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Studienmotive im Verlauf des Studiums der Sozialen Arbeit

Bachelorarbeit 2014 111 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Ziele der vorliegenden Arbeit
1.3 Vorgehensweise und Gliederung

2. Theoretische Hintergründe und Forschungsstand
2.1 Grundlegende Konzepte der Motivationsforschung
2.1.1 Motiv
2.1.2 Motivation
2.1.2.1 Intrinsische Motivation
2.1.2.2 Extrinsische Motivation
2.1.3 Veränderungen
2.2 Die Theorie der Person-Umwelt-Bezüge nach H. Murray
2.2.1 Leistungsmotiv
2.2.2 Machtmotiv
2.2.3 Anschlussmotiv
2.2.4 Weitere „spezielle“, für das Studium relevante Motive
2.3 Resümee zur theoretischen Herleitung und Bezug zur Forschungsthematik
2.4 Zum Stand der Forschung
2.4.1 Konstanzer Studierendensurvey
2.4.2 Studien- und Berufserwartungen von Studienanfängern Sozialer Arbeit
2.5 Untersuchungsleitende Fragestellungen und Annahmen

3. Methode und Konzept des Erhebungsinstruments
3.1 Forschungsdesign
3.1.1 Stichprobe
3.1.2 Untersuchungszeitraum
3.2 Operationalisierung
3.2.1 Der Fragebogen
3.2.2 Selbstkonzipierte Items
3.3 Durchführung und Datenerhebung
3.4 Datenauswertung
3.4.1 Recodierte Variablen

4. Ergebnisse
4.1 Beschreibung der Stichprobe
4.1.1 Repräsentativität der Stichprobe
4.2 Forschungsannahmen und -erkenntnisse
4.2.1 Motive zum Studium der Sozialen Arbeit
4.2.1.1 Im Vergleich zum Konstanzer Studierendensurvey
4.2.1.2 Motive der Studierenden Gruppe A (mit Sozialen Vorerfahrungen)
4.2.1.3 Motivunterschiede zwischen Studierenden Gruppe A und B
4.2.2 Motivveränderung im Kohortenvergleich
4.3. Kritische Reflexion des Erhebungsinstruments
4.3.1 Nutzen des Studiums
4.3.2 Einschneidende Lebenserfahrungen
4.3.3 Themenfeld der Sozialen Arbeit
4.4 Zusammenfassung der Ergebnisse

5. Diskussion und Handlungsempfehlung
5.1 Diskussion der Ergebnisse
5.1.1 Theoretische Ausrichtung der Arbeit
5.1.2 Vergleichende Studien
5.2 Weiterführende Fragestellungen und Annahmen
5.3 Auswirkungen auf die Profession „Soziale Arbeit“
5.4 Handlungsempfehlung an den Fachbereich Sozialwesen der KatHo Köln
5.4.1 Die Studierenden
5.4.2 Die Lehre
5.4.3 Die Beratung
5.5 Abschließende Bemerkung

Literaturverzeichnis

Anhangsverzeichnis

Vorwort

Die vorliegende empirische Abschlussarbeit trägt den Titel „Studienmotive und Verän­derungen im Verlauf des Studiums der Sozialen Arbeit am Beispiel der Studierenden des Fachbereichs ‘Sozialwesen‘ an der Katholischen Hochschule NRW Abt. Köln“.

Die Idee dieser Arbeit liegt, wie so oft im Leben, in einer alltäglichen Diskussion zwi­schen mir und einer Kommilitonin. Daraus ergab sich eine zentrale Frage deren empiri­sche Bearbeitung mich in hohem Maße gereizt hat: „Wer studiert überhaupt Soziale Arbeit?“ Um welche Art Mensch handelt es sich, die ein Studium der Sozialen Arbeit aufgreift und vor allem hängen ihre biographischen Vorerfahrungen mit der Thematik des Studiums zusammen?

Die Grundidee für diese Arbeit stand und darüber hinaus war es mir persönlich sehr wichtig, im Rahmen meines Studiums etwas Eigenes ggf. sogar im Dienste meiner Hochschule zu leisten und zu schaffen. Diese Idee dann in Kombination mit einer empi­rischen Studie zu setzen schien eine ideale Möglichkeit meinen Ansprüchen gerecht zu werden. Aber ohne die maßgebliche Beteiligung und Unterstützung bei diesem Vorha­ben wäre diese Arbeit bei Weitem nicht zustande gekommen.

So möchte ich mich zu aller erst bei all Jenen bedanken, die mich in der vorliegenden Bachelorarbeit sowohl fachlich als auch persönlich unterstützt haben und maßgeblich dazu beigetragen haben, dass diese Arbeit gelingt.

Insbesondere möchte ich mich bei Herrn Prof. Dr. rer. soc. Johann Gleich und Frau Sabrina Schmidt M.A. bedanken, ohne deren Zeit und fachliche Unterstützung diese Arbeit nicht erfolgreich wäre.

Weiterhin bedanke ich mich recht herzlich bei allen Studierenden, die ihren Beitrag geleistet haben, in dem sie an der Studie teilgenommen haben.

Zuletzt gebührt ein großer Dank auch meinen Freunden (besonders Rebecca Nyßen für die Diskussion), insbesondere allerdings meiner Familie, die mich stets anspornten und unermüdlich in jeder Hinsicht unterstützten.

An dieser Stelle verweise ich darauf, dass im Text aus Gründen der Lesbarkeit nur die männliche Nennform für beide Geschlechtsformen verwendet wird. In der Regel ist eine Schreibform gewählt, die beide Geschlechter anspricht. Sollte nicht explizit darauf hin­gewiesen werden, sind grundsätzlich beide Geschlechter gemeint.

