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Aktienbewertung mittels fundamentaler Analyse

Akademische Arbeit 2014 27 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

II Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

III Abkürzungsverzeichnis
1 Einleitung
2 Fundamentale Aktienanalyse
2.1 Definition und Abgrenzung zur Technischen Analyse
2.2 Welche Rolle spielt die Effizienzmarkttheorie?
2.3 Die entscheidenden fundamentalen Bewertungskennzahlen
2.4. KGV, zu Recht die Standardkennzahl?
3 Fallbeispiel anhand der Deutschen-Telekom-Aktie
3.1 Fundamentale Aktienanalyse
3.2 Auswertung der Analyse
4 Fazit

IV Literaturverzeichnis

II Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abbildung 1: KBV-Verteilung

Abbildung 2: KGV Verteilung

Abbildung 3: Jahresverlauf der Telekom-Aktie

Tabelle 1: KBV im Zusammenhang mit der EKR

Tabelle 2: KUV Überblick

III Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

„Price is what you pay, value is what you get.“ [1]

Dieses bekannte Zitat von Warren Buffet beschreibt vereinfacht den Kern der Fundamentalen (Aktien-)/Analyse und damit die Problematik, welcher sich diese Arbeit widmet. Es geht bei der Fundamentalen Analyse darum, den Wert und nicht den Preis einer Investition zu erörtern. Das Thema der Fundamentalen Analyse ist für Investoren jeglicher Art von großer Bedeutung. Sowohl beim Erwerb einer Immobilie als auch dem einer Aktie ist es von entscheidender Bedeutung, sich zunächst detailliert über die fundamentalen Daten der jeweiligen Investition zu erkundigen. Bei einer Immobilie wären dies bspw. ausführliche Informationen zu dem Zustand, der Größe, der Lage und den Vergleichspreisen des Objekts, in das investiert werden soll.

Es ergibt sich die folgerichtige Frage: Welche fundamentalen Daten können zur Beurteilung von Aktien herangezogen werden? Diese Frage wird Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit sein und in den folgenden Kapiteln ausführlich beantwortet. Da es verschiedene umfangreiche fundamentale Ansätze zur Bewertung eines Unternehmens gibt, an dieser Stelle sei bspw. das bewährte Discounted-Cashflow-Model genannt, können in dieser Arbeit nicht sämtliche Methoden berücksichtigt werden. Aufgrund des genannten Umfangs dieser Thematik wird die vorliegende Arbeit die Fundamentale Aktienanalyse nicht vollständig und abschließend untersuchen können, sondern sich dabei auf bestimmte und ausgewählte Schwerpunkte der Fundamentalen Aktienanalyse fokussieren. Als Schwerpunkt zur Untersuchung des Wertes eines Unternehmens anhand der Fundamentalen Aktienanalyse werden in der vorliegenden Arbeit aktuelle und populäre Bewertungskennzahlen (sog. Multiplikatoren) gewählt, die auf ihre Aussagekraft und die damit verbundenen Schlussfolgerungen untersucht werden.

Im letzten Teil dieser Arbeit werden die vorher untersuchten Bewertungskennzahlen anhand eines Fallbeispiels der Deutschen Telekom Aktie angewandt und auf ihre Aussagekraft untersucht und anschließend ausgewertet.

2 Fundamentale Aktienanalyse

2.1 Definition und Abgrenzung zur Technischen Analyse

Bei der Fundamentalen Analyse spielt der Begriff innerer Wert eine sehr wichtige Rolle. Im Kern sagt der innere Wert aus wie viel ein bestimmtes Gut gemessen anhand fundamentaler Bewertungskriterien tatsächlich wert ist. Liegt der innere Wert einer Aktie bspw. über dem aktuell gehandelten Marktpreis (Börsenkapitalisierung), dann ist die Aktie unterbewertet und sollte gekauft werden. Wenn der innere Wert einer Aktie hingegen unter dem aktuell gehandelten Marktpreis liegt, dann ist der Markt überteuert und sollte dementsprechend verkauft werden.[2] Dies sind die Grundzüge des fundamentalen Ansatzes, die im weiteren Verlauf näher erläutert werden.

