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Rechtsextreme Tendenzen in der Musik. Analyse der Südtiroler Rockband "Frei.Wild" anhand der komperativen Faschismustheorie Roger Griffins

Hausarbeit 2012 14 Seiten

Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Griffins Faschismusbegriff
Griffins Faschismusbegriff - Palingenese
Griffins Faschismusbegriff - Ultranationalismus

Methode

Bezug zu Frei.Wild
Bezug zu Frei.Wild - Ultranationalismus
Bezug zu Frei.Wild - Palingenese
Bezug zu Frei.Wild - Abgrenzungen von Faschismus

Fazit

Literatur- Quellenverzeichnis

Anhang

Einleitung

Dies ist eine wissenschaftliche Arbeit, die sich als Ziel setzt, die Lieder der Rockband Frei.Wild auf einen faschistischen Charakter zu überprüfen.

Als Grundlage hierfür soll die Faschismustheorie des Faschismusforschers Roger

Griffin dienen. Ich werde mich größtenteils an der Monografie ‚The nature of fascism„ Griffins aus dem Jahr 1991 orientieren.

Diese Arbeit ist im Rahmen des steigenden Medieninteresses an der südtiroler

Rockband und der Kontroversen, die besonders durch den gesellschaftlichen Diskurs in sozialen Netzwerken dargelegt wurden, entstanden. Auch wenn die Band sich deutlich von Extremismus jeder Art distanziert, vermute ich einen faschistischen Charakter der Band. Diese Hypothese gilt es in dieser Arbeit zu prüfen.

Griffins Faschismusbegriff

Griffin stellt seinen Faschismusbegriff, im Gegensatz zu den meisten vorhergegangenen Faschismusforschern wie Ernst Nolte, ‚positiv„ dar (vgl. Griffin 1991: Abs. 16). Das bedeutet, er vermeidet Begriffe wie antiliberal, antikommunistisch, antisemitisch etc. Er orientiert sich am Äpost-war fascism“ (Griffin 1991: S. 29) und klammert so die faschistischen Tendenzen zur Zeit des Dritten Reichs und generell jene in Europa zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus:

Ä[…] while fully recognizing the singularity of Nazism, the application of this theory to the Third Reich categorizes it as an outstanding example of a fascist regime” (Griffin 1991: S. 29).

Griffin beschreibt Faschismus als nicht mehr Zeit- oder Ortgebundenes Phänomen, sondern als jederzeit und überall mögliche ideologische Strömung. Er untermauert diese These mit dem Begriff des Äfascist minimum“ (Griffin 1991: Abs. 16), also einem jederzeit und überall gegebenen Minimum an faschistischer Strömung, welche zu einer Äcritical mass“ (Griffin 1991: Abs. 27) führen kann, welche besonders durch die ideologische Vorstellung der Änationalen Wiedergeburt“ (siehe Palingenese) zu einer Ärevolution“ (Blinkhorn 2000: S.115f, zitiert in Griffin 1991: Abs. 21) führen kann. Der post-war-fascism ist zu dem nicht mehr nur an Art und Weise des Erscheinungsbilds und seiner Organisationsstruktur definiert, sondern als rein ideologisches Phänomen zu verstehen. Seine Ideologielastigkeit wurde, vor allem, durch den deutschen Historiker Wolfgang Wippermann kritisiert. Ich lasse diese Kritik jedoch unbeachtet, da es in dieser Analyse lediglich um den ideologischen Aspekt der Lieder gehen soll.

Griffins Faschismusbegriff - Palingenese

Als Palingenese versteht man in den Sozialwissenschaften wörtlich eine Wiedergeburt. Griffin wendet den Begriff auf die ideologische Besonderheit des postwar-fascism an: Die Wiedergeburt der Nation als eine ‚von Dekadenz befreite„.

Ä[…] at the core of its (the definition of fascism) „ideas and myths‟ lies the „belief in a national and/or racial revolution embodying rebirth from an existing condition of subjection, decadence or „degeneracy‟ leading to the „creation of […] a new fascist man‟.” (Blinkhorn 2000: S.115f, zitiert in Griffin 1991: Abs. 21).

