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International Classification of Disability Functioning and Health

Ausarbeitung 2013 13 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Überblick - Grenzen der ICD und Ansatz der ICF

2. Begrifflichkeit und Modell der ICF

3.Ziele der ICF

4.Geltungs- und Anwendungsbereich der ICF in der Praxis

5.Das bio-psycho-soziale Modell der ICF

6. Die Komponenten der ICF
6.1 Konzept der Kontextfaktoren
6.2 Konzept der Körperfunktionen und Körperstrukturen
6.3 Konzept der Aktivitäten
6.4 Das Konzept der Teilhabe

7.Kodierungsleitlinien und Beurteilungsmerkmale
7.1 Beurteilungsmerkmal für Items der Klassifikation der Körperfunktionen
7.2 Beurteilungsmerkmale für Items der Klassifikation der Körperstrukturen
7.3 Beurteilungsmerkmale für Items der Klassifikation der Aktivitäten/Teilhabe

8.Die Grenzen der ICF

9.Literaturverzeichnis

1. Überblick - Grenzen der ICD und Ansatz der ICF

Die ICD, International Classification of Diseases, kann als international anerkannte Sprache verstanden werden, die es ermöglicht, Krankheitsphänomene für alle professionellen Gruppen im Gesundheitswesen auf die gleiche Weise zu benennen und verständlich zu machen. Durch diese einheitliche Benennung durch die ICD wird eine eindeutige Kommunikation über Krankheitsbilder innerhalb und zwischen Professionen und Institutionen möglich. Bei der ICD handelt es sich allerdings um einen Ansatz, der auf einem rein bio-medizinischen Modell beruht. Das heißt die Verständigung mit ausschließlicher Hilfe der ICD stößt dort an ihre Grenzen, wo nicht mehr die Krankheit selbst im Zentrum steht, sondern die funktionalen Probleme und negativen Auswirkungen, die mit der Krankheit einhergehen und die sich auf das Leben des Betroffenen auswirken (vgl. Schuntermann, M.F., S.1). „Funktionale Probleme sind z.B. Beeinträchtigungen in den Bereichen der Mobilität, der Kommunikation, der Selbstversorgung, des häuslichen Lebens, der Interaktion mit anderen Menschen oder des Erwerbslebens“ (Schuntermann, M.F., S.1).

Aus der zunehmenden Bedeutung funktionaler Probleme, dem Management dieser Probleme im sozialen Sicherungssystem und der Intervention gegen diese Probleme, ergibt sich die Notwendigkeit, auch für funktionale Beeinträchtigungen eine international anerkannte und einheitliche Sprache zu verwenden, wie dies bereits bei der ICD der Fall ist (vgl. Schuntermann, M.F., S.1).

„Eine einheitliche Sprache dient … der eindeutigen Beschreibung krankheits- oder altersbedingter funktionaler Probleme als Voraussetzung für eine gezielte Prävention und Intervention“ (Schuntermann, M.F., S.1). An dieser Stelle greift die ICF, die international classification of functioning, disability and health. Sie wurde im Jahr 2001 von der Vollversammlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verabschiedet. Sie stellt eine Ergänzung zur ICD dar (vgl. Schuntermann, M.F., S.1).

„Im Neunten Buch des Sozialgesetzbuches (SGB IX) – Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen – wurden wesentliche Aspekte der ICF unter Berücksichtigung der in Deutschland historisch gewachsenen und anerkannten Besonderheiten aufgenommen. Die zum 1. April 2004 in Kraft getreten Richtlinien über Leistungen zur medizinischen Rehabilitation (Rehabilitations-Richtlinien) nach § 92 Abs. 1 Satz 2 Nr. 8 SGB V des Gemeinsamen Bundesausschusses stellen auf die ICF ab. Die Gemeinsame Empfehlung nach § 13 Abs. 1 i.V.m. § 12 Abs. 1 Nr. 4 SGB IX für die Durchführung von Begutachtungen möglichst nach einheitlichen Grundsätzen (Gemeinsame Empfehlung „Begutachtung“) der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation, die am 01. Juli 2004 in Kraft getreten ist, basiert ebenfalls auf der ICF“ (Schuntermann, M.F., S.1-2).

2. Begrifflichkeit und Modell der ICF

Das Modell der ICF (International Classification of Functioning, Disability and Health) befasst sich mit Aspekten der funktionalen Gesundheit.