„Analysis connotes the careful study of available facts with the attempt to draw conclusions therefrom based on established principles and sound logic.”[3]

Die Autoren des Zitats, Benjamin Graham und David Dodd, gelten als Begründer dieses Investitionsansatzes, der häufig auch als Value Investing bezeichnet wird. Sie beschreiben diese Investitionsmethode in ihrer Veröffentlichung Security Analysis von 1934 ausführlich. Durch den außergewöhnlichen Erfolg Warren Buffets, eines Schülers von Benjamin Graham, gewann diese Methode der Aktienauswahl zusätzlich an Bedeutung. Benjamin Graham nennt in seiner Veröffentlichung u. a. fünf entscheidende Punkte, die von dem fundamentalen Analysten bei der Analyse des Unternehmens berücksichtigt werden sollten.[4]

1. Allgemeine langfristige Aussichten
2. Management
3. Finanzielle Stärke und Kapitalstruktur
4. Dividendenbilanz
5. Dividendenrendite

Diese genannten Punkte bilden den kompletten Bereich der Fundamentalen Analyse nicht gänzlich ab, sie bieten lediglich erste gute Ansatzpunkte zur Analyse.

Die vorliegende Arbeit untersucht in den darauffolgenden Kapiteln einen speziellen Bereich der Fundamentalen Aktienanalyse. Es werden ausgewählte Bewertungskennzahlen sog. Multiplikatoren, im Hinblick auf deren Aussagekraft und die damit verbundenen Rückschlüsse auf eine Über- bzw. Unterbewertung von Aktien untersucht. Die Fundamentale Aktienanalyse bietet nicht nur eine einzige Methode zur Ermittlung des inneren Werts eines Unternehmens, sondern vielmehr verschiedene Methoden zur Bewertung des wahren/inneren Wertes eines Unternehmens. Das bewährte Discounted-Cashflow-Model bestimmt den Unternehmenswert bspw. durch die Diskontierung der zukünftigen Cashflows. Die Multiplikatorenmethode, deren Teil im Rahmen der vorliegenden Arbeit untersucht wird, bewertet ein Unternehmen anhand von Cashflow-, Buchwert-, Umsatz- und Ergebnismultiplikatoren.[5] Diese verschiedenen Verfahren und Methoden führen zu voneinander abweichenden Ergebnissen, die jedoch um einen fairen Unternehmenswert innerhalb einer bestimmten Bewertungsspanne pendeln.[6]

Ein weiterer Bestandteil der Fundamentalen Aktienanalyse besteht darin herauszufinden, welche Informationen, die bspw. aus der Bilanz oder aus dem Geschäftsbericht des Unterneh-mens entnommen werden, es ermöglichen, die zukünftigen Gewinne des Unternehmens bestmöglich zu prognostizieren. Forscher lieferten hierzu in den 90er Jahren Beweise für die zukünftige, gewinnbezogene Aussagekraft nicht gewinnbezogener Bilanzkennzahlen aus der Vergangenheit und der damit verbundenen Möglichkeit, Rückschlüsse auf spätere Gewinne durch bestimmte Bewertungskennzahlen ziehen zu können. Als Beispiel sei hier der Investitionsaufwand genannt, der grundsätzlich eine positive Auswirkung auf die spätere Gewinnentwicklung zeigt.[7]

Das primäre Ziel eines Aktienanalysten, der den Investitionsansatz der Fundamentalen Aktienanalyse verfolgt, besteht demnach darin, ein gründliches Verständnis für das Ziel-Unternehmen aufzubauen – dazu gehören Kenntnisse der Bilanz, des Geschäftsbe-richts/Jahresabschlusses und der Branche, in welcher das Unternehmen tätig ist, um auch die Wettbewerbssituation bestmöglich einschätzen zu können – und anhand dessen in der Lage zu sein, die zukünftigen Aussichten möglichst gut prognostizieren und dadurch den inneren Wert des Unternehmens bestmöglich bestimmen zu können. Je mehr Verständnis der Analyst für das zu untersuchende Unternehmen, dessen operatives Geschäft und Marktstellung entwickelt, desto effektiver wird der Investor die zukünftigen Aussichten des ausgewählten Unternehmens antizipieren können.[8]

Um die Fundamentale Analyse klar und eindeutig definieren zu können, wird an dieser Stelle der Begriff der technischen Analyse kurz erläutert, damit die Fundamentale Analyse eindeutig von der Technischen Analyse abgrenzt werden kann. Die Technische Analyse konzentriert sich vor allem auf das Studium und die damit verbundene Analyse von Marktbewegungen, die mit Hilfe von Charts durchgeführt wird. Des Weiteren beruht die Technische Analyse auf den konstitutiven Grundannahmen, dass die Marktbewegung alles diskontiert und dass sich die Kurse in sog. Trends bewegen. Ziel der Technischen Analyse ist es, zukünftige Kurstrends durch Rückschlüsse, die aus den Kursen in der Vergangenheit gezogen werden, vorhersagen zu können.[9] Der innere Wert findet bei der Technischen Analyse hingegen keine nennenswerte Beachtung.

2.2 Welche Rolle spielt die Effizienzmarkttheorie?

Zunächst wird die Effizienzmarkttheorie an dieser Stelle kurz vorgestellt und anschließend im Zusammenhang zur Fundamentalen Aktienanalyse untersucht.

