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Zur Mediendebatte: Position Clark

Hausarbeit 2010 7 Seiten

Pädagogik - Medienpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Argumente, warum Medien keinen Einfluss auf den Lernerfolg haben

2 Gesammelte Argumente, Kritiken, Beweise, etc.

3 Literaturverzeichnis

1 Argumente, warum Medien keinen Einfluss auf den Lernerfolg haben

-ARG1 instruktionale Methode ist grundlegender als eingesetztes Medium

Clark vertritt die Meinung, dass der Einfluss auf den Lernerfolg nur auf die Lehrmethode und nicht auf das eingesetzte Medium selbst zurückgeführt werden kann, denn die Effekte eines Mediums können immer auch durch die Wahl eines anderen Mediums erzielt werden.

-EXPL 1 Austauschbarkeit macht Medium wertlos

Überall dort, wo man Lernerfolge auf Medien zurückführt, muss danach gefragt werden: „Gibt es nicht auch andere Medien, die zu denselben Lernerfolgen führen?“ Denn, wenn ein Medium problemlos ersetzt werden kann, ohne Verlust an instruktionaler Qualität zu erleiden, so ist es im Grunde „wertlos“.

-ARG2 Medien sind bloße Transportmittel für Wissen

Medien sind wie Transportmittel, die Instruktionen liefern, können aber nicht den Lernerfolg beeinflussen, ähnlich wie ein Lastwagen, der unsere Lebensmittel liefert, aber keinen Einfluss auf unsere Ernährung hat.

-EXPL2 Medien haben ökonomischen Nutzen, aber keinen Lernvorteil

Die Wahl des Transportmittels kann zwar die Kosten oder den Umfang von Instruktionen verändern, die Leistungen selbst können jedoch nur durch den Inhalt der Transportmittel verändert werden.

-ARG3 Problematik von Medienvergleichsstudien

Es gibt keinen empirisch nachweisbaren Einfluss von Medien auf den Lernerfolg. Die empirische Medienvergleichsstudie ist eine typische Evaluationsform, die vor allem Medienmerkmale berücksichtigt und daher auf unrealistischen Annahmen über die Lehrmethode und die lernrelevanten Variablen wie Motivation, Lernverhalten, Lernstrategien, Leistungsangst, etc. beruht.

-EXPL3 Medienmerkmale haben keinen Einfluss auf die Lerneffektivität

Vermeintliche Medieneffekte in den Medienvergleichsstudien sind nicht auf die Medienmerkmale zurückzuführen, sondern auf die konfundierten Faktoren wie z. B. die Lehrmethode oder die lernrelevanten Variablen. Werden diese Faktoren konstant gehalten, ergeben sich auch keine Unterschiede mehr.

2 Gesammelte Argumente, Kritiken, Beweise, etc.

ARG# Kennzeichnet ein Posting, das ein und nur ein Argument oder einen Grund dafür präsentiert, warum Medien einen Einfluss auf den Lernerfolg haben (+ARG1, +ARG2, usw.) oder keinen Einfluss haben (-ARG1, -ARG2, usw.). Die Argumente werden nummeriert!

EXPL Kennzeichnet ein Posting, dass ergänzende Erklärungen oder Ausführungen für (+EXPL) oder gegen (-EXPL) ein Argument enthält.

BUT Kennzeichnet ein Posting, dass ein Argument in Frage stellt oder die Plausibilität, Logik, Relevanz oder Validität einer Aussage bezweifelt – jeweils pro (+) oder contra (-).

EVID Kennzeichnet ein Posting, dass Beweise oder Belege für (+EVID) oder gegen (-EVID) ein Argument (ARG) oder einen Einwand (BUT) vorbringt.

Lehrmethoden sind vermengt worden mit Medien. Es sind aber die Methoden, die das Lernen beeinflussen, nicht die Medien.

Die Konfundierungen sind zurückzuführen auf den unkontrollierten Effekt von 1. Instruktionalen Methoden oder inhaltlichen Unterschieden zwischen den Treatments.

Der in Meta-Analysen zunächst positive Effekt der Medien verschwindet nahezu, wenn die gleiche Person, die Treatments ausgibt.

Um eine Aussage über kausale Effekte zwischen Lernvorteilen und Medien treffen zu können, müssen nichtmediale Variablen konstant gehalten werden.

2. Neuheitseffekt für neuere Medien, der im Zeitverlauf verschwindet.

Neue Medien führen zu stärkeren Bemühungen und größerer Aufmerksamkeit der Lernenden.

Die verstärkte Ausdauer und Aufmerksamkeit ruft verbesserte Leistungen hervor.

