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Weibliche Sexualität im Alter

Hausarbeit (Hauptseminar) 2014 34 Seiten

Psychologie - Beratung, Therapie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Begriffsdefinition Sexualität und Alterssexualität
2.2 Die drei Dimensionen der Sexualität
2.2.1 Die Fortpflanzungsdimension
2.2.2 Die Lustdimension
2.2.3 Die soziale Dimension
2.3 Bedeutung von Sexualität im Alter
2.4 Lebensformen im Alter und Sexualität
2.4.1 Herausforderung: Sexualität in Pflegeeinrichtungen
2.5 Störungen der sexuellen Funktion
2.5.1 4-Ebenen-Modell sexueller Funktionsstörungen
2.5.2 Ursachen der Funktionsstörungen bei Älteren
2.5.3 Körperliche Veränderungen und Sexualität bei Frauen
2.5.4 Beeinträchtigung sexueller Funktionen durch hormonelle Veränderungen
2.5.5 Vermindertes sexuelles Verlangen
2.5.6 Erregungs- und Orgasmusstörungen
2.5.7 Schmerzen beim sexuellen Verkehr (lat. Dyspareunie; Vulvodynie)
2.5.8 Inkontinenz
2.5.9 Nebenwirkungen von Medikamenten
2.5.10 Drogen
2.6 Theorie und Forschung der (weiblichen) Alterssexualität
2.6.1 Theoretische Konzepte
2.6.2 allgemeine Forschungslage zur (weiblichen) Alterssexualität
2.6.3 Konsequenzen
2.7 Empfehlungen für die Sexualberatung älter Frauen
2.7.1 Grundhaltung des Beraters/der Beraterin
2.7.2 Sexual- und Partnerschaftsberatung im Alter

3. Zusammenfassung

4. Literatur:

1. Einleitung

Deutsche Filme, wie „Wolke 9“1 oder „Die Spätzünder“ (2010) thematisieren, was privat und gesellschaftlich eher verniedlicht oder tabuisiert wird: Sexualität2 im Alter (vgl. Baas/Schmitt 2010, S. 381; vgl. Dinkel 2008, S. 427; vgl. Jürgensen 2001, S 71). Ob- wohl es keine Altersgrenze für befriedigend erlebte Sexualität und Zärtlichkeit gibt (Jür- gensen 2001, S. 81), wird Alterssexualität in der Öffentlichkeit ambivalent dargestellt:

„Einerseits scheinen die mit dem Alter häufig assoziierten Merkmale wie Verlust der körperlichen Attraktivität, Zunahme an Erkrankungen und körperlichen Funktionseinschränkungen im Gegensatz zu Lust, Sinnlichkeit und Erotik zu stehen. Andererseits wird häufiger die Position vertreten, Sexualität werde mit dem Alter besser, häufiger, problemloser.“ (Baas/Schmitt 2010, S. 381)

Die Forschung interessiert sich eher für das Entstehen von Partnerschaften, Scheidungs- prädikatoren und die Situation von Menschen im mittleren Erwachsenenalter (vgl. Baas/Schmitt 2010, S. 383). Auch Beratungsangebote richten sich häufig gezielt an jüngere Paare, Frauen oder Familien mit Kindern (z.B. Schwangerenberatung, Kinderwunschbera- tung, Erziehungsberatung). Es scheint, als gäbe es kaum ein Bewusstsein für den (Sexual- )Beratungsbedarf älterer Menschen, Paare und Frauen, besonders hinsichtlich der sich ver- ändernden Sexualität3.

Insbesondere Frauen wurden bis vor 30 Jahren nach den Wechseljahren entwertet und enterotisiert (vgl. Schrader/Bolz 2013, S. 155; vgl. Lenz 1988, S. 104). Einen Grund dafür sieht Schultz-Zehden im gesellschaftlichen „double standard of aging“, was bedeutet, dass Frauen, anders als Männer, zeitiger als „unattraktiv, alt und asexuell wahrgenommen wer- den“4. Aufgrund des demographischen Wandels5, der dafür sorgt, dass in Deutschland im- mer mehr ältere Menschen leben, aufgrund der höheren Lebenserwartung von Frauen im Allgemeinen6 und auch weil kommende Seniorinnen Beratungsangebote kennen (z.B. pro familia, Caritas, Diakonie) und weniger Scheu haben, sie anzunehmen wird sich der Bera- tungsbedarf älterer Frauen erhöhen (vgl. Schrader/Bolz 2013, S. 166). Vor dem Hinter- grund einer lebenslang andauernden und sich entwickelnden Sexualität sollten gerade Se- niorinnen mit den Herausforderungen, die ihre Lebenssituation und Entwicklung beinhal- ten mag in den Focus von Forschung und professioneller Beratung geraten (Blonski 2013, S. 78).

