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Bilanzanalyse und Rating am Beispiel der „BMW AG“

Bachelorarbeit 2013 48 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung
1.1 Was ist Rating?
1.2 Was ist das Ziel des Rating?
1.3 Exkurs Basel
1.3.1 Zielsetzung von Basel

2. Arten des Ratings
2.1 Internes Bankenrating
2.1.1 Wofür dient das interne Rating durch Banken?
2.1.2 Ablauf des internen Ratings
2.2 Externes Rating

3. Bilanzauswertung der Deutschen Bundesbank
3.1 Quantitative Analyse
3.2 Finanzflussrechnung
3.2.1 Finanzflussrechnung im Umsatzbereich
3.2.2 Finanzflussrechnung im Investitionsbereich
3.2.3 Finanzflussrechnung im Finanzbereich
3.3 Kennzahlenanalyse
3.3.1 Rentabilitätskennzahlen
3.3.2 Finanzwirtschaftliche Kennzahlen
3.3.3 Eigenkapital/Eigenmittel Kennzahlen
3.3.4 Ergänzende Kennzahlen
3.4 Zusammenfassende Erläuterung der Kennzahlen
3.5 Abschließende Bewertung
3.5.1 Branchenspezifische Diskriminanzanalyse
3.5.2 Expertensystem
3.5.3 Support Vector Machine (SVM)

4. Qualitative Jahresabschlussanalyse
4.1 Management und Struktur
4.2 Strategie
4.3 Produkte
4.4 Kunden und Lieferanten
4.5 Prozesse
4.6 Controlling
4.7 Risikomanagement
4.8 Finanzstatus und Finanzrisiken
4.9 Branchenanalyse

5. Abschließendes Bonitätsurteil

6. Beschreibung Analyseobjekt „BMW AG“
6.1 Kapitalflussrechnung der „BMW AG“
6.2 Rentabilitätskennzahlen der „BMW AG“
6.3 Finanzwirtschaftliche Kennzahlen der „BMW AG“
6.4 Eigenkapital/Eigenmittel Kennzahlen der „BMW AG“
6.5 Ergänzende Kennzahlen der „BMW AG“

7. Möglichkeiten und Grenzen der Beeinflussung des Rating
7.1 Möglichkeiten und Grenzen der Beeinflussung der quantitativen Daten
7.1.1 Verbesserung der Umsatzrendite und der Betriebsrendite
7.1.2 Verbesserung des Einnahmenüberschusses
7.1.3 Verbesserung der kurzfristigen Kapitalbindung
7.1.4 Verbesserung des Debitorenumschlag
7.1.5 Verbesserung des Kreditorenumschlag
7.1.6 Verbesserung der Eigenkapitalquote und der Eigenmittelquote
7.1.7 Verbesserung des Cashflows
7.1.8 Verbesserung der Gesamtrentabilität
7.1.9 Verbesserung der Eigenkapitalrentabilität
7.1.10 Verbesserung der Investitionsquote
7.1.11 Verbesserung des Verschuldungsgrad
7.1.12 Verbesserung des Anlagendeckungsgrad
7.2 Anmerkungen zur Beeinflussung der quantitativen Daten
7.3 Möglichkeiten und Grenzen der Beeinflussung der qualitativen Daten

8. Fazit

Abbildungsverzeichnis:

Abbildung 1: Grundkonzept von Basel 2 8 Quelle: Deutsche Bundesbank - Basel 2 http://www.bundesbank.de/Navigation/DE/Kerngeschaeftsfelder/Bankenaufsicht/Basel2/ba sel2.html

Abbildung 2: Ablauf der Bonitätsanalyse 12 Quelle: Deutsche Bundesbank - Beurteilung der Bonität von Unternehmen

Abbildung 3: Ablauf der Kapitalflussrechung 14 Quelle: Deutsche Bundesbank - Beurteilung der Bonität von Unternehmen

Tabellenverzeichnis:

Tabelle 1: Kapitalflussrechnung

Quelle: Deutsche Bundesbank - Beurteilung der Bonität von Unternehmen (Anhang 2)

Abkürzungsverzeichnis:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Viele Unternehmen beklagen sich über steigende Zinssätze und haben Probleme bei der Beschaffung von Fremdkapital. Diesen Unternehmen kann geholfen werden wenn sie sich gezielt auf ein Rating vorbereiten. Dazu werden verschiedene Maßnahmen erläutert die ein Unternehmen nutzen kann um ein bestmögliches Ratingergebnis zu erhalten.