Die Palingenese kann nur durch eine faschistische Revolution und eine damit einhergehende Neuschöpfung der Nation stattfinden. Die Behauptung, die Nation befinde sich in einer tiefen Krise und die damit einhergehende kulturpessimistische Sichtweise sind typisch für den Faschismusbegriff nach Griffin. Auch, dass dieser Zustand keine Verzweiflung, sondern die ‚Ankündigung einer neuen Morgendämmerung„ darstellt, nach welcher die Nation mit einer regenerierten, abgeschlossenen Kultur aufersteht ist Teil der Ideologie.

Diese Sichtweise offenbart, dass es einen Volkskörper gibt, der diese Palingenese unterstützt und eben Feinde der ‚Wiedergeburt„. Diese Feinde definieren sich nach Griffin jedoch nicht zwangsläufig nach rassistischen oder antisemitischen Eigenschaften, sie können ebenso kultureller Natur sein (Griffin 1991: S50ff. insb. Abs. New faces of fascism)

Die notwendige ‚Säuberung„, die den Volkskörper von den Feinden ‚reinigt„, gilt im Sinne der Faschisten als konstruktiv, da nur so die Wiedergeburt der Nation vollendet werden kann. Ein von Griffin hierfür angewendetes Beispiel ist ein Interview mit einem Mitarbeiter im Konzentrationslager Auschwitz, welcher bei der Befreiung des Lagers angab Äproud of their work“ zu sein (BBC2 documentary on the red cross and Nazi Europe shown in 1971, zitiert in Griffin 1991: S.44 Abs.23).

Griffins Faschismusbegriff - Ultranationalismus

Griffin versteht Faschismus als Folge von Ultranationalismus, also ein als absolut geltend gemachter Nationalismus. Anderenfalls ist nur durch das ideologische Aufkommen von Ultranationalismus nicht von Faschismus zu sprechen. Man kann, laut Griffin, erst von Faschismus sprechen, wenn zur ultranationalistischen Sichtweise auch eine palingenetische Ideologie hinzukommt:

ÄFascism is a political ideology whose mythic core in its various permutations is a palingenetic form of populist ultra-fascism“ (Griffin 1991: S. 40f. Abs. 18f.).

Die Verbindung aus dem Absolutheitsanspruch der eigenen Nation mit dem kulturpessimistischen Wunsch der Neuorientierung und ‚Reinigung des Volkskörpers„ von Ädecadence“ (Griffin 1991: Abs. 40) macht für Griffin den Faschismus aus.

Methode

Ich werde die Lieder der Band Frei.Wild vor dem Hintergrund der Faschismustheorie Roger Griffins analysieren. Ich beziehe mich dabei ausschließlich auf die im Internet zugängigen Liedtexte und Bewertungen von anderen Wissenschaftlern, die sich mit der Thematik Frei.Wilds auseinander gesetzt haben und auf Interviews der Bandmitglieder selber, die der Veranschaulichung und Interpretation der Texte dienen sollen. In erster Linie geht es darum, die Texte auf den ideologischen Gehalt zu untersuchen. Ich werde zunächst den Patriotischen Inhalt der Band auf Ultranationalismus prüfen, dann einen Zugang zu palingenetischen Ansätzen herstellen und abschließend auf die mediale Selbstdarstellung der Band eingehen.

Bezug zu Frei.Wild

Frei.Wild erzielt große Erfolge in der kommerziellen Musikszene des deutschsprachigen Raumes. Das Album ‚Gegengift„ ist auf Platz zwei der Deutschen Albumcharts 2010 eingestiegen und auch ‚Feinde deiner Feinde„ erreichte als Single und als Album 2012 Platz 2 der Charts (http://www.charts.de/artist.asp?name=Frei%2EWild&country=de; 18.02.2013).

Durch den Äsehr markanten, typisch deutschen Gesangstil“ in Kombination mit Ägriffigen Gitarrenklängen“ lässt sich der Stil der Band der Äneuen Deutschen Härte“ zuordnen, wie aus einem Musikforum zu entnehmen ist (http://www.metalstile.de/neue-deutsche-haerte.html; 18.02.2013).

Bezug zu Frei.Wild - Ultranationalismus

Die textlichen Inhalte der Tiroler Band beziehen sich überwiegend auf Patriotismus. Deutlich zeigt sich diese Einstellung im Lied ‚Südtirol„. Ein Auszug:

Südtirol, wir tragen deine Fahne, denn du bist das schönste Land der Welt, Südtirol, sind stolze Söhne von dir, unser Heimatland, wir geben dich niemals her Frei.Wild - Südtirol1

Man kann anhand dieses Textauszuges sehen, dass ein patriotischer Grundgedanke besteht. Eine Heimatliebe, jedoch nicht für die Nation Italien, sondern für das Gebiet Südtirol. Nationalistisch wird dieser Patriotismus erst, wenn es sich um die Zugehörigkeit zu einer Nation geht.

