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Die Staatsphilosophie des Thomas Hobbes

Hausarbeit 2014 14 Seiten

Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Menschenbild nach Hobbes

3. Der Naturzustand – bellum omnium contra omnes

4. Der Ausbruch aus dem Naturzustand durch den Gesellschaftsvertrag

5. Der Souverän als Vertreter des Volkes

6. Das Volk

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Heutzutage lässt sich das Staatssystem nicht mehr wegdenken. Nahezu jedes Gebiet der Erde gehört zu einem bestimmten Staat, ebenso wie jeder Mensch mindestens eine Staatsangehörigkeit besitzt. Staaten unterscheiden sich vor allem durch ihr jeweiliges Territorium voneinander, außerdem bestehen Unterschiede in der Regierung, der Währung, der Sprache, der Kultur, und vielen anderen Eigenheiten, die ein bestimmtes Land kennzeichnen. Harzer definiert unter einem Staat „ein Gebilde, das die Menschen auf einem bestimmten Landgebiet für ihre eigenen gemeinschaftlichen Bedürfnisse errichtet haben“ und das als „Zweck [hat, die] Sicherstellung und Erhaltung gegenüber äußeren und inneren Feinden [hat]“[1].

Das Prinzip des Staates existiert seit mehreren Jahrtausenden und wurde über mehrere Epochen hinweg von den unterschiedlichsten Denkern und Philosophen untersucht. Das Ausmaß, in dem das Staatsprinzip versucht wurde, zu beschreiben, zu ergründen und zu erklären, war so groß, dass sich ein eigener Begriff dafür herausbildete, nämlich jener der sogenannten Staatsphilosophie. Harzer definiert unter der Staatsphilosophie die „Erforschung der Wahrheit über den Staat“[2]. Im Verlaufe der Jahrhunderte gab es unterschiedliche philosophische Theorien zum Staatswesen, welche über die Epochen hinweg variierten. Berühmte Denker, die sich der Staatsphilosophie annahmen, waren unter anderem Platon, Aristoteles, Thomas Hobbes, John Locke, Immanuel Kant, aber auch viele weitere.

Im Folgenden wird die Staatsphilosophie des im 16. bis 17. Jahrhundert lebenden Thomas Hobbes, welcher zu den Begründern des aufgeklärten Absolutismus gilt, genauer beleuchtet. Hobbes vertritt die These, dass der Staat ein von Menschen künstlich erschaffener Zustand der Gemeinschaft sei, welcher zum Zweck habe, dem Menschen Schutz, Sicherheit zu geben, ebenso wie die Möglichkeit , seinen eigenen Zielen nachzugehen. Staaten würden zudem laut Hobbes existieren, weil sie die bessere Alternative zum staatslosen Zustand, dem sogenannten Natur- oder Kriegszustand, seien. In einem von Thomas Hobbes eher symbolisch verstandenen Gesellschaftsvertrag sollen alle Bürger ihre Macht und uneingeschränkte Freiheit an einen Souverän abgeben, der von da an ihre Interessen zu verfolgen suchen muss. Im Folgenden werden die wichtigsten Begriffe der Theorie Hobbes‘ beschrieben und erklärt. Außerdem zeige ich seine Argumentation auf, mit der er die vermeintliche Richtigkeit seiner Staatsphilosophie begründet, wobei ich mich an einen Ausschnitt seines Originaltextes halten werde (vgl. Hoerster, 2011). Anschließend folgen eine kritische Auseinandersetzung mit den Aussagen Hobbes‘ und eine Bewertung seiner staatsphilosophischen Perspektive mithilfe von Sekundärliteratur, welche sich mit Hobbes‘ Werken zur Staatsphilosophie befasst.

