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Theorien der Landschaftspräferenz

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 34 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Allgemeines, Grundlagen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Landschaftspräferenz

2 Begriffe der Landschaftspräferenz
2.1 Der Begriff Landschaft
2.2 Der Begriff Präferenz

3 Die Entstehung der Präferenz

4 Theorien der Landschaftspräferenz
4.1 Die Savannentheorie
4.1.1 Kritische Betrachtung der Savannentheorie
4.1.2 Der Wandel des biologischen Ansatzes
4.1.3 Der Mensch und die Savanne
4.2 Der Ansatz von Kaplan und Kaplan
4.2.1 Der Begriffe Kohärenz, Komplexität, Lesbarkeit und Mysteriösität
4.2.2 Kritische Aspekte der Theorie Kaplans
4.2.3 Der Ansatz von Trepl

5 Verfahrensablauf von Präferenzstudien

6 Landschaft und Präferenz am Beispiel Schweiz

7 Der Reiz einer Landschaft

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Caspar Friedrichs "Böhmische Landschaft" (1808)

Abbildung 2: Blick über Baumsavanne Richtung Etosha

Abbildung 3: Verhältnis der Modellprädikatoren zueinander

Abbildung 4: Visuelle Landschaftspräferenz

Abbildung 5: Verfahrensablauf bei Präferenzstudien

Abbildung 6: Ergebnis der Beurteilung von Wiederbewaldungsszenarien im Rahmen einer einer gesamtschweizerisch-repräsentativen Befragung

Abbildung 7: Beurteilung von Szenarien der Landschaftsentwicklungen. Bewertet wurde auf einer Skala von 1 bis 5 aufsteigend

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Präferenzmatrix nach KAPLAN und KAPLAN (1989)

1 Landschaftspräferenz

„Jene unbewohnten, mit Wald bedeckten, gesichtslosen Ufer des Casiquiare beschäftigen damals meine Einbildungskraft […] Der Boden ist dicht bedeckt mit Gewächsen […] Krokodile und Boas sind die Herren des Stroms; der Jaguar, der Pecari, der Tapir und die Affen streifen durch den Wald, ohne Furcht und ohne Gefahr; Dieser Anblick der lebendigen Natur hat etwas Befremdendes und Tristes.“ (ETTE 1999, S. 19). Diese Beschreibung der Ufer des Casiquiare, dem linken Quellfluss des Rio Negro, ist auf den Forscher und Entdecker Alexander v. Humboldt zurückzuführen. Beschreibungen von Landschaften lassen sich neben Forschungen und Entdeckungsreise, in Literatur und Kunst vielfältig finden. Diese Landschaften finden stets unterschiedliche Eigenschaften und werden unterschiedlich gemalt. Dennoch scheint es so, als hätte der Dichter oder der Autor, genau wie alle anderen, dass gleiche Bild einer Landschaft im Sinn. Im alten China setzte sich das Wort Landschaft aus zwei Schriftzeichen zusammen, dem Zeichen für Berg und dem Zeichen für fließendes Wasser. Der Landschaftsbegriff wandelte sich jedoch im Laufe der Zeit und während in der Antike Landschaften geographische Räume demonstrierten, im Mittelalter Macht und Herrschaft, waren in der Romantik Landschaften auch ein Symbol für Freiheit (KÜSTER 2012). Wenn Menschen heutzutage in den Urlaub fahren, ziehen sie bestimmte Landschaften vor in denen sie erholen wollen. Auch erste Siedlungen oder Burgen entstanden in bestimmten Gebieten, da die Landschaft besser geeignet schien. Strategische, biologische oder ästhetische Gründe. Die Ursache für Präferenzen können verschiedenen sein. Einige Theorien versuchen zu erklären, warum Menschen bestimmte Landschaften präferieren, wie solche Präferenzen zustande kommen und was eine Landschaft an Kriterien aufweisen muss, um präferiert zu werden. Solche Theorien sind immer geprägt davon, dass es dem Individuum möglich sein kann sich regelwidrig zu verhalten, es sind folglich deterministische Annahmen. Stellt eine Theorie eine Gültigkeit auf, so gibt es immer mögliche Ausnahmen und Aspekte die nicht vollständig schlüssig sind. Dennoch sollen im Folgenden einzelne Aspekte der Landschaftspräferenz und der Theorien betrachtet werden, unter dem Aspekt, dass diese im Wesen allgemein zutreffend sind.

