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Das Eigene und das Fremde. Die Definition des Kulturbegriffes

Akademische Arbeit 2006 27 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Kultur
1.1. Der Kulturbegriff im Wandel
1.2. Orientierungsfunktion und Symbolcharakter von Kultur

2. Das Eigene und das Fremde
2.1. Fremdwahrnehmung
2.2. Die eigene und kollektive Identität
2.3. Konstruktion des Fremden und Eigenen

3. Das Interkulturelle
3.1. Das Interkulturelle als Zustands- und Prozessbeschreibung
3.2. Abgrenzung zum Mulikulturalismus
3.3. Kritik am Konzept der Interkulturalität
3.4. Definition von Interkulturalität

Literaturverzeichnis (inklusive weiterführender Literatur)

Einleitung

In modernen Gesellschaften wie der BRD ist eine zunehmende kulturelle Vielfalt zu verzeichnen. Als mögliche Ursachen dieser kulturellen Ausdifferenzierung können die Zuwanderung von Individuen aus verschiedensten Kulturkreisen, die Entstehung einer großen Bandbreite subkultureller Milieus als Folge gesellschaftlicher Differenzierungsprozesse sowie eine zunehmende Interaktionsdichte im Zuge regionaler sowie globaler Wandlungsprozesse (z. B. Globalisierung, deutsche Wiedervereinigung und europäische Integration) angeführt werden. Ausgehend von einem erweiterten Kulturverständnis, welches den dynamischen Charakter von Kultur betont und die Differenzierung in Teilkulturen, Subkulturen und Milieus beinhaltet, können Kulturen nicht mehr auf Nationalkulturen reduziert oder als statisch angesehen werden. Aus einer solchen differenzierteren Perspektive ergibt sich ein neues Verständnis kultureller Vielfalt und den damit einhergehenden interkulturellen Begegnungen (vgl. Handschuck/Klawe 2004; Freise 2005). Diese Entwicklungen führen dazu, dass interkulturelle Erfahrungen heute zum Lebensalltag der Menschen gehören und ihre individuelle und kollektive Identitätsbildung prägen.

Vor diesem Hintergrund wird interkulturelle Kompetenz zu einer notwendigen Qualifikation für Fachkräfte. Die Aktualität des Diskurses um interkulturelle Kompetenz spiegelt sich in den unzähligen Veröffentlichungen und Debatten wieder. Es sind vielschichtige und umfangreiche Kompetenzprofile veröffentlicht worden, die allerdings den Überblick über die Diskussionen und eine mögliche Quintessenz erschweren (vgl. Friesenhahn/Rickert 2006: 30; Leiprecht 2002: 88; Auernheimer 2002: 183).

Um die vermutete Schlüsselrolle der interkulturellen Kompetenz als Qualifikation zu begründen, ist es allerdings notwendig, den dynamischen Kulturbegriff zu verstehen. Von dem dynamischen Kulturverständnis ausgehend, wird anschließend die Eigen- und Fremdwahrnehmung betrachtet. Ebenso soll das 'Interkulturelle' erläutert und definiert werden.

1. Kultur

Zur Annäherung an den Kulturbegriff und das Kulturverständnis scheint die Metapher des 'Eisbergmodells' dienlich. Das Modell verdeutlicht, dass Kultur nur zum kleinsten Teil sichtbar ist (vgl. Freise 2005: 16f).

Die Tatsache, dass der größte Teil dessen, was Kultur ausmacht unsichtbar bleibt, das heißt im Alltag unterhalb der Bewusstseinschwelle bleibt, zeigt schon die Schwierigkeit, Kultur begrifflich zu fassen zu definieren. Kulturdefinitionen wurden in unzähliger und vielfältiger Weise verfasst. So verweist Alexander Thomas darauf, dass schon 1952 über 150 Kulturdefinitionen gezählt wurden (vgl. Thomas 2003: 21). Sie dienen dazu, Erkenntnisse über den Gegenstand Kultur zu vermitteln. Weiterhin sollen sie dabei helfen, den Gegenstand für den wissenschaftlichen Diskurs zu operationalisieren. Letztendlich sind sie jedoch nur Konstruktionen (vgl. Handschuck/Klawe 2004: 67).