2. Das Menschenbild nach Hobbes

Zu Beginn des Textes beschreibt Hobbes das Bild des Menschen nach seiner Theorie, Zu erwähnen ist hierbei, dass dieser Teil seiner Staatslehre einerseits einer seiner markantesten Aspekte der Theorie und zugleich einen der größten Kritikpunkte dieser darstellt. Zunächst beschreibt Hobbes alle Menschen als „gleich“[3]. Damit ist keine Gleichheit in der Beschaffenheit der Menschen gemeint, sondern vielmehr die These, dass alle Menschen zwar mit unterschiedlichen körperlichen und geistigen Fähigkeiten ausgestattet seien, diese in Relation zueinander jedoch alle in etwa gleich mächtig dastehen lasse. Mit der Gleichheit der Menschen ist also die Ausgewogenheit an unterschiedlichen Fähigkeiten gemeint. Hieraus leitet Hobbes sodann ab, dass die Gleichheit der Menschen zu einer Gleichheit an Hoffnungen führe, ihrem jeweiligen Bestreben erfolgreich nachgehen zu können. Bereits hier beginnt die Kritik an Hobbes‘ Lehre, denn Harzer lenkt ein, dass die von Hobbes beschriebene Gleichheit der Menschen nicht deren Macht betreffe, sondern lediglich die Möglichkeit bzw. Gelegenheit des Handelns[4]. Hierauf wird jedoch später noch eingegangen.

Hobbes schildert daraufhin das Konfliktpotential der Menschen, welches aus deren Wesenszügen resultiere. Wollen zwei oder mehr Menschen nämlich dasselbe und können sich nicht gleichzeitig an ihrem Objekt der Begierde erfreuen, so würden sie zwangsweise zu Feinden bzw. Konkurrenten[5]. Die Ursache für die daraus resultierende Feindschaft ergebe sich aus den primären Bestrebungen der Menschen, welche laut Hobbes vor allem die Sicherheit, der Triumph und das Ansehen sind. Jeder Mensch strebe, wie bereits erwähnt, gleichermaßen nach der Realisierung dieser Ziele, jedoch möchte er vor allem die letzten beiden Güter – also Triumph und Ansehen – nicht in gleichem Maße wie die anderen besitzen, sondern ein höheres Maß dieser Güter genießen als dessen Mitmenschen. Wenn jeder der Menschen ein höheres Ansehen und ein höheres Maß an Siegen zu verzeichnen haben wollen würde als die anderen, entstehe automatisch ein zwischenmenschlicher Konflikt mit unterschiedlichen Parteien. Die Konfliktherde seien, in Anbetracht der von Hobbes genannten erstrebenswertesten Ziele, folglich die Konkurrenz, die Ruhmsucht und das Misstrauen[6].

Auf der Darlegung des natürlichen Menschenbilds fruchtet Hobbes‘ komplette Staatstheorie. Er erklärt mit der Ausführung der Beschaffenheit des menschlichen Wesens nicht nur, weshalb das Konzept des Staates seiner Ansicht nach entstanden ist, sondern argumentiert auch, warum es besser sei, in einem Staat zu leben als in einer Welt, die ohne Staaten ist. Dass Hobbes Argumentation auf der Darlegung des Menschenbilds fruchtet, wird im Verlauf dieser Arbeit noch klarer.

