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Arbeitsteilung nach Emile Durkheim. Formen, Ursachen und Funktion

Hausarbeit 2008 17 Seiten

Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Begriff der Arbeitsteilung nach Adam Smith

3. Der Begriff der Arbeitsteilung nach Durkheim

4. Die Geschichte der Arbeitsteilung

5. Die Funktion der Arbeitsteilung

6. Die Solidaritätsformen
6.1 Die mechanische Solidarität
6.2 Die organische Solidarität

7. Die Ursachen der Arbeitsteilung

8. Die pathologischen Abweichungen der Arbeitsteilung
8.1 Die anomische Arbeitsteilung
8.2 Die erzwungene Arbeitsteilung
8.3 Die mangelnde innerorganische Arbeitsteilung

9. Zusammenfassung

10. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Obwohl es die Arbeitsteilung nicht erst seit gestern gibt, ist ihr Gesetz den Gesellschaften erst am Ende des vorigen Jahrhunderts bewußt geworden; sie hatten es bis dahin fast ohne es zu bemerken ertragen. […]. Aber erst Adam Smith hat versucht, es theoretisch zu erfassen. […]. Heute ist das Phänomen so offensichtlich, daß es jedermann in die Augen springt.“[1]

Mit diesen Worten leitet Emile Durkheim sein berühmtes Werk „Über soziale Arbeitsteilung“, welches er 1883 verfasste, ein. Es gehört heutzutage zu den meistgelesenen Arbeiten der Soziologie. Mit diesem Beitrag beschäftigt er sich vor allem mit der Frage nach dem Zusammenleben der Menschen in der Gesellschaft, besonders in den höheren Gesellschaften, um somit die aktuelle gesellschaftliche Situation zu erforschen, was bereits aus dem Untertitel „Studie über die Organisation höherer Gesellschaften“ erkennbar wird. Dabei steht die Arbeitsteilung als wichtigstes Merkmal differenzierter Gesellschaften im Vordergrund. Hierbei unterscheidet er vorrangig zwei Formen der Solidarität, nämlich die Mechanische und die Organische. In der folgenden Arbeit habe ich mich mit dem Problem der Arbeitsteilung aus der Sicht Emile Durkheims befasst.

Im ersten Teil habe ich den Begriff der Arbeitsteilung nach Adam Smith sowie Durkheim untersucht. Smith wurde deshalb von mir gewählt, weil sich Durkheim, genau so wie zahlreiche andere Soziologen, in seinem Werk oft auf ihn bezieht. Im zweiten Teil wird ein kurzer Überblick über die Entwicklung der Arbeitsteilung von ihren Anfängen bis heute gegeben.

Der Hauptteil der Arbeit beschäftigt sich jedoch mit den Funktionen der Arbeitsteilung. Diese hat Durkheim besonders deutlich anhand der menschlichen Freundschafts-beziehungen beschrieben. Nach diesen Funktionen bin ich schließlich auf die beiden Solidaritätsformen zu sprechen gekommen, da Durkheim diese für das Ausmaß der Arbeitsteilung als sehr entscheidend erachtet. Im darauf folgenden Abschnitt habe ich kurz die Ursachen beschrieben, die Durkheim für das Phänomen aufgewiesen hat. Danach bin ich auf die anormalen Formen der Arbeitsteilung eingegangen um schließlich noch einmal eine kurze Zusammenfassung zu geben.

2. Der Begriff der Arbeitsteilung nach Adam Smith

Die Arbeitsteilung geht auf Adam Smith zurück, obwohl er nicht der erste Soziologe war, der sich mit dem diesem Phänomen befasste. Er beschäftigte sich jedoch so ausgiebig mit ihr und präsentierte sie so gut, dass spätere Autoren, die sich auch mit dieser Tatsache auseinandersetzten, immer wieder darauf zurückgriffen.

