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Der Sarapis-Kult

Seine Entstehung, seine Ausbreitung und sein Niedergang

Essay 2014 7 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

1. Vorwort

Die Grundlage für das Verfassen dieses Essays bildet das im Sommersemester 2014 von Herrn Dr. Benedikt Eckhardt und Herrn Andrew Lepke, M.A. gehaltene Seminar „Geheimkulte in der Antike“.

Zu Beginn wird auf die Entstehung des Sarapis-Kultes eingegangen. Im weiteren Verlauf dieses Essays wird dessen Ausbreitung beschrieben, sowie letztendlich sein Untergang.

2. Der Sarapis-Kult: Seine Entstehung

Der Sarapis-Kult (oder Serapis) fand seinen Ursprung zur Zeit des Ptolemaios I. Soter (griechisch: Πτολεμαῖος Α' ὁ Σωτήρ; 367/366 – 283/282 v. Chr.) in Ägypten, welcher ebenfalls der Begründer der Ptolemäerdynastie (griechisch: Πτολεμαῖοι) war.

Nachdem Alexander der Große die Perser aus Ägypten vertrieben hatte, begann die hellenistische Epoche. Das Reich stürzte indes nach dem Tod Alexanders und der dadurch entstehenden Frage der Nachfolge in eine Krise.

Im Jahr 323 v. Chr. nahm Ptolemaios I. die Position des Satrap (altpersisch: xšaçapāvān, „Hüter / Schützer der Herrschaft“) ein. Vergleichbar war diese Position mit der eines Statthalters.

Im Jahre 306 v. Chr. nahm er den Königstitel Basileus (griechisch: βασιλεύς) an und legitimierte sich somit zum Herrscher Ägyptens.

Bereits vor den Eroberungszügen Alexanders des Großen waren den Griechen die orientalischen Götter ihrer Nachbarn bekannt. Diese fanden jedoch erst während der römischen Kaiserzeit mehr und mehr Anhänger im Mittelmeerraum.[1]

Der Hellenismus in Ägypten beziehungsweise der kulturelle Kontakt zwischen Griechen und Ägyptern führte – so Richard Gordon – zu einem Kontinuum der Koexistenz und darüber hinaus zu einer Assimilation der kulturellen Praxis, welche förmlich aufoktroyiert war.[2] Um gesellschaftliche und politische Spannungen abzumildern wurde ein „Hybrid“ erschaffen, welcher sowohl traditionelle ägyptische Elemente des Kultes beinhalten sollte, als auch „neue“ griechische.[3]

Die neue Gottheit musste somit sowohl in der Hauptstadt selbst angenommen werden, als auch für den Rest des Reiches akzeptabel sein.

Nach einer überlieferten Legende führte Ptolemaios I. aufgrund einer Vision Sarapis als neue Gottheit ein.[4]

Reinhold Merkelbach schreibt, zuerst sei der Versuch unternommen worden, Osiris und Dionysos zu vereinen. Dies allein war allerdings nicht möglich. Er sagt:

„Aber die Gleichsetzung von Osiris mit Dionysos führte doch zu Unstimmigkeiten. Man konnte nicht sagen, Dionysos bewirke die Nilflut. Ferner war Dionysos nicht wie Osiris der Gott der Toten; der Unterweltsgott der Griechen war Hades-Pluton. Die Ägypter haben Osiris immer als aufrecht stehende oder auf dem Thron sitzende Mumie dargestellt; er sah dem Dionysos überhaupt nicht ähnlich.“[5]

Sarapis – als Gemahl der Göttin Isis – verkörperte wie bereits gesagt einerseits den ägyptischen Gott Osiris, als auch den Apis-Stier und den griechischen Gott Dionysos. Darüber hinaus vereinte er aber auch das Wesen des Zeus, Hades, Pluton, Helios, Asklepios und das anderer Götter, worauf später noch genauer eingegangen wird.

Als Verkörperung des Osiris war Sarapis auch der Gott der Nilflut.

Thorsten Fleck schreibt über Sarapis:

„Unter diesem Namen trug er wichtige Aspekte des ägyptischen Osiris-Apis und des Zeus, aber auch Pluton in sich, denn durch die interpretatio Graeca bzw. Romana des Osiris sowohl als Dionysos als auch als Pluton war er Herr der vegetativen Fruchtbarkeit bzw. der Unterwelt, aber auch Garant einer jenseitigen Existenz nach dem Tod.“[6]

Er beschreibt die Darstellungen des Sarapis sowie seine weiteren Verkörperungen, indem er sagt, dieser Gott sei in der Regel thronend abgebildet worden, was ihm eine gleichsame Würde wie Zeus verleihen sollte. Sarapis wurde – abgesehen von den oben genannten Göttern – auch die Verkörperungen des Gottes Neptun bzw. Poseidons sowie Jahwes zugeschrieben.[7]

Die Darstellung, die vor allem Zeus ähnelte, sollte sich in das übliche Götterbild der Griechen einfügen, da eine mumifizierte Gestalt wie die des Osiris mit ihren Vorstellungen nicht konform ging.