Ein gutes Rating ist ein Garant für gute Verkäufe von Wertpapieren auf dem Aktienmarkt und einem niedrigen Kreditzinssatz bei den Geldhäusern. Aufsehen hat das Rating erregt als Länder wie Griechenland, Portugal und Spanien durch schlechte Rating Bewertungen immer weiter in die Krise hineingezogen wurden. Je schlechter die Lage des Landes umso höher werden die Zinsen für Kredite und somit wird es immer schwieriger aus diesem Sog wieder herauszukommen, dasselbe gilt für Unternehmen. Deutschland wurde vor schlechten Bewertungen in der Vergangenheit immer bewahrt, aber selbst Banken sind von einer schlechten Bewertung nicht ausgenommen wie man an der Lehman-Brothers-Pleite sehen konnte. Hier wurden Wertpapiere positiv bewertet obwohl die Lehman Brothers Bank kurz vor der Insolvenz stand. Das Rating hat dadurch viele Anleger in den Ruin getrieben. Aufgrund solcher Vorfälle ist das Rating in der Vergangenheit immer wieder in Kritik geraten.1

1.1 Was ist Rating?

Bei den Kreditinstituten wird das Rating meistens unter dem Begriff der „Bonitätsanalyse“ oder dem „Kreditrating“ verwendet. Dabei wird das Unternehmen einer Bonitätsanalyse unterzogen um sich ein Bild über die Bonität beziehungsweise über die Ausfallwahrscheinlichkeit eines Bankkredits machen zu können.

Das Rating ist in zwei unterschiedliche Gruppen einzuteilen. Zum einen wird das Rating bankintern betrieben um einen angepassten Zinssatz an die Ausfallwahrscheinlichkeit zu bekommen, der für jedes Unternehmen individuell berechnet wird. Hierbei versuchen die Banken eine bestmögliche Einschätzung zu treffen, um die Risiken einer Kreditvergabe zu berechnen. Je besser die Bewertung ausfällt desto niedriger ist der Zinssatz für Kredite der Unternehmen. Somit wird jedes mittelgroße und große Unternehmen in Deutschland welches einen Kredit haben möchte, von der jeweiligen Bank geratet. Die Ratings der Banken werden nach den Anforderungen von Basel 2 durchgeführt, an diese Regelungen müssen sich alle Banken halten. Da der Zinssatz in unterschiedlichen Fällen sehr hohe Abweichungen haben kann, ist die Bedeutung des Ratings für die Unternehmen zunehmend wichtiger geworden.2

Auf der anderen Seite gibt es das Externe Rating durch Ratingagenturen wie Standard & Poor´s, Moody´s oder Fitch aus Amerika. Diese drei Ratingagenturen sind die derzeit größten der Welt und haben durch ihre zunehmende Bedeutung auf den weltweiten Finanzmärkten immer mehr an Einfluss gewonnen. Die weltweiten Finanzmärkte bieten den Unternehmen durch Aktienverkäufe günstige Fremdfinanzierungsmittel und dies wird durch ein Rating verstärkt.

1.2 Was ist das Ziel des Ratings?

Das Rating verfolgt verschiedene Ziele für verschiedene Interessensgemeinschaften. Diese verschiedenen Interessensgemeinschaften bestehen aus den Anlegern, den Unternehmen und den Banken. Das Ziel des Ratings aus Sicht der Banken ist es, die Ausfallwahrscheinlichkeit eines Kredites für ein Kreditgeschäft zu berechnen. An dieser Ausfallwahrscheinlichkeit orientiert sich der Zinssatz für den Kredit. Somit bekommt der Kreditnehmer einen an seine Kreditwürdigkeit angepassten Zinssatz. Für die Bank bedeutet dies, dass sie eine höhere Sicherheit bei der Vergabe von Krediten hat, jedoch auch einen höheren Aufwand bei der Beurteilung der Kreditnehmer.3 Für die Unternehmen ist das Rating eine gute Basis um in Zukunft gezielte Unternehmensentscheidungen treffen zu können.