1.1. Der Kulturbegriff im Wandel

Das uns allen vertraute Verständnis von Kultur geht auf den Kulturbegriff des Kulturphilosophen Johann Gottfried Herder zurück, der Kultur als Lebensform von Völkern bezeichnete (vgl. Gemende 1999: 12; Handschuck/Klawe 2004: 67). Nach Herders Kulturdefinition wird Kultur als ein Ensemble von Merkmalen, bestehend aus Sprache, Denken, Wahrnehmen, Habitus, Institutionen und materiellen Hervorbringungen wie Kunst, Musik und Architektur, verstanden, das in seiner Gesamtheit eine Einheit und organische Ganzheit bildet. Kultur versteht er als organischen und homogenen Ausdruck eines Volkes bzw. einer Nation. Sie soll den 'Charakter' zum Vorschein bringen und auf das Innere oder das 'Wesen' des jeweiligen Volkes verweisen (vgl. Gemende 1999: 12).

Dieses traditionelle Kulturverständnis hat sich dahingehend verändert, dass Kultur heute nicht mehr als homogen und statisch betrachtet wird (vgl. Gemende 1999: 13; Nick 2003: 118f). Kulturen weisen keine einheitlichen und kontinuierlich verbindlichen Merkmale auf und können deshalb nicht auf Nationalkulturen reduziert werden. Vielmehr definiert sich jede Gruppe über andere Merkmale, und somit muss Kultur als eine veränderliche, von sozialen Gruppen ausgehende Konstruktion gesehen werden (vgl. Gemende 1999: 13). Folglich ist es auch unhaltbar, von einem Nebeneinander verschiedener, gleich bleibender nationaler Kulturen (z. B. von der Kultur der Deutschen, der Türken usw.) auszugehen, wie es beispielsweise in früheren Konzepten der 'multikulturellen'[1] Gesellschaft der Fall war. Denn „das einzelne Subjekt nimmt an dem Aushandlungsprozeß seiner Kultur teil und befindet sich schon innerhalb dieses Rahmens in vielfältiger Weise zwischen verschiedenen kulturellen Orientierungen. Zugleich verschwimmen die Konturen der jeweiligen Kultur nicht völlig; sie erneuern sich vielmehr in einem kontinuierlichen wechselseitigem Dialog, der das Verständnis zwischen den Kulturen dynamisch vermittelt“ (Gemende 1999: 13). Kultur ist demzufolge als ein in Bewegung befindliches, adaptionsfähiges System zu verstehen, welches nicht hierarchisch, sondern reflexiv und heterogen, bestehend aus mehreren lose miteinander verkoppelten Systemebenen, aufgebaut ist (vgl. Hamburger 1999: 39f). Dieser systematische Begriff von Kultur verdeutlicht, dass Kulturen nicht eindeutig voneinander abgrenzbar sind, wobei dennoch eine Differenzierung möglich ist sind. Denn Kultur ist „in sich differenziert, in verschiedene Trägergruppen und divergierende, zum Teil gegenläufige kulturelle Strömungen zerlegbar. Und sie enthält eine Schichtung verschiedener kultureller Ebenen, die von transnationalen Strömungen (z. B. Weltreligionen) über nationale und regionale bis hin zu subkulturellen Bewegungen reicht“ (Gemende 1999: 13).[2]

Kultur kann demnach auch „nicht an eine Ethnie, eine Nation oder einen Sprachraum gebunden“ werden (Nick 2003: 22), da sich eben innerhalb einer Gesellschaft verschiedene Kulturen identifizieren lassen, die als „Teilkulturen, Subkulturen, Milieus oder Lebenswelten verstanden werden“ (Nick 2003: 22). Welsch merkt hierzu kritisch an, dass es ohnehin fraglich ist, „inwieweit solche Einheitlichkeit je faktisch bestand, ob sie je mehr als ein ideologischer Wunsch war“ (Welsch 1999: 47). Diese Position spiegelt sich in Welschs synkretischen Kulturverständnis wieder.[3]

Kultur kann also keinesfalls als beständig angesehen werden, denn „zwischen den verschiedenen kulturellen Gruppierungen, Elementen und Einflüssen etabliert sich Kultur als ein dynamisches Diskursfeld - als ein Feld des Kampfes um Deutungsmuster, Artikulations-

formen, Werte und Normen, die ständig neu ausgehandelt werden müssen“ (Gemende 1999: 13). Auch Hinz-Rommel verweist auf die Dynamik von Kulturen. Im Wesentlichen sind Kulturen durch ihre Prozesshaftigkeit, Veränderbarkeit, Vielfältigkeit und Widersprüchlichkeit geprägt und dies zu dem Zweck um sich den veränderten Lebensverhältnissen kontinuierlich anpassen zu können (vgl. Hinz-Rommel 1994: 39f).

