Lade Inhalt...

Die Bedeutung von Zoonosen in der Reptilienhaltung für das "Public Health". Überblick und Bewertung des Gefahrenpotentials

Hausarbeit 2014 15 Seiten

Gesundheit - Public Health

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Überblick der Zoonosen und Bewertung des Gefahrenpotentials

Protozoen

Kryptosporidien

Amöben

Helminthen

Cestoden (Bandwürmer)

Sparganose

Trematoden (Saugwürmer)

Alaria alata

Pentastomiden (Zungenwürmer)

Milben

Mykosen

Virale Zoonosen

Bakterielle Zoonosen

Aeromonas

Campylobacter

Mycobakterien

Literatur

Überblick der Zoonosen und Bewertung des Gefahrenpotentials

Die Zoonosen in der Reptilienhaltung sind immer wieder ein aktuelles Diskussionsthema. Vor allem gewinnt das Thema an Bedeutung durch die zunehmende Popularität der Reptilien als Haustier. Die Zahl der in Terrarien gehaltenen Reptilien nimmt stetig zu, damit steigt das Risiko möglicher übertragener Krankheiten und die daraus entstehende Bedeutung in Bezug auf Public Health. In dieser Arbeit werden zuerst der Begriff Zoonose definiert und dessen Bedeutung für die Arbeit eingegrenzt. Anschließend soll ein aktueller Überblick mit den bekannten Zoonoseerregern gegeben werden. Es werden Charakteristika, Epidemiologie beschrieben sowie Risiken und Prophylaxemaßnahmen für den Menschen erarbeitet bzw. bewertet.

Definition Zoonose: Zoonosen sind von Tier- zu- Mensch und von Mensch- zu- Tier übertragbare Infektionskrankheiten.

Es wird unterschieden zwischen Anthropozoonosen (Übertragungsweg von Mensch auf Tier) und Zooanthroponose (Tier auf Mensch) (Mutschmann, 2012, S. 26). Letztere sind Objekt dieser Arbeit. Als mögliche Infektionserreger einer Zoonose kommen theoretisch Bakterien, Viren, Pilze, Prionen sowie die zu den parasitären Zoonosen gehörenden Protozoen, Helminthen und Arthropoden in Frage. Prionen wurden bisher noch nicht als Zoonoseerreger durch Reptilien beim Menschen beschrieben.

Zuerst sollen die parasitären Zoonoseerreger vorgestellt werden:

Protozoen

Kryptosporidien

Kryptosporidien sind einzellige Parasiten der Gattung Cryptosporidium (Protozoa : Apicomplexa : Conoidasida : Eucoccidiorida : Cryptosporidiidae). Sie wurden lange Zeit taxonomisch zu den Kokzidien gezält doch weisen sie viele Ähnlichkeiten zu den Gregarinen auf. Die Lebensweise jedoch ähnelt eher denen von Kokzidien. Sie haben eine direkte Entwicklung, also benötigen sie keinen Zwischenwirt, und führen dadurch zur möglichen Autoinfektion bzw. Superinfektionen. Sie können zwei verschieden Sorten von Oozysten bilden. Dünnwandigen Oozysten infizieren benachbarte Wirtszellen im Magen- Darm- Trakt, die dickwandigen Oozysten werden über den Kot ausgeschieden und können so neue Infektionsquellen in der Umwelt darstellen. Genetische Untersuchungen haben Gemeinsamkeiten mit Gregarinen ergeben, so wurde erst kürzlich bekannt, dass Kryptosporidien wie die Gregarinen keine Apikoplasten besitzen. Apikoplasten sind Zellorganellen, die plastidähnlich für die Fettsäuresynthese verantwortlich sind.

Das Fehlen von Apikoplasten als ein Angriffort von Triazinderivaten z.B. von Toltrazuril könnte das Therapieversagen dieser Wirkstoffklasse erklären (Schneller & Pantchev, 2011, S. 161).

Die relevantesten Arten sind Cryptosporidium serpentis und saurophilum (Xiao u. a., 2004, S. 891).

Kryptosporidien führen bei Reptilien vor allem bei Kornattern (Pantherophis guttatus) und Leopardgeckos der Gattung (Eublepharis) zu schweren Verlusten in den Beständen. Aber auch andere Spezies können erkranken. Betroffen Tiere zeigen Symtome im Magen- Darm- Trakt wie Inappetenz, Durchfall, und Vomitus (Graczyk, Fayer, & Cranfield, 1997, S. 348).

C. serpentis und C. saurophilum sind nach derzeitigen Kenntnisstand nicht als Zoonose zu werten, doch besteht die Möglichkeit, dass carnivore Reptilien C. muris oder C. parvum, die durch Beutetiere aufgenommen wurden als Zoonoseerregerreservoir fungieren können. C. muris und C. parvum sind Kryptosporidien von Nagetieren und sind für Reptilien selbst nicht pathogen. Das Krankheitsrisiko ist für gesunde Menschen eher gering (Graczyk, Fayer, & Cranfield, 1996, S. 748).

Amöben

Häufiger werden freilebende Amöben im Kot von Reptilien gefunden, hier handelt es sich um Limaxaamöben der Gattungen Acanthamoeba, Naegleria und Hartmannella. Sie charakterisieren sich durch eine hohe Temperaturtoleranz (20- 40 Grad). Damit sind sie potenziell fähig sich in Säugetieren zu vermehren und sind so als Gesundheitsrisiko in Form von Enzephalitiden für den Menschen anzusehen. Außerdem können sie Bakterien wie Pseudomonas, Chlamydien und Mykobakterien beherbergen.

