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Die Position der Frau im klassisch-männlichen Beruf am Beispiel der Polizei

Hausarbeit 2012 38 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Perspektive/ Begriffserläuterungen
2.1 Definition Geschlechtsidentität
2.2 Die Systemtheorie
2.3 Systemtheoretische Perspektive auf Geschlechterverhältnisse in Organisationen

3. Die quantitative Methode
3.1. Die standardisierte Befragung mittels Fragebogen
3.2. Der Aufbau des Fragebogens
3.3. Die Erhebungsmethode und Stichprobenauswahl
3.4. Die Auswertungsmethode
3.4.1 Deskriptive Statistik
3.4.2. Inferenzstatistik

4. Die Auswertung
4.1. Geschlechtsidentitäten- Einstellungen und Erfahrungen
4.2 Geschlechtergerechtigkeit in der eigenen Organisation
4.3. Personalmanagment
4.4 Die Veränderungsprioritäten

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In den letzten Jahrzehnten ist der Anteil der weiblichen Polizistinnen gestiegen. Immer mehr Frauen interessieren sich für die Polizeiarbeit und werden auf diesem Weg mit vielen Vorurteilen von der Gesellschaft konfrontiert. Polizeiarbeit bedeutet nach außen hin, körperliche Arbeit. Die Mitarbeiter und die die es werden wollen werden müssen gesundheitlich in Form sein. Regelmäßige Sporteinheiten und Kraftübungen sind Pflicht. Des Weiteren gilt Polizeiarbeit auch als gefährliche Arbeit. Es wird mit Waffen gehandhabt und die Mitarbeiter im Außendienst sind ständiger Gefahr ausgesetzt. Wird der Polizeiberuf typisiert, so gilt er als klassisch- männlicher Beruf, da die männlichen Personen Kraft aufweisen können und als Beschützer dienen. In den letzten Jahrzehnten wollten auch viele Frauen diesen Beruf ausüben, doch aufgrund der Typisierung der Polizeiarbeit werden viele in ihrem Beruf diskriminiert. Des Weiteren wird ihnen wenig Respekt entgegengebracht.

Diese Thematik veranlasste die Verfasserinnen dieser Arbeit dazu, zu untersuchen, ob die Geschlechter im öffentlichen Dienst wirklich differenziert werden. Die Position der Frau im klassisch-männlichen Beruf bei der Polizei ist stets eine aktuelle Debatte und gilt somit als Grundlage für die vorliegende Arbeit. Ob Männer und Frauen im öffentlichen Dienst gleichberechtigt behandelt werden, gilt es mit Hilfe der empirischen Untersuchungsmethode, des Fragebogens, herauszufinden. Die Erhebung findet im Rahmen einer Seminararbeit an der Universität Trier statt und richtet sich an Mitarbeiter, wie auch Mitarbeiterinnen bei der Polizei. An der standardisierten Befragung nahmen acht Männer und Frauen aus dem Öffentlichen Dienst teil.

Im ersten Teil dieser Arbeit wird Bezug auf die theoretische Perspektive, wie auch die Begriffserläuterungen genommen. Hierbei wird der Begriff der Geschlechtsidentität detaillierter beschrieben und die Systemtheorie von Niklas Luhmann näher betrachtet, wie auch auf die Geschlechterverhältnisse in Organisationen aus der systemtheoretischen Sicht Bezug genommen. Im darauf folgenden Abschnitt wird die quantitative Methode detailliert beschrieben. Es wird auf die standardisierte Befragung, den Aufbau des Fragebogens, wie auch die Erhebungsmethode und das Stichprobendesign eingegangen. Zudem wird die Auswertungsmethode näher beleuchtet. Im vierten Kapitel werden die Daten der durchgeführten Untersuchung mit Hilfe von Graphiken ausgewertet und analysiert. Untergliedert wurde dieses Kapitel in vier Hauptaspekte. Geschlechtsidentitäten- Einstellungen und Erfahrungen, Geschlechtergerechtigkeit in der eigenen Organisation, Personalmanagement und Veränderungsprioritäten.