Die andere Interessensgemeinschaft sind die Anleger und Investoren auf den weltweiten Finanzmärkten. Viele von ihnen orientieren sich bei der Auswahl ihrer Investitionen am Aktienmarkt an den Rating Einschätzungen der großen Ratingagenturen. Der Auftrag zum Rating wird von den Unternehmen selbst bei den Ratingagenturen in Auftrag gegeben, denn ohne Rating wird kein Unternehmen auf dem weltweiten Finanzmarkt gehandelt.4 Ziel hierbei soll es sein, dem Anleger eine große Transparenz innerhalb einer Branche oder eines Marktes zu bieten. Somit können Unternehmen leicht miteinander verglichen werden, dem Anleger die Kaufentscheidung erleichtert.

Für die Höhe der Zinsen ist zum großen Teil die Eigenkapitalhinterlegung bestimmend. Dies Betrifft die erste Säule von Basel 2.

1.3 Exkurs Basel 2

Die weltweiten Finanzkrisen haben in der Vergangenheit die Unternehmen, Banken und Politiker zum Umdenken bewegt. Um mehr Sicherheit in unsere Wirtschaft und in die Finanzmärkte zu bekommen, wurde schon 1988 mit den Eigenkapitalregelungen von Basel 1 der erste Meilenstein in der Regulierung und Kontrolle der Banken gelegt. Neunzehn Jahre später kam Basel 2 als überarbeitete und erweiterte Version von Basel 1 heraus. Durch dieses neue Gesetz stieg die Relevanz des Ratings enorm an, denn durch das Rating wurde die Möglichkeit geschaffen die Eigenkapitalhinterlegung der Banken für Kreditgeschäfte zu senken. Dadurch konnten die Banken die Sicherheitsleistungen senken und das Geld woanders Gewinn bringender einsetzten. Für die Unternehmen bot sich durch Basel 2 die Chance, die Kreditzinsen durch ein gutes Rating deutlich zu senken. Dies ist vor allem in schlechten Zeiten ein wichtiger Faktor, denn die Banken passen die Zinsen regelmäßig und aktuell der wirtschaftlichen Situation des Unternehmens an. Bekommt das Unternehmen eine schlechte Bewertung weil es wirtschaftlicht nicht gut dar steht, so werden die Kreditzinsen entsprechend angehoben und das Unternehmen hat mit höheren Kosten zu rechnen die im Voraus nicht eingeplant wurden. Dies hat schon so manches Unternehmen tiefer in die Krise hineingezogen oder schlimmstenfalls in die Insolvenz gebracht.

Das interne Ratingsystem der Banken ist seit Anfang Januar 2007 gesetzlich europaweit an die Richtlinien von Basel 2 gebunden. Dies wird von den Banken auch einheitlich umgesetzt und die Beschlüsse von Basel 2 dienen als Grundlage eines internen Kreditratings. Dieser Beschluss sieht vor allem die Anwendung der neuen Eigenkapitalbestimmungen vor, bei denen die Eigenkapitalhinterlegung risikoabhängig berechnet wird. Nach Basel 1 wurde für jeden vergebenen Kredit eine Mindestkapitalhinterlegung der Banken für vergebene Kredite in Höhe von 8 % gefordert. Durch die neuen Regelungen nach Basel 2 ist es nun möglich die Anforderungen an die Eigenkapitalbestimmungen durch ein Rating zu senken.5

1.3.1 Zielsetzung von Basel 2

Prinzipiell wurde Basel 2 erschaffen um Kreditrisiken früh genug zu erkennen und um Kreditausfälle zu minimieren. Dadurch soll das Finanzsystem durch Sicherheit gestärkt werden, indem die Kapitalanforderungen je nach individuellem Risiko bemessen werden können. Auch die Unternehmenszahlen sollen in Zukunft noch Transparenter für Vergleiche zur Verfügung stehen. Dabei bilden die drei Säulen von Basel 2 die Grundlage zu diesem Beschluss. Die erste Säule umfasst die Eigenkapitalhinterlegung für Risiken bei der Kreditvergabe. In der zweiten Säule soll die Einhaltung der Bestimmungen von Basel durch eine Überwachung der Banken garantiert werden. Die dritte Säule umfasst die Veröffentlichung von Informationen um eine bessere Transparenz zu schaffen.6

Abbildung 1: Grundkonzept von Basel 2

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auf der Grundlage von Basel 2 werden die Ratings der Banken seit Anfang 2007 erstellt.