1.2. Orientierungsfunktion und Symbolcharakter von Kultur

Die vielfältigen Definitionen von Kultur weisen fachübergreifende Gemeinsamkeiten auf. Hierbei wird immer wieder auf die Orientierungsfunktion und den Symbolcharakter[4] von Kultur verwiesen (vgl. Auernheimer 1999: 30). Für Thomas ist Kultur „ein universelles, für eine Gesellschaft, Organisation, Gruppe aber sehr typisches Orientierungssystem. Dieses Orientierungssystem wird aus spezifischen Symbolen gebildet und in der jeweiligen Gesellschaft usw. tradiert. Es beeinflusst das Wahrnehmen, Denken, Werten und Handeln aller ihrer Mitglieder und definiert somit deren Zugehörigkeit zur Gesellschaft. Kultur als Orientierungssystem strukturiert ein für die sich der Gesellschaft zugehörig fühlenden Individuen spezifisches Handlungsfeld und schafft damit die Voraussetzungen zur Entwicklung eigenständiger Formen der Umweltbewältigung“ (Thomas 2003: 138, vgl. 1999: 232f). Seiner Meinung nach manifestiert sich Kultur als Bedeutungs- und Orientierungssystem nicht nur auf der Ebene makrosozialer Gebilde wie Nationen, Gesellschaften oder Organisationen, sondern auch im Kontext kleinster sozialer Einheiten wie Familie und Freundeskreis (vgl. Thomas 1999: 232f). Kultur als System besteht dabei einerseits aus tradierten Elementen makrosozialer sozialer Gebilde, die als allgemeine, verbindliche Werte, Normen und Regeln anzusehen sind, andererseits aus Elementen, „die neu entwickelt bzw. spezifisch modifiziert werden und dem jeweiligen sozialen Gebilde eigentümlich sind“ (Thomas 1999: 233).

Soll nun Kultur als Orientierungssystem funktional bleiben, muss sie im Kontext der gesellschaftlichen Gegebenheiten stehen. Somit „tritt mit ihrer Funktion der Handlungsorientierung in Abhängigkeit von den gesellschaftlichen Gegebenheiten ihre Prozesshaftigkeit deutlich hervor“ (Hinz-Rommel 1994: 39). Daraus wird klar, dass die Beschreibung von Kultur immer in Abhängigkeit zum jeweiligen aktuellen gesellschaftlichen Kontext steht, wobei ihre historische Bedingtheit und daran geknüpfte Interessen nicht ausgeblendet werden können (vgl. Handschuck/Klawe 2004: 68).

Die Orientierungsfunktion von Kultur wird durch Symbole charakterisiert. Clifford Geertz bezeichnet Kultur als „ein historisch überliefertes System von Bedeutungen, die in symbolischer Gestalt auftreten, ein System überkommener Vorstellungen, die sich in symbolischen Formen ausdrücken, ein System, mit dessen Hilfe die Menschen ihr Wissen vom Leben und ihren Einstellungen zum Leben mitteilen, erhalten und weiterentwickeln“ (Geertz 1991: 46). Dieser Kulturbegriff verweist auf das „selbstgesponnene Bedeutungsgewebe […], in das der Mensch verstrickt ist“ (Nick 2003: 122). Hinz-Rommel bezeichnet die Kultur einer Gesellschaft oder einer gesellschaftlichen Gruppe sogar als „Repertoire an Symbolbedeutungen“ (Hinz-Rommel 1994: 39). Nach seiner Meinung verweist gerade der symbolische Charakter des Gegenstands auf die Mehrdeutigkeit und Auslegbarkeit von Kulturen.

Allgemein ist Kultur als ein universelles Phänomen zu verstehen. Sie entsteht überall dort, wo Menschen auf der Welt leben, gelebt haben oder in Zukunft leben werden: „Alle Menschen leben in einer spezifischen Kultur und entwickeln sich weiter. Sie sind also von ihren Kulturen abhängig, werden in sie hineinsozialisiert (Enkulturation), nutzen die von den Vorgängergenerationen entwickelte Kultur, um sich in ihrer Welt zurechtzufinden, und im Zuge dieser Prozesse verändern sie ihre Kultur und entwickeln sich weiter“ (Thomas 1999: 232).