Adam Smiths berühmtestes Beispiel, was denn Arbeitsteilung überhaupt sei, erläutert er mit der Darstellung der Stecknadelmanufaktur. Hierbei stellt er einen durchschnittlichen Arbeiter, der auf eine Arbeit nicht speziell eingeübt ist und trotz seines Ehrgeizes nicht mehr als eine Stecknadel pro Tag produzieren kann, gegenüber einem Betrieb, in welchem mehrere Arbeiter die gleiche Ware durch geteilte Funktion herstellen. Jeder hat dabei eine andere Aufgabe. Beispielsweise stellt einer den Draht her, ein anderer schneidet ihn zurecht, ein Dritter schleift ihn, ein weiterer Arbeiter stellt den Kopf der Stecknadel her usw. Für die Herstellung der Nadel hat also jeder seinen eigenen Bereich, in dem er besonders eingeübt ist. Smith ist der Meinung, dass durch diese Teilung wesentlich mehr Nadeln produziert werden können, als wenn sich ein Arbeiter allein um ihre Herstellung bemüht. Er gibt mit diesem Beispiel ein Bild vor, wie in einer Fabrik die Arbeit zur Herstellung eines Produkts in mehrere einfache Teilbeschäftigungen getrennt wurde.[2]

Dies ist jedoch nicht das einzige Beispiel von Smith. Ein Weiteres zeigt er an dem Weg von der Gewinnung eines Rohstoffes bis zur Beendigung der fertigen Ware, wie zum Beispiel die Gewinnung von Wolle bis zu einem fertigen Mantel oder auch der Abbau von Getreide bis hin zu einem gebackenen Brot. In der einfachen Gesellschaft war dieser gesamte Prozess das Werk eines Einzelnen, in der modernen Welt jedoch durchläuft das Material mehrere unterschiedliche Wirtschaftszweige und gelangt somit in die Hände der verschiedensten Arbeiter.[3]

Auch ein drittes Beispiel wird von Smith aufgezeigt. Hierbei stellt er drei verschiedene Schmiede gegenüber. Der erste Schmied ist ein normaler Grobschmied, der jedoch nur schwer in der Lage ist, Nägel zu schmieden, der Zweite hat sich schon mehr auf kleinere Dinge spezialisiert, kann also auch Nägel herstellen und der Dritte ist ein Nagelschmied, der ausschließlich Nägel herstellt. Diese völlige Beschränkung im letzten Fall betitelt Smith als Arbeitsteilung. Er stellt sich dabei wahrscheinlich sämtliche Tätigkeiten vor, die ein Schmied auszuführen hat, wie zum Beispiel die Herstellung von gröberen Objekten, wie Hufeisen oder Hammer, sowie kleinere Dinge, wie Messer oder Nägel. Aus diesem Umfang sondert sich jedoch eine Erzeugung ab und die Herstellung wird von einem speziellen Mitarbeiter übernommen, wie in diesem Beispiel von dem Nagelschmied. Aus diesem einen Handwerk haben sich also Zwei herausgebildet und somit haben die Arbeiter die Möglichkeit, sich zu spezialisieren.

Dies sind die erwähnenswertesten drei Beispiele, mit denen Adam Smith die Arbeitsteilung erklärt hat.[4]

3. Der Begriff der Arbeitsteilung nach Durkheim

Die Arbeitsteilung ist heutzutage eine Erscheinung, die in den industrialisierten Gesellschaften nicht mehr wegzudenken ist. Ihr Gesetz „verschreibt sich immer mehr den großen Maschinen, den großen Kraft- und Kapitalballungen und folglich der äußeren Arbeitsteilung.“[5] Sowie innerhalb der Fabriken sämtliche Tätigkeiten getrennt und bis ins kleinste spezialisiert werden, steht auch jede Fabrik selbst für eine besondere Aufgabe. Doch nicht nur in den wirtschaftlichen Feldern ist eine Ausbreitung der Arbeitsteilung zu beobachten, sondern auch die „politischen, administrativen und juristischen Funktionen spezialisieren sich immer mehr.“[6] Auch Bereiche wie Kunst oder Wissenschaft bleiben nicht unbetroffen, denn die vor langer Zeit als einzige Wissenschaft geltende Philosophie hat sich mit der Zeit in viele Teilbereiche aufgegliedert. Früher war es üblich, dass ein Gelehrter vielerlei Kenntnisse über die verschiedenen Bereiche der einzelnen Wissenschaften besaß, heutzutage ist es Normalität, wenn er sich mit nur einem Teil einer einzigen Wissenschaft beschäftigt.[7]

