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Nachhaltigkeit als Wettbewerbsfaktor am Beispiel des Energiedienstleisters Mainova AG

Seminararbeit 2013 27 Seiten

BWL - Beschaffung, Produktion, Logistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Problemstellung und Ziel der Arbeit
1.2. Aufbau der Arbeit

2. Nachhaltigkeit
2.1. Begriffliche Grundlagen
2.2. Modelle und Dimensionen der Nachhaltigkeit
2.3. Handlungsfelder, Chancen und Prognosen für eine nachhaltige Entwicklung
2.4. Der ökologische Fußabdruck als Kennzahl für nachhaltiges Wirtschaften

3. Nachhaltigkeitsmanagement – die praktische Anwendung am Beispiel eines Energiedienstleisters – der Mainova AG
3.1. Unternehmensprofil der Mainova AG
3.2. Organisatorische Verankerung des Nachhaltigkeitsmanagements
3.3. Das Mainova Nachhaltigkeitsverständnis
3.4. Die Mainova Nachhaltigkeitsinstrumente

4. Fazit

Anlagenverzeichnis

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Ökologischer Fußabdruck der Szenarien „Vision 2050“

Abbildung 2: Wesentlichkeitsmatrix 2012 der Mainova AG

1. Einleitung

1.1. Problemstellung und Ziel der Arbeit

Nachhaltigkeit ist ein breit verwendeter Begriff und dient im Allgemeinen als normatives Leitbild.[1] Seit der Verabschiedung der „Agenda 21“[2] auf der UN-Weltkonferenz in Rio de Janeiro 1992 wächst auch auf politischer Ebene die Relevanz des Themas Nachhaltigkeit.[3] Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft beeinflussen sich gegenseitig. Somit wird es langfristig keinen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt ohne eine intakte Umwelt geben. Ebenso wenig wird es gelingen, die Umwelt effektiv zu schützen, wenn Menschen um ihre wirtschaftliche Existenz kämpfen müssen.[4] Dies führt zu einer kontinuierlichen Veränderung der Rahmenbedingungen für die Umsetzung eines nachhaltigen Wirtschaftens, auf die sich die Unternehmen einstellen müssen.

Ebenso gewinnt das Thema unternehmerische Verantwortung mit der zunehmenden Sensibilisierung von Verbrauchern durch Politik, Medien und Gesellschaft stetig an Bedeutung. Die Verbraucher achten bspw. bei der Wahl des Energiedienstleister darauf, inwieweit dieser sich nachhaltig und ökologisch motiviert engagiert. Die ganzheitliche Betrachtung der Kundenbedürfnisse gehört demzufolge zur dauerhaften Kernaufgabe der Energiedienstleister.[5]

Nach Einschätzung des Weltwirtschaftsrats für nachhaltige Entwicklung (World Business Council for Sustainable Development - WBCSD) werden intelligente Lösungen benötigt, um die globalen Handlungsfelder, wie Ressourcenknappheit, Klimawandel, Umweltbelastungen und die zunehmende Urbanisierung zu bewältigen.[6]

Die Seminararbeit versucht an einem Praxisbeispiel, dem Nachhaltigkeitskonzept der Mainova AG (Mainova), den Nachhaltigkeitsbegriff aus der Perspektive eines Energiedienstleisters zu beleuchten und die Grundzüge eines möglichen Nachhaltigkeitsmanagements und deren möglichen Wettbewerbsvorteil aufzuzeigen.