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Problemstränge der Motivationsforschung nach Heckhausen (1989, 2010)

Abb. 2: Das Grundmodell der "klassischen" Motivationspsychologie (Rheinberg, 2009, p. 669)

Abb. 3: Hypothetisches Konstrukt der Bedürfnisse / Motive nach Murray als Determinanten für intrinsische und extrinsische Motivation

Abb. 4: Fachwahlmotive an Universitäten und Fachhochschulen (Ramm et al., 2011, p.28)

Abb. 5: Nutzenerwartungen an ein Hochschulstudium (Ramm et al., 2011, p.32)

Abb. 6: ReCodierungssystematik der Frage 18

Abb. 7: Verteilung der Studierenden auf die Studiengänge

Abb. 8: Verteilung der Studierenden auf die Altersklassen

Abb. 9: Familienstand der Befragten

Abb. 10: Höchster beruflicher Abschluss der Eltern

Abb. 11: Verteilung der Studierenden auf die Anzahl der Hochschulsemester

Abb. 12: Relevanz der Motive in aufsteigender Reihenfolge

Abb. 13: Relevanz des Studiennutzens in aufsteigender Reihenfolge

Abb. 14: Fachwahlmotive der Studierenden an der KatHo im Vergleich zu denen aus der Konstanzer Befragung (AG Hochschulforschung, 2013, p.28)

Abb.15:Erwarteter Nutzen an ein Studium der Sozialen Arbeit (n=346) im Vergleich zum Studierendensurvey (AG Hochschulforschung, 2013, p.32)

Abb. 16: Auswertung der Frage 18 nach einschneidenden Erfahrungen

Abb. 17: Anzahl der Nennungen Frage 19

Abb. 18: Motive der Gruppe A in aufsteigender Reihenfolge

Abb. 19:Motivvergleich v. Gruppe A und B zum Studium der Sozialen Arbeit

Abb. 20:Vergleich der Nutzenerwartung an ein Studium von Gruppe A und B

Abb. 21: Veränderung der Studienmotive im Kohortenvergleich

Abb. 22: Veränderung des Studiennutzens im Kohortenvergleich

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Murrays Katalog von psychogenen Bedürfnissen (needs, n=need) (mod. übernommen aus Heckhausen, 1989)

Tabelle 2: Gegenüberstellung der Motivklassifikation (mod. übernommen aus Holodynski, 2009, p.275)

Tabelle 3: Neueinteilung der Motive auf Basis des hypothetischen Konstrukts

Tabelle 4: Motive der Studienfachwahl an Universitäten und Fachhochschulen (Ramm et al., 2011, p.29)

Tabelle 5: Prozentuale Auswertung d. Befragung abgeändert durch d. Verfasser (Mühlmann, 2010, p.48)

Tabelle 6: Differenz im direkten prozentualen Vergleich der Motive zw. KatHo Köln und Studierendensurvey

Tabelle 7: Differenz im direkten prozentualen Vergleich der Erwartungen an ein Studium zw. KatHo Köln und Studierendensurvey

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

„Eines Menschen Vergangenheit ist das, was er ist.

Sie ist der einzige Maßstab, an dem er gemessen werden kann.“

Oscar Wilde (1854 - 1900),
irischer Lyriker, Dramatiker und Bühnenautor

Dieses Zitat von Oscar Wilde zeigt, dass sich der Mensch der Gegenwart durch seine gesammelten Erfahrungen auszeichnet. Es ist durchaus auf die Soziale Arbeit übertrag­bar und führt zu der Frage: Wer studiert überhaupt Soziale Arbeit? Im Rahmen dieser Abschlussarbeit wird jedoch über die Frage nach dem „Wer“ hinausgehend die Frage nach dem „Warum“ in den Vordergrund gestellt. Das bedeutet, dass insbesondere die Motive und die Motivation der Studenten beleuchtet werden, die im Fachbereich Sozi­alwesen der Katholischen Hochschule NRW Abt. Köln Soziale Arbeit studieren. Die Katholische Hochschule NRW, ehemals Katholische Fachhochschule NRW, wurde 1971 gegründet. Ihre Gründung resultiert aus der Einrichtung einer gemeinnützigen GmbH durch die fünf (Erz-) Bistümer in NRW. Diese gGmbH sollte künftig der Träger der Katholischen Fachhochschule sein, die mit 1.374 Studierenden in drei Fächern zum WiSe 1971/1972 in den Vorlesungsbetrieb startete(vgl. Harzendorf, 2012).In der Ent­wicklung der Hochschulgeschichte kamen stetig neue Kurse und Studiengänge hinzu. Die Zusammenlegung der Diplomstudiengänge „Sozialarbeit“ und „Sozialpädagogik“ zum Studiengang „Soziale Arbeit“ im Jahre 1997 sowie die Umstellung vom Diplom auf das Bachelor-Master-System durch die Bologna Prozesse zählen zu den wichtigsten Entwicklungen. Im Jahr 2006 wurde der Studiengang „Soziale Arbeit“ erstmals als Ba­chelorstudiengang angeboten. Zum Sommersemester 2013 waren an der Hochschule insgesamt 3502 Studenten immatrikuliert, die einen berufsqualifizierenden Abschluss im Rahmen eines Bachelorstudiengangs anstreben. Davon studieren allein 863 Studie­rende an der Abt. Köln im Fachbereich Sozialwesens (vgl. Harzendorf, 2012). Dieses beinhaltet überwiegend Studierende des Bachelorstudiengangs Soziale Arbeit zzgl. Studierende des Masterstudiengangs Soziale Arbeit in Europa sowie des Bachelorstudiengangs Bildung und Erziehung im Kindesalter. Die Studierenden des Sozialwesens wurden im Rahmen einer Studie zu ihren Motiven und ihrer Motivation befragt. Die vorliegende Arbeit konzentriert sich auf die Gruppe der Studierenden der Sozialen Arbeit. Die Untersuchung ist auf die Frage ausgerichtet, was junge Menschen zu einem Studium der Sozialen Arbeit bewegt.