2 Begriffe der Landschaftspräferenz

Um sich im Folgenden mit der Thematik Landschaftspräferenz zu befassen, ist es notwendig die Begriffe, die maßgeblich sind, zu definieren, oder einen Versuch einer Definition zu wagen. Landschaftspräferenz soll dabei getrennt als Landschaft und Präferenz betrachtet werden, um daraus einen neuen Eindruck auf den Gesamtbegriff zu erzielen. Sowohl der Begriff Landschaft als auch der Begriff Präferenz können nicht einheitlich definiert werden. Vor allem der Begriff Landschaft ist vielmehr im Wandel der Zeit und unter Einflüssen der Natur-, Geistes- und Kulturwissenschaften entstanden. Sowohl Landschaft als auch Präferenz sind Begriffe, die unweigerlich mit einem Subjekt zusammenhängen. Eine Landschaft muss von einem Standpunkt aus durch einen Betrachter als solche auch wahrgenommen werden. Präferenzen sind Ergebnisse menschlicher Entscheidungskraft und unterliegen damit auch dem Einfluss des jeweiligen Akteurs. Die Problematiken sollen genauer betrachtet werden, unter der Berücksichtigung des Themas Landschaftspräferenz.

2.1 Der Begriff Landschaft

Der Begriff Landschaft wird in vielerlei Hinsicht häufig und nahezu alltäglich verwendet. Doch dabei findet er verschiedene Anwendungen. Landschaft als Gebiet oder Territorium. Landschaft als Umwelt, möglichst unberührte Natur, oder Landschaft als Gegenteil zur Stadt (KÜSTER 2012). Aus Sicht der Geographie stellt eine Landschaft einen Raum dar, in dem Geosphäre, Biosphäre und Atmosphäre als Wirkungsgefüge aufeinander treffen. Dabei unterscheidet LESER (2010, S. 481) nach Kulturlandschaft und Naturlandschaft. Naturlandschaften stellen dabei Räume dar, die von natürlichen Faktoren beeinflusst werden und somit auch als frei von anthropogenen Eingriffen gesehen werden kann. Solche Landschaften kommen in Mitteleuropa teilweise gar nicht mehr vor, lediglich in bestimmten Höhen der Alpen findet sich solcher Raum (ebenda, S. 596). Eine Kulturlandschaft, als dauerhaft beeinflusster Raum durch den Menschen, entsteht aufgrund der Wechselwirkungen und Auftreten der Grunddaseinsfunktionen. Diesbezüglich wird der Raum vor allem als Siedlungs-, Wirtschafts- und Verkehrsraum betrachtet (ebenda, S. 464). Aus Sicht der Naturwissenschaften soll die Definition den Begriff Landschaft eingrenzen und ihm gewisse Kriterien zuordnen, dies gelingt jedoch nur teilweise, dies zeigt vor allem die Vielzahl an Definitionsansätzen (TREPL 2012). Bei der Betrachtung der Herkunft des Begriffes Landschaft, lässt sich dieser auf das Wort Land und das Suffix -schaft zurückführen. Germanischen Ursprunges musste das Wort offene oder freie Fläche bedeutet haben, doch bereits im Mittelalter wandelte sich der Begriff und wurde Synonym für Gebiet oder Territorium. Das Suffix bezieht sich dabei auf Schaffen, abgeleitet von Beschaffenheit. Diesem Ansatz zu Folge, wäre Landschaft ein konstruierter Raum, bei dem aber der Mensch eine entscheidende Rolle einnimmt (KLUGE, 2002). Der zu Beginn der Arbeit erwähnte Alexander v. Humboldt schuf seiner Zeit einen Ansatz geographischer Definition des Begriffes Landschaft. Humboldt sprach von einem „Totaleindruck einer Gegend, die beim Betrachter entsteht“ (HARD 1970, S.

