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Kreatives Schreiben in der Grundschule. Grundlagen, Methoden, Probleme

Akademische Arbeit 2005 20 Seiten

Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen des kreativen Schreibens
2.1 Begriffliche Abgrenzung
2.1.1 Kreativität
2.1.2 Kreatives Schreiben
2.2 Prinzipien des kreativen Schreibens nach Kaspar Spinner
2.3 Geschichte des kreativen Schreibens
2.4 Gründe für das kreative Schreiben

3. Methoden des kreativen Schreibens
3.1 Was leisten die kreativen Schreibmethoden?
3.2 Methodengruppen des kreativen Schreibens
3.2.1 Assoziative Verfahren
3.2.2 Schreibspiele
3.2.3 Schreiben nach Vorgaben, Regeln und Mustern
3.2.4 Schreiben zu und nach (literarischen) Texten
3.2.5 Schreiben zu Stimuli
3.2.6 Weiterschreiben an kreativen Texten

4. Probleme und Grenzen des kreativen Schreibens

5 Inhaltsverzeichnis (inkl. weiterführender Literatur)

1 Einleitung

Kreatives Schreiben – was ist das eigentlich genau und warum wird es in der Grundschule gelernt? Das waren die ersten Gedanken, die ich mir zu Beginn meiner Arbeit machte

Nach mehreren Gesprächen mit Grundschullehrern/innen, habe ich festgestellt, dass die Meinungen über dieses Thema sehr gespalten sind. Einerseits ist es eine sehr gerne genutzte Konzeption, um die Kinder zum Schreiben zu bringen und ihre Fantasie und Kreativität anzuregen, da sie regelmäßig dazu gebracht werden, eigene Texte, Geschichten oder sogar Gedichte zu verfassen, die dann teilweise präsentiert oder besprochen werden. Andererseits gibt es starke Abneigungen gegenüber dem kreativen Schreiben, da einige Lehrer mit dem Begriff ‚Kreatives Schreiben’ nicht viel anfangen können, sich kaum damit beschäftigt haben oder Schwierigkeiten haben, in ihrer Klasse verschiedene Methoden des kreativen Schreibens umzusetzen. Ein weiteres Problem sehen sie in der Bewertung und Benotung der Arbeiten, da es keine genauen Vorschriften hierfür gibt.

In dieser Arbeit wird ein grundlegender Überblick über das kreative Schreiben gegeben. Neben einem Versuch begriffliche Abgrenzungen von Kreativität und kreativem Schreiben zu finden, wird die Entwicklung dargestellt, wie es zum kreativen Schreiben kam. Des Weiteren gehe ich auf Prinzipien ein, die hinter dem kreativen Schreiben stehen, nenne Gründe für das kreative Schreiben in der Schule und erläutere kurz die verschiedenen Methoden des kreativen Schreibens. Hierzu werden einige Beispiele genannt, auf die ich aber im Rahmen dieser Arbeit nicht näher eingehen kann, die aber in den genannten Büchern genau erläutert werden. Der letzte Punkt der Arbeit beschäftigt sich mit Problemen und Grenzen des kreativen Schreibens.

2 Grundlagen des kreativen Schreibens

2.1 Begriffliche Abgrenzung

Um eine genauere Vorstellung des kreativen Schreibens zu vermitteln, möchte ich zunächst den Begriff Kreativität näher erläutern, zum einen, weil die Förderung von Kreativität ein grundlegendes Ziel des kreativen Schreibens ist und zum anderen, weil der Begriff das Verständnis des kreativen Schreibens prägt.

2.1.1 Kreativität

‚Kreativität’ geht auf das lateinische Verb creare (= hervorbringen, erschaffen, ins Leben rufen) zurück[1]. Eine klare Definition dieses Begriffes ist jedoch in der heutigen Zeit sehr schwierig, da er in den unterschiedlichen wissenschaftlichen Zweigen auf sehr viele verschiedene Weisen genutzt wird. So ergeben sich zahlreiche Definitionsversuche, den Kreativitätsbegriff hinreichend zu erfassen und zu beschreiben.

Gerd Brenner definiert Kreativität als Eigenschaft, neues Denken, Empfinden oder Handeln zu entwickeln. Hierbei geht es auch darum, aus Altem etwas Neues machen zu können[2].