1.2. Aufbau der Arbeit

Die Seminararbeit ist in vier Kapitel gegliedert. Der Schwerpunkt liegt insbesondere auf der Anwendung eines Nachhaltigkeitsmanagements im Energiesektor. Im Anschluss dieses Kapitels werden im zweiten Kapitel zunächst die theoretischen Aspekte der Nachhaltigkeit, wie die begrifflichen Grundlagen, die Modelle und Dimensionen, die Handlungsfelder, Chancen und Prognosen sowie der ökologische Fußabdruck, erläutert. Eine ausführliche Beschreibung der theoretischen Aspekte, insbesondere die politischen und wirtschaftlichen Meilensteine, würde den Rahmen dieser Seminararbeit sprengen. Auch wird aus diesem Grund auf eine ausführliche Beschreibung der verschiedenen Nachhaltigkeitsmodelle verzichtet. Das zweite Kapitel schließt mit dem ökologischen Fußabdruck, der bezogen auf die CO2-Emissionen der Energiebereitstellung und -nutzung einen nahtlosen Übergang in den praktischen Teil der Arbeit darstellt. Im dritten Kapitel wird als Praxisbeispiel das Nachhaltigkeitsmanagement eines Energiedienstleisters - der Mainova - dargestellt. Im ersten und zweiten Abschnitt werden das Unternehmensprofil sowie die organisatorische Verankerung von Nachhaltigkeit im Unternehmen aufgezeigt. Der dritte Abschnitt befasst sich mit dem Nachhaltigkeitsverständnis in Form der fünf Mainova spezifischen Dimensionen. Im vierten Abschnitt werden die verwendeten Nachhaltigkeitsinstrumente aufgezeigt. Auf die Darstellung und Kommentierung der Unternehmenskennzahlen wird aufgrund des begrenzten Rahmens der Seminararbeit verzichtet. Ein Auszug der Mainova-Kennzahlen pro Dimension ist als Anlage 4 beigefügt. Im vierten Kapitel endet die Arbeit mit der Darstellung der Kernerkenntnisse als Fazit sowie den Überlegungen zu möglichen Verbesserungspotenzialen.

2. Nachhaltigkeit

2.1. Begriffliche Grundlagen

Um das Thema „Nachhaltigkeit als Wettbewerbsfaktor“ vollumfänglich betrachten zu können, muss zunächst definiert werden, was die Begriffe Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfaktoren bedeuten.

Nachhaltigkeit “ bedeutet im Allgemeindeutschen, dass etwas nachdrücklich, intensiv und dauerhaft ist. Der Wortursprung stammt aus der Forstwirtschaft. Hans Carl von Carlowitz, Oberberghauptmann am kursächsischen Hof in Freiberg (Sachsen), formulierte 1713 als Erster das Prinzip der Nachhaltigkeit folgendermaßen: "Schlage nur so viel Holz ein, wie der Wald verkraften kann! So viel Holz, wie nachwachsen kann!“[7]

Nachdem der Begriff u.a. ins Englische (sustainability) übertragen wurde, verständigten sich die Vereinten Nationen (178 Staaten) im Laufe des 20. Jahrhunderts im Rahmen der internationalen Konferenzen auf ein gemeinsames Leitbild der Menschheit - die nachhaltige Entwicklung (englisch: sustainable development). Hieraus resultiert die meistgebrauchte Definition von Nachhaltigkeit, die im Brundtland-Bericht 1987 wie folgt festgeschrieben wurde: "…ist eine Entwicklung, die die Lebensqualität der gegenwärtigen Generation sichert und gleichzeitig zukünftigen Generationen die Wahlmöglichkeit zur Gestaltung ihres Lebens erhält."[8] Seitdem zählt Nachhaltigkeit zum Leitbild der nationalen wie internationalen Diskussion über Umwelt- und Entwicklungsfragen.[9] Nach Pufé geht es folglich „…um die Vision und Idee eines dauerhaft bewohnbaren Planeten.“[10]

„Wettbewerbsfaktoren “ sind strukturelle Merkmale einer Branche, die die Stärke der Wettbewerbsintensität und damit nachgelagert auch die Rentabilität der Unternehmen und der Branche bestimmen.[11] Die Effizienz einer Branche hängt laut dem Fünf-Wettbewerbskräfte-Modell nach Porter von folgenden Faktoren ab: Wettbewerbsrivalität, Verhandlungsmacht von Lieferanten, Verhandlungsstärke von Käufern, Bedrohungen durch Substitute (Ersatzprodukte) sowie Bedrohungen durch neue Wettbewerber.[12]

