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Hans Sachs. Sein Leben, sein Werk und der Schwank

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 9 Seiten

Germanistik - Literaturgeschichte, Epochen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Das Leben von Hans Sachs

2. Literarische Formen des 15. und 16. Jahrhunderts
2.1 Meistergesang
2.2 Fastnachtspiel
2.3 Schwank

3. Merkmale eines Schwanks anhand von Hans Sachs „Kälberbrüten“
3.1 Zusammenfassung: „Kälberbrüten“
3.2 Schwank-Merkmale im Stück „Kälberbrüten“
3.2.1 kurze Erzählung einer lustigen Begebenheit
3.2.2 gradlinige und straffe Handlung zum Schluss (Pointe)
3.2.3 lustiger Schlagabtausch zweier Personen
3.2.4 überraschender Schluss/Wendepunkt
3.2.5 verschiedene Formen des Schwanks
3.2.6 witzige Wortspiele
3.2.7 Fazit

4. Schlusswort zu Hans Sachs

5. Literaturverzeichnis

1. Das Leben von Hans Sachs

Am 5. November 1494 gebar Christine Sachs in Nürnberg einen Jungen, namens Hans. Hans‘ Vater, Jörg Sachs, war Schneidermeister. Das Geburtshaus von Hans Sachs konnte leider nicht mehr exakt bestimmt werden. Es dürfte aber in der damalige Kot- oder Schmalengasse gewesen sein, der heutigen Brunnengasse.

Genauso wenig wie man über sein Geburtshaus weiß, weiß man auch etwas über seine Schulzeit oder über seine schulischen Leistungen. Es ist nur bekannt, dass er von seinem Vater mit sieben Jahren in einer der vier Lateinanstalten in Nürnberg geschickt wurde. Er selbst schrieb über seine Schulzeit:

„Da lernte ich Grammatika

Rhetorika und Musika,

Nach schlichtem Brauch derselben Zeit.“[1]

Als er 1509 mit fünfzehn Jahren die Schule verließ, begann er eine Lehre zum Schuhmacher, die zwei Jahre andauerte. Neben der Ausbildung nahm er bei einem der bekanntesten Meistersinger seiner Zeit, Lienhard Nunnenbeck, Unterricht im Meistergesang.

Nach seiner abgeschlossenen Lehre ging er 1511 auf Wanderschaft. Die Reise dauerte fünf Jahre und diese fünf Jahre waren sehr wichtig für seine geistige Entwicklung.

Über seine Wanderjahre schrieb er:

„Fünf ganzer Jahr ich wandern thät, In diese und viele andre Städt. Spiel, Trunkenheit und Buhlerei Und andrer Thorheit mancherlei, Ich mich in meiner Wanderschaft Entschlug und war allein behaft Mit herzelicher Lieb und Gunst Dem Meistersang, der löblich Kunst.“[2]

Man kann anhand von diesem Zitat erkennen, dass er schon in seiner Jugend, die Liebe zum Meistergesang gefunden hat. Auf seiner Wanderschaft 1514 entstand auch sein erster Meistergesang, den er „zum Lobe Gottes“ nannte. Durch seine Wanderjahre lernte er immer mehr Städte und Länder kennen und er konnte seiner Meistersingerkunst dadurch ausprägen und erweitern:

„Von einer statt zu der andern,
Erstlich gen Regnspurg und Braunaw,
Gen Saltzburg, Hall und gen Passaw,
Gen Wels, Münichen umd Landshut,
Gen Oeting und Burgkhausen gut,
Gen Würtzburg und Franckfurt, hernach
Gen Coblentz, Colen und gen Ach;
Arbeit also das handwerck mein
In Bayem, Francken und am Rein.
Funff gantze jar ich wandern dhet
In diese und vil andre stätt.“ [3]

1515 legte er dann in Frankfurt die entsprechende poetische Prüfung ab. Durch seine hohe dichterische Begabung bekam er 1516, als er nach Nürnberg zurückkehrte, einen der führenden Plätze in der ersten Reihe der Meistersinger. Am 1. September 1519 heiratete er die siebzehnjährige Kunigunde Creutzer aus Wendelstein bei Nürnberg. Mit ihr zusammen bekam er sieben Kinder: fünf Söhne und zwei Töchter. Alle sieben Kinder überlebte er. Auch in den folgenden Jahren schrieb er weiter Meistergesänge, aber auch Fastnachtspiele. 1560 starb seine Frau Kunigunde, aber kurze Zeit später heiratete er die 40 Jahre jüngere Witwe Barbara Harscher.

Sein letztes Werk war die „Summa all meiner Gedichte“, dass er 1569 mit 71 Jahre geschrieben hat. Dieses Werk ist autobiographisch, da es von seinem Leben berichtet. Er erzählt von seinen zwei Frauen, seinen Kindern und er dankt Gott dafür, dass er ihm die Gabe zu schreiben gegeben hat.[4]

Am 19. Januar 1576 starb Hans Sachs in Nürnberg. Sein Grab ist heute nicht mehr auffindbar.