Carl R. Rogers gibt eine sehr viel umfangreichere Definition ab. Er definiert Kreativität als „das handelnde Hervorbringen eines neuartigen, ungewöhnlichen Produkts, das aus der Beziehung zwischen der Einzigartigkeit eines Individuums einerseits und den Gegenständen, Ereignissen, Personen oder Umständen seiner Lebensumwelten andererseits erwächst“ (Brenner 1990, S. 18). Kreativität bedeutet also nicht nur eine Aktivierung der inneren Welt eines Menschen, sondern sie zeigt sich auch in der Verarbeitung des Umfelds und der Umwelt.

Ingrid Böttcher lehnt sich in ihrem Buch ‚Kreatives Schreiben’[3] stark an Otto Kruse an, der Kreativität als „eine universelle Eigenschaft menschlichen Handelns und Denkens sieht“ (Böttcher 1999, S.10). Sie gibt in folgendem Schaubild[4] zur Begriffsfamilie von Kreativität nach Otto Kruse einen Überblick über den Kreativitätsbegriff. Hierbei sind um den Begriff Kreativität diejenigen Begriffe angeordnet, die eng zu diesem gehören.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nach Böttcher sind in der Bedeutung der Kreativität immer auch Teile dieser verwandten Begriffe enthalten. Sie reduziert die Menge der Definitionsversuche auf einige Grundmuster, die sie für das kreative Schreiben als relevant erachtet und die meiner Meinung nach am zutreffendsten sind.

„Kreativität ist ein Persönlichkeitsmerkmal, für das bei allen Menschen die Disposition vorliegt und das folglich bei jedem Menschen gefördert werden kann“ (Pommerin 1996, zitiert in Böttcher 1999, S. 11).

„Kreativität bezieht sich auf das Denken und Handeln sowie auf das Produkt dieses Denkens und Handelns. Wir bezeichnen eine Handlung oder ein Produkt aus folgenden Gründen als kreativ:

- wenn das Produkt neuartig und wertvoll ist;
- wenn der Weg, der zum Produkt führt, neuartig ist;
- wenn wir etwas auf neuartige Weise wahrnehmen, fühlen,

erkennen oder denken“ (Brodbeck 1995, zitiert in Böttcher 1999, S. 11)

Kreativität ist also in jedem Menschen vorhanden und kann gefördert werden. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass ein Produkt oder eine Handlung etwas Neuartiges besitzt und so von der Normalität abweicht.

2.1.2 Kreatives Schreiben

Eine eindeutige Definition des kreativen Schreibens ist sehr schwer, denn es „definiert sich unter den je unterschiedlichen Ansätzen mit jeweils anderen Argumentationsstrukturen“ (Böttcher 1999, S. 9).

Wie ich im obigen Abschnitt erwähnt habe, hebt Ingrid Böttcher den Neuigkeitswert einer Wahrnehmungssicht, eines Produkts oder eines Arbeitsweges hervor. Diese sind wichtig, um die Kreativität anzuregen, neue Arbeitsweisen auszuprobieren und um Schreibanregungen zu schaffen.

Kaspar Spinner charakterisiert den Begriff der Kreativität „einerseits als Durchbrechen sprachlicher Normen, andererseits als Selbstausdruck“[5]. Er bringt also den Begriff Kreativität mit ‚Sprache’ beziehungsweise ‚Ausdruck’ in Verbindung. Als kreativ bezeichnet er jedes Schreiben, „das nicht in der Reproduktion von vorgegebenen Mustern besteht, sondern die eigene Gestaltungskraft der Schreibenden in Anspruch nimmt“ (Spinner 1986, S.82). Des Weiteren verbindet er damit ein Schreiben, das den persönlichen Ausdruck und die Entfaltung der Fantasie als Ziel hat. Durch die Aktivierung der Fantasie entsteht etwas Neues und genau das ist das Ziel des kreativen Schreibens.

Im Folgenden werde ich mich auf Spinners Verständnis des kreativen Schreibens beziehen, da er meiner Meinung nach einer der ausschlaggebenden Personen in der Entwicklung des kreativen Schreibens ist.