Die vermeintlich pessimistische Darstellung des menschlichen Wesens war daraufhin einer der Hauptgründe, weshalb Hobbes‘ Theorie zum Teil stark kritisiert wurde. Hoerster bezeichnet diesen Abschnitt aus Hobbes‘ Lehre als dessen „schwächsten Teil“[7]. Sauer bezeichnet Hobbes‘ Sicht auf das menschliche Wesen als „ebenso bedeutungsvolle wie falsche Lehre“ und sagt außerdem: „[Hobbes‘ Staatslehre] enthält nichts gutes, ihr Kern ist schlecht und zwingt den Staatsmann, der sich nach ihr richtet, nur dazu, sich auf alle Möglichkeiten des Verrats und der Untreue einzustellen“[8]. Es gibt jedoch auch Kritiker, die Hobbes‘ Perspektive auf das Wesen des Menschen in Schutz nehmen. Harzer merkt an, dass es nicht um die optimistische oder pessimistische Darstellung von Hobbes‘ Staatstheorie ginge, sondern viel mehr darum, die Schwächen des Menschen aufzuzeigen, um, basierend darauf, zu erläutern, wie die Nachteile dieser Schwächen ausgemerzt werden können[9] ; in diesem Fall soll durch die Gründung eines Staates geschehen, worauf jedoch im weiteren Verlauf noch näher eingegangen wird. Auch den häufigen Vorwürfen an Hobbes, er würde den Menschen als natürlich böse einstufen, stimmt Harzer nicht zu und sagt dazu, der Mensch habe „von Natur Begierden und Leidenschaften und sein Problem bestehe deshalb darin, die guten von den bösen Menschen nicht hinreichend unterscheiden zu können, was zu Misstrauen aller gegenüber allen [führe]“[10]. Insgesamt kann man zwar nicht von einem positiven Menschenbild ausgehen, welches Hobbes in seiner Theorie liefert, man muss aus Hobbes‘ Aussagen jedoch nicht zwingend schlussfolgern, der Mensch sei aus dessen Sicht von Natur aus boshaft. Man könnte stattdessen sagen, der Mensch nach Hobbes‘ Vorstellung strebt primär nach egoistischen Zielen, die er über sein soziales Wesen stellt. Trotz dieser Abmilderung der Interpretation von Hobbes‘ Theorie lässt sich nicht negieren, dass es tatsächlich Menschen gibt, denen der soziale Aspekt wichtiger ist als die Verwirklichung eigensinniger Ziele, und welche altruistisches Handeln dem Egoismus vorziehen. Hoerster fragt sich an dieser Stelle sogar, inwieweit die gesamte Staatsphilosophie Hobbes‘ modifiziert werden müsste, wenn dieser den sozialen Sinn, welche eine große Zahl von Menschen besitzt, anerkennen und in seinem theoretischen Konzept berücksichtigen würde[11]. Dieser Kritikpunkt muss als schwerwiegend eingestuft werden, ist nur schwer zu revidieren und schwächt die Argumentationsstruktur Hobbes‘ bei der Umschreibung menschlicher Wesenszüge.

3. Der Naturzustand – bellum omnium contra omnes

Ein weiterer wichtiger Begriff aus Hobbes‘ Lehre über die Staatsphilosophie ist der des Naturzustands. Mit dem Naturzustand meint Hobbes jedoch keinen gegenwärtigen oder in der Vergangenheit tatsächlich bestehenden Zustand, er verwendet den Begriff vielmehr im symbolischen Sinn. Unter dem Naturzustand versteht Hobbes ein Stadium der menschlichen Koexistenz ohne das Vorhandensein jeglicher autoritären Formen oder sozialer Lebensgemeinschaften.

Der Naturzustand ergibt sich für Hobbes aus dem zuvor skizzierten Menschenbild, das aus seiner Theorie hervorgeht. Der stetig währende Egoismus der Menschen würde, so Hobbes, nämlich zu einem von Ruhmsucht, Misstrauen und gegenseitiger Konkurrenz hervorgerufenen Kriegszustand führen, in dem die Menschen vor allem um ihre Selbsterhaltung kämpfen würden, welche laut Hobbes das größte aller menschlichen Bestreben darstellt. Die Furcht davor, ihr größtes Gut, das eigene Leben, nicht ausreichend sichern zu können, wird von Kodalle sogar als „Mutter der Staatsvernunft“[12] bezeichnet. Auch der Begriff des Kriegszustandes, welcher prinzipiell mit dem Begriff des Naturzustandes gleichzusetzen ist, muss hier näher erklärt werden. Hobbes meint mit dem Begriff Krieg dabei nicht, dass die Menschen tatsächlich permanente Kämpfe untereinander führen. Gemeint ist vielmehr die stetig existente Bereitschaft, sein Eigenwohl mit allen Mitteln zu verteidigen, auch mit der Anwendung Gewalt. Im Kriegs- bzw. Naturzustand gebe es zudem weder Gesetze noch Eigentum. Gesetze könne es nicht geben, da in einem derart anarchischen Zustand nichts als gerecht oder ungerecht gewertet werden könne, Eigentum ergebe sich lediglich aus der Eroberung von Gütern, nicht jedoch aus beispielsweise durch Kaufverträge geregelten Besitzansprüchen. Hobbes selbst wertet den Naturzustand als „elend“[13] und das menschliche Leben als „einsam, armselig, ekelhaft, tierisch und kurz“[14] ; das Leben im anarchischen Naturzustand wird hier von dem Philosophen extrem negativ beschrieben.