2.2. Modelle und Dimensionen der Nachhaltigkeit

Es gibt verschiedene Nachhaltigkeitsmodelle, wie z.B. das Drei-Säulen-Modell, das Schnittmengen-bzw. Dreiklangmodell und das Nachhaltigkeitsdreieck. Das Nachhaltigkeitsdreieck hat sich mit der Zeit als Sinnbild durchgesetzt, da es ökologische, ökonomische und soziale Aspekte der Nachhaltigkeit verbindet und diese als gleichseitige Dreiecke gleichwertig behandelt. So formuliert der Rat für nachhaltige Entwicklung: "Nachhaltige Entwicklung heißt, Umweltgesichtspunkte gleichberechtigt mit sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu berücksichtigen. Zukunftsfähig wirtschaften bedeutet also: Wir müssen unseren Kindern und Enkelkindern ein intaktes ökologisches, soziales und ökonomisches Gefüge hinterlassen. Das eine ist ohne das andere nicht zu haben."[13]

Nach Pufé (2012) umfasst Nachhaltigkeitsmanagement drei Dimensionen – die ökologische, die ökonomische und die soziale Nachhaltigkeit. Der ökologische Aspekt orientiert sich am stärksten am Ursprungsgedanken, keinen Raubbau an der Natur zu betreiben (siehe Carlowitz Kapitel 2.1.). Die ökonomische Nachhaltigkeit besteht darin, dass eine Gesellschaft oder Organisation wirtschaftlich nicht über ihre Verhältnisse lebt, da dies Einbußen für die nachkommende Generation bedeutet. Allgemein gilt wirtschaftliches Handeln erst dann als nachhaltig, wenn es dauerhaft betrieben werden kann. Bei der sozialen Nachhaltigkeit ist es wichtig, dass sich der Staat, die Gesellschaft und die Organisation so organisieren, dass soziale Spannungen bzw. Konflikte nicht eskalieren, sondern auf friedlicher Art und Weise geklärt werden.[14]

Entsprechend diesen drei Dimensionen berührt das Thema Nachhaltigkeit eine große Spannbreite an Themen. Während z.B. das Thema Corporate Governance – also gute Unternehmensführung ein ökonomisch und stärker strategisches Thema ist, ist das Thema Tropenholz eher ein umweltspezifisches Thema und Arbeitsplatzsicherheit wiederum eines, das im Sozialen angesiedelt ist. Somit gilt es für Unternehmen, aus allen drei Dimensionen jene mit der für sie größten Hebelwirkung auszuwählen. Die ausgewählten Themen ergänzen und verstärken sich gegenseitig, sodass sie somit eine integrative bzw. Triple-win-Nutzenwirkung erzielen.[15]

2.3. Handlungsfelder, Chancen und Prognosen für eine nachhaltige Entwicklung

Nachhaltigkeit zeigt viele globale Handlungsfelder auf. So werden im nächsten Jahrzehnt die Themen Wachstum, Urbanisierung, Ressourcenknappheit und Umweltveränderungen die strategische Ausrichtung von Unternehmen bestimmen. Im Jahr 2050 werden rd. 9 Milliarden Menschen auf der Erde leben – das sind 30 % mehr als heute. Wirtschaftlich betrachtet ist diese Entwicklung positiv, da Wachstum auch gleichzeitig Milliarden neuer Konsumenten bedeutet. Jedoch ergeben sich auch Nachteile, weil es durch die knapper werdenden Ressourcen und die mögliche Erderwärmung schwieriger wird, allen Menschen jenen konsumorientierten Lebensstil zu garantieren, der dem heutigen Wohlstand in den reichen Ländern entspricht.[16]