Doch nicht nur im Reich der Menschen, sondern auch in dem der Tiere hat die Biologie die Arbeitsteilung feststellen können, „man hat sogar sagen können, daß ein Organismus einen umso höheren Platz im Tierreich einnimmt, je spezialisierter seine Funktionen sind.“[8] Auf Grund dieser Entdeckung wurde versucht das Phänomen der Arbeitsteilung bis zu ihrem Ursprung zurückzuverfolgen und es wurde dabei herausgefunden, dass sie bereits mit der Entstehung des Lebens in Erscheinung trat. Damit steht fest, dass es sich bei dem Phänomen der Arbeitsteilung nicht um eine gesellschaftliche Erscheinung handelt, die auf der gewollten, intelligenten Leistung des Menschen beruht, „sondern um ein Phänomen der allgemeinen Biologie, dessen Bedingungen man anscheinend in den Wesenseigenschaften der organisierten Materie suchen muss.“[9] Somit kann sich ihr keine Gesellschaft entziehen und die soziale Arbeitsteilung wird als ein außergewöhnlicher Zustand dieser umfassenden Gegebenheit gesehen.

Dabei entsteht die Ungewissheit, wie sich der Mensch einordnen soll. Er hat die Möglichkeit, sich diesem Zustand unterzuordnen oder sich zu widersetzen. Es kommt nun die Frage auf, welche Möglichkeit die bessere ist. Dieses Problem konnte bisher jedoch keine Lösung finden, da sich keiner von den beiden Fällen unterordnen will. Feststeht, dass die Arbeitsteilung „eine Grundlage der sozialen Ordnung ist und immer mehr dazu wird.“[10] Für viele scheint sie jedoch keine aufgezwungene Pflicht, sondern eher eine Verhaltensregel zu sein, denn für das allgemeine Leben ist eine ausgeprägte Geschicklichkeit notwendig. Heutzutage wird ein Mensch eher anerkannt, wenn er sich auf nur eine Tätigkeit spezialisiert und sich mit dieser ausgiebig beschäftigt, anstatt sich mit mehreren Betätigungen gleichzeitig auseinanderzusetzen. Dies zeigt sich zum Beispiel bei der Kindererziehung, denn die Kinder haben die Möglichkeit, sich schon früh für eine Arbeit zu entscheiden, für die sie sich dann ausbilden lassen. „Der einzelne widmet sein ganzes Leben derselben spezialisierten Arbeit, er wird schon in der Jugend dafür erzogen; alle andere Tätigkeit, soweit sie nicht jeder notwendig persönlich für sich hat […], tritt zurück oder verschwindet ganz aus seinem Leben.“[11]

Doch die Arbeitsteilung wird auch nicht immer absolut positiv angesehen, da sie immer auch die Befürchtung mitbringt, dass eine Berufung sich zu sehr spezialisiert und es keine Möglichkeit mehr gibt, auch davon abzulassen. Somit würde ein Mensch sein Leben auf nur eine einzige Aufgabe hin ausrichten, in der er sich vielleicht nicht einmal verwirklichen kann, ohne jemals herauszufinden, was das Leben noch für Aufgaben bereitstellt.[12]

4. Die Geschichte der Arbeitsteilung

Wie bereits erwähnt, begann die Arbeitsteilung biologisch gesehen bereits mit der Entstehung des ersten Lebens auf der Erde. Die Soziologie schenkte diesem Phänomen jedoch erst mit der Entstehung der Herrschaftsverhältnisse in den schon höher entwickelten Gesellschaften besondere Aufmerksamkeit.