2. Arten des Ratings

Im folgenden Teil werden die verschiedenen Arten des Ratings beschreiben. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf das interne Rating gelegt, da dieses in Deutschland weitaus verbreiteter ist als das externe Rating und dadurch auch eine höhere Relevanz bei den Unternehmen hat.

2.1 Internes Rating

Das interne Rating wird unter anderem mit den Begriffen „Kreditrating“ oder auch„Scoring“ verwendet. Es beinhaltet verschiedene Elemente der Unternehmensanalyse wie zum Beispiel die Kennzahlenanalyse. Das „Scoring“ wird im Zusammenhang mit Kreditwürdigkeitsprüfung von natürlichen Personen verwendet. Das „Rating“ hingegen wird für die Zielgruppe von unnatürlichen Personen also Unternehmen verwendet. (wie zum Bespiel: GmbH, AG)7 Speziell das interne Rating der Banken ist für alle Unternehmen von großer Wichtigkeit, die sich Geld bei einem Kreditinstitut leihen wollen.

2.1.1 Wofür dient das interne Rating durch Banken?

Das Rating dient den Banken als Einschätzung der Bonität eines Kreditnehmers. Dadurch wird festgelegt wie hoch die Ausfallwahrscheinlichkeit für ein Kreditgeschäft ist. Dadurch kann die Bank ihr eigenes Risiko für die Kreditvergabe in Zahlen festhalten und somit einen individuellen Zinssatz für den Kreditnehmer aufstellen. Je nach Risikobemessung muss die Bank für die Kreditvergabe eine Eigenkapitalhinterlegung vornehmen. Dadurch bemisst sich der Zinssatz nach dem Risiko für den möglichen Ausfall des vergebenen Kredites.

Das Rating kommt aber nicht nur den Kreditinstituten zu gute, die eine höhere Sicherheit bei der Kreditvergabe haben. Sondern das Rating bietet den Kreditnehmern auch die Möglichkeit die Zinsen für Kredite deutlich zu senken, wenn das Kreditnehmende Unternehmen dementsprechend gute Bilanzzahlen aufweist. Wenn sich die Bonität des Kreditnehmers allerdings verschlechtern sollte, wird der Zins durch einen Risikoaufschlag angehoben.8 Somit bietet das Rating für beide Seiten die Möglichkeit eine faire Kreditvergabe zu garantieren, die niemanden der beiden Seiten benachteiligt.

2.1.2 Ablauf des internen Ratings

Das interne Rating wird von der Bank durchgeführt wenn ein Unternehmen einen Kredit aufnehmen möchte. Sobald ein Unternehmen einen Kreditantrag stellt, wird die Bank die erforderlichen Unternehmenszahlen und weitere Informationen über dieses Unternehmen anfordern. Wenn alle Informationen vollständig sind, analysiert das Kreditinstitut die eingegangenen Informationen und erstellt ein Zeugnis. Dieses bildet dann die Grundlage für die Berechnung des Kreditrisikos und des damit zusammenhängenden Zinssatzes. Dafür verwendet jedes Kreditinstitut seine eigenen Ratingmethoden, diese unterscheiden sich jedoch nur geringfügig. Die Banken verwenden häufig verschiedene Notationen und sind nicht auf den ersten Blick vergleichbar.9

Um eine neutrale und objektive Ratinganalyse durchzuführen zu können, wird im folgendem die „Bonitätsanalyse der deutschen Bundesbank“ verwendet. Jede Bank verfolgt ihre eigenen Ratingziele und diese unterscheiden sich oftmals voneinander. Die „Bonitätsanalyse der Deutschen Bundesbank“ ist europaweit anerkannt und dient den Banken als Orientierungshilfe bei der Bewertung der Kreditnehmer. Als Bewertungsgrundlage muss das Kreditnehmende Unternehmen eine zeitnahe Bilanz und eine Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) einreichen. Diese wird dann von dem Kreditinstitut analysiert und anschließend mit einer Note bewertet. Diese Note spiegelt das Gesamtbild über die Bonität des Kreditnehmers wieder. Besonders Augenmerk wird dabei auf die Innenfinanzierungskraft, das Eigenkapital und auf die Rentabilität des Unternehmens gelegt.10