Im Kern behauptet die Theorie, dass Finanzmärkte und deren Marktteilnehmer vollkommen effizient und rational sind bzw. handeln und aus diesem Grund eine Überrendite anhand einer Analyse – dabei spielt es keine Rolle, ob technisch oder fundamental – nicht möglich ist. Im Hinblick auf die Fundamentale Aktienanalyse besagt die Effizienzmarkttheorie also, dass alle Informationen – Insiderinformationen, wie auch öffentlich zugängliche – im jeweiligen Aktienkurs vollständig enthalten sind und somit stets den inneren/wahren Wert des Unternehmens repräsentieren. Keine Aktie wäre also über- bzw. unterbewertet und damit wären die Fundamentale Analyse und Informationsaufnahme über das zu investierende Unternehmen zwecklos. Dieser Theorie folgend würde jeder Investor stets den „richtigen“ Preis für eine Aktie bezahlen. Abweichungen vom richtigen Unternehmenswert wären aus diesem Grund stets auf den Zufall zurückzuführen.

Wird nun das Gegenteil angenommen und behauptet, Finanzmärkte seien ineffizient und der Aktienpreis entferne sich bspw. vom wahren Unternehmenswert, dann wäre die Fundamentale Aktienanalysen nur bedingt sinnvoll und berechtigt. Folglich sollte die Analyse, die den inneren Wert eines Unternehmens genauer berechnet, theoretisch eine bessere Performance erzielen. Gleichzeitig glaubt diese Analysemethode auch an die langfristige Effizienz der Finanzmärkte, denn warum sonst sollte die fehlbewertete Aktie im gewählten Zeitraum auf den inneren Wert korrigieren?[10] Hier befände man sich als Investor schließlich in einem Dilemma.

Dieses o.g. Dilemma wird dahingehend gelöst, dass ein Kompromiss eingegangen werden muss. Die Finanzmärkte werden langfristig als grundsätzlich effizient eingestuft, weil in bestimmen Zeitintervallen – vor allem durch gut informierte Marktteilnehmer – Ineffizienzen durch eine Korrektur des jeweiligen Marktes beseitigt werden.[11] Die extreme Version der Markteffizienztheorie wurde weitestgehend abgelehnt, selbst Eugene Fama – der Begründer dieser Theorie – hat diese radikale Version der Theorie später widerrufen.[12] Kurzfristig sind an den Finanzmärkten also Über- und Unterbewertungsphasen durchaus möglich und aus vielen historischen Ereignissen[13] deutlich geworden.

Daraus folgt schließlich, dass die langfristige Entwicklung von Aktien durch die fundamentalen Unternehmensdaten erklärt wird und eine Fundamentale Aktienanalyse eine sinnvolle Analysemethode von Aktien ergibt. Kurzfristig gesehen bietet die Effizienz-markttheorie keinen geeigneten Erklärungsansatz für Über- bzw. Unterbewertungen von Aktien. Einen Erklärungsansatz für diese kurzfristigen Über- bzw. Untertreibungen an den Aktienmärkten liefert der Behavioral-Finance-Ansatz – in dem vor allem viele psychologischen Komponenten eine wichtige Rolle spielen – welcher an dieser Stelle jedoch nicht weiter erörtert werden soll, da dies den Rahmen der vorliegenden Arbeit sprengen würde.[14]

[...]


[1] Buffet (2002), S. 228.

[2] Vgl. Murphy (2004), S. 24.

[3] Graham (1940), S. 17.

[4] Vgl. Graham (2013), S. 310 ff.

[5] Eine genauere Erläuterung des Begriffs Multiplikator folgt in Kapitel 2.3 Seite 9.

[6] Vgl. Schmidlin (2013), S. 143 ff.

[7] Vgl. Hancock (2012), S. 33.

[8] Vgl. Grimm (2012), S. 232.

[9] Vgl. Murphy (2004), S. 19 ff.

[10] Vgl. Hasler (2011), S. 21 f.

[11] Vgl. ebd., S. 22.

[12] Vgl. Fama (1991), S. 1575.

[13] Siehe bspw. die Dot-Com-Bubble im Jahr 2000 oder die Immobilienblase im Jahr 2008.

[14] Siehe Daxhammer, Rolf J./Fascar, Mate: Behavioral Finance (2012), Konstanz, 75 ff. Hier werden die Behavioral-Finance-Ansätze vorgestellt, mit den neoklassischen Methoden verglichen und im Hinblick auf die Aussagekraft bewertet.

Details

Seiten
27
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656730484
ISBN (Buch)
9783656730477
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v279548
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,7
Schlagworte
aktienbewertung analyse

Autor

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