2. Das Eigene und das Fremde

Kultur ist als Ergebnis eines Aushandlungsprozesses zu verstehen. Jede Bestimmung von Kultur enthält auch das Verhältnis zu „anderen“ Kulturen (vgl. Auernheimer 1999: 27; Gemende 1999: 12). Deshalb wird im Folgenden das Verständnis vom 'Eigenen' und 'Fremden' näher erläutert.

Das Eigene und Fremde sind dialektische und komplementäre Begriffe, mit deren Kategorisierung ein komplexes Beziehungsgeflecht einhergeht. Der oder das Fremde kann nur in Abgrenzung zum Eigenen bestimmt werden und umgekehrt. Dabei ist die Abgrenzung als fließend und dynamisch, also einem ständigem Wandel unterliegend, zu betrachten.

Folglich kann keine allgemeine Gültigkeit für eine bestimmte Sichtweise des Eigenen und Fremden beansprucht werden. (Albrecht 1997: 86). Sowohl das Fremde als auch das Eigene können sinnvoll nur unter Einbeziehung ihrer wechselseitigen Abhängigkeit betrachtet werden. Deshalb wird zunächst aufgezeigt, was überhaupt als fremd wahrgenommen wird. Daran anschließend wird diese Bedeutung für die eigene und die kollektive kulturelle Identität erläutert. Der zugrunde liegende konstruktivistische Ansatz wird ebenfalls erläutert.

2.1. Fremdwahrnehmung

Allgemein wird das Fremde als unvertraut und das Eigene als vertraut wahrgenommen. Was als 'fremd' betrachtet wird, ist immer eine Frage der Konstellation. Denn Fremdheit steht in Abhängigkeit zur Perspektive des Betrachters. Eine oft zitierte Binsenweisheit von Karl Valentin verweist darauf: „ Fremd ist der Fremde nur in der Fremde “ (vgl. Albrecht 1997: 85; Nick 2003: 150; Maletzke 1996: 28). Hier bekommen der Ort und die Zeit der Betrachtung eine entscheidende Bedeutung zugeschrieben. Ausgehend vom Betrachter wird eine Person oder Situation im Verhältnis zur augenblicklichen Umgebung erfasst (vgl. Albrecht 1997: 85). So wird beispielsweise auch ein Deutscher in einem anderen Land als Fremder betrachtet.

Das Fremde ist jedoch nicht einfach nur in Abhängigkeit vom jeweiligen Standort eine relative Größe, dahinter steht vielmehr ein komplexes Phänomen. Denn „die Bezeichnung fremd oder fremde stellt eine Beziehung her zwischen dem, was als jeweils eigenes betrachtet wird, und dem, was an diesem nicht zugehörig bewertet wird“ (Albrecht 1997: 85f). Die Zuschreibung 'fremd' ist also keine Eigenschaft des Bezeichneten selber, sondern charakterisiert die Beziehung vom Bezeichnenden zum Bezeichneten aus Sicht des Ersteren.

Es ist hervorzuheben, dass Fremdwahrnehmung als dynamischer Prozess und im jeweiligen Kontext zu verstehen ist, denn „ebenso wie sich die unterschiedlichen Kulturen im Laufe der Zeit herausbilden und sich kontinuierlich verändern, so verändert und entwickelt sich auch das, was als fremd empfunden wird. Fremdheit ist nicht nur Ausdruck einer aktuell erlebten Beziehung, sondern meist auch Niederschlag einer langen Geschichte der Auseinandersetzung und eines tradierten „Wissens“ über die Fremden“ (Rommelspacher 2002: 19f).

Fremdheit ist nicht gleichzusetzen mit Andersartigkeit. Denn nicht alles was anders ist, gilt als fremd. So können beispielsweise Personen und Situationen als anders wahrgenommen werden und sind dennoch nicht fremd.[5] Exemplarisch können hierfür zum einen die Differenzen zwischen Geschlechtern, Generationen oder Angehörigen unterschiedlicher sozialer Gruppen angeführt werden. Zum anderen könnte man physische Unterschiede wie Körpergröße oder Haarfarbe anführen.