Diese Seminararbeit beschäftigt sich mit dem Thema Alterssexualität bei Frauen. Im Hauptteil wird zunächst der Versuch unternommen, den Begriff Sexualität zu definieren. Anschließend werden die Bedeutung von Sexualität im Alter und die körperlichen Verän- derungen, die mit dem Altern einhergehen untersucht und deren mögliche Auswirkungen auf die Psyche und Sexualität dargestellt. Diesen Betrachtungen schließt sich ein Überblick über bisherige und aktuelle empirische Studien zum Thema Alterssexualität (bei Frauen) an. Zum Schluss leitet die Autorin aus der inhaltlichen Erörterung des Themas, thesenartig Konsequenzen und Empfehlungen für die Beratungsarbeit mit Älteren ab. Es ist durch den begrenzten Umfang dieser Arbeit leider nicht möglich detailliert auf mögliche Therapie- formen einzugehen.

2. Hauptteil

2.1 Begriffsdefinition Sexualität und Alterssexualität

Häcker & Stapf (2004, S. 859) definieren den Begriff Sexualität [lat. sexus Geschlecht] als einen mehrdeutigen, welcher sowohl die Geschlechtlichkeit des Männlichen und Weibli- chen bezeichnet als auch den an Variationen reichen Geschlechtstrieb mit seiner kulturel- len Gestaltungskraft. Sexualität ist eine umfassende Lebensäußerung und ein lebenslanges Bedürfnis (vgl. Baas/Schmitt 2010, S. 381; Freud zit. n. Charlier 2007, S. 144). Sie ist eine Lebensenergie und Kraftquelle, die physisch, psychisch und geistig wirksam ist in allen Phasen des menschlichen Lebens (vgl. Charlier 2007, S. 144). Der Mensch ist von der Zeugung an ein geschlechtliches Wesen und somit ist Sexualität ein Bestandteil der Per- sönlichkeit. Sexualität unterliegt Veränderungen (vgl. Dinkel 2008, S. 426). Nach Häcker & Stapf (2004, S. 859; vgl. Dinkel 2008, S. 425) wird sie beeinflusst und geprägt durch endogene (Erwartungen, Wünsche, Persönlichkeitsstruktur) und exogene Determinanten (z.B. individuelle Erfahrungen; soziale, gesellschaftliche, religiöse Prägungen). Dinkel (2008, S. 425) betont in seiner Begriffsbestimmung den körperlichen Aspekt. Er schreibt:

„Sexualität ist ein komplexer psycho-physischer Prozess. Sexualität umfasst jedes Verhalten, das zu einer sexuellen Reaktion des Körpers führt oder mit der Reizung und Erregung der Sexualorgane verbunden ist.“ (Dinkel 2008, S. 425).

Der Begriff Alterssexualität ist in der Wissenschaft und Literatur umstritten. Das liegt zum einen daran, dass es schwierig ist, dass Alter allein anhand des Kalenders, also in Lebens- jahren zu messen (Sdun 2001, S. 11). Dieses Vorgehen ist für statistische Zwecke erforder- lich. Weiterhin spielen das biologisch-medizinische Altern (Veränderungen von Körper und Nervensystem, Mulitmorbidität), der soziale Altersbegriff (Vergleich von jüngeren und älteren Bevölkerungsgruppen), das psychologische (Auffassung und Verarbeitung des altersbedingten Zustandes und Bildung des Selbst) und das soziologische Altern (Gewinn und Verlust von Positionen im individuellen und kollektiven Leben) eine Rolle (Sdun 2001, S. 12f.). Das Herausheben der Alterssexualität empfinden einige als Stigmatisierung, während andere ihre Besonderheiten betonen und dieser Phase der sexuellen Entwicklung Aufmerksamkeit zukommen und Bedeutung verleihen möchten. So schreibt Ebberfeld (1992, S. 18):

„Das Wesen der Alterssexualität ist das Echo der bisher gelebten Sexualität. Darin liegt die Besonderheit dieser Sexualität und begründet ihre Sonderstellung im sozialwissenschaftlichen Raum.“