Aus den genannten Handlungsfeldern können sich Chancen für eine nachhaltige Entwicklung sowohl auf regionaler, nationaler als auch auf globaler Ebene ergeben. Dementsprechend wird Nachhaltigkeit nach Einschätzung des Rats für Nachhaltigkeit zweifellos als globaler Wettbewerbsfaktor gesehen. Hierbei verweist er auf die Studie „Vision 2050“ des WBCSD von 2010, an der 29 weltweit tätige Unternehmen aus 14 Branchen gemeinsam mitgewirkt haben. So wird zitiert, dass den „…Unternehmen, denen es gelinge, nachhaltigere Produkte und Dienstleistungen zur „leichteren Wahl“ zu machen, entstünden daraus Wettbewerbsvorteile…Sie könnten das Rennen um Marktanteile in der wachsenden „grünen“ Wirtschaft für sich entscheiden.“ Ebenso schätzt der WBCSD, dass „…die Bundesrepublik für den Wandel zu einer nachhaltigen Gesellschaft zwar wirtschaftlich und technologisch gut aufgestellt ist. Wolle Deutschland aber seine Spitzenstellung bei Effizienztechnologien oder erneuerbaren Energien behalten, müssten Bundesregierung, Öffentlichkeit und Wirtschaft jetzt gemeinsam Ziele für das Jahr 2050 entwickeln.“[17] Aus der Studie von WBCSD können Erkenntnisse abgeleitet werden, wie z.B. dass der Weg in eine bessere Zukunft von der gesamten Weltbevölkerung abhängt, dass sich die politischen und ökologischen Rahmenbedingungen verändern müssen und dass ein systemisches Denken erforderlich ist. Als Grundvoraussetzung ist hierbei Vertrauen und langfristiges Denken genannt worden.[18]

Für Unternehmen eröffnen sich nach der „Vision 2050“ vielfältige Chancen, wie z.B. beim nachhaltigen Umbau von Städten und dem Management natürlicher Ressourcen. Zukunftsträchtige Geschäftsfelder entstehen demnach beispielsweise in der nachhaltigen Verknüpfung verschiedener Verkehrsmittel, in der Gesundheitsvorsorge oder dem „intelligenten“ Energiemanagement. So könnten sich Marktchancen in 2020 z.B. in den Bereichen natürliche Ressourcen, Gesundheit und Bildung in Höhe von USD 0,5 bis 1,5 Bio. ergeben, die (auf Basis heutiger Preise) im Jahr 2050 bereits auf USD 3 bis 10 Bio. steigen. Dies entspricht 1,5 bis 4,5 % des prognostizierten globalen Bruttoinlandsprodukts von 2050. Dabei setzen sich intelligentere Systeme, intelligentere Menschen, intelligentere Modelle und intelligentere Unternehmen durch. So wird auch prognostiziert, dass sich die Anzahl der Beschäftigten in der Umwelttechnik von 1,1 Mio. (2008) auf 2,2 Mio. im Jahr 2020 entwickelt, was für Unternehmen weltweit Chancen eröffnet, wenn Sie sich diesen Herausforderungen frühzeitig stellen.[19]

2.4. Der ökologische Fußabdruck als Kennzahl für nachhaltiges Wirtschaften

Der ökologische Fußabdruck (englisch ecological footprint) ist ein ökologisches Buchhaltungssystem, mittels dem der menschliche Druck auf unseren Planeten berechnet werden kann. Er stellt die von unserem Planeten nachhaltig zur Verfügung gestellten Ressourcen in ein Verhältnis zu den von Menschen verbrauchten Ressourcen. Dabei entspricht ein Verhältnis von „1“ dem Zustand, in dem der Mensch genauso viele Ressourcen in Anspruch nimmt, wie der Planet Erde nachhaltig zur Verfügung stellen kann. Konsumiert der Mensch mehr, so steigt der ökologische Fußabdruck um die virtuelle Anzahl von Planeten des Typs Erde, welche der Mensch zu seiner Konsumbefriedigung zur Verfügung haben müsste, um nachhaltig zu wirtschaften. Mit diesem Modell kann beispielsweise berechnet werden, wie viele Planeten wir bräuchten, wenn alle Menschen so leben würden wie die US-Amerikaner heute. Das Global Footprint Network berechnet diese Zahl auf fünf Planeten.[20]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Entnommen aus: Vision 2050 des WBCSD (o.J.)