2.2 Externe Ratings

Externe Ratings dienen meistens dem Zweck Wertpapiere zu bewerten um den Anlegern eine Hilfestellung beim Kauf oder Verkauf zu geben. Die externen Ratings beinhalten im Gegensatz zu den internen Ratings auch Zukunftsprognosen. Das externe Rating wird vom Unternehmen selbst bei der Ratingagentur in Auftrag zu geben und auch bezahlt. Die hier entstehende Abhängigkeit führte in der Vergangenheit immer wieder zu Diskussionen über das externe Rating. Ein externes Rating wird für die Unternehmen meist erst dann relevant, wenn die Unternehmen Fremdkapital mit Hilfe von Aktienverkäufen realisieren wollen. Eine gute Ratingbeurteilung kann die Aktienverkäufe und den Wert der Aktien positiv beeinflussen. Das externe Rating wird in Deutschland nur an weinigen großen Unternehmen durchgeführt, da die Kosten enorm hoch sind.11

Das externe Rating wird nicht weiter in meiner Arbeit nicht weiter erörtert, da es vom Umfang her den Rahmen sprengen würde. Zudem besitzt das interne Rating in Deutschland eine größere Relevanz, da jedes Unternehmen in Deutschland vor einer Kreditvergabe von einem Kreditinstitut mittels eines internen Ratings benotet wird.

3. Bilanzauswertung der Deutschen Bundesbank

Die Bilanzauswertung besteht in der Praxis aus zwei verschiedenen Informationsteilen. Zum einen aus der Beurteilung der qualitativen Daten und zum anderem aus der Beurteilung der quantitativen Daten (Jahresabschlusszahlen).

Abbildung 2: Ablauf der Bonitätsanalyse

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die quantitativen Zahlen werden mittels einer Kennzahlenanalyse ausgewertet, die je nach Größe eine vordefinierte Bedeutung haben. Um die Jahresabschlusszahlen um hohe Abweichungen zu bereinigen, wird die branchenspezifische Diskriminanzanalyse mit zur Hilfe herangezogen. Die Kennzahlen des Unternehmens werden mit anderen branchengleichen Unternehmen verglichen werden. Hierbei gibt es Kappungsgrenzen, die besonders hohe Abweichungen nach oben oder unten eliminieren sollen. Die qualitativen Daten werden durch ein Notensystem bewertet und anschließend zusammen mit den quantitativen Daten in das Expertensystem eingeführt. Dort werden die Ergebnisse in einer Gesamtkennzahl zusammengeführt.

Die Support Vector Machine (SVM) dient als ergänzendes Mittel zum Expertensystem und kommt nur dann zur Anwendung, wenn der ermittelte Gesamtindikator aus dem Expertensystem im oberen Bereich einer so genannten „Grauzone“ liegt. Dadurch kommt die SVM nur selten zum Einsatz.

Sobald das Expertensystem und die SVM abgeschlossen wurden, werden die Ergebnisse einer Rangstufe zugeordnet. Wenn alle Daten mittels der Rangstufen bewertet wurden, kann ein abschließendes Gesamturteil gebildet werden.

Die Deutsche Bundesbank unterteilt die Rangstufen in acht Noten ein. Dabei bildet die Note „1“ die höchste Bonitätsstufe und die „8“ die schlechteste Bonitätsstufe. Die Rangstufen von eins bis vier werden als „Notenbankfähig“ bezeichnet und die restlichen Rangstufen von fünf bis acht werden als „nicht Notenbankfähig“ bezeichnet.12

3.1 Quantitative Analyse (Jahresabschlussanalyse)

Hauptbestandteil einer Bonitätsanalyse ist die Beurteilung der Quantitativen Daten. Diese bilden die wichtigste Säule im Gesamturteil über die Bonität eines Unternehmens.