Alterssexualität umfasst nach Sdun (2001, S. 18) die „letzte Phase menschlicher Sexuali- tät“. Auch wenn im Allgemeinen der Eintritt in diese Phase durch das kalendarische Alter gemessen wird, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass sich damit Veränderungen in biolo- gisch-physiologischen Funktionen und/oder im Sexualverhalten einstellen müssen (Sdun 2001, S. 18; vgl. Ebberfeld 1992, S. 15). Dennoch haben sexualwissenschaftliche For- schungen ergeben, dass mit dem Altern biologische Veränderungen der Geschlechtsorgane einhergehen (Masters & Johnson 1984 zit. n. Sdun 2001, S. 18). Die Alterssexualität be- schäftigt sich v.a. mit den sexuellen Aktivitäten Älterer. Als Messfaktoren gelten in der Forschung die Häufigkeit von Geschlechtsverkehr, Masturbation und Orgasmus (vgl. Ebberfeld 1992, S. 22, 34, 42). Insgesamt wird deutlich, dass SeniorInnen Sexualität in ihrer Lebensphase als bereichernder einschätzen, weil sie intensiver erlebt wird, befreit ist vom Leistungsdruck, die Sorge um die Verhütung wegfällt und weil Zärtlichkeit und lie- bevoller Umgang wichtiger werden, um nur einige Faktoren zu nennen (vgl. Sdun 2001, S. 19)

2.2 Die drei Dimensionen der Sexualität

Die folgende Grafik zeigt drei Hauptdimensionen und -funktionen von Sexualität nach Stanjek (1998) auf (zit. n. Charlier 2007, S. 145). Sie können einzeln und/oder mit ihren Wechselwirkungen aufeinander betrachtet werden. Je nach Lebensphase und Geschlecht des Menschen, die einhergeht mit körperlichen und seelischen Veränderungen, haben sie eine andere Gewichtung im Lebenslauf. Wendt (1994, S. 690f.) ergänzt die Dimensionen der Sexualität um eine vierte, die Sublimation (Verbesserung der intellektuellen und men- talen Fähigkeiten).

Abbildung 1: Die drei Funktionen der Sexualität nach Stanjek (1998)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2.1 Die Fortpflanzungsdimension

Die Fortpflanzungsdimension steht für den Erhalt der Menschheit im Allgemeinen und hat daher eine große Bedeutung (Scheider 2000, S. 204). Durch Geschlechtsverkehr werden Kinder gezeugt, die den Fortbestand der Menschheit und Gesellschaft sichern sollen. Die Zahl der menschlichen Lebewesen steigt ständig, die Geburtenrate bzw. demographische Entwicklung einzelner Länder unterliegt jedoch Schwankungen. Die einzelnen Gründe dafür werden in dieser Seminararbeit aufgrund des begrenzten Umfangs ausgespart. Ge- schlechtsabhängig ist die Fortpflanzungsmöglichkeit mindestens bei Frauen biologisch beschränkt mit dem Vollzug des Klimakteriums (Schneider 2000, S. 204). Für beide Ge- schlechter gilt, dass auch mit zunehmendem Lebensalter bei den meisten Menschen der Wunsch nach Kindern abnimmt. Außerdem gehen mit den körperlichen Veränderungen auch ein Wandel des sexuellen Verhaltens von Frauen und Männern einher (Charlier 2007, S. 145).

2.2.2 Die Lustdimension

Das Thematisieren der Lust als Lebensenergie und gesunder Trieb (Libido) als eine weitere Funktion der Sexualität hat zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch den Begründer der Psychoanalyse S. Freud an Bedeutung gewonnen (Charlier 2007, S. 145). Sie umfasst die Befriedigung sexueller Gefühle durch Geschlechtsverkehr, Fantasien oder Autoerotik (Baas/Schmitt 2010, S. 381).

2.2.3 Die soziale Dimension

Die soziale Funktion der Sexualität wird mit zunehmendem Alter wichtiger. Das Bedürfnis der Demonstration des Selbstwertes und des Status´, der Kommunikation von Nähe und Zuneigung bzw. in seiner Identität anerkannt und wahrgenommen zu sein, bleibt ein Leben lang erhalten (Schneider 2000, S. 204). Sexualität meint hier Handlungen jenseits des Geschlechtsaktes, um Kontakt aufzunehmen und Beziehungen zu gestalten und beinhaltet die Weitergabe und Entgegennahme von lustvollen körperlichen Gefühlen durch Hautkontakt (z.B. umarmen, streicheln, Hand halten), küssen, flirten, Augenkontakt usw. (vgl. Charlier 2007, S. 145; Schneider 2000, S. 204; Dinkel 2008, S. 427).