Ganz früher lebten und handelten die Menschen nur nach ihren Trieben. Dies änderte sich jedoch mit der Zeit, sie fingen an, in die Zukunft zu blicken und ihr Leben bereits im Voraus zu planen, um besser ihre Bedürfnisse befriedigen zu können. Damit begannen auch die Tauschgeschäfte. Verschiedene Stämme aus unterschiedlichen Kulturen fingen an, Gegenstände wie Waffen, Schmuck oder andere Waren untereinander auszutauschen. Dies war ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Arbeitsteilung. Diese Entwicklung schritt immer weiter fort, und es entstand mit der Zeit eine Lebensweise, die Arbeit und andere Pflichten so zu verteilen, „daß eine erfolgreichere Bedürfnisbefriedigung, ein gesicherteres höheres Dasein, ein reicheres Leben“[13] gewährleistet werden konnten.[14]

Die Familie war eine spezielle Gruppe, in der sich die Arbeitsteilung besonders bemerkbar machte. In einer Verwandtschaft lebten mehrere Individuen mit unterschiedlichem Alter und somit auch mit verschiedenen Fähigkeiten. Durch diese nicht zu vermeidenden Unterschiede mussten die einzelnen Familienmitglieder für ein gemeinsames Ziel die Aufgaben übernehmen, die für sie am besten zu bewerkstelligen waren. Alle arbeiteten auf eine gemeinschaftliche Absicht hin, in dem die zu bewerkstelligenden Aufgaben direkt verteilt wurden.

Doch nicht nur in der Familie selbst fand die Arbeitsteilung statt, sondern auch zwischen den einzelnen Familien, also zwischen Fremden, da Werkzeuge oder andere Waren für das tägliche Leben ausgetauscht werden mussten. Diese letzte Art der Arbeitsteilung wurde mit der Zeit immer bedeutender für die Gesellschaft, da die wirtschaftliche Bedeutung in der Familie zurückgedrängt und die erzieherische Funktion immer wichtiger wurde.[15]

Ein weiterer Schritt der Arbeitsteilung war eine Teilung des Volkes in Gebieter und Untertanen, also in eine geistige und in eine körperliche Kraft, welche bis heute eine nicht mehr wegzudenkende Eigenschaft der gesellschaftlichen Arbeit darstellt. Eine Art dieser Teilung war der Unterschied zwischen dem Priestertum und der einfachen Gesellschaft. Die Priester erlangten hierbei zahlreiche Fähigkeiten durch eine besondere Bildung und machten sich somit das ungebildete Volk zum Untertanen. Diese Herrschaftsform wurde von einer weiteren verdrängt, nämlich der des Häuptlingstums. Diese Art gibt das Militär in späterer Form wieder. Die dritte Art brachte das Auftreten der Händler mit sich. Daraus entwickelten sich schließlich die heutige Geldwirtschaft sowie die Unternehmen.[16]

[...]


[1] Durkheim 1988, S. 83

[2] vgl. Büchner 1893, S. 72

[3] ebd., S. 73

[4] vgl. Büchner 1893, S. 74

[5] Durkheim 1988, S. 83

[6] ebd., S. 84

[7] vgl. Durkheim 1988, S. 83-85

[8] ebd., S. 85

[9] Durkheim 1988, S. 85

[10] ebd., S. 86

[11] Schmoller 1890, S. 3

[12] vgl. Durkheim 1988, S. 86-88

[13] Schmoller 1890, S. 2

[14] vgl. Schmoller 1890, S. 11

[15] vgl. Giouras 1994, S. 57-59

[16] vgl. Giouras 1994, S. 59-61

Details

Seiten
17
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656725510
ISBN (Buch)
9783656725527
Dateigröße
402 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v279643
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Institut für Soziologie
Note
2,0
Schlagworte
arbeitsteilung emile durkheim formen ursachen funktion

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Titel: Arbeitsteilung nach Emile Durkheim. Formen, Ursachen und Funktion