Philipp Burger, der Frontsänger der Band gab folgendes Statement in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung ab:

ÄWir haben nie Wert darauf gelegt, Italiener zu sein. Das hat uns die Geschichte eingebrockt. Und als deutschsprachige Südtiroler machen wir eben auch deutschsprachige Musik für deutschsprachige Fans.“

Burger am 23.10.2010 in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung (http://www.sz-online.de/nachrichten/heftig-scherbelts-aus-den-bergen-338868.html; 18.02.2013)

Bergers Formulierung, die Geschichte hätte es ihnen Äeingebrockt“ Italiener zu sein, deutet an, dass er sich davon abgrenzt Italiener zu sein. Auch, dass seine Musik Äfür deutschsprachige Fans“ gemacht werde, lässt mich hier zu dem Schluss kommen, es wäre angebrachter von Nationalismus, als von reinem (Lokal-)Patriotismus zu sprechen.

Der Begriff Ultranationalismus ist zusammengesetzt aus dem Substantiv Nationalismus und dem Präfix Ultra, welches per definitionem im Duden ÄinBildungen mit […] Substantiven jenseits von …, über ... hinaus, hinausgehend über [bedeutet]“ (http://www.duden.de/rechtschreibung/ultra_; 18.02.2013).

Zu klären ist also, ob die Einstellung Frei.Wilds über den Nationalismus hinaus geht. Als mögliche Interpretation, um sich vom ‚regulären„ Nationalismus abzugrenzen, kann man die Darstellung der Nation als eine ‚bessere„ verstehen in Verbindung mit einem ‚alleinigen, unfehlbaren Wahrheitsanspruch der Kultur„. Es gilt diese Tendenz bei Frei.Wild zu überprüfen. Zur Überprüfung ziehe ich eine Textstelle aus dem Lied ‚Wahre Werte„ heran:

ÄDa wo wir leben, da wo wir stehen

Ist unser Erbe, liegt unser Segen

Heimat heißt Volk, Tradition und Sprache

Für uns Minderheiten eine Herzenssache

Das, was ich meine und jetzt werft, ruhig Steine Wir sind von keinem Menschen die Feinde2 Doch wir sind verpflichtet, dies zu bewahren Unser Tirol gibt„s seit zwölfhundert Jahren“

Frei.Wild - Wahre werte

Laut Auffassung des Textes ‚Wahre Werte„ seien ÄVolk, Tradition und Sprache“ eine ÄHerzenssache“ für ÄMinderheiten“. Hier wird ein nationalistischer Charakter deutlich, wenn man diese Aussage mit der in Verbindung bringt, dass es dies Äzu bewahren“ gilt. Einen Absolutheitsanspruch lässt sich am Text Südtirol feststellen:

ÄKurz gesagt, ich dulde keine Kritik

an diesem Heiligen Land, das unsre Heimat ist, darum holt tief Luft und schreit es hinaus, Heimatland wir geben dich niemals auf.“

Frei.Wild - Südtirol

Dass keine Kritik an dem Äheiligen Land“ (gemeint ist Südtirol) von der Band geduldet wird, deutet auf einen Absolutheitsanspruch hin. Die gezeigten Textstellen zeigen deutlich, dass die Kultur und das Gebiet Südtirol frei von jeder Kritik bleiben und als Äheiliges“ Eigentum der Bevölkerung geschätzt werden soll. Als Abgrenzung von

[...]


1 Eine Auflistung aller Volltexte und Lieder mit Quellen sind dem Anhang zu entnehmen

2 „Wir sind von keinem Menschen die Feinde“ ist ein Beispiel für die menschenfreundliche Selbstdarstellung Frei.Wilds. Ich gehe auf diese sich wiederholenden Äußerungen in Kapitel 4c „Abgrenzung von Faschismus“ explizit ein.

Details

Seiten
14
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656730491
ISBN (Buch)
9783656741305
Dateigröße
741 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v279618
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld
Note
1,7
Schlagworte
rechtsextreme tendenzen musik analyse südtiroler rockband frei wild faschismustheorie roger griffins

Autor

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