Das kreative Schreiben soll demnach dem Einzelnen die Möglichkeit bieten, seine Ausdrucksmöglichkeiten und seine Kommunikationsformen zu entwickeln. Schreiben soll Spaß machen. Es soll ermöglichen, die eigene Persönlichkeit mit einzubringen, die Imaginationskraft zu aktivieren und die Fantasie anzuregen. Wichtig ist, dass es dabei nicht um die Wiedergabe einer realen Situation geht, sondern um die Entstehung von etwas Neuem, das durch die eigene Vorstellungskraft entstanden ist. Anders als beim traditionellen Aufsatz, bietet das kreative Schreiben offenere Strukturen und mehrere Möglichkeiten, um eigenen Vorstellungen, Fantasien und Gefühle auszudrücken. Der Lehrer hat dabei die Möglichkeit, durch Schreibimpulse die Aufmerksamkeit der Schüler auf bestimmte Details zu lenken.

Oft wird das kreative Schreiben mit dem freien Schreiben gleichgesetzt, doch es zeigt sich unter anderem ein wesentlicher Unterschied: während man beim freien Schreiben ein freies Thema wählen kann, tritt beim kreativen Schreiben an diese Stelle eine „bewusst gestaltete Inszenierung von Schreibsituationen“ (Spinner 2001, S. 111).

Spinner formuliert drei Grundprinzipien des kreativen Schreibens, die ich im Folgenden kurz erläutern möchte.[6]

2.2 Prinzipien des kreativen Schreibens nach Kaspar Spinner

Wie oben erwähnt ist beim kreativen Schreiben der persönliche Ausdruck und die Aktivierung der Imaginationskraft entscheidend. Spinner charakterisiert dieses Schreiben durch Irritation, Expression und Imagination. Diese drei Prinzipien verdeutlichen die Grundtendenz des kreativen Schreibens.

Prinzip Irritation

Wichtig für das kreative Schreiben ist, dass Ideen und Handlungen entstehen, die den im Alltag entstehenden Mustern widersprechen. Kreativität wird hier also als ein Durchbrechen von eingespielten Normen und gewohnten Vorstellungsmustern verstanden. Hierbei werden gezielt neue Wahrnehmungsmöglichkeiten der Wirklichkeit ausgelöst. Man schafft eine Irritation, die die Fantasie anregt und neue Ideen hervorruft. Eine gute Möglichkeit, dies umzusetzen ist eine Reizwortgeschichte, bei der die Wörter nicht zusammenpassen (Beispiel: Sommer – See – schwimmen – Schlittschuh). Weitere Umsetzungsmöglichkeiten sind surreale Bilder, Fantasiewörter oder das Weiterschreiben von seltsamen Textanfängen.

Prinzip Expression

Durch das Schreiben können subjektive Befindlichkeiten ausgedrückt werden. Kreativ bedeutet hier, wenn der Schreiber etwas von sich selber preisgibt. Man kann über sich selbst, seine Gefühle oder seine Ansichten schreiben. Dabei werden oft Wünsche, Ängste oder Sehnsüchte deutlich.

[...]


[1] Brenner, Gerd: Kreatives Schreiben: Ein Leitfaden für die Praxis; Scriptor Verlag GmbH & Co; Frankfurt am Main, 1990, S. 15

[2] Brenner (1990); S. 15

[3] Böttcher, Ingrid; Hrsg.: Kreatives Schreiben: Grundlagen und Methoden; Beispiele für Fächer und Projekte; Schreibecke und Dokumentation; Berlin: Cornelsen Scriptor, 1999

[4] Böttcher (1999), S. 10

[5] Spinner, Kaspar: Kreativer Deutschunterricht; Kallmeyersche Verlagsbuch- handlung GmbH; Seelze, 2001, S. 108

[6] Spinner, Kaspar: Kreatives Schreiben. In Baurmann, Jürgen / Ludwig, Otto (Hrsg.): Schreiben: Konzepte und schulische Praxis. Praxis Deutsch. Sonderheft, 1986 , S. 82 f

Details

Seiten
20
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783656733355
ISBN (Buch)
9783656735168
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v280307
Note
1,0
Schlagworte
kreatives schreiben grundschule grundlagen methoden probleme

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Titel: Kreatives Schreiben in der Grundschule. Grundlagen, Methoden, Probleme