1.1 Problemstellung

Es ist bei weitem kein Novum mehr, dass es zur Berufs- oder Studienwahl unterschied­lichste Motive gibt, die für einen bildungsspezifischen Entscheidungsprozess eine we­sentliche Rolle spielen. Es existieren weitreichende, theoretisch begründete Modelle (z.B. Bedürfnispyramide nach Maslow, Zwei-Faktoren-Theorie nach Herzberg, etc.), die eine Berufs- und damit auch eine Studienwahl modellhaft beschreiben. Ebenfalls haben nationale Studien unter anderem studentische Motive und deren Signifikanz er­hoben. So befasst sich die AG Hochschulforschung der Universität Konstanz in einem Abstand von zwei bis drei Jahren mit dem sogenannten Studierendensurvey (s. Kap. 2.4.1), der durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird (vgl. AG Hochschulforschung, 2013). Des Weiteren arbeitet die Goethe Universität zu Frankfurt a.M. aktuell an einer ersten universitätsweiten Studierendenbefragung. In dieser werden neben anderen studiumsbezogenen Daten die Motive und Erwartungen an ein Studium quantitativ ermittelt. Die Studie befindet sich aktuell noch in der Auswertung.

Das zentrale Problem besteht darin, dass die KatHo in ihrer Funktion als Hochschule bis dato keine vertiefenden und vergleichbaren Anhaltspunkte darüber ermittelt hat, welche Motive einem Studium der Sozialen Arbeit zu Grunde liegen und welche Erwartungen mit der Studiumsaufnahme einhergehen.

In den Reihen der Studierenden entstehen häufig Phrasen wie „Schau dich doch mal um, dann siehst du, wer selbst zur Klientel gehört.“. Es entsteht der Eindruck, dass den biographischen Vorerfahrungen bei der Betrachtung von Motiven eine gewisse Rolle zukommt. Motive und Erwartungen an ein Studium der Sozialen Arbeit zu ermitteln, kann dazu beitragen, Studierende in ihrem Verhalten besser nachvollziehen zu können.Darauf aufbauend kann die Hochschule das Studium individueller gestalten und den studentischen Motiven und ihren Erwartungen gerecht werden.Es existieren zwar qualitative Erhebungen, welche die Motivationslandschaft von Studierenden der Sozialen Arbeit annähernd beschreiben, doch gibt es weder qualitative noch quantitative Erhebungen darüber, ob sich die Motive von Studierenden der Sozialen Arbeit in irgendeiner Weise von den Studierenden anderer Studiengänge abgrenzen. Weiterhin gibt es keine Erhebungen darüber, inwiefern die eigene Biographie Einfluss auf die Wahl eines Studiums der Sozialen Arbeit nimmt.

Somit bleibt neben der Frage, wer mit welchen Motiven Soziale Arbeit studiert, die Frage zunächst unbeantwortet, ob die Studierenden der Sozialen Arbeit schon vor Studienantritt mit einem Themenfeld der Sozialen Arbeit in Kontakt geraten sind. Eine Annäherung an die Beantwortung dieser Fragen steht im Mittelpunkt der Studie und der Arbeit.Einer früheren Studie von Heinemeier zur Folge liegt die Motivation, ein Studium der Sozialen Arbeit aufzunehmen nicht im Studium selbst, sondern in dem Willen eigene Lebensziele zu realisieren. (1994, pp.212-13)

1.2 Ziele der vorliegenden Arbeit

Ziel dieser Abschlussarbeit ist einerseits die Betrachtung der studentischen Motive im Rahmen einer empirischen Studie. Dabei soll ebenfalls eine Verbindung zwischen bio­graphischen Erlebnissen und der Studienwahl erörtert werden. Die Feststellung der Ausprägung unterschiedlicher Motive soll andererseits gemeinsam mit der Erhebung eines eventuellen Beratungsdefizits in eine Handlungsempfehlung an die KatHo NRW münden.

In erster Linie soll diese Arbeit aufzeigen, wer im Wesentlichen Soziale Arbeit studiert und ob gerade bei diesem Studiengang einzelne Motive ausgeprägter sind als in anderen Fächern. Hierzu werden beispielsweise Vergleichsstudien von der Hochschul- Informations-System GmbH und der AG Hochschulforschung der Universität Konstanz herangezogen um evtl. fachgebundene Unterschiede zu entdecken und festzustellen. Ein weiterer Bestandteil der Arbeit besteht in der Erforschung der biographischen Vorerfah­rung als Motiv zur Aufnahme des Studiums. In einem weiteren Schritt wird ermittelt, sollten biographische Dispositionen als Motive gelten, ob es signifikante Unterschiede zwischen einzelnen Gruppen von Studierenden gibt. Diese Arbeit soll zudem eine Ver­änderung der Motive über den Verlauf der Studienzeit herausstellen, in dem mehrere Fachsemester innerhalb eines verbundenen Querschnitts auf die jeweilige Motivausprä­gung getestet werden.