Die Antwort auf die Frage, ob Männer und Frauen im klassisch- männlichen Beruf am Beispiel der Polizei gleichgestellt sind, findet ihren Niederschlag im anschließenden Fazit.

2. Theoretische Perspektive/ Begriffserläuterungen

Zu Beginn dieser Arbeit wird zuerst eine Definition von Geschlechtsidentität wieder gegeben, um die Thematik der Geschlechterverhältnisse im öffentlichen Dienst verstehen zu können. Daraufhin wird auf die Systemtheorie von Niklas Luhmann eingegangen, wodurch ein theoretischer Bezug hergestellt werden soll. Abschließend wird auf die systemtheoretische Perspektive von Geschlechterverhältnisse in Organisationen Bezug genommen.

2.1 Definition Geschlechtsidentität

Um den Begriff der Geschlechtsidentität definieren zu können, ist es zunächst von Vorteil den Begriff der Identität zu klären. Der Begriff der Identität wird von dem lateinischen Wort idem, was soviel wie „(ein und) derselbe/dasselbe“ bedeutet, abgeleitet.[1] Entwickelt wurde der Identitätsbegriff zunächst in der antiken Logik, deren Rezeption in der neuzeitlichen Philosophie ihn in die moderne Wissenschaft hineingetragen hat. In der heutigen Zeit lässt sich Identität als Antwort auf die Fragen „Wer sind wir? Wer bin ich?“ beschreiben und schließt somit den Prozess der Identifizierung und Herstellung von Zugehörigkeiten mit ein.[2]

Der Begriff der Geschlechtsidentität geht einher mit dem Begriff der Geschlechtsrollenidentität. Geschlechtsidentität meint die Entwicklung einer stabilen Geschlechtsidentität als weiblich beziehungsweise männlich, die einen notwendigen Bestandteil der Entwicklung darstellt. Verallgemeinert fällt diese Identität mit dem bei der Geburt zugeschriebenen und identifizierten biologischen Geschlecht zusammen. Anhand von empirischen Untersuchungen wurde in der Vergangenheit festgestellt, dass die menschliche Entwicklung etwa um das fünfte, eventuell auch um das sechste Lebensjahr, erreicht ist und somit die Übernahme der eigenen Geschlechtsidentität und die Erkenntnis, dass sie unveränderlich und konstant ist, begreifbar wurde. Dies bedeutet also, dass in dem besagten Alter die Jungen, wie auch Mädchen erkennen, dass sie männlichen beziehungsweise weiblichen Geschlechts sind, dies auch stets bleiben werden und auch bei anderen Personen das Geschlecht wahrnehmen können.[3] Im späteren Alter erfährt die Geschlechterkategorisierung dann eine psychologische Ausweitung, was bedeutet, dass die mit dem Geschlecht assoziierten Eigenschaften, Berufe, Verhaltensweisen und Rollen nicht nur als kognitive Konzepte erworben werden, sondern auch die Grundlage für die Entwicklung der eigenen Geschlechtsrollenidentität bilden.[4] Damit ist gemeint, dass die Kinder „neben ihrer biologischen fundierten Geschlechtsidentität auch eine psychologische und sozial determinierte Geschlechtsrollenidentität erwerben“, die darin besteht, dass die „eingangs definierte Geschlechterrollenentwicklung in der Übernahme von als maskulin und/oder feminin geltenden Attributen, Interessen, äußeren Symbolen, interpersonalen Präferenzen usw. resultiert“.[5] Einstellungen, Handlungen und Präferenzen werden in der Regel einem bestimmten Geschlecht zugeordnet und von dem jeweiligen Geschlecht erwartet. Wenn dies von dem jeweiligen Individuum in das eigene Selbstbild übernommen wird, ist hiermit die Geschlechtsrollenidentität gemeint. Es wird also das Bild angespielt, das eine Person von sich selbst als Junge/Mann oder Mädchen/Frau macht. Wenn es sich um maskuline Inhalte handelt, wird von maskuliner Identität gesprochen oder auch Maskulinität. Umgekehrt wird von einer femininen Identität oder Femininität gesprochen. Für die Analyse der Thematik der Position der Frau im klassisch-männlichen Beruf am Beispiel der Polizei, ist es interessant zu wissen, dass die Geschlechtsidentität variabler ausfallen kann als nur das biologische Geschlecht. Beispielsweise kann sich ein feminines Selbstbild mit maskulinen Eigenschaften überschneiden. Mädchen können auch maskuline Freizeitinteressen, wie Selbstverteidigung oder Fußballspielen und feminine Berufswahl miteinander vermischen. So entsteht beispielsweise die fußballspielende Krankenschwester oder der boxende Hausmann.[6]