49f.). Der Begriff der Landschaft wird in der Geographie verwendet um Gebiete abzugrenzen, sie zu vergleichen oder zu benennen. Kulturell oder Kunsthistorisch, wird mit Landschaft ein Eindruck oder Emotionen, abhängig vom Betrachter, etwa wie Schönheit, verbunden. Somit muss der Begriff Landschaft als Konstrukt gesehen werden, dass sich im Laufe der Zeit aus einer geographischen Vorstellung und einer Interpretation der Literatur und Kunst, zu einem Begriff geeint hat. Der Begriff ist schon alleine deshalb nicht eindeutig zu definieren. Hinzu kommen noch die Prägungen verschiedenster Epochen der Kulturen und Kunst, die Landschaft immer neu zu verstehen versuchten (TREPL 2012). Umgangssprachlich findet daher der Begriff Landschaft als Gesamteindruck eines Raumes Verwendung und ist damit auch ein erlebtes Bild der Landschaft (LESER 2010). Auf einer philosophischen Ebene, unter Berücksichtigung der Sprachkritik nach Ludwig Wittgenstein (WINDHOLZ, FEIGL 2011), muss die Definition des Begriffes Landschaft an seiner komplexen Realität scheitern. Das besondere jedoch an dem Begriff Landschaft ergibt sich darin, dass er mit Ästhetik verbunden ist. Wird von einer Landschaft gesprochen, wird Schönheit und Harmonie damit assoziiert. Eine zerstörte Landschaft, die den Anspruch der Ästhetik nicht mehr erfüllt, vermag keine Landschaft mehr zu sein. Landschaften können zwar auch bedrängend, verschmutzt oder heroisch wirken, jedoch bleibt festzuhalten, dass Landschaften eine Stimmung transportieren (TREPL 2012, S.17). Landschaft ist, im Vergleich zu Bergen oder Bäumen die eine Landschaft prägen, aber kein greifbarer Gegenstand, der festgemacht werden könnte an Kriterien. Dennoch ergeben sich an eine Landschaft Ansprüche und Vorlieben, die bestimmte Landschaften von anderen abheben, weswegen diese meist präferiert werden.

Landschaften wurden vor allem von Malern eingefangen und erfasst. Die Kunst befasst sich mit als erste Wissenschaft damit, weshalb im 18. Jahrhundert eine Landschaft eine künstlerische, bildliche Darstellung einer Gegend war (KÜSTER 2012, S. 28). Landschaft war und ist damit auch immer eine Art Reflexion gewesen. Damit wird auch ersichtlich, dass Landschaft immer Interpretation sein muss. Eine Gruppe Bäume, kann nur als solche wahrgenommen werden, sobald diese auch reflektiert und als Bäume interpretiert werden. Dies löst auch den Begriff Landschaft aus der Naturwissenschaft, die Landschaft alleine an physikalischen Werten erfassen möchte. Folgendes Bild zeigt ein Gemälde aus dem 18. Jahrhundert, dass eine paradiesähnliche Landschaft darstellen soll.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Caspar Friedrichs "Böhmische Landschaft" (1808)

Quelle: http://www.360-grad-blog.de

Kant schlussfolgerte, dass die Interpretationen einer Landschaft jedoch so komplex und schwerwiegend sind, dass Ästhetik und Präferenz nur ungenau erklärt werden kann. Kant trennt diesbezüglich das Nützliche einer Landschaft von der Schönheit. Präferenzen jedoch alleine aus dem Blickwinkel der Nützlichkeit zu betrachten wird auch in folgenden Theorien kritisch betrachtet. Diese Trennung von Nützlichkeit und Ästhetik der Landschaft verschwimmt vor allem mit Beginn der Neuzeit (BOURASSA 1991).

Wird von Landschaftspräferenz gesprochen, wird davon ausgegangen, dass Landschaft als solche wahrgenommen und über selbe reflektiert wird. Dies passiert jedoch meistens unterbewusst. Um eine Präferenz zu treffen muss folglich der Verstand in der Lage sein, Entscheidungen zu treffen, die an der Interpretation einer Landschaft hängen. Umgekehrt ist der Akteur also auch in der Lage, andere Landschaften zu diskriminieren, also gegenüber anderen nicht vorzuziehen. Dies ist ein entscheidender Aspekt in der Landschaftspräferenz. Landschaften müssen als solche reflektiert und interpretiert werden, dies setzt voraus, dass Entscheidungen getroffen werden anhand eines Auswahlmusters oder Algorithmus. Präferenzen einer Landschaft werden damit unterbewusst und immer wieder getroffen, ohne, dass sich der Akteur darüber bewusst wird. Für den Begriff der Landschaft spielen nach KÜSTER (2012) vor allem Reflexion, Interpretation und Emotionen eine tragende Rolle (KÜSTER 2012, S. 33ff.).

Der Begriff Landschaft lässt sich nicht eindeutig fassen. Er ist vielmehr ein Kontinuum aus Reflexion, Ästhetik, Nützlichkeit, Wahrnehmung durch den Betrachter und seiner Interpretation. Ebenso muss berücksichtigt werden, dass Landschaften einem steten Wandel unterliegen. Ein Element, dass in der Landschaft als störend empfunden wird, kann in einer anderen Umgebung wieder als wertvoller Beitrag betrachtet werden. Wird im folgendem von Landschaft gesprochen, muss vorausgesetzt werden, dass die Landschaft als feststehender Begriff nicht erfasst wird, sondern nach TREPL (2012) von einer Idee der Landschaft gesprochen wird. Jeder Versuch einer festen Definition und damit Begrifflichkeit der Landschaft, muss an der Komplexität der Realität scheitern.