„Danach gilt eine Person als funktional gesund, wenn – vor ihrem gesamten Lebenshintergrund (Konzept der Kontextfaktoren):

a) ihre körperlichen Funktionen (einschließlich des geistigen und seelischen Bereichs) und ihre Körperstrukturen allgemein anerkannten (statistischen) Normen entsprechen (Konzept der Körperfunktionen und -strukturen),
b) sie all das tut oder tun kann, was von einem Menschen ohne Gesundheitsproblem (ICD) erwartet wird (Konzept der Aktivitäten), und
c) sie ihr Dasein in allen Lebensbereichen, die ihr wichtig sind, in der Weise und dem Umfang entfalten kann, wie es von einem Menschen ohne Beeinträchtigung der Körperfunktionen oder -strukturen oder der Aktivitäten erwartet wird (Konzept der Teilhabe an Lebensbereichen)“ (Schuntermann, M.F, S. 2).

Mit dem Modell der ICF wird die rein bio-medizinische Betrachtungsweise verlassen, das heißt im Zentrum steht nicht mehr die Ebene des Organismus mit seinen Körperfunktionen und –strukturen, sondern zusätzlich rücken Aspekte des Menschen als handelndes Subjekt und als selbstbestimmtes und gleichberechtigtes Subjekt in Gesellschaft und Umwelt in den Mittelpunkt. Besonders für den Bereich der Rehabilitation ist diese Sichtweise von zentraler Bedeutung. So werden nämlich gleichsam mit der Aktivität und der Teilhabe der betreffenden Person auch deren Kontextfaktoren in die Betrachtung einbezogen. Unter Kontextfaktoren sind alle externen Gegebenheiten der Welt zu verstehen, in denen die betreffende Person lebt (Umweltfaktoren), sowie ihre persönlichen Eigenschaften (personenbezogene Faktoren). Diese Kontextfaktoren können sich sowohl positiv als auch negativ auf die funktionale Gesundheit auswirken und sind daher bei der Rehabilitation zu berücksichtigen (vgl. Schuntermann, M.F., S.2).

„Im Gegensatz zum bio-medizinischen Modell (ICD) wird in der ICF der Zustand der funktionalen Gesundheit einer Person als das Ergebnis der Wechselwirkung zwischen der Person mit einem Gesundheitsproblem (ICD) und ihren Kontextfaktoren (bio-psycho-soziales Modell der ICF) aufgefasst.“ (Schuntermann, M.F., S. 2)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eine Beeinträchtigung der funktionalen Gesundheit einer Person ergibt sich aus der negativen Wechselwirkung zwischen dem Gesundheitsproblem einer Person und ihren Kontextfaktoren. In der ICF wird jede Beeinträchtigung der funktionalen Gesundheit Behinderung genannt.

3. Ziele der ICF

Die ICF verfolgt als sogenannte „Mehrzweckklassifikation“ eine Reihe von spezifischen Zielen. So möchte sie eine wissenschaftliche Basis zur Verfügung stellen um zu einem verbesserten Verständnis von Gesundheit sowie gesundheitsbezogenen Zuständen, Folgen und Einflussgrößen zu gelangen (vgl. ICF 2004, S. 11). Weiterhin soll durch dieses Klassifikationssystem eine gemeinsame Sprache geschaffen werden, die der Beschreibung von allen auf die Gesundheit bezogenen Zuständen dient und die Kommunikation zwischen Fachleuten im Gesundheitswesen, Forschern, Politikern und der Öffentlichkeit inkl. der Menschen mit Behinderungen zu verbessern soll (vgl. ICF 2004, S. 11). Darüber hinaus verfolg die ICF auch das Ziel, ein systematisches Verschlüsselungssystems für Gesundheitsinformationssysteme zur Verfügung zu stellen und den Datenvergleich zwischen Disziplinen im Gesundheitswesen, Gesundheitsdiensten und Ländern zu erleichtern. Da der Bedarf an der ICF sowie deren Anwendung die Entwicklung eines sinnvollen und anwendbaren Systems erfordert, das von unterschiedlichen Anwendern auf den Gebieten der Gesundheitspolitik, Qualitätssicherung und Ergebnisevaluation sowie unterschiedlichen Kulturen genutzt werden kann, stehen all diese Ziele eng miteinander in Verbindung (vgl. ICF 2004, S. 11).

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Details

Seiten
13
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656731771
ISBN (Buch)
9783656731740
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v279474
Institution / Hochschule
Hochschule Koblenz (ehem. FH Koblenz)
Note
1,0
Schlagworte
international classification disability functioning health
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Titel: International Classification of Disability Functioning and Health