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Nero. Ein Brandstifter und Preisender der Flammen?

Der große Brand von Rom in Cass. Dio 62.16-18

Quellenexegese 2013 11 Seiten

Klassische Philologie - Latinistik - Literatur

Leseprobe

Inhaltsangabe

1... Einleitung

2... Quelleninterpretation von Cass. Dio 62.

3... Zusammenfassung

4... Bibliografie

1. Einleitung

Vom großen Brand Roms im Juli 64 n. Chr., eines der schlimmsten Erlebnisse für die römische Bevölkerung, berichten nicht sehr viele Quellenautoren. Ausführliche Berichte darüber finden sich lediglich bei Tacitus, Sueton und Cassius Dio. Tacitus ist der einzige, der in der Zeit des Brandes lebt, allerdings ist er erst um die sechs Jahre alt beim Ausbruch des Brandes. Aus diesem Grund wird er, wenn überhaupt, nur die Auswirkungen dieser Katastrophe gespürt haben. Dagegen schreiben Sueton und Cassius Dio über etwas, was sie selbst nicht miterlebt haben.

Schaut man sich die überlieferten Texte der drei Quellenautoren genauer an, fällt unvermittelt auf, dass sie von gewissen Nuancen abgesehen, beinahe übereinstimmend über die Ereignisse um den Brand von Rom berichten. Das deutet daraufhin, dass sie sich auf eine gemeinsame Quelle beziehen. Tacitus schildert die Ereignisse des Brandes chronologisch und gibt die Grundstimmung der Menschen eher neutral wieder. Sueton dagegen ordnet sein Werk über Nero thematisch an und teilt seinen Bericht in Wohltaten und Verfehlungen ein, wobei er den Brand zu den Verfehlungen Neros zählt.

Cassius Dio, mit dem ich mich beschäftige, schildert den Brand Roms fast wie Tacitus, aber mit einem sehr negativen Grundton. Dies ist nicht verwunderlich, übt der 164 n. Chr. geborene Dio doch höchste politische Ämter aus und schreibt daher, wie die Kaiser es nicht anders verlangen, negativ über Nero.[1] Unter Kaiser Commodus gelangt er in den Senat, Pertinax designiert ihn zum Prätor. Unter Septimius Severus wird er consul suffectus und bei Caracalla ist er Comes. Es folgen das Amt des Kurators von Pergamon und Smyrna unter Macrinus und das des Prokonsuls von Africa unter Severus Alexander; danach wird er Leiter der Provinz Dalmatien und Oberpannonien. Das zweite Konsulat als Kollege des Kaisers im Jahre 229 n. Chr. beendet seine Ämterlaufbahn, wonach er zurück in seine Heimat Bithynien geht und später stirbt.[2]

Gerade das letzte Amt zeigt, dass Dio immer den Kontakt zu den Kaisern sucht und auch von diesen sehr geschätzt wird, bekleidet er doch einige der wichtigsten und einflussreichsten Ämter der Kaiserzeit. Während seiner Ämterlaufbahn betätigt er sich auch immer wieder literarisch, so schreibt er beispielsweise über Vorzeichen, die die Herrschaft Septimius Severus angekündigt hätten, was ihm einerseits bei diesem Kaiser, als auch später beim Kaiser Severus Alexander beliebt macht.

Nach dem Tod Caracallas beginnt Dio eine zehnjährige Sammlung von Stoff zur Erstellung einer Gesamtgeschichte Roms. Nachdem er genügend Material gesammelt hat, verfasst er zwölf Jahre lang die Geschichte Roms von Aeneas bis zu seinem Konsulat im Jahre 229 in 80 Büchern. Dieses deskriptive römische Geschichtswerk ist außerordentlich wertvoll, wird doch ein sehr großer Zeitraum in diesem genau beschrieben, wenn es auch die eigenen Gedanken Dios enthält. Mit diesem Werk hat sich Dio selbst verewigt und für die Nachwelt ein unglaublich ergiebiges Erbe hinterlassen.