In einem letzten Schritt werden die Teilnahme an Beratungsangeboten und die Notwen­digkeit neuer Beratungsformen ermittelt. Auf Basis der ermittelten motivationalen Schwerpunkte i. V. m. den biographischen Determinanten und dem eventuellen Wunsch nach Beratungsmöglichkeiten soll eine Handlungsempfehlung an die Hochschule gege­ben werden. Diese Handlungsempfehlung sieht im besten Fall eine Anregung vor, be­stehende Beratungsangebote zu überarbeiten und das Lehrangebot studentenspezifisch in Abhängigkeit der studentischen Motivwahl und ihren biographischen Vorkenntnissen zu erweitern.

1.3 Vorgehensweise und Gliederung

Um die Motive zum Aufgreifen eines Studiums der Sozialen Arbeit aufzuzeigen, wird der Leser zunächst durch die theoretischen Grundlagen der Motivationspsychologie und bereits erhobene Daten anderer Universitäten an die Thematik herangeführt. In einem weiteren Schritt sollen die Forschungsannahmen auf Basis der theoretischen Grundla­gen durch die empirische Studie überprüft und validiert oder falsifiziert werden.

Diese Arbeit wurde in sechs Kapitel unterteilt.

Das erste Kapitel leitet den Leser in die Thematik der Bachelorthesis und klärt über grundsätzliche Informationen zur Hochschule auf. Des Weiteren wird über die Zielab­sicht der Bachelorthesis und die Vorgehensweise sowie die Gliederung aufgeklärt.

Im zweiten Kapitel wird dem Leser ein themenzentrierter, aber intensiver Einblick in die theoretische Bandbreite der Motivationspsychologie gegeben. Darauf aufbauend wird ein eigenes theoretisches Konstrukt entwickelt. Dieses liefert neben den zuvor ge­nannten Theorien einen Erklärungsansatz für das Zustandekommen von Studienmoti­ven. Die sich aus den theoretischen Ansätzen ergebenden Fragestellungen und Annah­men werden direkt im Anschluss der theoretischen Fundierung erläutert.

Der Zweck des dritten Kapitels besteht darin den Leser eindeutig über die Vorgehens­weise innerhalb der Studie aufzuklären.

In Kapitel vier werden anschließend die Ergebnisse der Studie erläutert. Hier werden dann die theoriegeleiteten Annahmen verifiziert und/oder falsifiziert.

Kapitel fünf dient zur Anregung an eine kritische Diskussion bezogen auf die For­schungsergebnisse, in dem sowohl das Erhebungsinstrument als auch die Ergebnisse selbst kritisch reflektiert werden. Dieses Kapitel mündet in der Aufstellung neuer, alter­nativer Annahmen.

Im sechsten Kapitel werden die Ergebnisse der Studie zunächst hinsichtlich der Aus­wirkungen auf die Profession der Sozialen Arbeit betrachtet. Der abschließende Schritt subsummiert die Ergebnisse in einer Handlungsempfehlung zur Verbesserung der Stu­dienqualität.

2. Theoretische Hintergründe und Forschungsstand

„Das Leben jedes Menschen ist ein nicht abreißender Strom von Aktivitäten. Darun­ter fallen nicht nur die vielerlei Arten von Handlungen oder Mitteilungen. Auch Er­leben - geistige Aktivität in Form von Wahrnehmungen, Gedanken, Gefühlen und Vorstellungen - gehört dazu.“ (Heckhausen & Heckhausen, 2010, p.1)

Die Motivationsforschung und der damit einhergehende Wille Aktivitätseinheiten nach dem „Wie“ und „Wozu“ zu erklären hat eine lange Tradition (ebd.). Demnach kann in diesem Kapitel nur eine Auswahl an theoretischen Befunden zur Verfügung gestellt werden. Diese sind allerdings für den weiteren Verlauf der Arbeit unabdingbar.

Dennoch soll nicht darauf verzichtet werden, die Erkenntnisse über menschliche Moti­vation in einem kurzen historischen Überblick darzustellen.

Hermann Ebbinghaus (1908) formulierte seinerzeit: „Die Psychologie hat eine lange Vergangenheit, doch nur eine kurze Geschichte.“ (Heckhausen & Heckhausen, 2010, p.11). Genauso verhält es sich mit der Motivationspsychologie und -forschung. Die An­fänge der Motivationspsychologie liegen in der Philosophie und Theologie. Allem vo­ran steht die Frage nach der Unterscheidung des Menschen vom Tier. Die Antwort auf diese Frage schien in der Vernunft und dem freien Willen eines Individuums zu liegen (vgl. Heckhausen & Heckhausen, 2010, p.12). Der Mensch handelt vernünftig auf Basis seines freien Willens und wird, wenn überhaupt, nur durch „[...] niedere Gefühle, durch Leidenschaften beeinträchtigt [...]“ (ebd.). Im Geschichtsverlauf wurde diese Verhaltenserklärung allerdings immer wieder in Frage gestellt.Die Begründung liegt darin, dass menschliches Handeln beispielsweise in Abhängigkeit zu materiellen und physiologischen Determinanten des Organismus stünde (ebd.). Demnach konnte sich der Mensch vom Tier nur geringfügig abgrenzen, da es zur Abgrenzung äußerer Einflüsse bedürfe. Diese Denktradition im Sinne von René Décartes (1596-1650) blieb bis zu Zeiten Charles Darwins (1809-1882) unangetastet und wurde erst mit der Veröffentlichung „Der Ursprung der Arten“ (1859) relativiert. Zuvor herrschte also ein „ Dualismus der Verhaltenserklärung vor: Demnach besitzt a) der Mensch Vernunft und Wille - und handelt auch danach, während b) Tiere instinktgesteuert wären und somit den Triebkräften ausgeliefert wären. “ (Trimmel, 2013). Mit der Veröffentlichung des zuvor genannten Buches wurde die tradierte Mensch-Tier-Unterscheidung aufgegeben. Denn gem. Darwin seien die Differenzen in Verhaltenskomplexen und körperliche Ent­wicklung auf Zufallsvariationen und natürlicher Auslese („survival of the fittest“) zu- rückzuführen (vgl. ebd.). Darüber hinaus war Darwin der Meinung, dass der Mensch einerseits div. evolutionsbiologische Instinkte mit dem Tier gemeinsam habe, anderer­seits er über sogenannte soziale Instinkte verfüge (wie z.B. Sympathie, Bescheidenheit, etc.). „Menschen wurden bald als den Tieren übergeordnet betrachtet, weil sie zusätz­lich zu den Instinkten auch über die Macht der Vernunft verfügten. “ (Trimmel, 2013). Dem liegt ebenfalls die Behauptung v. William James (1842-1910) zu Grunde, dass sich Menschen auf mehrere Instinkte verließen als anderweitige, evolutionsbiologisch min­der ausgestattete Tiere (vgl. ebd.). Aus den Vorüberlegungen Darwins und James wur­den drei Überzeugungen auf Basis der Darwinschen Evolutionstheorie maßgeblich:

1. Bezogen auf Instinkte und Triebe:

„ Wenn zwischen den einzelnen Tierarten und dem Menschen keine Wesenskluft, son­dern eine graduelle Übergangsreihe besteht, so müssen Erklärungen für tierisches Verhalten auch eine gewisse Gültigkeit für menschliches Verhalten haben. “ (Heckhausen & Heckhausen, 2010, p.12)

Dieser Überlegung nahm sich William McDougall an, der nach Instinkten forschte wel­che die ersten Ursachen für menschliches Verhalten darstellten. Damit begründete er 1908 den instinkttheoretischen Strang (vgl. ebd.). Zeitgleich beschäftigte sich Siegmund Freud (1856-1939) im Rahmen von Traumanalysen mit der Dynamik von Trieben und neurotischen Patienten und gilt damit als Begründer des persönlichkeitstheoretischen Problemstrangs (vgl.ebd.).

2. Bezogen auf Anpassung und Umweltbedingungen:

„Da auf die Dauer nur solche Lebewesen sich fortpflanzten und damit ihre Art erhielten und fortentwickelten, die aufgrund ihrer Ausstattung sich den jeweiligen Umweltbedingungen anpassen konnten, musste auch die menschliche Intelligenz nicht als etwas Einmaliges, sondern als ein Entwicklungsprodukt über Jahrmillionen erscheinen.“ (Heckhausen & Heckhausen, 2010, p.12)

William Thorndike (1874-1949), Begründer der vergleichenden Psychologie, führte erste Experimente in Form von Tierversuchen durch, um Intelligenzunterschiede festzustellen. Seinerzeit hatte auch Darwin angenommen, Instinkte seien mit Intelligenz behaftete Anpassungsmechanismen, die in der natürlichen Auslese besonders zur Geltung kommen. Weiterhin stellte sich Darwin Instinkte als Ansammlung von Reflexeinheiten vor (vgl. Heckhausen & Heckhausen, 2010, p.12f.). Mit dieser

Betrachtung wurden Instinkte mit einem Mal nicht mehr als unveränderlich deklariert, sondern ließen sich in objektivierbare Reiz-Reaktions-Verbindungen auflösen. Hieraus entwickelte sich der assoziationstheoretische Strang, begründet durch Thorndike und Pawlow. Es handelt sich hierbei um die Feststellung und Änderung von Reiz-Reaktions­Assoziationen, bekannt als instrumentelles und operantes Konditionieren (vgl. Heck­hausen & Heckhausen, 2010, p.13).

3. Natürliche Auslese

„Diejenigen Besonderheiten in Körperbau und Verhalten, die nach Darwin einen Vorteil bei der natürlichen Auslese verschaffen, lassen nicht nur allgemeine artspezi­fische Merkmale bei den heute existierenden Arten aufzeigen. Innerhalb einer Art muss es auch stets Individuen geben, die etwas besser als andere für den »Kampf ums Dasein<< unter den jeweilig vorherrschenden Umweltbedingungen ausgestattet sind.“ (Heckhausen & Heckhausen, 2010, p.13)

Hiermit traten interindividuelle Unterschiede in das Zentrum des Forschungsinteresses. Derer nahm sich Galton (1822-1911) mit Hilfe von erbpsychologischen und eugeni- schen Experimenten an. Er zählt neben Binet (1857-1911), der den ersten Intelligenztest entwickelte, zu den Begründern psychologischer Tests (vgl. ebd).

Hieraus ergaben sich i.L.d. Zeit fünf Problemstränge bzw. Forschungstraditionen deren Einteilung Heckhausen 1989 vornahm:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Problemstränge der Motivationsforschung nach Heckhausen (1989, 2010)

Aus den Problemsträngen entwickelten sich i.L.d. Zeit unterschiedliche Forschungsli­nien, wobei die verwendeten Theorien dieser Arbeit dem persönlichkeitstheoretischen Problemstrang zuzuordnen sind. Hierbei wird insbesondere eine Forschungslinie fokus­siert, folglich die motivationspsychologische Linie mit ihren Anfängen bei Henry Mur­ray.