Dieser Neuheitseffekt verschwindet, sobald eine Gewöhnung an das neue Medium stattgefunden hat.

PRO Medienmerkmal:

Der Fokus wird nicht mehr nur auf das Medium an sich, sondern auf einzelne Merkmale des Mediums und deren Einfluss auf den Lernprozess gerichtet.

Salomon (1979): Nicht das Medium beeinflusst das Lernen, sondern einige Merkmale der Medien, die durch den Lernenden verändert werden und so auch die Entwicklung einmaliger kognitiver Prozesse beeinflussen können.

Die Attribute führen zum Ausbau kognitiver Fähigkeiten für Lernende, die diese Unterstützung benötigen.

Beispiel für Medienmerkmale: Die Eigenschaft von Filmen ins Detail zoomen zu können, oder dreidimensionales in zweidimensionales zu überführen.

CONTRA Medienmerkmal:

Verschiedene Medienmerkmale erreichen dieselben Lernziele (Bsp: Es gibt mehr Möglichkeiten, als nur zoomen, um etwas im Film hervorzuheben.).

Verschiedene Medienmerkmale stehen mit den selben oder ähnlichen kognitiven Funktionen in Verbindung.

Fazit: Wenn nicht ein bestimmtes Medienmerkmal zu einem ganz bestimmten kognitiven Effekt für eine Aufgabenbewältigung führt, dann müssen die Merkmale nur Vertreter für andere Variablen sein, die instrumentell für die Lernziele sind.

Ist ein Medium besser als ein anderes?

Konsistent mit früherer Forschung gibt es keine Ergebnisse, die einen starken Beweis für die Effektivität von Medien liefern.

Nach Mayer ist computerbasiertes Lernen aufgrund eines zu kleinen Unterschieds im Problemlösetest (3%) nicht als besser zu betrachten als textbasiertes Lernen.

Aber selbst diese Feststellung ist irreführend, denn aufgrund ernster methodologischer Fehler konnte kein Vergleich der zwei unterschiedlichen Medien gemacht werden (Bsp: Text 600 Wörter, Computer 100 Wörter, 3mal gelesen).

Die Unterschiede zwischen computerbasierten und textbasierten Lernmedien könnten also genauso von den Lernbedingungen abhängen.

In Bezugnahme auf Clark könnte deshalb nicht das Medium, sondern die Qualität der Lehrmethoden für ein effektiveres Lernen verantwortlich sein.

Dies bestätigten die Untersuchungen von Mayer.

Die Qualität des Lernens kann nach Salomon nicht alleine auf die Wahl neuer Medien begründet werden, wofür er drei Gründe nennt (Salomon 2000), die für das Ausbleiben der bisher vielbeschworenen Effekte neuer Medien für das Lernen verantwortlich sind.

Dies sei erstens das technologische Paradox: Neue Technologien werden zwar für das Lehren und Lernen eingesetzt, die neuen emergenten Möglichkeiten aber nicht implementiert. Die Technik diene vielmehr dazu, das Altbewährte lediglich schneller und günstiger zu erreichen.

Der zweite Grund liegt im technologiezentrierten Fokus auf die neuen Möglichkeiten: Sowohl dem Internet und als auch anderen computerbasierten Systemen werden Möglichkeiten ganz im Sinne von everything goes zugeschrieben. Unzählige Papiere wurden veröffentlicht, die technische Traumwelten aufbauen und Lösungen für alle Probleme der Welt anbieten. Ansätze dieser Art, die sich auf Lernen und Lehren beziehen und hierfür ein Konzept zugrunde legen, welches die neuen Möglichkeiten der Medien entsprechend einbinden würde, sind aber nicht existent (vgl. Oppenheimer 1997, Salomon 2000, 3) Neue Medien eignen sich hervorragend zur Informationsvermittlung und sind als Nachschlagewerke und Materialdatenbanken heute nicht mehr wegzudenken. Doch Lernen bedeutet in erster Linie Wissen verarbeiten und nicht bloß Informationen anzusammeln (Gruber et al 2000).

Die bisher aufgezeigten Probleme mögen vielleicht aus wissenschaftlicher Sicht mit dem dritten Argument, den fehlgeleiteten Forschungsbemühungen, zu begründen sein. Allen voran sei hier auf das Phänomen der Medienvergleichsforschungen hingewiesen. Ist Lernen im traditionellen Klassenzimmer effektiver als computerbasierter Unterricht („horse racing paradigm“)? Die Probleme liegen auf der Hand: Zum einen künstlich gesetzte „face to face“ - Lehrsettings und zum anderen ressourcenaufwändige und unzureichende computerbasierte Settings. Darüber hinaus weisen Vergleichsstudien das Problem auf, herkömmliche traditionelle Maße zu erfassen und so das neue Medium nicht in seinen emergenten Funktionen zu erfassen. Die Frage ist nicht, ob Setting A besser ist als Setting B, sonder vielmehr „besser“ wofür? Was sind die neuen Aufgaben und Ziele, die es zu erfassen, begreifen und umzusetzen gilt?