3. Die Ausbreitung des Sarapis-Kultes

Dieser geschaffene Synkretismus sollte zu Beginn vor allem die Griechen selbst ansprechen, erfreute sich allerdings alsbald einer so großen Beliebtheit, dass Sarapis zum Schutzgott der Ptolemäer aufstieg und sich im Laufe der Zeit bis in das römische Reich ausbreitete.

Mitverantwortlich für die wachsende Popularität des Götterpaares Isis und Sarapis war deren mütterlicher bzw. väterlicher Charakter. Fleck begründet ihre Beliebtheit zudem damit, dass das Mysterium auf der einen Seite den Reiz des Fremden ausgemacht habe, auf der anderen Seite jedoch auch Althergebrachtes darin vereinte. Zudem stand der Kult Männern wie Frauen aus allen Gesellschafts-schichten offen.[8]

Da Sarapis aber – im Gegensatz zu seiner Gemahlin Isis oder den anderen alten, etablierten Gottheiten – eine neue Schöpfung war, tauchte er in den traditionellen, überlieferten Göttermythen nicht auf.[9]

Thorsten Fleck sagt zudem:

„Inwieweit eine außerhalb des Mysteriums jedem offen stehende Adoration der ägyptischen Götter ebenfalls den Zugang zu einer jenseitigen Existenz ermöglichte, läßt sich nicht eindeutig feststellen. Sicher ist, daß im Isis- und Sarapis-Mysterium die mit dem genuin ägyptischen Osiris verbundenen ethischen Vorstellungen tradiert wurden, wonach nur dem beim Totengericht als rechtschaffen Beurteilten ein Leben im Jenseits zustand. Denn Vergleichbares findet sich zum einen in der Selbstoffenbarung der Isis, in welcher sie sich als Geberin und Hüterin von Gesetz und Moral rühmt und zum anderen in dem anläßlich der Priesterweihe zu leistenden Eid.“[10]

Reinhold Merkelbach schreibt indes, dass sowohl im Sarapeum in Memphis, als auch in anderen größeren Heiligtümern neben den Priestern und Tempelangestellten auch verschiedene weitere Menschen lebten, welche Enkatochoi genannt wurden. In ihrem Falle handelte es sich um Personen, die laut Merkelbach im Traum durch Sarapis Heilung von Krankheiten erfahren hatten. Sarapis – so die Überlieferung – habe diesen Menschen zuweilen den Befehl erteilt, von nun an für eine bestimmte oder auch unbestimmte Zeit im Tempelbezirk zu leben.[11]

[...]


[1] Vgl. Fleck, Thorsten: Isis, Sarapis, Mithras und die Ausbreitung des Christentums im 3. Jahrhundert. IN: In: Klaus-Peter Johne (Hrsg.): Deleto paene imperio Romano. Transformationsprozesse des Römischen Reiches im 3. Jahrhundert und ihre Rezeption in der Neuzeit. Stuttgart 2006. S.289.

[2] Vgl. Gordon, Richard & Alvar, Jaime: Romanising Oriental Gods. Myth, Salvation and Ethics in the Cults of Cybele, Isis and Mithras. Leiden/ New York 2008. S. 52.

[3] Vgl. Ebd.

[4] Vgl. Ebd. S.53.

[5] Merkelbach, Reinhold: Isis regina – Zeus Sarapis. Leipzig 1995. S.72, §127.

[6] Fleck, Thorsten: Isis, Sarapis, Mithras und die Ausbreitung des Christentums im 3. Jahrhundert. IN: In: Klaus-Peter Johne (Hrsg.): Deleto paene imperio Romano. Transformationsprozesse des Römischen Reiches im 3. Jahrhundert und ihre Rezeption in der Neuzeit. S.293.

[7] Vgl. Ebd.

[8] Vgl. Ebd. S.295.

[9] Vgl. Ebd. S.294.

[10] Ebd. S.294.

[11] Vgl. Merkelbach, Reinhold: Isis regina – Zeus Sarapis. S.73, §129.

Details

Seiten
7
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656742180
ISBN (Buch)
9783656742159
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v280413
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Alte Geschichte - Ruhr Universität Bochum
Note
unbenotet
Schlagworte
Mysterienkult Mysterienkulte Griechenland Rom Hellenismus Sarapis Serapis Isis Kult Antike Ägypten Osiris Apis Zeus Götter

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Titel: Der Sarapis-Kult