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Begriff der Geschlechtsidentität mit dem Wissen und dem Bewusstsein beginnt, dass das Individuum einem bestimmten Geschlecht angehört und nicht dem Anderen.[7] Des Weiteren wird das biologische Geschlecht mit der Geschlechtsrollenidentität verbunden. Dies bedeutet, dass die Frage nach dem „Wer bin ich?“ als die Antwort nach der selbstwahrnehmenden Identität gilt, die mit maskulinen und femininen Eigenschaften verbunden ist und die Geschlechtsrollenidentität definiert.

2.2 Die Systemtheorie

Um die Geschlechterverhältnisse von Mann und Frau im klassisch-männlichen Beruf am Beispiel der Polizei wissenschaftlich analysieren zu können, bedarf es einer Methode, die das Zusammenwirken von Organisationen und Systemen beschreibt. Aus diesem Grund haben sich die Verfasserinnen dieser Arbeit näher mit der Systemtheorie von Niklas Luhmann, einem deutschen Soziologen und Gesellschaftstheoretiker, der als Klassiker der Sozialwissenschaften bekannt ist, befasst. Auf sein Verständnis der Systemtheorie wird im folgenden Teil näher eingegangen.

Die Systemtheorie, die von Niklas Luhmann, einem der bekanntesten Systemtheoretiker in Deutschland, aufgestellt wurde, ist eine Integrationsleistung verschiedener Wissenschaftsdisziplin. Sie stellt die Strukturähnlichkeiten ihres Gegenstandes in den Vordergrund. Der Begriff „System“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet das Zusammengestellte. Ein System stellt für Niklas Luhmann primär immer etwas Zusammengesetztes dar und kann somit niemals nur aus einem Element bestehen. Daher befasst sich die Theorie nicht mit Einzelphänomenen, sondern geht grundsätzlich davon aus, dass nichts für sich allein steht. Alles ist mit etwas Anderem „zusammengesetzt“ und kann nur in dieser Hinsicht charakterisiert werden. Aus dieser Sichtweise von einem System leitet sich die sekundäre Definition ab, da zwischen den zusammengesetzten Elementen immer eine Wechselwirkung besteht. Diese Elemente, die das System konstituieren, sind nicht nur nebeneinander aufgereiht, sondern auch in vielfältigen Verhältnissen aufeinander bezogen. Durch die Wechselbeziehungen der jeweiligen Elemente entsteht ein systematischer Zusammenhalt und an den Stellen, an denen es keinen Systemzusammenhang gibt, bildet sich der dritte Gesichtspunkt, nämlich die „Umwelt“. Aus dieser Perspektive wird die Welt in zwei Teile getrennt. Den einen Teil bildet das jeweilige System und den anderen Teil stellt die gesamte außerhalb dieses Systems liegende Welt dar. Diese hat für das System den Status einer „Umwelt“. Daher kann festgehalten werden, dass Systeme Mengen in Elementen darstellen, zwischen denen sich Wechselbeziehungen abspielen und alles was nicht Bestandteil eines Elements des Systems ist, ist dessen Umwelt. Somit sollte die Differenz von System und Umwelt als Ausgangspunkt angesehen werden. Nach Niklas Luhmann gibt es drei Haupttypen von Systemen. Zunächst gibt es das Soziale System, welches sich auf Lebewesen bezieht, die kommunizieren. Des Weiteren gibt es die biologischen Systeme, welche sich auf Organismen, Zellen, Nervensysteme und Immunsysteme beziehen. Als drittes gibt es noch die psychischen Systeme. Diese beziehen sich auf das menschliche Bewusstsein, aber auch auf Maschinen, sofern diese unterscheiden, also beobachten können.[8] Letztendlich soll unter System das Modell verstanden werden, mit dessen Hilfe Objekte der Realität beschrieben werden sollen, auch wenn der Begriff oft objektsprachlich verwendet wird. Somit ist ein System die systemtheoretische Darstellung eines Gegenstandes, keine Wesenseinheit. Systeme sind kognitive Organisationsinstrumente, welche als Repräsentation natürlicher oder künstlicher Originale dienen. Daher erfassen sie nur solche Aspekte, die der Anwender für bedeutsam erachtet.[9] Zudem sind sie beschränkt auf bestimmte gedankliche oder tatsächliche Operation in einer bestimmten Zeit.