Helminthen

Cestoden (Bandwürmer)

Sparganose

Erreger der Sparganose sind Cestoden der Gattung Spirometra. Endwirt stellen Säugetiere wie Hunde dar, die Eier über den Kot ausscheiden. Diese entwickeln sich zu Coracidien und werden vom 1. Zwischenwirt aufgenommen (Cyclops, Ruderfußkrebse, im Wasser lebend) wo sie die Entwicklung zum Procercoid durchmachen. Daraufhin machen sie eine weitere Entwicklung in einem 2. Zwischenwirt (Amphibien und Reptilien) zu Plerocercoiden (auch Sparganum genannt) durch. Der Mensch kann sich mit Procercoiden, sowie Plerocercoiden infizieren indem er Ruderfußkrebse oder rohes Amphibien- oder Reptilienfleisch oral aufnimmt. Eine weiterer Infektionsweg ist das Wandern der Larvenstadien nach Auflegen des rohen Fleisches auf Wunden des Menschen, eine Methode, die vor allem in Südostasien angewendet wird (Kölle, 2002, S. 108). Dies führt nicht selten zur okulären Sparganose. Das Zoonosepotential ist in der Terrarienhaltung von Reptilien unter den üblichen Bedingungen als minimal einzuschätzen und unter Einhaltung hygienischer Grundsätze leicht zu eliminieren (Schneller & Pantchev, 2011, S. 121).

Trematoden (Saugwürmer)

Alaria alata

Alaria alata ist ein Saugwurm der als Endwirte vor allem Hundeartige bevorzugt. Seine Metazerkarie, auch Dunker- Muskelegel genannt kann eine Zoonose darstellen. Die Adulten parasitieren im Dünndarm, reproduzieren sich hier und setzen Eier ab, die in die Umwelt mit dem Kot abgesetzt werden. Aus den Eier schlüpfen Mirazidien, die von Zwischenwirten aufgenommen werden. Die ersten Zwischenwirte stellen Schnecken (Planorbis) dar. In den Zwischenwirte erfolgt die Entwicklung zur Zerkarie. Diese Entwicklungsform verläßt die Schnecken um sich aktiv im Wasser fortzubewegen und den zweiten Zwischenwirt aufzusuchen. Hierbei handelt es sich um Kaulquappen oder Frösche. Hier wiederum erfolgt die Weiterentwicklung zu Mesozerkarien. Die Entwicklungsform in den Fröschen wird dann vom Endwirt z. B. einem Hund aufgenommen. Hier wandern die Mesozerkarien über Darm in die Lungen, entwicken sich zu Metazerkarien, werden wieder abgeschluckt und entwickeln sich wie oben beschrieben im Darm des Endwirts zu Adulten. Metazerkarien können sich auch in Transportwirten wie Reptilien oder eben dem Menschen bilden. Ihre Lokalisation ist jedoch nicht in der Lunge sondern in der Skelettmuskulatur und Fettgewebe und kann hier zu Schädigungen führen.

Auf Grund des indirekten Zyklus, dazu mit zwei verschiedenen Zwischenwirten ist die Bedrohung für den Menschen als Tierhalter fast ausgeschlossen. Ein höheres Risiko ist rein theoretisch in der Reptilienhaltung im Freiland mit Amphibien gegeben (Schneller & Pantchev, 2011, S. 185).

Arthropoden:

Pentastomiden (Zungenwürmer)

Pentastomiden wurden früher zu den Helminthen gezählt, doch werden sie heute eher in die Nähe der Tausendfüßer gestellt und somit als Arthropoden betrachtet. Noch gibt es viele Fragen zu Epidemiologie und Klassifizierung. Die beiden Gattungen Porocephalus und Armillifer benutzen Schlangen als Endwirt und stellen eine Infektionsquelle für den Menschen dar, der an der viszeralen Pentastomidiasis erkranken kann. Vor allem Menschen in tropischen Ländern wie Zentralafrika, und Ostasien, die mit Schlangen nahen Kontakt haben (Veterinäre, Arbeiter auf Schlangenfarmen) haben ein größeres Risiko sich mit Pentastomiden entweder durch Verzehr von unzureichend gegarten Fleisch von Schlangen (durch Zysten) oder durch den Umgang mit befallenen Schlangen (durch Eier oder Larven) zu infizieren. Porocephalus bevorzugen als Wirt vor allem Klapperschlangen sowie Agkistrodon, Armillifer hingegen Brillenschlangen, wo sie im Respirationstrakt der Schlangen parasitieren. Auch die Pathogenität für den Menschen wirft noch Fragen auf. Es wurden schon bei geringem Befall schwere Fälle mit tödlichem Ausgang beim Menschen beschrieben und hingegegen bei starkem Befall das Fehlen von Symptomen

[...]

Details

Seiten
15
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656743743
ISBN (Buch)
9783656743736
Dateigröße
459 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v280214
Institution / Hochschule
Vysoká škola zdravotníctva a sociálnej práce sv. Alžbety (St. Elisabeth Universität in Bratislava)
Note
2,0
Schlagworte
bedeutung zoonosen reptilienhaltung public health überblick bewertung gefahrenpotentials

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Die Bedeutung von Zoonosen in der Reptilienhaltung für das "Public Health". Überblick und Bewertung des Gefahrenpotentials