2.1 Grundlegende Konzepte der Motivationsforschung

2.1.1 Motiv

Der Begriff „Motiv“ (lateinisch motus = Bewegung, Antrieb) sowie die nachfolgenden Begriffe sind in der Umgangssprache fest verankert. Allerdings wird mit diesem Begriff in der Regel umgangssprachlich ein Grund zu einer Handlung in Verbindung gebracht, was dennoch nicht gänzlich von dem wissenschaftlichen Verständnis des Begriffs ab­weicht. Der Blick aus der psychologischen Perspektive bringt Folgendes hervor: „Ein Motiv ist eine Disposition, nach einem bestimmten wertgeladenen Zielzustand zu stre­ben.“ (Psychologisches Institut, 2013). Das bedeutet z.B., wenn jemand politisch aktiv ist und etwas maßgebliches innerhalb einer Gesellschaftsstruktur verändern will, dann wird er seine Handlungen infolge eines Machtmotivs so treffen, dass er dieses selbstge­wählte, positiv konnotierte Ziel erreicht. „Ein Motiv ist also kurz gesagt ein Wertungs­disposition, somit eine überdauernde Handlungsbereitschaft bei einer bestimmten Per­son.“ (Psychologisches Institut, 2013). Im Vergleich zum Gebrauch des Begriffs im Alltag, in dem das Motiv einen konkretisierten und situationsbedingten Beweggrund meint, betrachtet die Schule der aktuellen Motivationspsychologie Motive wesentlich abstrakter und bezeichnet sie „als individuelle Präferenzen für bestimmte Anreizklas­sen“ (Brandstätter et al., 2013, p.5). Anreizklassen stellen in diesem Kontext thematisch voneinander unabhängige, allerdings in der Regel positiv bewertete Ziel- bzw. Endzu­stände dar (vgl. Brandstätter et al., 2013, p.5).

Im tradierten Motivationsverständnis, auf welches im Verlauf des Kapitels näher eingegangen wird, versteht McClelland (1987, p.590) Motive als „a recurrent concern for a goal state based on a natural incentive - a concern that energizes, orients, and selects behavior“. Zu Deutsch: „ein wiederkehrendes Anliegen für einen Zielzustand auf der Grundlage eines natürlichen Anreizes - ein Anliegen, welches beflügelt, orien­tiert und Verhalten wählt.“. Die benannten natürlichen Anreize meinen in diesem Zu­sammenhang evolutionsbedingte und infolge dessen angeborene, in Abhängigkeit zum jeweiligen Motiv, affektive Erregungszustände, wie z.B. die Freude über eigene Errun­genschaften. J. Heckhausen u. H. Heckhausen (vgl. 2010, p.4) sehen Motivdispositionen als Ergebnis der Beeinflussung von Eigenschaftsvererbung wie Fähigkeitsunterschiede, Verhaltensstile o.Ä.

2.1.2 Motivation

Behauptet ein Student, er habe heute keinerlei Lust, zu einer Vorlesung zu gehen, dann spricht er umgangssprachlich davon, dass er keine Motivation hat, an dieser Veranstal­tung teilzunehmen. Tatsächlich hat der Begriff der Motivation eine lange Historie in der Wissenschaft, weshalb seine umgangssprachliche Bedeutung der wissenschaftlichen nicht im Geringsten gerecht wird und nur unzureichend beschreibt. Die Recherche zu dem Begriff hat viele Definitionen ergeben, die in ihren Grundannahmen allerdings wie folgt übereinstimmen: „Motivation ist ein aktueller Prozeß, der durch die Anregung eines Motivs ausgelöst wird. “ (Psychologisches Institut, 2013). In Abgrenzung zum Motiv, welches als überdauernde und stabile Eigenschaft einer Persönlichkeit definiert wird, ist die Motivation ein Zustand, d.h. die Gesamtheit aller Motive, zu einem situativ bedingten Zeitpunkt X (vgl. ebd.). Dies lässt Motivation als eine Art Zustand verstehen. Rheinberg (2009, p.668) definiert Motivation allgemeiner „als die aktivierende Aus­richtung des momentanen Lebensvollzugs auf einen positiv bewerten Zielzustand“ und hebt dabei hervor, „dass es ,die Motivation ‘ als in sich homogene Einheit nicht gibt, sondern nur das jeweilige Zusammenspiel kognitiver, affektiver, neurohormoneller, behavioraler Prozesse, die die aktivierende Zielausrichtung bewirken“. Motivation ist ein hochkomplexes Konstrukt unterschiedlicher Prozesse und im Sinne Rheinbergs und als Folge der genannten Definition keine Konstante, sondern viel mehr eine Variable, auf die infolge spezieller Handlungen Einfluss genommen werden kann. Nebenstehende Abbildung 2 zeigt stark vereinfacht das Wesen der Motivation. „Das Kreuz in dem Kreis soll all die Pro­zesse repräsentieren, über die ein jeweiliges Motiv der Person durch situativ gegebene Befriedigungs­chancen angeregt wird. “ (Rheinberg, 2009, p.669). Aus dieser grafischen Abb. 2: Das Grundmodell der "klassischen" Motivationspsy­chologie (Rheinberg, 2009, p. 669)

Abbildung ergibt sich die Aufteilung der Motivation in intrinsische und extrinsische Determinanten.