Abbildung 1: Ökologischer Fußabdruck der Szenarien „Vision 2050“

Anhand der Abbildung 1 lässt sich erkennen, dass sich z.B. das CO2 von fossiler Energie in etwa 50 % des gesamten ökologischen Fußabdrucks ausmacht. Demzufolge ist die Reduktion von CO2-Emissionen von großer Bedeutung.[21] Ebenso ist eine gesonderte Betrachtung einzelner Rohstoffe wie bspw. Getreide, Weidevieh und Fischfang möglich.

3. Nachhaltigkeitsmanagement – die praktische Anwendung am Beispiel eines Energiedienstleisters – der Mainova AG

Eine nachhaltige Entwicklung ist vor allem im Energiesektor von besonderer Bedeutung. Ein solides Wirtschaftswachstum und sozialer Wohlstand erfordert eine funktionierende Energieversorgung. Die Energienutzung hat jedoch einen maßgeblichen Anteil an Klimaveränderungen und Umweltbelastungen. So gehen etwa 60 % der weltweiten Emissionen an Treibhausgasen auf Prozesse der Energiebereitstellung und -nutzung zurück. Die Reduzierung dieser Belastungen sowie eine zuverlässige Energielieferung sind daher die verantwortungsvollen Aufgaben für den Energiesektor.[22]

3.1. Unternehmensprofil der Mainova AG

Mainova ist eine börsennotierte Aktiengesellschaft mit Sitz in Frankfurt am Main. Sie ist der führende Energiedienstleister in der Rhein-Main-Region und versorgt rd. eine Million Menschen in Hessen und den angrenzenden Bundesländern mit Strom, Erdgas, Wärme und Wasser sowie energienahen Dienstleitungen. Zum Jahresende 2012 beschäftigte das Unternehmen rd. 3.000 Mitarbeiter und erzielte einen Umsatz von circa 2,0 Mrd. Euro. Mainova ist im Jahr 1998 durch den Zusammenschluss der Stadtwerke Frankfurt am Main GmbH mit der Maingas AG entstanden. Größter Anteilseigner der Mainova ist die Stadt Frankfurt am Main (über die Stadtwerke Frankfurt am Main Holding GmbH) mit 75,2 %. Die Beteiligungsgesellschaft Thüga AG besitzt 24,5 %; die übrigen Anteile (0,3 %) befinden sich im Streubesitz.[23]

3.2. Organisatorische Verankerung des Nachhaltigkeitsmanagements

Die organisatorische und strategische Verankerung ist für ein wirkungsvolles Nachhaltigkeitsmanagement besonders wichtig. Das Nachhaltigkeitsmanagement bei Mainova ist als Stabsstelle „Unternehmensstrategie, M&A-Projekte und Nachhaltigkeit“ direkt dem Vorstandsvorsitzenden unterstellt. Die Stabsstelle ist mit der Weiterentwicklung der Unternehmens- und Nachhaltigkeitsstrategie der Mainova einschließlich der Steuerung von strategischen Projekten betraut. Im Bereich Nachhaltigkeit koordiniert die Stabsstelle insbesondere die Erstellung des Nachhaltigkeitsberichts sowie interne und externe Projekte und Gremien zu diesem Themengebiet.[24] Hierbei werden folgende wesentliche Grundsätze verfolgt:[25]

- Nachhaltigkeit darf nicht imagebasiert erkauft werden, sondern muss sowohl organisatorisch als auch strategisch verankert sein.
- Nachhaltigkeitsaktivitäten sollten ihren Schwerpunkt im Kerngeschäft haben.
- Die wesentlichen Interessengruppen sollten eingebunden werden.
- Nachhaltigkeitsberichterstattung muss glaubwürdig sein.