2.3 Bedeutung von Sexualität im Alter

Die Entwicklung der Sexualität im Alter ist abhängig von vielen inneren und äußeren Wirkfaktoren, persönlichen Erlebnissen, der Einstellung zu den Themen Körperlichkeit, Nähe und Zärtlichkeit. Ob Sexualität als lästige Pflichterfüllung oder als lustvoll und natür- lich bewertet wird, hängt mit der Sozialisation (z.B. liberale oder konservative Erziehung; Religionszugehörigkeit), dem gesellschaftlichen Umgang mit Sexualität (Bewertung von Sexualität in unterschiedlichen Generationen) und den persönlichen Erfahrungen des Indi- viduums (z.B. sich missverstanden fühlen durch Sexualität; Freude und Kraft schöpfen; unerfüllte Sehnsucht nach Nähe; Traumatisierung durch sexuellen Missbrauch, Gewalt und/oder Vergewaltigung) zusammen. Während für einige Frauen Sexualität ein scham- oder angstbesetztes Thema ist, haben andere einen ganz freien Umgang damit. Die im Le- benslauf gewonnene Einstellung zur sich ständig im Wandel befindenden Sexualität nimmt Einfluss die Sexualität im Alter. Auch die bisher gelebten Formen des Zusammenlebens sind bedeutend. Ob eine Frau ein Singledasein oder in einer festen Partnerschaft gelebt hat, beeinflusst die Entwicklung der Alterssexualität (pro familia 2004, S. 6f.). Aufgrund der höheren Lebenserwartung von Frauen, haben diese seltener die Möglichkeit, sexuelle Be- dürfnisse auszuleben, so dass einige eine lesbische Neigung entwickeln (pro familia 2004, S. 7; vgl. Schneider 2000, S. 208). Während der Mensch nur bedingt auf die individuellen körperlichen Veränderungen und die äußeren Faktoren einwirken kann, besteht immer die Möglichkeit, die eigenen Bewertungen zu reflektieren und ggf. diesen Veränderungen an- zupassen und so die damit verbundenen spezifischen Herausforderungen zu meistern.

2.4 Lebensformen im Alter und Sexualität

2.4.1 Herausforderung: Sexualität in Pflegeeinrichtungen

Eine besondere Herausforderung für das Ausleben sexueller Bedürfnisse stellt die Heimunterbringung dar. Folgende Faktoren erschweren die Befriedigung sexueller Ambitionen (vgl. Charlier 2007, S. 147; vgl. pro familia 2004, S. 8f.; Grond 2001, S. 72):

- keine Rückzugmöglichkeiten für unverheiratete Liebespaare oder Paaren (ab- schließbare Räume), wenn diese in (gleichgeschlechtlichen) Mehrbettzimmern untergebracht sind
- Verletzung des Schamgefühls durch Übernahme der Intimpflege durch Fremde; mögliche Verstärkung dieses Gefühls durch die Pflegetätigkeit des anderen Ge- schlechts
- eingeschränkter Freiraum durch Tagesstruktur im Heim
- eingeschränkte Privatsphäre durch öffentliche Wohnräume oder die zwangs- weise Unterbringung in Mehrbettzimmern
- mögliche negative Bewertung des sexuellen Begehrens Älterer, übergriffiges Handeln Pflegender (kein Anklopfen; Duzen)
- negative Bewertung gleichgeschlechtlichen sexuellen Begehrens in Zwangsge- meinschaften durch Frauen- oder Männerüberschuss
- sexuelle Übergriffe in Abhängigkeitssituationen zwischen Bewohnern oder Pflegepersonal und Bewohnern, das sich zum Teil in der Abnahme der rationa- len Triebkontrolle, die mit der Altersverwirrtheit schwindet, begründet
- kein Heimzugang für Sexualtherapeuten oder Prostituierte

2.5 Störungen der sexuellen Funktion

2.5.1 4-Ebenen-Modell sexueller Funktionsstörungen

Tabelle 1 zeigt das geschlechtsunabhängige allgemeine 4-Ebenen-Modell sexueller Funktionsstörungen nach Langer & Hartmann 1992 (zit. n. Jahn 2008, S. 430).