2.1.2.1 Intrinsische Motivation

Der Begriff „intrinsisch“ entstammt dem Lateinischen „intrinsecus“, demnach inwen­dig, innerlich. Harlow (1950) gehörte zu den ersten Verhaltensforschern, der den Be­griff „intrinsic motivation“ gebrauchte. Dabei nutzte er diesen Begriff, um Verhaltens­prozesse bei Affen zu erklären, die nicht äußerlich beeinflusst waren (vgl. Wilke, 1976, p.22). „Intrinsische Motivation bedeutet so viel wie ,innerlich dazu angestoßen ‘ werden etwas zu tun. “ (Kulbe, 2009, p.65). Sie verfolgt das Ziel, die eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Es handelt sich dabei um den Wunsch „etwas zu tun, weil wir es genießen oder interessant finden, und nicht, weil wir dafür belohnt oder dazu gedrängt werden“ (Aronson et al., 2008, p.143). Aus dieser Definition heraus ergibt sich ein Bezug der Motivation auf die Gegenwart, im Sinne von jemand handelt jetzt, weil im gleichen Moment Befriedigung eintritt. Bezogen auf die Studienmotivation steht intrinsische Motivation v.a. in Verbindung zu einer „ Wechselwirkung mit unterschiedlichen situati­ven Anregungsbedingungen zu jeweils unterschiedlichen situationsabhängigen Graden“ (Wilke, 1976, p.24). Im Unterschied dazu gibt es eine weitere grundlegende Motivati­onskategorie.

2.1.2.2 Extrinsische Motivation

„ Extrinsische Motivation dagegen meint zielgerichtetes Verhalten aufgrund äußerer Reize, die die persönliche Motivation stärken.“ (Kulbe, 2009, p.65). Solch ein Reiz kann beispielsweise Geld sein, welches man bekommt, wenn man eine gewisse Hand­lung ausführt. Andere Reize sind hier ebenfalls denkbar, wie Macht- und Einflussver­sprechen oder etwaige Belohnungen durch Dritte. Eine andere Ursache für extrinsische Motivation kann z.B. das Androhen von Benachteiligung oder Gewalt sein. Das bedeu­tet, ein Mensch handelt zur Abwendung von negativen Folgen, in denen er benachteiligt wird. Extrinsische Motivation ist folglich „der Wunsch, etwas zu tun, weil wir dafür belohnt oder dazu gedrängt werden und nicht, weil wir es genießen oder interessant finden“ (Aronson et al., 2008, p.143). Hieraus ergibt sich im Unterschied zur Definition der intrinsischen Motivation eine auf die Zukunft gerichtete Perspektive im Sinne von jemand handelt jetzt, um in einem späteren Moment Belohnung oder keine Bestrafung zu erfahren. Dabei ist ebenfalls festzustellen, dass intrinsische Motivation wirkungsvol­ler und dauerhafter ist, als extrinsische Motivation (vgl. Hußmann, 2011, p.6).

2.1.3 Veränderungen

Veränderungen im Leben eines Menschen sind allgegenwärtig. Kein Tag kommt ohne kleine Veränderungen aus. Dabei ist allein der Begriff der Veränderung so vielseitig wie das Leben selbst. In der deutschen Sprache definieren wir Veränderung immer als Um­gestaltung, Umwandlung, Überarbeitung oder bildungssprachlich auch als Modulation oder Modifizierung (vgl. Duden, 2013, Stichwort: ‘Veränderung‘).

Im Bezug auf die Thematik und zu den zuvor erläuterten Begriffen wird deutlich, dass ein Konflikt den Begriffen „Motiv“ und „Veränderung“ inhärent ist. Dieser Konflikt ist darin begründet, dass Motive im eigentlichen Sinne ihrer Definition (wie in 1.1.1 deut­lich wird) eine relativ stabile und überdauernde Persönlichkeitseigenschaften sind. Dies schließt zunächst „Veränderung“ im Sinne des Sprachgebrauchs nur bedingt aus, da „relativ stabil“ und „überdauernd“ in keiner Weise bedeuten, dass es sich bei Motiven um statische Konstrukte handelt.

Demnach ist mit diesem Begriff weniger die Veränderung der Motive bei einzelnen Studenten gemeint. Er wird vielmehr als eine Art temporale Entwicklung im Kontext modulspezifischer Bildung und Einflüsse verstanden.

Aus der Studie geht hervor, dass die Entwicklung der Motive von Studenten zur Aufnahme und Ausübung eines Studiums zur Sozialen Arbeit über die Motivspezifika innerhalb der einzelnen Fachsemester gemessen werden. Das bedeutet im Einzelnen, dass beispielsweise die Motivausprägungen der Studierenden des zweiten Fachsemesters mit den Ausprägungen der Studierenden des sechsten Fachsemesters verglichen werden, um so etwaige Modifikationen der Motivlage kohortenübergreifend zu benennen. „Veränderung“ meint also nicht, dass sich das Motiv als theoretisches Konstrukt ändert, sondern dass die unterschiedlichen Ausprägungen, wie wichtig oder wie unwichtig ein Motiv innerhalb des Studiengangs deklariert wird, durch studiumsbedingte Einflüsse variieren. Dieser Klassifikation des Begriffs nach sind Anreize inhärent, seien sie in- oder extrinsisch. Dies bedeutet, eine Veränderung einer motivationalen Lage geschieht nur in Kombination mit differenzierten Anreizsystemen. „Anreize sind die situativen Momente, welche Motive ansprechen und damit die Ausbil­dung einer Motivation bewirken. “ (Trimmel, 2013).

2.2 Die Theorie der Person-Umwelt-Bezüge nach H. Murray

Die in Kapitel 2 beschriebene Historie zeigt im Wesentlichen zwei Aspekte. Zum einen geht hieraus der Weg zur heutigen Motivationspsychologie hervor und zum anderen zeigen die Ausführungen im Ansatz, wie vielfältig die theoretischen Ausprägungen der Motivationspsychologie sind. Im Rahmen dieser Arbeit wird ausschließlich auf die for­schungsrelevanten Theorien eingegangen.