Die Gremien des Nachhaltigkeitsmanagements sind das Nachhaltigkeitsboard und der Kreis der Nachhaltigkeitskoordinatoren. Im Nachhaltigkeitsboard werden wesentliche Entscheidungen zur Weiterentwicklung des Themas Nachhaltigkeit vom Gesamtvorstand der Mainova beschlossen. Im Kreis der 20Nachhaltigkeitskoordinatoren werden die Ergebnisse aus dem Nachhaltigkeitsboard präsentiert. Zudem können Ideen für den Nachhaltigkeitsbericht oder das -programm gesammelt bzw. diskutiert werden. Dies fördert die Kommunikation untereinander und stärkt diese kontinuierlich. Die Koordinatoren stellen somit das Bindeglied zwischen der Stabsstelle und dem jeweiligen Fachbereich dar. Die Vorstandsreferenten sind ebenfalls in diesem Gremium. Sie koordinieren vorstandsrelevante Fragen im Rahmen der Berichterstattung und nehmen eine Qualitätssicherung für das jeweilige Ressort vor.[26]

3.3. Das Mainova Nachhaltigkeitsverständnis

Nachhaltigkeit erfordert ein langfristig orientiertes, verantwortungsvolles und wirtschaftliches Handeln. Deshalb ist das Thema ein wesentlicher Bestandteil der Mainova Unternehmensstrategie. Um das eigene Verständnis von Nachhaltigkeit ganzheitlich abbilden zu können, hat Mainova das dreidimensionale Modell gemäß des Nachhaltigkeitsdreiecks (Vgl. Kapitel 2.2.) zu einem fünfdimensionalen Zielbild für sich erweitert (siehe Anlage 1). Die erste Dimension „Langfristiger Erfolg“ umfasst die ökonomische Komponente der Nachhaltigkeit und ist die Grundvoraussetzung für das soziale und ökologische Engagement des Unternehmens.[27]

Der Vorstandsvorsitzende der Mainova schätzt dies folgendermaßen ein: „…Gerade in den letzten Jahren beobachte ich, dass sich nicht nur politische Rahmenbedingungen immer schneller ändern, sondern eben auch unsere Interessengruppen, wie Kunden, Mitarbeiter oder Anteilseigner neue Anforderungen an die Mainova stellen. Darauf nur zu reagieren reicht nicht aus, wir wollen diese Entwicklung antizipieren.“[28] (siehe Anlage 2). Somit ist ein langfristiger wirtschaftlicher Erfolg bei wandelnden Rahmenbedingungen von zentraler Bedeutung für die Mainova.

Die zweite Dimension „ Leistungsfähige Technik“ ist ein wesentliches Element der Nachhaltigkeit für ein Energieversorgungsunternehmen. Die Technik beeinflusst die Versorgungszuverlässigkeit, die Umweltschonung und den Umbau der Energieversorgung. Die momentane Entwicklung hierin zeigt, dass sich die Energiebranche in einem fundamentalen Wandel befindet (Energiewende). Die traditionelle Energieversorgung mit konventionellen Kraftwerken hin zu erneuerbaren Energien umzubauen sowie umweltfreundliche, effiziente und innovative Technologien einzusetzen, ist eine der großen Herausforderungen der Energiewende. Infolge des Ausbaus der erneuerbaren Energien in Form von Photovoltaikanlagen und Onshore-Windparks (am Land) wird Strom zunehmend dezentral erzeugt. Privatpersonen produzieren vermehrt Strom selbst und speisen diesen in die Netze ein. Netzbetreiber wiederum müssen Strom aus „der anderen Richtung“ aufnehmen, transportieren und vergüten – ein klarer Rollentausch. Daher ist es wichtig, wirtschaftlich und ökologisch sinnvolle Investitionen in erneuerbare Energien, wie z.B. intelligente Netze (Smart Grids) und Energiespeicher, zu tätigen sowie effiziente und innovative Technologien einzusetzen.[29]