Medienvergleichsstudien könnten diese Frage so nicht beantworten. Intelligentes Lernen ist für ihn also ein konstruktiver Prozess von angeleitetem Wissensaufbau in Teams.

Von zentraler Bedeutung ist die fehlende Vergleichbarkeit verschiedener Medien, Codierungsformen oder Sinnesmodalitäten aufgrund der Konfundierung mit der Gestaltung der Lernmaterialien. Soll beispielsweise eine Textdarbietung mit der Präsentation einer Animation verglichen werden, so stellt sich die Frage: Ist die Textgruppe nur deshalb schlechter, weil der Text unverständlich verfasst wurde oder führen Texte generell zu schlechteren Lernleistungen als Animationen? Umgekehrt könnte man sich ebenso fragen, ob auftretende Lernunterschiede durch die schlechte Gestaltung der dynamischen Visualisierung bedingt sind. Einen prototypischen Text, auf den man den Vergleich beziehen könnte, gibt es ebenso wenig wie die prototypische Animation! Damit sind Codierungsform und Gestaltung konfundiert. Die aufgeführte Problematik gilt aber nicht nur für den Vergleich zwischen Texten und Animationen.

Ein weiterer Kritikpunkt an den durchgeführten Pauschalvergleichen zwischen verschiedenen Medien, Codierungsformen oder Sinnesmodalitäten bezieht sich auf die Inhaltsabhängigkeit der Ergebnisse. Vergleicht man zum Beispiel eine Animation mit einer (illustrierten) Textdarstellung, so kann dieser Vergleich stark davon abhängen, ob man etwa als Lerninhalt historische Fakten vermitteln will oder aber Lernenden beibringen möchte Krawatten zu binden. Vermutlich eignet sich letztgenannte Variante eher dafür, mittels einer dynamischen Visualisierung vermittelt zu werden (vgl. hierzu auch Fischer, Lowe und Schwan, 2008; Wong et al., 2009). Aus einer Untersuchung an einem solchen Lerninhalt aber eine prinzipielle Überlegenheit von Animationen gegenüber Bildern oder Texten abzuleiten erscheint unzulässig.

Ebenfalls problematisch ist der sogenannte Neuheitseffekt. Dieser verweist beispielsweise darauf, dass der Einsatz neuer Medien kurzfristig durch deren Neuheit begünstigt werden kann. So sind zum Beispiel virtuelle Lernumgebungen im Vergleich zum Lernen aus einem Buch für viele Lerner anfänglich ungewohnt und aufregend (Noyes und Garland, 2006). Durch kurzfristige motivationale Vorteile können Lernunterschiede zu traditionellen Medien suggeriert werden, die jedoch nicht von Dauer sein müssen (Paechter, 2007). Auch dieses Problem kann beim Vergleich verschiedener Medien, Codierungsformen oder Sinnesmodalitäten auftreten.

Auch wenn die Aussagen von Clark ein wenig überspitzt sind, bringen sie den Sachverhalt "Technologien und Schule" auf den Punkt. Die einzigen Technologien, welche den Unterricht revolutioniert haben, waren die Erfindung des Buchdruckes, die Wandtafel, Papier und Schreibzeug für alle und allenfalls der Taschenrechner. Heute könnte man noch Google als neue E-Learning Killerapplikation dazu zählen.

Unsere großen Chancen beim Einsatz neuer Technologien liegen zusammengefasst in drei großen Bereichen:

1) Sichtbarmachung von Vorgängen, die wir mit klassischen Medien (z.B. der grünen Tafel) nicht darstellen können (wie z.B. Simulationen, Animationen, Visualisierungen);
2) rascher Zugriff auf Information an jedem Ort zu jeder Zeit; und vor allem
3) motivationale Effekte.

3 Literaturverzeichnis

Clark, R.E.: «Media will never influence learning.» In: Education technology research and development. 42 (1994) 2, S. 21–29.

Clark, R.E.: «Media and method.» In: Education technology research and development. 42 (1994) 3, S. 7–10.

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Details

Seiten
7
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656730316
ISBN (Buch)
9783656730293
Dateigröße
463 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v279768
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
1,00
Schlagworte
mediendebatte position clark

Autor

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