Grundsätzlich sucht die Systemtheorie integrierende Prinzipien, die zunehmend allgemein sind, da sie in unterschiedlichen Kontexten anwendbar sein müssen. Die Prinzipien müssen in physikalischen, biologischen, psychologischen und gesellschaftlichen Kontexten angewendet werden können. Daher ist die Systemtheorie in vielen unterschiedlichen Wissenschaftsgebieten und Anwendungsbereichen anzutreffen. Aus diesem Grund kann nicht von einer einheitlichen Systemtheorie gesprochen werden. Niklas Luhmanns Systemtheorie ist universell und deckt seiner Auffassung nach den gesamten Bereich der Wirklichkeit ab. Mit „universell“ meint er die gesamte Welt. Wie bereits erwähnt wurde, operieren soziale Systeme in Abgrenzung von Ihrer Umwelt. Zudem unterscheiden sie sich von dieser. Daraus ergebend ist die gesamte Welt, die Umwelt sozialer Systeme und somit ein Teil der universellen Systemtheorie. Systeme existieren real in der Wirklichkeit. Des Weiteren ist Systemtheorie mehr als eine Methode der Betrachtung, da es laut Niklas Luhmann in der Realität wirkliche, echte Systeme gibt. Die Systemtheorie enthält unterschiedliche Allgemeinheitsstufen, so wird es möglich, die Theorie auf unterschiedliche Funktionssysteme anzuwenden und sie zu überprüfen. Luhmanns Forschungsgegenstand sind soziale Systeme und dessen Kontext. Höchste Priorität hierbei spielt Kommunikation, wie auch Formen der Kommunikation, wie zum Beispiel Sprache, Schrift oder Druck. All diese lassen sich systemtheoretisch in Bezug auf das soziale System untersuchen. Grundsätzlich hat die Systemtheorie die Aufgabe, die Wissenschaft, die sich bislang hauptsächlich mit der isolierten Untersuchung kleiner Einheiten befasst hat, zu ergänzen und den Schwerpunkt auf die Entwicklung des „Ganzen“ zu richten.[10]

Zusammenfassend lässt sich aus den vorher erwähnten Aspekten festhalten, dass es sich nur schwer beschreiben lässt, was Systemtheorie genau ist, da diese Theorie heutzutage ein Sammelbegriff für sehr verschiedene Bedeutungen und sehr verschiedene Analyseebenen ist. Das Wort referiert kein eindeutigen Sinn. Trotz alledem lässt sich sagen, dass der Kern einer Systemtheorie nicht aus empirisch prüfbaren Gesetzesannahmen besteht, sondern aus einem formalen Theoriekern, der die zentralen Strukturprinzipien der Theorie enthält. Jede systemtheoretische Analyse ist eine Grundentscheidung nichtempirischer Art, die sich aber auf eine Verantwortung für die Bewahrung ihrer Aussagen an der Wirklichkeit einlässt. Zusatzannahmen müssen deshalb herangezogen werden, um prüfen zu können, ob sich die Theorie zu Erklärungs- und Handlungszwecken für bestimmte Anwendungsbereiche eignet.[11]

