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Professionalisierung von Politiklehrkräften im Spannungsverhältnis von Theorie und Praxis

Hausarbeit (Hauptseminar) 2014 16 Seiten

Didaktik - Politik, politische Bildung

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Professionelle Kompetenz von Politiklehrer/-innen

3. Die Bedeutung der fachdidaktischen Theorie für die unterrichtliche Praxis im Fach Politik

4. Probleme zwischen fachdidaktischer Theorie und unterrichtlicher Praxis

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Doch an eben dieser Vermittlung mangelt es. Politische Entscheidungsträger und Bevölkerung, Staat und Gesellschaft haben sich in den letzten Jahren voneinander entfernt. Die "politische Klasse" scheint sich mittlerweile von ihrem gesellschaftlichen Wurzelgrund mehr und mehr abgelöst zu haben. In weiten Teilen der Gesellschaft wiederum wachsen – sagen wir es deutlich – Ahnungslosigkeit und Unkenntnis über die Realität des komplexen politischen Prozesses. (ZEIT ONLINE 2010).

Das obige Zitat spielt auf ein grundsätzliches Problem unserer heutigen Gesellschaft an: die zunehmende Politikverdrossenheit in der deutschen Bevölkerung. Sicher mag es viele Gründe für diese in weiten Teilen der deutschen Gesellschaft verankerte Abneigung gegenüber der politischen Realität geben, doch wird die Grundlage politischen Selbstverständnisses im schulischen Politikunterricht gelegt. Politikverdrossenheit ist also nicht zuletzt auch eine Frage, mit der sich der tägliche Politikunterricht befassen muss. Es gilt, das Selbstverständnis von jungen Menschen entsprechend eines demokratischen Bürgerverständnisses zu prägen, und so letztlich die Notwendigkeit politischer Partizipation und Aktivität für das Funktionieren eines demokratischen Rechtsstaates hervorzuheben.

Damit jedoch das Politikverständnis von jungen Menschen entsprechend entwickelt bzw. geprägt werden kann, bedarf es gut ausgebildeter Lehrkräfte. Und gerade diese Qualifikation von Lehrkräften steht nicht zuletzt seit den katastrophalen Ergebnissen der PISA-Studie aus dem Jahr 2001 besonders im Fokus bzw. in der Kritik (vgl. Goll 2013, S. 232). Inhaltlich wurde kritisiert, die Lehrer seien grundsätzlich zu alt, zu unbeweglich und vor allem nicht kreativ genug (vgl. Mambour 2006, S. 85).

Die Ausbildung bzw. die Wissensbasis von Politiklehrkräften bedarf deswegen einer besonderen Beachtung, da zwischen dem fachlichen Befähigungen des Lehrers und dem Lernerfolg der Schüler[1] eine entsprechende Korrelation angenommen werden darf:

Insgesamt scheint bei aller Vorsicht in der Beurteilung zu gelten: Fachwissen und fachdidaktisches Wissen von Lehrenden wirken sich positiv auf den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler aus (Goll 2013, S. 233).

Hier möchte die vorliegende Arbeit ansetzen und der Frage nachgehen, wie sich die Professionalität von Politiklehrkräften im Spannungsverhältnis zwischen theoretischer Ausbildung und unterrichtlicher Praxis konstituiert.

Gerade in diesem Spannungsverhältnis liegt ein zentrales Problem in der beruflichen Professionalisierung von Politiklehrkräften. So stimmt oftmals die universitäre Ausbildung nicht mehr mit dem Professionswissen von praktizierenden Politiklehrern überein (vgl. Fischer und Lange 2014, S. 93), ja es kann sogar festgestellt werden, dass praktischer Unterricht oftmals nicht theoretisch reflektiert wird, sondern vielmehr umgekehrt aus der praktischen Berufserfahrung heraus in seinem Aufbau begründet wird (vgl. Weißeno 1998, S. 208). Derartiger Unterricht verfährt nach einem stark selektiven Vorgehen und konstituiert sich durch eine Selektion von „guten“ theoretischen Aspekten für die unterrichtliche Praxis (vgl. Ziegler 1990, S. 322). Es muss sich hier jedoch die Frage stellen, welche Bedeutung die universitäre fachdidaktische Ausbildung für die berufliche Praxis eines Politiklehrers hat bzw. haben kann. Es muss somit der eingangs formulierten Frage nachgegangen werden, wie sich Professionalität von Politiklehrern im Spannungsverhältnis von Theorie und Praxis zeigt. Die Arbeit möchte in diesem Kontext ferner Probleme aufzeigen, die oftmals eine tiefere theoretische Begründung der Praxis verhindern.