Als drittes Element gilt die „Zukunftsfähige Versorgung“. Diese bedeutet ein verantwortungsvolles Handeln für die Kunden und das eigene Unternehmen. Dementsprechend bietet Mainova ihren Kunden umwelt- und ressourcenschonende Produkte und Dienstleistungen an. Privatkunden können z.B. das Naturstromprodukt „Novanatur“ oder das SmartMeter-Produkt[30] „iVis SparzeitPlus“ wählen. Für Geschäftskunden gibt es u.a. die Möglichkeit, aus Wasserkraft erzeugten und zertifizierten Ökostrom - sogenannte „Green Optionen“ oder „Mainova Gas Bio“ - ein ressourcenschonendes Biogas – zu wählen. Im Bereich der Energiedienstleistungen sind bspw. die dezentralen Mikro-Blockheizkraftwerke[31] sowie Thermografie-Aufnahmen (Wärmebilder) zur Identifizierung von energetischen Schwachstellen eines Hauses zu nennen.[32] Der sparsame Umgang mit natürlichen Ressourcen ist somit nicht nur ein Teil des Nachhaltigkeitsverständnisses, sondern auch - neben den technischen Lösungen - notwendig für die Energiewende.

[...]


[1] Vgl. Brand, K. et al. (2000), S. 11.

[2] Aktionsprogramm mit konkreten Handlungsempfehlungen für die Umsetzung von Nachhaltigkeit auf allen Ebenen.

[3] Vgl. Bauer, S. (2008).

[4] Vgl. BNE-Portal (o.J.).

[5] Vgl. Mainova AG (2013f).

[6] Vgl. Rat für nachhaltige Entwicklung (2010).

[7] Vgl. Lexikon der Nachhaltigkeit (2013).

[8] Vgl. BNE-Portal (o.J.).

[9] Vgl. Konrad-Adenauer-Stiftung (2012).

[10] Pufé, I. (2012), S. 18.

[11] Vgl. Gabler Wirtschaftslexikon (o.J.).

[12] Vgl. Richter, M. (o.J.).

[13] Rat für nachhaltige Entwicklung (o.J.).

[14] Vgl. Iris Pufé (2012), S. 29f.

[15] Pufé (2012), S. 30.

[16] Vgl. WBCSD (o.J.), S. 2.

[17] Rat für nachhaltige Entwicklung (2010).

[18] Vgl. Brühl, K. (2011).

[19] Vgl. WBCSD (o.J.), S. 2f.

[20] Vgl. Global Footprint Network (2010).

[21] Vgl. Global Footprint Network (2012).

[22] Vgl. Bearing Point (o.J.).

[23] Vgl. Mainova AG (2013a), S. 58ff.

[24] Vgl. Mainova AG (2013c).

[25] Vgl. Mainova AG (2013d), S. 13.

[26] Vgl. Mainova AG (2013e).

[27] Vgl. Mainova AG (2013a), S. 64f.

[28] Alsheimer, C. (2013), Interview.

[29] Mainova AG (2013a), S. 64.

[30] intelligente Zähler; Verbrauchsgewohnheiten können analysiert und geändert werden.

[31] erdgasbetrieben; es wird gleichzeitig Strom und Wärme erzeugt.

[32] Mainova AG (2013b), S. 50ff.

Details

Seiten
27
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656737124
ISBN (Buch)
9783656737087
Dateigröße
595 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v279844
Institution / Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Frankfurt früher Fachhochschule
Note
1,3
Schlagworte
nachhaltigkeit wettbewerbsfaktor beispiel energiedienstleisters mainova

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