Eine systemorientierte Methode liegt schließlich dann vor, wenn im Gegenstand unter dem Gesichtspunkt seiner inneren Organisation, wie auch seine Verbundenheit mit anderen Gegenständen der Umwelt näher beleuchtet wird. Grundaspekte der Systemtheorie, die je nach systemtheoretischer Ausrichtung unterschiedlich betont werden, sind zum einen die innere Organisation und zum andern das Verhältnis eines Systems zu seiner Umwelt.[12]

2.3 Systemtheoretische Perspektive auf Geschlechterverhältnisse in Organisationen

Die Systemtheorie betont, dass die Individuen als die Umwelt von Gesellschaft über die sogenannten Publikumsrollen gleichermaßen in verschiedene Funktionsbereiche inkludiert werden. In diesem Teil der Arbeit wird versucht, das Potential der Systemtheorie für die Analyse der Geschlechterverhältnisse zu nutzen, da die Theorie von Luhmann die eigentliche Herausforderung darin sieht, die Frage zu beantworten, worin der Geschlechterunterschied in einer Organisation besteht.[13]

Wie bereits erwähnt wurde, basiert die Systemtheorie darauf, dass Systeme aus mehreren Elementen zusammengesetzt sind, zwischen denen eine Wechselwirkung besteht, welche zu einem systematischen Zusammenhalt führen können. Dieser Zusammenhang kann nur zu Stande kommen, wenn die Elemente aufeinander bezogen sind. Ist dies nicht der Fall, so wird die außerhalb des Systems liegende Umwelt dargestellt. Um die Geschlechterverhältnisse von Mann und Frau im klassisch-männlichen Beruf am Beispiel der Polizei systemtheoretisch herleiten zu können, ist eine Zuordnung der einzelnen Begriffe wie beispielsweise „System“, „Umwelt“, und „Element“ erforderlich. Die Individuen, also Männer und Frauen, stellen die Umwelt dar, wohingegen die Organisation das Kommunikationsmittel repräsentiert, da in der Systemtheorie die Kommunikation in drei Typen differenziert wird: Interaktion, Organisation und Gesellschaft. Aus diesem Grund kann immer genau angegeben werden, von welchem Kommunikationsbereich bei der Beobachtung gesprochen wird. In diesem Fall werden die Männer und Frauen beobachtet. Daher ist die Rahmung durch den entsprechenden Kommunikationsbereich für das Verständnis der an sie gerichteten Erwartungen von zentraler Bedeutung. Dies ergibt sich daraus, dass Personen aus systemtheoretischer Perspektive als Produkt von Kommunikation gelten und als kommunikatives Erwartungsbündel fungieren. Die Kommunikation stellt im Zusammenhang mit der Thematik der Geschlechterverhältnisse in Organisation das System dar. Das Element der Systemtheorie weist die Form der Kommunikation auf. Auf diesem Weg wird das Bewusstseinssystem in die Kommunikation mit eingebunden. Somit kommt es zu einer weiteren Unterscheidung der Systemtypen, nämlich die der Differenzierung von Bewusstseins- und Kommunikationssystemen. Männer und Frauen dienen in diesem Fall als strukturelle Kopplung dieser beiden Systeme. Vor diesem Hintergrund lässt sich der Untersuchungsgegenstand präzise eingrenzen. Folglich kann der Ausgangspunkt nur durch die Männer und Frauen, also den Individuen, als Bündel von Kommunikationserwartungen dargestellt werden. Aus diesem Grund scheint die Analyse sowohl des Bewusstseinssystems als auch die der verschiedenen Kommunikationssysteme hinsichtlich der Frage nach der Bedeutung der Geschlechterverhältnisse in Organisationen möglich zu sein, denn die Personen sind stets geschlechtlich definiert und die durch sie gebündelten Erwartungen von der empirischen Stereotypenforschung gut erforscht. Zudem ist es interessant herauszufiltern, ob es einen Zusammenhang zwischen den geschlechtlich gefassten Personen als sexuiertes Bündel von Erwartungen einerseits und den in den verschiedenen Kommunikationsbereichen implementierten Erwartungen andererseits gibt. Anders formuliert, sind in die spezifischen Kommunikationsbereiche Erwartungen eingelassen, die eher mit als typisch männlich geltenden Erwartungsbündel korrespondieren und umgekehrt. Organisationskommunikation besteht aus Entscheidungen und kann dadurch gezielt und dauerhaft auf ihre Struktur und auf die Besetzung ihrer Organisationsrollen Einfluss nehmen. Eine Entscheidung ist reflexives Handeln, welches ein Handeln darstellt, dass sich auf sich selbst angewandt verschiedene Handlungsmöglichkeiten zum Vorschein bringt und eine davon auswählt.[14]