Die Quantitative Analyse befasst sich mit den Unternehmenszahlen aus der Bilanz und der GuV. Hierbei werden auf Basis des Jahresabschlusses verschiedene Analysen durchgeführt. Zuerst wird eine Finanzflussrechnung erstellt, die sich über den Umsatzbereich, den Investitionsbereich und den Finanzbereich erstreckt. Anschließend wird eine Kennzahlenanalyse durchgeführt um Aussagen über die Rentabilität des Kreditnehmers treffen zu können. Die Kennzahlen werden auf Basis des Jahresabschlusses ermittelt. Im weiteren Verlauf wird eine Diskriminanzanalyse durchgeführt, welche alle relevanten Kennzahlen mit anderen Unternehmen aus der gleichen Branche vergleicht.13

3.2 Finanzflussrechnung

Die Finanzflussrechnung wird auch unter dem Begriff „Kapitalflussrechnung“ oder „Cashflow“ verwendet. Die Finanzflussrechnung wird in die „direkte Methode“ und die „indirekte Methode“ unterteilt. Die Finanzflussrechnung wird benutzt um die Finanzlage eines Unternehmens genauer zu betrachten und dadurch Schlüsse über die Herkunft und die Verwendung von Geldmitteln ziehen zu können. Aufgebaut ist diese in drei Teile, sie umfasst im ersten Teil den Umsatzbereich, also das operative Geschäft. Als zweiten Teil den Investitionsbereich und als dritten Teil den Finanzbereich. Anschließend erhält man als Ergebnis die liquiden Mittel, die darüber Auskunft geben, wie viele Zahlungsmittel tatsächlich zur Verfügung stehen. Die Finanzflussrechnung der Deutschen Bundesbank baut auf den üblichen Ansätzen der indirekten Cashflow-Analyse auf.14 Als Grundlage meiner Analyse verwende ich die Vorgehensweise der Deutschen Bundesbank, da diese speziell für die Beurteilung von Kreditnehmern entwickelt wurde.15

Abbildung 3: Ablauf der Kapitalflussrechung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.2.1 Finanzflussrechnung im Umsatzbereich

Die Finanzflussrechnung im Umsatzbereich gibt einen Überblick über den wirtschaftlichen Erfolg in der aktuellen Periode. Der Umsatzbereich ist die Quelle aller Geldmittel und damit für die Finanzflussanalyse von großer Bedeutung. Um einen Eindruck zu bekommen wie viel Geld aus dem operativen Geschäft tatsächlich zur Verfügung steht werden die Zahlen aus der GuV um Einnahmen und Ausgaben bereinigt, die keinen tatsächlichen Geldzufluss oder Geldabfluss zur Folge haben. Nur Einzahlungen und Auszahlungen haben Einfluss auf die Liquidität eines Unternehmens und sind somit relevant für die Finanzflussrechnung.

Ausgegangen wird von dem Betriebsergebnis aus der GuV. Dieses wird nun in den weiteren Schritten um die nachfolgenden Posten bereinigt, so dass man einen genaueren Einblick in die finanzielle Lage des Unternehmens erhält. Korrigiert wird das Betriebsergebnis um folgende Posten:

1. Angefangen wird mit den Abschreibungen, diese sind ein buchhalterischer Aufwand und verursachen keinen Geldmittelentzug durch eine Ausgabe. Sie mindern zwar den Gewinn, verzehren jedoch kein Geld. Sie sind deshalb dem Betriebsergebnis hinzuzurechnen.
2. Bei den Rückstellungen ist der Saldo aus der Zuführung und der Reduzierung von Rückstellungen zu bilden. Da es sich hier ebenfalls um Aufwendungen handelt und nicht um Ausgaben, muss ein positiver Rückstellungssaldo dem Betriebsergebnis hinzugerechnet und ein negativer Rückstellungssaldo abgezogen werden.
3. Eigene Erzeugnisse müssen bei einem positiven Saldo vom Betriebsergebnis abgezogen werden, da sie noch nicht verkauft sind und somit auch nicht zu einer Geldeinnahme führen.
4. Erhaltene Anzahlungen sind vorgezogene Erlöse außerhalb der Erfolgsrechnung und sie werden zum Ergebnis addiert. Sie müssen im nächsten Jahresabschluss dann wieder abgezogen werden.
5. Die Übrigen Posten sind alle weiteren Konten, die mit dem operativen Bereich in Verbindung stehen. Auch sie müssen korrigiert werden wenn sie keine Einnahme oder Auszahlung bewirken.16

