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Das politische System in Kuwait und die Rolle der Diwaniyyat

Seminararbeit 2013 14 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Naher Osten, Vorderer Orient

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretisches Grundmodell

3. Forschungsdesign
3.1 Operationalisierung
3.2 Fallauswahl

4. Das politische System Kuwaits

5. Die Rolle der Diwaniyyat

6. Fazit

7. Literatur

1. Einleitung

Für den arabischen Raum wird häufig ein autokratisches Regierungssystem vorausgesetzt. Diese Arbeit verfolgt daher die Zielsetzung, dies für Kuwait zu überprüfen und eventuelle republikanische Tendenzen am Beispiel der Diwaniyyat aufzuzeigen.

Durch die Ölvorkommen in Kuwait war der Herrscher außerdem von Steuereinnahmen unabhängig und konnte seine Machtposition damit stärken. Darauf wird in Kapitel 4 noch genauer eingegangen.

„The amirs have been careful to distribute revenues in politically useful ways.“ (Crystal, 1989: 433)

Kuwaits Geschichte selbst bietet wenig Anlass solche Tendenzen zu vermuten. Die lange Zeit der Besatzung deutet eher auf ein repressives System hin, vor allem da erst im späten 20ten Jahrhundert die Unabhängigkeit erlangt wurde. Doch auch danach war Kuwaits Geschichte von Krieg und Besatzung geprägt. Der zweite Golfkrieg ließ Kuwait kurzfristig unter irakische Herrschaft fallen und somit die politische Ordnung erzittern.

Doch trotz den Besatzungen blieb stets eine Konstante: Die Diwaniyyat. In diesen werden aktuelle Geschehnisse besprochen sowie soziale Kontakte gepflegt. Die Widerstandsfähigkeit dieser Institutionen bietet dementsprechend Grund zur Annahme, dass sie den Staat stärken, formen und stützen. Auf diese wird in Kapitel drei noch näher eingegangen.

Ihr Einfluss auf das soziale und politische Leben muss daher untersucht werden, um eventuelle Einflüsse republikanischer Demokratietheorie zu veri- oder falsifizieren.

2. Theoretisches Grundmodell

Der Republikanismus ist ein politisches System, dass dem Prinzip der „größtmöglichen Freiheit“ (Schachtschneider, 1994: 3) folgt. Dies bedeutet, dass eine Herrschaftsausübung durch übergeordnete Institutionen oder Personen nicht statthaft ist. Es beschreibt stattdessen die Abwesenheit staatlicher Herrschaft. Die Begründung liegt in der Gleichheit aller Bürger, welche sich durch die gleichen Freiheiten dieser auszeichnet. Jedoch wird die Egalität durch Institutionen geschützt, denn ohne diesen Schutz wäre es möglich, dass jemand in seinen Rechten beschränkt wird.

„Without these guarantees, an agent can easily lose his freedom, insofar as his freedom depends upon the will of another.“ (Nadeau, 2004: 123)

Da eine staatliche Herrschaft nicht stattfindet, entscheidet das Volk gemeinschaftlich und direktdemokratisch über seine Belange. In modernen Staaten ist dies nicht in einer allgemeinen Versammlung, beispielsweise der griechischen Polis, möglich, sowohl aufgrund der geographischen Gegebenheiten als auch der Bevölkerungszahl. Stattdessen werden lokale Vertreter gewählt, die jedoch nicht ihre Wähler beherrschen sollen, sondern von diesen beherrscht werden. Er setzt sich für die getroffenen Entscheidungen in Vertreterversammlungen ein. In republikanischen Staaten sind die Gliedstaaten deshalb in der Regel besonders stark.

„Ohne ein Parlament aus den Vertretern des ganzen Volkes aber ist die allgemeine Autonomie des Willens, also die Freiheit aller Bürger, nicht realisierbar.“ (Schachtschneider, 1994: 638)

Bei der Gesetzgebung ist der Freiheitsgrad von den Bürgern dennoch selbst abhängig. Aufgrund ihrer starken Stellung zeichnet sich ihre Mentalität in den Gesetzen wider. Eine moralisch richtige Gesetzgebung kann es daher nicht geben.

„Moralität ist ihrem Begriff nach nicht erzwingbar.“ (ebd.: 819)

3. Forschungsdesign

Im Rahmen dieser Arbeit muss die Diwaniyyah (Plural: Diwaniyyat) genauer untersucht werden. Sowohl die traditionelle Rolle als auch die zeitliche Entwicklung sind für die Fragestellung relevant, besonders da die kuwaitische Form der Diwaniyyah einzigartig ist. Der Name leitet sich aus dem arabischen Wort „diwan“ her, „[…] a place where people gather an discuss the state of affairs of the country and other matters of common interest.“ (Al-Naser, 2001: 4)

Traditionell war die Diwaniyyah ein Ort für kuwaitische Männer, an dem sie sich trafen um über sozio-ökonomische, politische, kulturelle und andere Themen zu sprechen. Dieser war in der Regel ein Anbau an das eigentliche Haus und unterlag keiner hierarchischen Ordnung, weder gewählt noch tribal. Jeder konnte seine Meinung frei äußern ohne Repressionen durch den Staat oder andere Institutionen zu befürchten. Die Diwaniyyat entwickelten sich zum sozialen Mittelpunkt, an dem fast alle sozialen Interaktionen stattfanden. „The lack of alternative forums for social interaction greatly enhanced the status of the diwaniah.“ (ebd.: 8).

Jedoch war die Ausrichtung einer Diwaniyyah auf die obere Schicht beschränkt, da neben den entsprechenden Räumlichkeiten auch eine angemessene Verpflegung sowie Schlafplätze für angereiste Gäste zur Verfügung gestellt werden mussten. Außerdem stellte die Häufigkeit der Nutzung eine finanzielle Belastung dar, die nur von wohlhabenden Personen getragen werden konnte.

„The doors of a diwaniah were always kept open especially in the evenings […]“ (ebd.: 7)

Dies änderte sich jedoch im Laufe der Zeit aufgrund der Wandlung Kuwaits in einen Rentierstaat und der daraus resultierenden Distributionspolitik des Staates. Der wachsende Reichtum innerhalb der Bevölkerung führte zum exponentiellen Anstieg der Diwaniyyat, die sich auch von ihrer Form her veränderten. Es entwickelten sich reine Diwaniyyat nur für Frauen sowie gemischte Diwaniyyat. Auch sind sie nichtmehr durchgängig geöffnet, sondern es gibt feste Termine an denen sie stattfinden.

„Nowadays, the sessions are scheduled every fortnight, weekly, or as some have it daily.“ (ebd.: 11)

Der nächste wichtige Punkt den es zu erläutern gilt ist die in dieser Arbeit verwendete Bezeichnung des kuwaitischen Bürgers. Als Bürger werden die Personen bezeichnet, die die kuwaitische Staatsbürgerschaft haben. Den Gegensatz zu ihnen bilden die Ausländer und Staatenlosen, die sogenannten Bidun. Die Bidun sind zum großen Teil Beduine, die im Gebiet Kuwaits lebten, jedoch bei der Gründung Kuwaits keine Staatsbürgerschaft bekamen.

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Details

Seiten
14
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656747062
ISBN (Buch)
9783656747000
Dateigröße
508 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v280763
Institution / Hochschule
Technische Universität Darmstadt
Note
2,7
Schlagworte
system kuwait rolle diwaniyyat

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Titel: Das politische System in Kuwait und die Rolle der Diwaniyyat