Aus systemtheoretischer Sicht werden die externen Rollenverpflichtungen von männlichen Personen nicht durch ihr Geschlecht mitgegeben, sondern gelten vielmehr als selbst selektiert. Die weiblichen Rollenverpflichtungen dagegen sind von Natur aus gegeben, das heißt, dass Frauen eher dazu berufen sind Kinder zu gebären und als Hausfrau, wie auch Mutter zu fungieren. Aus systemtheoretischer Perspektive werden auch in Organisationen männliche und weibliche Geschlechtsstereotype als Personenformensemantiken definiert, die dort kommunikative Erwartungen auf unterschiedliche Weise bündeln.[15] Grundsätzlich sind Organisationen langfristig erfolgreicher, wenn sie auf funktionale Erfordernisse anstatt auf geschlechterstereotypisierende Erwartungen zugreifen. Dabei werden vereinfachende Geschlechtertypisierungen durch angebrachte individualisierte und geschlechtsdifferente Zuschreibungen ersetzt. Konkurrenzsituationen zwischen beiden Geschlechtern werden immer bestehen, da aus Sicht der männlichen Personen die Weiblichen oft nicht in der Lage sind, die klassisch-männlichen Berufe auszuüben. Diese Perspektive bezieht sich deutlich auf den sozialen Wandel. Früher waren Geschlechterdifferenzierungen funktional, weil sich männliche und weibliche Organisationsmitglieder deutlich unterschieden. Heutzutage stehen die rationale Wahl und die Kosten-Nutzen-Erwägung des Arbeitskrafteinsatzes im Vordergrund, da darauf geachtet wird, wann jeweils männliche oder weibliche Arbeitskräfte billiger oder kompetenter sind. Trotz alledem bestehen manchmal in einigen Organisationen die funktionalen Geschlechterdifferenzierungen.[16]

[...]


[1] Vgl. Braun/Stephan, 2009, S.47.

[2] Vgl. ebd. S.48.

[3] Vgl. Alfermann, 1996, S.57.

[4] Vgl. ebd. S.58.

[5] Ebd. S.58.

[6] Vgl. ebd., S.59.

[7] Vgl. Steins, 2010, S.49.

[8] Vgl. Becker/Reinhardt-Becker, 2001, S. 21 ff.

[9] Vgl., Luhmann, 1984, S. 15.

[10] Vgl., Hollstein-Brinkmann, 2005, S. 21 f.

[11] Vgl., Schiepek, 1986, S. 232.

[12] Vgl., Hollstein –Brinkmann, 2005, S. 10.

[13] Vgl. Weinbach, 2004, S.10.

[14] Vgl. ebd. S.126.

[15] Vgl. ebd , S.90.

[16] Vgl. Becker-Schmidt, 2012, S.294f.

Details

Seiten
38
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656734611
ISBN (Buch)
9783656734604
Dateigröße
550 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v280151
Institution / Hochschule
Universität Trier
Note
3,0
Schlagworte
position frau beruf beispiel polizei

Autor

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Titel: Die Position der Frau im klassisch-männlichen Beruf am Beispiel der Polizei