Trotz der laut Hobbes bestehenden Egozentrik der Menschen und deren Wunsch, das Maximum an Macht und Ansehen zu erlangen, überwiege der Wille an Selbsterhaltung. Diese sei in einem Friedenszustand jedoch leichter zu erhalten als im Zustand des fortwährenden Krieges. Der Friedenszustand ist hierbei das Gegenteil des Kriegszustandes und daher auch des Naturzustandes, folglich bedarf es für den Frieden die Aufhebung des gefährlichen und von permanenter Unsicherheit geprägten Naturzustandes.

Insgesamt lässt sich, wie zu Anfang bereits angeschnitten, sagen, dass Hobbes mit dem Naturzustand lediglich ein theoretisches Modell skizzieren wollte, um im weiteren Verlauf seiner Theorie die Existenz und den Sinn der Existenz von Staaten begründen kann. Keineswegs soll mit dem Naturzustand eine historische, auf Tatsachen beruhende Phase beschrieben werden, welche durch die Gründung von Staaten überwunden wurde.

4. Der Ausbruch aus dem Naturzustand durch den Gesellschaftsvertrag

Hobbes beschreibt mit dem Naturzustand ein düsteres und anarchisches Bild der menschlichen Koexistenz, welches es zu überwinden gilt. Hobbes sieht den Menschen hierbei durchaus dazu befähigt, den Kriegszustand aufzuheben und ihn in einen Zustand des Friedens zu transformieren. Diese Fähigkeit sei teils in der menschlichen Vernunft, teils in seinen Leidenschaften angesiedelt. Die Leidenschaften, welche den Menschen zur Schaffung von Frieden befähigen würden, seien laut Hobbes „die Todesfurcht, das Verlangen nach Dingen, die zu einem angenehmeren Leben notwendig sind und die Hoffnung, sie durch Fleiß erlangen zu können“[15]. Bei näherer Betrachtung fällt auf, dass die erste der genannten Leidenschaften bereits mitunter als Auslöser bzw. Grund für den Kriegszustand genannt wurde. Die Furcht vor dem Tod solle laut Hobbes „ebenso sicher den Frieden aus sich produzieren können“[16] wie sie die Menschen zu feindseligen Handlungen gegenüber einander treiben könne. Die Furcht ist in Hobbes Lehre also kein Nährboden von ausschließlich negativen Handlungen, sondern kann ebenso förderlich sein, wenn es darum geht, einen friedvollen Zustand herzustellen. In diesem Punkt wird Hobbes jedoch kritisiert. Kodalle stimmt Hobbes Behauptung, dass Frieden durch Angst erzeugt werden könne, nicht zu und bezeichnet diese Annahme als „illusionär“[17]. Hobbes belässt es, wie bereits erwähnt, jedoch nicht auf den reinen Leidenschaften des Menschen, sondern bezieht die Gabe der Vernunft in das Potential zur Friedensstiftung mit ein. Die Vernunft würde die Menschen dazu bringen, miteinander in Übereinstimmung zu treten. Im Zusammenhang mit der Loslösung vom Naturzustand erklärt Hobbes zwei weitere zentrale Begriffe seiner Theorie, nämlich das Naturrecht oder jus naturale und das Naturgesetz bzw. lex naturalis, welche er klar voneinander abgrenzt. Die beiden Begriffe bezeichnen gleichzeitig zwei von drei Argumentationsstufen bei der Erklärung, wie es überhaupt zur Staatsgründung kommen könne.

[...]


[1] Harzer (1994), S.8

[2] Harzer (1994), S.6

[3] Hoerster (2011), S.109

[4] Harzer (1994), S.50

[5] Hoerster (2011), S.110

[6] Hoerster (2011), S.112

[7] Hoerster (2011), S.95

[8] Sauer (1965), S.49.

[9] Harzer (1994), S.21

[10] Harzer (1994), S.23

[11] Hoerster (2011), S.95

[12] Kodalle (1972), S.44

[13] Hoerster (2011), S.113

[14] Kodalle (1972), S.44

[15] Hoerster (2011), S.113

[16] Kodalle (1972), S.44

[17] Kodalle (1972), S.44

Details

Seiten
14
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656731962
ISBN (Buch)
9783656731955
Dateigröße
453 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v280056
Institution / Hochschule
Universität Mannheim
Note
1,3
Schlagworte
Thomas Hobbes Staatsphilosophie Naturzustand

Autor

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Titel: Die Staatsphilosophie des Thomas Hobbes