In einem ersten Schritt soll hierbei die professionelle Kompetenz von Politiklehrkräften skizziert werden. Vor diesem Hintergrund wird die Arbeit dann anschließend das Spannungsverhältnis zwischen theoretischer fachdidaktischer Ausbildung und der unterrichtlichen Praxis darstellen. Dies soll im Kontext des Übergangs von der universitären Ausbildung in das Referendariat erfolgen. Dementsprechend sollen hier die Aspekte angeführt werden, die die Beziehung zwischen Theorie und Praxis stören und somit auch die Professionalisierung von Lehrkräften entsprechend beeinflussen. Abschließen möchte die Arbeit mit einem Fazit, welches die Ergebnisse der Arbeit wertend zusammenfasst.

2. Professionelle Kompetenz von Politiklehrer/-innen

Die Ausbildung von Politiklehrkräften in der Bundesrepublik Deutschland ist in höchster Weise heterogen. Nicht nur die verschiedenen Studienstandorte differieren in ihren Lehrinhalten untereinander, sondern auch die Fachstruktur ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Einheitlich ist jedoch eine bundesweite Orientierung hin zu modularisierten Bachelor- und Masterstudiengängen. Es ist im gesamten Bundesgebiet eine Abkehr von den klassischen Staatsexamensstudiengängen zu verzeichnen. Durch die Hinwendung zur neuen Studienstruktur sollte grundsätzlich eine größere Praxisnähe gewährleistet werden, es sollten mehr fachdidaktische Inhalte studiert werden, die Ausbildung sollte an Standards orientiert werden und die Studenten sollten sich ihr Wissen eher forschend aneignen (vgl. Langner und Lechner-Amante 2014, S. 145).

Dass der Fachdidaktik durch diese Umstrukturierung eine größere Bedeutung zuteilwurde, lässt sich mitunter daran erkennen, dass nun neben fachwissenschaftlichen und pädagogischen (-psychologischen) Aspekten auch intensiv fachdidaktische Inhalte im Studium studiert werden sollten (vgl. ebd., S. 146).

Entsprechend abgebildet wurde diese wissenschaftliche Trias im Fachprofil „Sozialkunde/Politik/Wirtschaft“, welches von der Kultusministerkonferenz (KMK) im Jahr 2010 als gemeinsame inhaltliche Basis verabschiedet wurde, um die Lehramtsstudiengänge des Faches Politik[2] gemeinsamen inhaltlichen Anforderungen zu unterstellen (vgl. ebd.). Langner und Lechner-Amante führen zum Fachprofil „Sozialkunde/Politik/Wirtschaft“ weiter aus:

Gedacht sind die im Fachprofil genannten inhaltlichen Bereiche als fachspezifische Orientierungen: Sie sollen die Formulierung standardorientierter Zielsetzungen ermöglichen, die auf den Erwerb zentraler professionsbezogener Kompetenzen schließen lassen. (ebd.).