Allerdings werden andere körperliche Merkmale wie Hautfarbe oder Augenform als „Fremdheitsindikatoren“ wahrgenommen. Hierdurch wird deutlich, dass Fremdheit mehr beinhaltet als nur Andersartigkeit. Fremdheit entsteht nicht aufgrund von Andersartigkeit, sondern durch Auffassung, Wahrnehmung und Interpretation (vgl. Albrecht 1997: 86f). Dies bedeutet, dass Merkmale des Wahrnehmungsgegenstandes vor dem Hintergrund des Eigenprofils als fremd wahrgenommen werden. Hierbei wird die Wahrnehmung ihrerseits wieder von Denkmustern geprägt, was auch das dialektische Verhältnis zwischen beiden Kategorien deutlich macht. So wird eine Person aufgrund ihrer Merkmale beurteilt und bekommt die Rolle des Fremden zugeschrieben.

Allgemein ist die Fremdheitszuschreibung als variabel anzusehen. Als fremd gelten können auch bestimmte Lebensweisen. Allerdings wird es im Rahmen der individualisierten, modernen Gesellschaften immer schwerer, diese als fremd zu kennzeichnen. Daher erfolgt die Festmachung des Begriffs meist an beobachtbaren Eigenschaften oder Verhaltensweisen wie Hautfarbe, Sprache oder Namen (Albrecht 1997: 36). Fremdwahrnehmung ist aber kein gänzlich individueller Prozess, denn die Handlung aller Individuen und deren Wahrnehmungs- und Interpretationsprozesse wird beeinflusst von aktuellen gesellschaftlichen Vorstellungen. Der Begriff 'fremd' kann also als ein 'kollektives Deutungsmuster' interpretiert werden (vgl. Albrecht 1997: 87). Ergibt sich das Fremdheitsprofil aus denen als fremd wahrgenommen Merkmalen, so steht die Bezeichnung 'fremd' in Abhängigkeit zur jeweiligen Gesellschaft und Kultur, die die Identität des Einzelnen prägt. Grundsätzlich lässt sich die Bezeichnung des Fremden nur schwer als eine objektive oder neutrale Kategorie gebrauchen. An sie scheinen vielschichtige Emotionen und Bewertungen geknüpft zu sein, was den Umgang mit Fremden zur Gesinnungsfrage[6] macht (vgl. Albrecht 1997: 81).

[...]


[1] Auf den Ansatz der „Multikulturalität“ wird im Rahmen der Begriffsklärung des „Interkulturellen“ weiter eingegangen.

[2] Unter Subkultur ist eine bestimmte Teilgruppe mit einer eigenen Kultur zu verstehen, die sich innerhalb einer großen Gesellschaft herausgebildet hat.

[3] „Jede Kultur, zumindest jede Kultur der Gegenwart, erweist sich als synkretisch, d.h. als Gemisch, als zusammengebastelt aus Elementen unterschiedlicher Herkunft. So können wir bei der deutschen Kultur römische, slawische, später französische, heute angloamerikanische Einflüsse feststellen.“ (Auernheimer 1999: 34)

[4] „Eines der allgemein verbindlichsten Symbolsysteme ist z. B. die Sprache“ (Thomas 1999: 232), ebenso wie Werte, Regeln, Rituale, Gestik, Mimik, Kleidung und Lebensstile.

[5] Dies ist als „Verhältnis der Alterität“ zu bezeichnen, aufgefasst als individuelle bzw. gruppenspezifische Unterschiede (vgl. Albrecht 1997: 86).

[6] So unterscheiden sich Verhaltensmuster bezüglich der „Fremdenfreundlichkeit“ und „Fremdenfeindlichkeit“ zwar „durch die unterschiedliche Bewertung des Fremden, nicht aber darin, daß sie den oder das Fremde bewertet“ (Albrecht 1997: 80).

Details

Seiten
27
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783656728078
ISBN (Buch)
9783668137240
Dateigröße
439 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v279870
Institution / Hochschule
Fachhochschule Koblenz - Standort RheinAhrCampus Remagen
Note
1,0
Schlagworte
eigene fremde definition kulturbegriffes

Autor

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Titel: Das Eigene und das Fremde. Die Definition des Kulturbegriffes