Von diesem Werk sind allerdings nur noch die Bücher 36-60, sowie die Bücher 78-79 erhalten. Viele weitere Teile finden sich in Auszügen aus Ioannes Xiphilinos und Zonaras, ferner finden sich noch weitere Teile in den konstantinischen Exzerpten.[3] So ist auch der Teil über den Brand Roms, mit dem ich mich nun beschäftige, nur noch als Exzerpt erhalten.

2. Quelleninterpretation von Cass.Dio 62.16-18

Bei der Interpretation von Cass.Dio 62.16-18 werde ich der Frage nachgehen, ob Nero Rom angezündet hat und ob er dabei vom Untergang Trojas sang. Dafür werde ich neben dem angesprochenen Quellentext u.a. auch die überlieferten Quellen von Tacitus und Sueton zur Interpretation hinzuziehen, um ein möglichst differenziertes Bild von den Umständen des Brandes zu erhalten.

In den Abschnitten 16-18 seines 62. Buches der „Römischen Geschichte“ thematisiert Cassius Dio den Brand Roms, nennt Nero als Urheber und beschreibt die Situation während und nach dem Brand.

Zuerst geht Dio auf den vermeintlichen Urheber des Brandes ein. Er meint, dass es ein großer Wunsch des Neros ist, Rom zu vernichten, sodass dieser sich wie Priamos glücklich schätzen könne, die eigene brennende Stadt zu sehen.[4] Cassius Dio stellt Nero hierbei als verrückten Tyrannen dar, der sich über eine Brandkatastrophe, die er selbst gelegt habe, erfreut. Er geht sogar so weit, dass er Nero mit dem letzten trojanischen König Priamos in Verbindung setzt, der mit ansehen muss wie sein Vaterland Troja „untergeht“. Durch diesen Vergleich zeigt Dio einerseits die schwere Zerstörungskraft des Brandes und andererseits stellt er Nero damit als so vollkommen wahnsinnig dar, dass er nicht aus der römischen Geschichte gelernt habe und sein eigenes Vaterland vernichten wolle. Dies ist ein Bild von Nero wie es vollkommen typisch für das 2. und 3. Jahrhundert nach Christus ist, und darüber hinaus sich bis heute manifestiert hat.[5] Bei Sueton ist Nero ebenfalls der Urheber des Brandes, weil ihm die alten Gebäude und die Gassen nicht mehr gefallen haben sollen.[6] Tacitus dagegen äußert sich eher neutral, bei ihm kann es neben Nero ebenso der Zufall gewesen sein, der den Brand auslöste.[7] An diesen drei Quellenauszügen zeigt sich, dass die drei Autoren durchaus auf eine gemeinsame Quelle zugreifen, die jeder der Autoren anders aufgrund der unterschiedlichen Lebensumstände und Lebenszeiten interpretiert. Während Tacitus die Vermutung in den Raum stellt, dass Nero Rom angezündet habe, ist diese Gegebenheit bei Sueton und Cassius Dio schon ein historischer Fakt.

[...]


[1] Elbern, 2010, S. 156ff.

[2] Daten über Cassius Dio: Birley, in DNP 2

[3] ebd.

[4] Cass. Dio 62.16.1

[5] vgl. Elbern, 2010, S. 156ff.

[6] vgl. Suet. Nero 38.1: „nam quasi offensus deformitate veterum aedificiorum et angustiis flexurisque vicorum, incendit urbem tam palam“

[7] vgl. Tac. Ann. 15.38: „Es folgte nun ein Unglück bei dem es ungewiss ist, ob es auf Zufall oder auf die Heimtücke des Princeps zurückzuführen war“

Details

Seiten
11
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656725152
ISBN (Buch)
9783656725121
Dateigröße
520 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v279541
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Historisches Institut
Note
1,3
Schlagworte
Nero Großer Brand Rom Cassius Dio Sueton Tacitus Christenverfolgung Ermordung Goldenes Zeitalter Kaiser Verfolgung

Autor

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Titel: Nero. Ein Brandstifter und Preisender der Flammen?