Das von der KMK verabschiedete fachspezifische Kompetenzprofil von Studienabsolventen des Faches Politik geht davon aus, dass der Absolvent fachspezifische Kenntnisse in Politikwissenschaft, Soziologie und Wirtschaftswissenschaften erworben hat. Des Weiteren soll sich der Absolvent grundsätzliche fachdidaktische Kenntnisse angeeignet haben (vgl. ebd.).[3]

Folgende Aspekte sollen die zukünftigen Lehrer am Ende ihres Studiums beherrschen:

Sie…

- beherrschen grundlegendes, strukturiertes Wissen in den genannten Disziplinen und sind mit zentralen sozialwissenschaftlichen Fragestellungen und Denkweisen vertraut,
- können grundlegende politikwissenschaftliche, soziologische und wirtschaftswissenschaftliche Konzepte, Theorien und Methoden erläutern, vergleichen, anwenden und beurteilen,
- können politische, gesellschaftliche und ökonomische Probleme und Konfliktlagen beschreiben und mit sozialwissenschaftlichen Methoden analysieren,
- können Wege zur rationalen politischen, sozialen und ökonomischen Urteilsbildung aufzeigen und eigene Urteile begründet fällen,
- beherrschen elementare sozialwissenschaftliche Methoden und Arbeitstechniken sowie Ansätze interdisziplinärer Arbeit,
- verfügen über anschlussfähiges fachdidaktisches Orientierungswissen über Konzepte, Methoden und Befunde zur Entwicklung der gesellschaftlichen Bildung,
- können Ziele, Konzepte, Bedingungen, Abläufe und Ergebnisse von Lehr-Lern-prozessen in der gesellschaftlichen Bildung analysieren und reflektieren,
- können lernbedeutsame politische, gesellschaftliche und ökonomische Probleme identifizieren, ihre Bedeutung für die Lernenden und die Gesellschaft einschätzen, geeignete sozialwissenschaftliche Analysekonzepte ermitteln und alternative Problemlösungen beurteilen,
- können exemplarisch fachliche Lehr- und Lernprozesse schüler- und problemorientiert diagnostizieren, analysieren, auch für heterogene Lerngruppen planen und arrangieren sowie Unterrichtsversuche im Fach evaluieren,
- verfügen über erste reflektierte Erfahrungen in der kompetenzorientierten Planung und Durchführung von Fachunterricht und kennen Grundlagen der Leistungsdiagnose und –beurteilung im Fach (ganze Aufzählung: ebd.).

Mit der Rezeption des oben dargelegten Fachprofiles wird klar, dass eine Orientierung an rein fachwissenschaftlichen Inhalten der Vergangenheit angehört (vgl. ebd.). Vielmehr definiert sich die erste Phase der Ausbildung zum Politiklehrer „über die fachwissenschaftlich und politikdidaktisch gesättigten Fähigkeiten und Fertigkeiten, die das professionsbezogene Handlungsrepertoire am Ende der Universitätszeit prägen sollen.“ (ebd.).

[...]


[1] In der Folge soll aus platzökonomischen Gründen nur noch die Bezeichnung „Schüler“ anstelle von „Schülerinnen und Schüler“ verwendet werden. Im hier verwendeten Sinne impliziert das Wort „Schüler“ somit selbstverständlich beide Geschlechter. Analoges gilt für die Bezeichnung „Lehrer“ als Simplifizierung von „Lehrerinnen und Lehrer“.

[2] Zur Simplifizierung soll das Unterrichtsfach in der Folge einfach „Politik“ genannt werden. Anders ließe sich im Verlaufe der Arbeit die bundesweite Heterogenität in der Bezeichnung des Faches nicht berücksichtigen.

[3] Das pädagogisch (-psychologische) Wissen ist nicht fachspezifisch und sollte, unabhängig von einer entsprechenden Fachwissenschaft und Fachdidaktik, von jedem Lehramtsstudenten erworben werden. Die folgenden Ausführungen fokussieren sich auf die Ausbildung zum Politiklehrer und sind somit fachspezifisch, weshalb dieser Aspekt der Ausbildung vernachlässigt werden soll. (Wobei natürlich nicht die Relevanz von pädagogisch (-psychologischen) Lehrinhalten bestritten werden soll.)

Details

Seiten
16
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656738053
ISBN (Buch)
9783656738015
Dateigröße
522 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v279948
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel – Institut für Sozialwissenschaften/Politikwissenschaft
Note
1,7
Schlagworte
professionalisierung politiklehrkräften spannungsverhältnis theorie praxis

Autor

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Titel: Professionalisierung von Politiklehrkräften im Spannungsverhältnis von Theorie und Praxis