2.2 Der Begriff Präferenz

Der Begriff Präferenz hat seinen Ursprung im lateinischem Wort praeferre, zu Deutsch vorziehen. Wird etwas präferiert, wird folglich etwas, einem anderen gegenüber vorgezogen. Der Begriff findet vor allem in den Wirtschaftswissenschaften Anwendung. Die Mikorökonomik betrachtet Wirtschaftssubjekte und unterstellt ihnen die Möglichkeit zwei Situationen so einzuschätzen, dass sie die, die für ihre Bedürfnisse zutreffende Situation, der Alternativen vorziehen, ohne dabei Widersprüche zu erzeugen. Folglich wird davon ausgegangen, dass Subjekte über die Eigenschaft verfügen, Situationen gegenüber anderen Situationen und der eigenen, zu bewerten und somit zu präferieren. Subjekte die präferieren verhalten sich in den Theorien der Wirtschaftswissenschaften schlüssig und rational, es gilt die Annahme der transitiven Präferenz, wobei nicht jeden Subjekten gleiche Präferenzen zugeschrieben werden (LORENZ 2011). Im Bereich der Psychologie befasst sich der Begriff Präferenz mit der Thematik Entscheidungen. Sowohl im Bereich der Volkswirtschaft, als auch in der Psychologie spielt der Faktor Risiko und Verlust eine große Rolle, wenn es sich, um das Thema Entscheidungen, bzw. Präferenzen handelt. In folgendem Punkt trennen sich aber die Theorien der Volkswirtschaft von denen der Psychologie. Die Volkswirtschaftslehre betrachtet, im Gegensatz zu der Psychologie, das Subjekt, dass sich mit der Entscheidung konfrontiert sieht, als ein abwägendes Subjekt. Es hat sämtliche Konsequenzen und Aspekte der Entscheidung im Blick und bewertet die Situation aus einem neutralen Standpunkt heraus. Die Psychologie räumt hingegen Emotionen und Affekten eine größere Bedeutung ein. So können Präferenzen auch widersprüchlich sein und im Affekt, also nicht abgewogen, getroffen werden (KAHNEMAN, TVERSKY 1982). Die klassische Mikorökonomik betrachtet den Menschen, der Entscheidungen trifft, als rationales Wesen. Präferenzen die getroffen werden sind Ergebnisse eines rationalen Prozesses der Abwägung, um dann, den bestmöglichen Nutzen bei geringstem Aufwand zu erzielen. Dieses Modell kann allerdings nicht genau auf Landschaftspräferenzen übertragen werden. Präferenzen von Landschaften entstehen meist aus einem Gefühl heraus und einer augenblicklichen Haltung. Sich also einen einheitlichen und abwägenden Überblick zu verschaffen erscheint damit schwierig (TREPL 2012).

Der Psychologe Daniel KAHNEMAN (2002) schlussfolgert über Präferenzen und Entscheidungen: „Most behavior is intuitive, skilled, unproblematic and successful“ (KAHNEMAN, GRIFFIN 2002, S. 483). KAHNEMAN (2012) räumt auch den Emotionen einen entscheidenden Anteil ein. Er macht dies an alltäglichen Entscheidungen fest, die mehr oder weniger auch von der Gemütslage der Personen abhängig sind. Mit einer neuen Theorie zu Entscheidungen und auch Präferenzen stellt KAHNEMAN (1979) alte Standards in Frage. Die sogenannte neue Erwartungstheorie ordnet sich zwar mehr der Ökonomik zu, ist aber auch Bestandsteil der Verhaltensforschung. Sie erklärt den Mensch nicht zum rationalen Wesen, erlaubt aber dennoch Ansätze zu Entscheidungen in unbekannten Situationen für den Menschen. Er unterstellt dem Mensch ebenso Fehler bei Informationsaufnahme und Verarbeitung, durch eine unterbewusste Selbsttäuschung. Probleme und Entscheidungen werden weniger rational getroffen, sondern erfolgen über Gedankenabkürzungen, den sogenannten Heuristiken. Heuristiken laufen dabei unterbewusst ab und verfolgen ein bestimmtes Muster. So können Präferenzen unterbewusst und schnell entstehen, da sie über eine Heuristik nach einem Muster verfahren (KAHNEMAN 1979). Werden folglich Landschaften präferiert, verläuft eine solche Präferenz ebenso über eine Heuristik nach einem Muster ab. Dies erschwert auch die Grundlagen von Präferenzen genau zu erläutern, da sich durch solche Urteilsheuristiken Verhaltensfehler ergeben, die nicht eindeutig erklärbar sind.