Wenn nun alle Vorfälle verarbeitet wurden erhält man bei positivem Ergebnis einen „Einnahmenüberschuss“ und bei negativem Ergebnis einen „Ausgabenüberschuss“. Dieser wird als Cashflow aus der laufenden Geschäftstätigkeit bezeichnet. Im weiteren Vorgehen werden noch die Posten korrigiert, die sich auf die Ergebnisverwendung beziehen.

6. Gewinnabführungen und Gewinnausschüttungen verkleinern den Bestand an flüssigen Mitteln und müssen somit vom Ergebnis abgezogen werden. Verlustabführungen in Form von Fremdmittelzuschüssen müssen dem Ergebnis hinzugerechnet werden, da sie den Bestand an flüssigen Mitteln erhöhen.
7. Forderungen aus Lieferungen und Leistungen und sonstige Forderungen und Vermögensgegenstände müssen bei einer Zunahme vom Einnahmenüberschuss abgezogen werden. Sie führen erst zu einer Erhöhung der Liquidität wenn ein Zahlungseingang erfolgt.

Wenn diese Vorgänge verarbeitet wurden, ist die Finanzflussrechnung im Umsatzbereich soweit abgeschlossen. Errechnet wurde hiermit bei positivem Ergebnis der „Verfügbare Umsatzüberschuss“ und bei negativem Ergebnis der „Verfügbare Umsatzfehlbetrag“. Die Ergebnisse dienen später als Grundlage für die Kennzahlenanalyse.17

[...]


1 Vgl. http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/europas-schuldenkrise/schuldenkrise-die-macht-der-grossen- ratingagenturen-12115.html

2 Vgl. Büschgen/Everling, Handbuch des Ratings 2.Auflage, Gabler Verlag 2007, S. 6

3 Vgl. Büschgen/ Everling, Handbuch des Ratings 2.Auflage, Gabler Verlag 2007, S. 5

4 Vgl. Guido del Mestre - Rating Leitfaden, Bankverlag Köln, S.11

5 Vgl.Büschgen/Everling, Handbuch des Ratings 2.Auflage, Gabler Verlag 2007, S. 69

6 Vgl.Büschgen/Everling, Handbuch des Ratings 2.Auflage, Gabler Verlag 2007, S. 70

7 Vgl. Karsten Füser; Intelligentes Scoring und Rating; Gabler Verlag 2011, S.37

8 Vgl. Büschgen/ Everling, Handbuch des Ratings 2.Auflage, Gabler Verlag 2007, S.31

9 Vgl. Büschgen/ Everling, Handbuch des Ratings 2.Auflage, Gabler Verlag 2007, S.42

10 Vgl. Deutsche Bundesbank - Beurteilung der Bonität von Unternehmen S.4-6

11 Vgl. Büschgen/ Everling, Handbuch des Ratings 2.Auflage, Gabler Verlag 2007, S.277

12 Vgl. Deutschen Bundesbank - Bonitätsanalyse Kurzübersicht

13 Vgl. Deutschen Bundesbank - Bonitätsanalyse Kurzbersicht

14 Vgl. Coenenberg/Haller/Schultze - Jahresabschlussanalyse S.769 ff

15 Vgl. Deutsche Bundesbank - Beurteilung der Bonität von Unternehmen S.7

16 Vgl. Deutsche Bundesbank - Beurteilung der Bonität von Unternehmen S.9

17 Vgl. Deutsche Bundesbank - Beurteilung der Bonität von Unternehmen S.9

Details

Seiten
48
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656854937
ISBN (Buch)
9783656854944
Dateigröße
804 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v279518
Institution / Hochschule
Technische Hochschule Köln, ehem. Fachhochschule Köln – Wirtschaftswissenschaften
Note
2,0
Schlagworte
bilanzanalyse rating beispiel möglichkeiten grenzen beeinflussung ratings

Autor

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Titel: Bilanzanalyse und Rating am Beispiel der „BMW AG“