Auf der anderen Seite, sehen die Staaten mit guter Bonität sich dadurch gefährdet, dass eine Transferunion entstehen könnte. Unter Eurobonds versteht man grundsätzlich entweder direkt von der Gemeinschaft oder von einzelnen Staaten emittierte Anleihen, für die alle Euro-Staaten gemeinsam haften.[25]

Optimisten behaupten, dass die Anwendung dieses Konzeptes zur Beendigung der Staatsverschuldungskrise beitragen wird und die Stabilität der Gemeinschafts-währung auf Dauer gewährleistet werden kann. Es sind dabei folgende Argumente für die Einführung von Eurobonds zu betrachten:

- Nachhaltige Beendigung der Verschuldungskrise durch Zugang zu Kapitalmärkten ohne Refinanzierungsaufpreis in Form von sehr hohen Zinssätzen und Verhinderung von Spekulationen gegen einzelne Länder;
- Anreize zur Stärkung der Fiskaldisziplin, die künftige Krisen vermeiden sollen;
- Größerer Markt für Staatsanleihen, der institutionelle Investoren anziehen wird;
- Verhinderung der Insolvenz von Krisenstaaten wie den PIIGS-Staaten;[26]
- Stärkung der europäischen Solidarität und engere Koordination bei der Fiskalpolitik.[27]

In den nächsten Punkten dieses Kapitels werden diese Annahmen kritisch geprüft und die Vorschläge für die Gestaltung von Eurobonds näher erläutert.

4.1 Das Blue Bond und Red Bond Modell

Trotz aller Anreize zur Einführung von Eurobonds werden ihnen von Kritikern auch schwerwiegende Gegenargumente unterstellt. So würden die Problemländer bei gemeinsamer Haftung weniger Anreize für Verbesserungen und Reformen haben und ihre Probleme auf die Schulter stärkerer Länder verlagern. Eine weitere Verschuldung von Krisenländern könnte auf Dauer auch die Bonität von Ländern mit einem gesunden Finanzsystem im Dominoeffekt untergraben.[28]Ein einheitlicher Zinssatz birgt auch die Gefahr der Fehlleitung der Kapitalströme in die Krisenländer und von Zinssubventionen, die von stabilen Staaten getragen werden.[29] Auch das Risiko des zunehmenden Eingriffs der Gemeinschaft in die Kernbereiche der nationalen Politik der Länder ist nicht zu unterschätzen. Aus allen diesen Gründen ist eine uneingeschränkte Einführung von Eurobonds abzulehnen und ein Modell mit Auflagen - wie Blue und Red Bonds - als ein geeigneter Lösungsvorschlag zu analysieren.[30]

Dieses Modell sieht eine Teilung des Marktes für Eurobonds in erstrangige Blue Bonds und nachrangige Red Bonds Anleihen vor. Auf diese Weise hofft man, die wesentlichen Nachteile und Risiken von Eurobonds zu minimieren und gleichzeitig die erhofften positiven Wirkungen umzusetzen.[31] Der Blue Bond soll dabei mit einer Grenze von 60 % der Verschuldung des BIP des jeweiligen Landes versehen werden. Wird diese Grenze überschritten, müssen die Staaten nationale Anleihen (Red Bonds) emittieren, die durch deutlich höhere Zinsen und schlechtere Bonität gekennzeichnet sind.[32] Die Festsetzung einer Obergrenze für Blue Bonds hat eine disziplinierende Wirkung und entspricht den Vorgaben des Vertrages von Maastricht. Wenn es den Staaten gelingt, diese Grenze nicht zu überschreiten, kommt keine exzessive Verschuldung zustande, im Gegenfall wird diese allein vom jeweiligen Staat getragen. Je mehr sich ein Staat über die vereinbarte Grenze hinaus verschuldet, desto höher steigen die Gesamtkosten seiner Finanzierung. Bei einem Staatsbankrott würden, durch Einführung von CAC, zunächst die Blue Bonds Gläubiger bedient, wenn nötig durch Haftung der Mitgliedsstaaten. Die Red Bonds Gläubiger würden nachrangig bedient werden und ohne die Haftung der Gemeinschaft. Somit würde eine geordnete Insolvenz eingeleitet werden.

Dieser Vorschlag beinhaltet somit zwar die Abhängigkeit der Blue Bond Anleihen gemäßen an dem jeweiligen BIP, jedoch ist sie unabhängig von der Bonität des Mitgliedsstaates. So können weniger stabile Länder anhand dieses Konzeptes ihre Finanzierung bis zu der Grenze von 60 % ihres BIP zu vereinheitlichten niedrigen Zinsen tätigen. Durch die Begrenzung des Ausgabevolumens und klare Kriterien können Blue Bonds eine Top-Bonität aufweisen. Dieses Instrument darf als sehr sicher gelten, da selbst in Krisenländern wie Griechenland die ersten 60 Prozent der Staatsverschuldung unkritisch sind.[33] Die Red Bonds sind nach dem Vorschlag wie bereits o.g. nachrangig zu bedienen und sollten weitgehend nicht in das Banksystem aufgenommen werden, um im Falle staatlicher Insolvenz das Risiko einer Finanzkrise zu minimieren. Folglich werden die Kreditrisiken dieser beiden Anleihen stark voneinander abweichen.