3 Die Entstehung der Präferenz

Die Fragestellung die sich in Zusammenhang mit den Begriffen Landschaft und Präferenz ergibt ist, was Landschaften auszeichnet, dass sie gegenüber anderen bevorzugt, also präferiert werden. Um von Landschaftspräferenz sprechen zu können, muss dies immer im Kontext eines Betrachters geschehen, der für sich die Landschaft wahrnimmt. So kann Landschaft je nach Betrachter anderweitig interpretiert werden und sie kann jeweils verschiedene Assoziationen hervorrufen. Dennoch gibt es trotz aller Individualität Gemeinsamkeiten. So sprachen römische und griechische Dichter und Denker der Antike bei Landschaften stets von den Weinbergen oder den Weizenfeldern, hingen kaum von Wäldern oder rauen Berglandschaften, ähnlich ist die Struktur im Laufe der Zeit und Betrachtung von klassischen Gemälden. In Zeiten der stark zugenommenen Umweltverschmutzungen und der Überbeanspruchung durch den Menschen wird ein Vergleich zu der ursprünglichen Natur gezogen, welche als schützenswert gilt. In diesem Zusammenhang ergibt sich auch die Problematik, welche Landschaft als schützenswert betrachtet werden muss gegenüber andere und was für Kriterien zu erfüllen sind (APPLETON 1975). Landschaften die gegenüber den verschmutzen Landschaften präferiert werden, sind Präferenzen unter Einfluss des Menschen. Präferenzen können folglich auch geschaffen werden oder erzeugt. Landschaften, wie sie bereits im Kapitel zuvor betrachtet wurden, charakterisieren sich dadurch, dass sie von einem Betrachter als harmonisch, ästhetisch, individuelle, konkrete Ganzheit wahrgenommen werden. Eine Präferenz entwickelt sich aus der Zweckmäßigkeit der Harmonie, der Schönheit, die als Angenehm empfunden werden kann (KICHHOFF, TREPL 2009).

Viele Entscheidungen laufen als Routine in unserem Körper ab. Dabei greifen Denkprozesse auf Erfahrungen, Erlebnisse, Emotionen und Einstellungen zurück, um schnell und sicher die bestmögliche Entscheidung zu treffen. Präferenzen stellen solche eine Abkürzung zu einer Entscheidung dar. Sie entstehen, um Situationen gerechter gegenüber zu treten. Gerecht im Sinne von schnell handelnd und Nutzenmaximierend. Dieses Muster bildete sich im Laufe der Evolution als überlebenswichtiger Vorteil heraus. Um Gefahren entsprechend zu begegnen, war es notwendig, dass solche Gefahren schnell erkannt wurden. Lange Denkprozesse hätten womöglich damit geendet, dass sich der Fortbestand nicht hätte halten können. Dieses unterbewusste Entscheidungsmuster, also genetisch verankerte Präferenzen, führen zu Reize auf bestimmte Wahrnehmungen und sind umgangssprachlich als das „gute Bauchgefühl“ bekannt (STREIT 2011, S. 28). Der Vorteil der Präferenzen liegt darin, dass sie schnell und zuverlässig auf ein breites Informationsspektrum zurückgreifen können.

Um Präferenzen, beispielsweise bei Landschaften, herauszufinden gibt es klassische anerkannte Verfahren. Häufig findet der geschlossene und oder offene Paarvergleich Anwendung. Ebenso wie Befragungen und die Methodik der Rangordnung. Beim Paarvergleich werden einem Probanden zwei oder mehrere Objekte gegenübergestellt. Im Falle der Landschaftspräferenz wären dies Fotografien von Landschaften. Je nach Reiz der auftritt, wird eine bestimmte Fotografie bevorzugt. Diese Vergleiche können mehrmals wiederholt werden und erlauben auch durch Brechungen einen Durchschnittswert bezüglich der Präferenz einer bestimmten Landschaft. Bei Befragungen werden meist standardisierte Interviews durchgeführt und Probaten direkt zu dem Reiz der Präferenz befragt, hierbei kann ebenso, wie bei der Rangfolge, eine abschließende Skalierung erfolgen (STREIT 2011).

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Details

Seiten
34
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656746829
ISBN (Buch)
9783656746768
Dateigröße
989 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v280577
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,0
Schlagworte
theorien landschaftspräferenz

Autor

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Titel: Theorien der Landschaftspräferenz