2.5.2 Ursachen der Funktionsstörungen bei Älteren

In seinem Modell führt Kaplan (zit. n. Grond 2001, S. 81) sexuelle Funktionsstörungen auf unmittelbare und tiefer liegende Ursachen zurück.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Ursachen der Funktionsstörungen bei Älteren (nach Kaplan)

2.5.3 Körperliche Veränderungen und Sexualität bei Frauen

Vielfältige biologische Veränderungen kennzeichnen den Prozess des Alterns. Der Körper verändert sich endo- und exogen, was Auswirkungen auf das Körperbild hat, z.B. durch den Verlust der Spannkraft und Leistungsfähigkeit (pro familie 2004, S. 19). Gefühle der Unsicherheit, des Schams und sogar des Ekels können sich dem eigenen Körper gegenüber und in Partnerschaften und Beziehungen Älterer einstellen, wenn die eigene Physis nicht mehr dem Vorbild des gesellschaftliches Anspruchs der „Kultur ewiger Jugend“ entspricht (vgl. pro familia 2004, S. 10). In Partnerschaften kann das Ablehnen des eigenen Körpers dazu führen, dass eine Angst vor Abweisung entsteht, so dass das Zulassen von Berührun- gen oder von Nacktheit vermieden wird (vgl. pro familia 2004, S. 10). Die körperlichen Veränderungen in Form von grauen Haaren und Falten laden zu einer neuen Auseinander- setzung mit der eigenen Bewertung von Attraktivität ein, denn oft sind gerade Frauen Op- fer von Klischees und traditionellen Rollenbildern (vgl. pro familia 2004, S. 10). Attrakti- vität ist jedoch weniger ein Zustand, als vielmehr im Fluss und daher nicht unbedingt an Äußerlichkeiten gebunden, sondern sie besteht auch aus der Anziehungskraft der Persön- lichkeit (Charakter, aktive Persönlichkeitsbildung). Nicht nur das natürliche Altern verän- dert den Körper, auch medizinische Maßnahmen, wie z.B. Narbenbildung in Folge opera- tiver Eingriffe, z.B. Mamaamputation können Schamgefühle nach sich ziehen, die auch den Rückzug von sozialen Kontakten bis hin zur Vereinsamung zur Folge haben können (Schrader/Bolz 2013, S. 158). So gleicht die Annahme der körperlichen Veränderungen einem Trauerprozess, der Zeit in Anspruch nimmt (vgl. Schrader/Bolz 2013, S. 158):

- sich von etwas verabschieden, über das Sichtbare hinaus
- das Unsichtbare, die alte Lebensphase loslassen - den Abschiedsschmerz spüren,
- Neuorientierung & Auseinandersetzung mit dem Neuen
- Mut investieren, Hilfe annehmen, neues Körper- und Lebensgefühl entwickeln

[...]


1 Quelle: Wolke9.de. Online im Internet unter http://wolke9.de, Stand 10.06.2014

2 Die speziellen Herausforderungen, die Inter-, Homo-, Bi- oder Transsexualität und weitere Formen der Sexualität ggf. mit sich bringen, werden außen vor gelassen, da sie eher eine Minderheit der Bevölkerung betreffen und im begrenzten Rahmen dieser Seminararbeit nicht umfassend aufgegriffen werden können.

3 Quelle. Berufsverband der Frauenärzte e.V. (Hrsg.). Sex im Alter. Online im Internet unter http://www.frauenaerzte-im-netz.de/de_sexualstoerungen-was-sind-sexualstoerungen-bei-frauen-_421.html, Stand 13.7.2014

4 Quelle. Fu-berlin.de. (2011). Wie wandelt sich Sexualität im Alter? Das Sexualleben älterer Frauen - ein tabuisiertes Thema. Online im Internet unter: http://www.fu berlin.de/presse/publikationen/fundiert/archiv/2004_01/04_01_schultz-zehden/index.html, Stand 15.07.2014

5 siehe Anhang

6 siehe Anhang

Details

Seiten
34
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656745068
ISBN (Buch)
9783656745044
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v280581
Institution / Hochschule
Theologische Hochschule Friedensau – Christliches Sozialwesen
Note
1,0
Schlagworte
weibliche sexualität alter

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