Insbesondere Henry Murrays (1893-1988) Veröffentlichung „Exploration in Personali­ty“ (1938) gilt besondere Aufmerksamkeit, da er in ihr Entwicklungslinien der Motiva­tionsforschung (McDougall, Freud und Lewin) vereint (vgl. Heckhausen & Heckhausen, 2010, p.54). Murray ist seiner Zeit thematisch v.a. in der klinischen und persönlichkeitspsychologischen Schule verankert. Er nahm an, dass „Bedürfnisse (»needs«) zum Mittelpunkt eines Begriffssystems mit einer Fülle von Unterscheidungen, die nicht zur bloßen Verhaltensbeschreibung oder Erklärung von individuellen Reaktionsunterschieden in standardisierten Situationen gedacht waren “ (Heckhausen & Heckhausen, 2010, p.54). In seinem Verständnis wird der Mensch als Organismus aufgefasst, dessen situative Reaktion nicht nur von verschieden geartetem Druck abhängt, sondern der mit seiner Umwelt aktiv interagiert und sie gestaltet (vgl. ebd.). Weiterhin führt Murray aus:

„[...] was ein Organismus weiß oder glaubt, ist zu einem gewissen Grad das Produkt vorher begegneter Situationen. Daher war vieles, was jetzt im Inneren des Organismus ist, vorher außerhalb. Aus diesem Grund muss der Organismus und dessen Milieu zusammen bedacht werden, als eine einzelne Kreatur-Umwelt­Interaktion, die die angemessene Kurzeinheit für die Psychologie darstellt. Eine längere Einheit - ein individuelles Leben - kann am klarsten als eine Abfolge zusammenhängender Kurzeinheiten oder Episoden beschrieben werden. “ (Murray, 1938, pp.39-40; Heckhausen & Heckhausen, 2010, p.54)

Der Organismus (Person) und die Situation stehen in Wechselwirkung zueinander. Murray spricht bei dem Motivbegriff von sogenannten personenbezogenen „needs“ und dem situationsabhängigen „press“.

„Der Motivbegriff des ,need‘ ist also inhaltlich durch den zu erreichenden Zielzustand eines Person-Umwelt-Bezuges bestimmt. ,Need‘ und ,Press ‘entsprechend sich thematisch; ein press ‘ ruft das entsprechende,need‘ hervor, ein ,need‘ sucht seinen ihm entsprechenden press‘.“ (Heckhausen & Heckhausen, 2010, p.55)

Dabei wird der Begriff „need“ in zweierlei Hinsicht verstanden. Murray unterscheidet hierbei in primäre (viszerorgene) Bedürfnisse (wie Hunger, Durst, etc.) und sekundäre (psychogene) Bedürfnisse (Tabelle 1). Die primären Bedürfnisse im Unterschied zu den Sekundären haben dabei organisch zyklischen wie regulatorischen Charakter (vgl. Heckhausen & Heckhausen, 2010, p.55).

Weiterhin unterscheidet Murray zwischen positiven (aufsuchenden) und negativen (meidenden) sowie latenten (subjektivierten) und manifesten (objektivierten) Bedürfnissen.

„All diese Begriffsdistinktionen sind nicht lediglich das Resultat von Plausibilität,

Nachdenken und Erfindung. “ (Heckhausen &

Heckhausen, 2010, p.55). Empirische Befunde im Rahmen unterschiedlicher Untersuchungs­situationen mit 50 Probanden haben diese Liste an klar abgegrenzten Motiven entstehen lassen.

„Murrays Motivliste von 1938 mit 20 näher analysierten Motiven ist vielfach kritisiert worden.“ (Holodynski, 2009, p.275). Die Kritik setzt an der Menge der Motive an und stellt die Frage, ob man 20 Motive (zzgl. sieben weiteren, die aber nicht systematisch untersucht wurden) unterscheiden muss (vgl. Heckhausen & Heckhausen, 2010, p.55). Das Klassifikationsproblem von Motiven bleibt demnach weiterhin offen. McClelland unternahm 1989 eine drastische Reduktion dieser Motive auf insgesamt drei: Das Leis­tungsmotiv, das Machtmotiv und das Anschlussmotiv. Diese Motive haben sich neben dem Wunsch nach Aufrechterhaltung eines inneren Gleichgewichts, dem Bedürfnis nach Sicherheit und Vertrautheit, der Neugier und Abwechslung und der Möglichkeit zur Selbstverwirklichung im Studium als besonders wichtig erwiesen (vgl. Stangl & Taller, 2013). Insbesondere wird hier auf die Motive Leistung, Macht und Anschluss eingegangen, da diese in der empirischen Betrachtung besonders erforscht wurden, für die vorliegende Arbeit von besonderer thematischer Relevanz sind und bis heute als „Big 3“ der Motivationsforschung gelten (vgl. Scheffer, 2009, p.31).

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Details

Seiten
111
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668558199
ISBN (Buch)
9783668558205
Dateigröße
2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v279802
Institution / Hochschule
Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen – Katholische Hochschule NRW; ehem. Katholische Fachhochschule Nordrhein-Westfalen, Abteilung Köln
Note
1,0
Schlagworte
Sozial Soziale Arbeit Social Social Work Empirical Empirie Bachelor Thesis Abschlussarbeit Motive Motivation intrinsische Motivation Extrinische Motivation Veränderung Leistungsmotiv Machtmotiv Anschlussmotiv Konstanzer Studierendensurvey Nutzen einschneidende Lebenserfahrungen Studium. Student Studierende Lehre Beratung Handlungsempfehlung Studiengang Studie Studienfach Motivationspsychologie

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Titel: Studienmotive im Verlauf des Studiums der Sozialen Arbeit