Unter diesen Umständen scheint die Annahme, dass Eurobonds besonders für hochverschuldete Länder eine günstige Finanzierungsmöglichkeit bieten. Der Zinsvorteil der Blue Bonds sinkt jedoch mit steigender Anzahl der Red Bonds. So könnte beispielsweise Griechenland mit einer Staatsschuld von ca. 180% des BIP nur ein Drittel seiner Staatsschuld in Blue Bonds umtauschen oder Italien, wo die Staatsschuld in etwa 120% des BIP beträgt, nur die Hälfte. Die restlichen Schulden wären Red Bonds, die durch das hohe Risiko sehr teuer ausfielen, sodass der Effekt der günstigen Zinsen durch Blue Bonds Verschuldungen durch steigende Red Bonds Verschuldungen praktisch ausfällt oder gar überwiegt.[34]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2[35]

4.2 Ausgestaltung

Der Vorschlag zu Einführung von Eurobonds durch das Blue Bond und Red Bond Modell sieht konkrete Rahmenbedingungen vor. Diese betreffen Verantwortung, Sanktionen, Aufsicht und andere relevante Details.

Die Ausgestaltung von Blue Bonds ist durch folgende Eigenschaften charakterisiert:

- Extrem sichere Anleihe, die bis zur 60-prozentigen Schuldengrenze emittiert werden und durch gesamtschuldnerisches Einspringen anderer Mitgliedsstaaten vom Ausfall geschützt sind;
- Die Höchstgrenze von 60 Prozent soll vor Aufweichung und Heraufsetzung gesichert werden, damit das Konzept glaubhaft ist um auf Dauer die Verschuldungsprobleme in den Griff zu bekommen und somit als Voraussetzung für eine nachhaltige Fiskalpolitik dient;[36]
- Ein unabhängiger Stabilitätsrat, der ISC, soll jährlich die Höhe der Emissionen für die Mitgliedsstaaten vorschlagen. Die Unabhängigkeit der Mitglieder dieses Rates ist eine notwendige Voraussetzung dafür;
- Jeder Mitgliedsstaat darf selbst entscheiden, ob es in einem Jahr an Emissionen und Haftungen für Blue Bonds teilnehmen will. Sinkende Blue Bonds Allokationen bieten eine Möglichkeit, ein verantwortungsloses Land aus dem System auszugrenzen;[37]

[...]


[1]Vgl. Glomb, W. 2011, S. 266.

[2]Nationale Zentralbanken, Eurostat, Reuters Ecowin, vom 24.01.2014

[3]Vgl. European ‚Central Bank, 2014, vom 25.01.14

[4]Vgl. Matecki, C; 2010, vom 25.01.14

[5]a.a.O.

[6]Vgl. Beck, H.; Wienert, H. 2009, S.1 vom 26.01.2014

[7]Vgl. Mayer, L. 2008, S. 11, vom 26.01.2014

[8]a.a.O.

[9]a.a.O.

[10]Derzeit nutzen den Euro 18 Mitgliedsländer.

[11]Vgl. Eurostat, 2013, vom 26.01.2014

[12]Vgl. LPB-BW, 2013, O.S. vom 26.01.2014

[13]Vgl. Wirtschaft und Schule, 2013, vom 26.01.2014

[14]Vgl. Reckers, H., 2012, S. 39

[15]Vgl. LPB-BW, 2013, O.S., vom 26.01.2014

[16]Vgl. Reckers, H., 2012, S. 40

[17]Vgl. Bundesfinanzministerium, 2013, O.S., vom 27.01.2014

[18]AEUV - Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union

[19]a.a.O.

[20]a.a.O.

[21]Vgl. Reckers, H., 2012, S. 41

[22]a.a.O.

[23]a.a.O.

[24]Vgl. Beck, H.; Wentzel, D., 2011, S. 717

[25]Vgl. Schütte, M; Blanchard, N., 2012, S. 3

[26]Vgl. Beck, H.; Wentzel, D., 2011, S. 718

[27]Vgl. Schütte, M.; Blanchard, N., 2012, S. 4

[28]a.a.O.

[29]Vgl. Berg, T.; Carstensen, K., 2011, S. 26

[30]Vgl. Schütte, M.; Blanchard, N., 2012, S. 4

[31]a.a.O.

[32]Vgl. Hüther, M., 2012, S. 10

[33]Vgl. Delpla, J.; von Weizsäcker, J., 2011, S. 1

[34]Vgl. Hüther, M., 2012, S. 11

[35]Eurostat, 2014, eigene Spezifikation, vom 15.02.2014

[36]Vgl. Delpla, J.; von Weizsäcker, J. 2011, S. 2 f.

[37]a.a.O.

Details

Seiten
22
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656744849
ISBN (Buch)
9783656744832
Dateigröße
656 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v280782
Institution / Hochschule
Universität Hamburg – Fachbereich Sozialökonomie
Note
1,3
Schlagworte
eurobonds gemeinsamer ausweg verschuldung

Autor

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Titel: Eurobonds. Gemeinsamer Ausweg oder europäisierte Verschuldung?