2. Literarische Formen des 15. und 16. Jahrhunderts

2.1 Meistergesang

Der Meistergesang hatte Anfang des 16. Jahrhunderts seinen Ursprung in der Stadt Mainz. Zudem war es eine Kunstform der städtischen Zunfthandwerker.[5] Nach den Anfängen in Mainz wurde der Meistergesang vor allem von den Nürnbergern Handwerksmeistern fortgeführt. Die Meistersinger hatten eine eigene Singschule, in der sie geistliche und weltliche Stoffe nach gewissen Regeln in Gedichte und Gesänge umwandelten. Diese Regeln waren fest und streng, was dazu führte, dass manche Talente in ihrer Entwicklung gehemmt wurden. Die wichtigste Versform war der Knittelvers, den es in der strengen und freien Form gab. Die strenge Form besaß einen 8-silbigen Vers bei männlicher Endung und einen 9-silbigen Vers bei weiblicher Endung. Zudem hatte er vier Hebungen mit freier Taktfüllung. Die freie Form bestand aus einem 6- bis 16-silbigen Vers mit vier Hebungen und der freien Taktfüllung. Dadurch dass die Meistersänger Handwerker waren, waren einige Texte antikirchlich orientiert. Die Kirche versuchte daher, ihnen Einhalt zu gebieten. Doch dies funktionierte nicht, denn die Stücke wurden dann nicht mehr in der Kirche, sondern in den Rathäusern aufgeführt.

Die Aufgabe der Meistersinger bestand zum Einen darin sich innerhalt der bekannten „Töne“ brilliant auszudrücken, zum Anderen aber auch neue „Töne“ zu finden.

Auf einem Singstuhl wurde dann im freien Vortrag gesungen. Ein „Merker“ achtete auf die Tabulatur (die Vorschriften), auf „unchristliche“ und „blinde Meinungen“ (Verstöße gegen Reim, Metrum usw.). Diese Vorträge wurden geheim gehalten, damit man sich vor der Konkurrenz schützen konnte. Natürlich gab es auch Meistersingertätigkeiten außerhalb der Schule. Die Lieder wurden dann auf Flugblätter gedruckt.[6]

2.2 Fastnachtspiele

Das Fastnachtspiel ist der Vorläufer des späteren Dramas. Es bestand meistens aus Szenen, in denen Streit dargestellt wurde. Die Meistersinger benutzten diese Literaturform, um den dritten Stand – die Bauern – zu verspotten. Sie höhnten über deren Dummheit.

Die Funktion des Fastnachtspiels war zum einen eine belehrende. Man hatte neben dem lustigen Spiel immer eine ernste, moralisierende Absicht. Zum Anderen wollten die Meistersinger politische und religiöse Ziele propagieren. Der bekannteste Vertreter der Fastnachtspiele ist Hans Sachs.[7]

2.3 Schwank

Das mhd. swanc (ahd. –swanch) ist eine Nominalbildung zu schwingen und bedeutet „schwingende Bewegung, Schwung, Schlag, Hieb, Streich und Erzählung eines solchen“. Schwank bezeichnete seit dem 15. Jahrhundert eine „scherzhafte, lustige Erzählung prosaischer Art oder in Versen.“[8]

Das heißt der Schwank wird meist in einer dramatischen oder epischen Form dargestellt, in der es um eine komische Begebenheit geht. Das häufigste Motiv ist die Verspottung eines Dummen durch einen Gerissenen. Die Charaktere sind nicht eindeutig, sonder meist sehr typenhaft angedeutet.[9] Außerdem besteht die Handlung stets aus einem Konflikt, der oft realitätsgebundene und derbe Situationen in den Mittelpunkt stellt. Die Komik dieser Stücke entsteht häufig aus der Situation heraus und hat nur selten einen intellektuellen Hintergrund.

Sprachlich führt die Schwankerzählung gradlinig und straff auf den Höhepunkt der Geschichte zu, der oft in einem witzigen, überraschenden Schluss, dem sogenannten Point, endet. Es gibt zwei Typen von einem Schwank, der eine ist sehr einfach: Ein Einfältiger wird betrogen. Der andere Typus ist komplizierter: Der Betrogene überlistet anschließend seinerseits den Betrüger.

Zudem ist im 16. Jahrhundert der Schwank nicht mehr nur ein lehrhaftes Prosastück, sondern es drückt verstärkt das entstehende bürgerlich-literarische Selbstbewusstsein aus.[10]

Der Schwank und das Fastnachtspiel weisen einige Ähnlichkeiten auf, der Schwank grenzt sich nur mit einer stark „schematisierten“ Handlung ab.[11]

[...]


[1] Rudolf J. Weickmann - „Hans Sachs“, S.9

[2] Rudolf J. Weickmann - „Hans Sachs“, S.10

[3] http://deutsch.pi-noe.ac.at/literatur1/ma_neid_sachs.htm

[4] http://www.zeno.org/Literatur/M/Sachs,+Hans/Gedichte/Spruchgedichte+(Auswahl)/Summa+all+meiner+gedicht

[5] http://www.pohlw.de/literatur/epochen/renaiss.htm

[6] http://deutsch.pi-noe.ac.at/literatur1/ma_neid_sachs.htm

[7] http://www.literaturwelt.com/epochen/renaissance.html

[8] Erich Strauß - „Schwank“, S.1

[9] http://www.pohlw.de/literatur/epochen/renaiss.htm

[10] http://www.uni-due.de/einladung/Vorlesungen/epik/schwank.htm

[11] Ruth Petzoldt – „Albernheit mit Hintersinn“ , S.145

Details

Seiten
9
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656746232
ISBN (Buch)
9783656746218
Dateigröße
537 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v280552
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
2,3
Schlagworte
hans sachs sein leben werk schwank

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Titel: Hans Sachs. Sein Leben, sein Werk und der Schwank