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Voting Advice Applications. Der Einfluss des Wahl-O-mat auf die Wahlen in Deutschland

Hausarbeit 2013 9 Seiten

Politik - Grundlagen und Allgemeines

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Voting Advice Applications
2.1 Enstehung des Wahl-O-Mat
2.2 Funktionsweise des Wahl-O-Mat
2.3 Entwickelung des Wahl-O-Mat

3. Der Wahl-O-Mat und Wahlverhalten

4. Effekte des Wahl-O-Mat

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Internet hat in den letzten Jahrzehnten die politische Kommunikation in den westlichen Demokratien wesentlich verändert. Neben den traditionellen Medien wuchs es zu einem, bei Wahlkämpfen ausschlaggebend gewordenem, Medium heran. So finden sich im Internet neben den vielen Webseiten der Parteien auch andere Quellen für politische Informationen, zum Beispiel interaktive Programme wie die sogenannten Voting Advice Applications.1

Im folgenden wird erklärt, was genau unter Voting Advice Applications (VAA's) zu verstehen ist und welchen Einfluss sie auf das Wahlverhalten der Menschen haben, die sie nutzen. Dazu wird der deutsche Wahl-O-Mat als Beispiel herangezogen und untersucht. Insbesondere auf die Frage, ob sich das Wahlverhalten in Deutschland seit seiner Einführung geändert hat und warum.

Hierbei sollen verschiedene Aspekte aufgezeigt und erklart werden, die unmittelbaren Einfluss auf die Fragestellung nehmen. Dabei wird im ersten Teil zunächst der Wahl-O- Mat, seine Entstehung und seine Funktionsweise explizit erklärt. Im zweiten Teil wird durch das Heranziehen einer Umfrage erläutert, wer den Wahl-O-Maten überhaupt nutzt, welche unmittelbaren Effekte er erzielt und ob er eine mobilisierende Wirkung auf seine Nutzer hat.

2. Voting Advice Applications

VAA's sind im Internet zugängliche Programme, die den Nutzern vor Wahlen eine Orientierungshilfe bei der Wahlentscheidung geben sollen. Nutzer können über die VAA's ihre eigenen Ansichten zu bestimmten politischen Themen mit denen verschiedener Parteien vergleichen. Dabei entsteht eine Art „voting advice“ in Form einer Rangliste, an deren oberster Stelle die Partei steht, mit der der Nutzer die häufigsten Übereinstimmungen der Antworten hat. Die VAA's sollen des Wählers Interesse an politischen Angelegenheiten erhöhen und ihn zum politischen Austausch mit anderen bewegen.2

In Europa gibt es viele verschiedene VAA's, die alle ähnlich aufgebaut sind. Zu den besonders erfolgreichen gehören: "StemWijzer" und "Kieskompas" (Niederlande), "Wahlkabine" (Österreich), "smartvote" (Schweiz), der "VoteMatch UK" (Großbritannien) und "Yleisradiossa" (Finnland). In Deutschland ist es der Wahl-O-Mat.3

2.1 Enstehung des Wahl-O-Mat

„Die Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) ist eine nichtrechtsfähige Bundesanstalt im Geschäftsbereich des Bundesministeriums des Innern.“4 Ihre Aufgabe ist es, den Menschen politische Sachverhalte näher zu bringen, das Demokratieverständnis zu stärken, sowie das Interesse an politischer Mitarbeit zu fördern.5

In Zusammenarbeit mit einer unabhängigen Redaktion aus jungen Erwachsenen und dem niederländischen ProDemos, einer Stiftung für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, hat die BpB den Wahl-O-Maten entwickelt.

Die Grundlage des Wahl-O-Maten ist das niederländische Programm StemWijzer, ein von ProDemos entwickelter Test, der einem hilft, seine persönlichen Ansichten mit denen von Parteien zu vergleichen.6 Der StemWijzer existiert bereits seit 1985. Zunächst war er in Papierform im Umlauf, später auf Disketten und ab 1998 im Internet.7 In Deutschland wurde der Wahl-O-Mat zum ersten mal bei den Bundestagswahlen 2002 eingesetzt. Hierbei wurde er 3,6 Millionen mal gespielt. Am häufigsten wurde mit 6,7 Millionen mal vor der Bundestagswahl 2009 gespielt. Seit dem wurde er bei vielen Landtagswahlen, Europa- und Bundestagswahlen eingesetzt. Insgesamt wurde er vor Wahlen rund 24 Millionen mal gespielt.8

Der Wahl-O-Mat gilt mittlerweile als ein sehr beliebtes Online-Tool. Was könnten die Gründe dafür sein? Zum einen sicherlich sein Unterhaltungsfaktor. So gaben 90 Prozent der Nutzer an, es hätte Spaß gemacht, das Programm durchzuspielen. Der überraschende Moment, der nach Berechnung der Ergebnisse auftritt, sei interessant. Ein weiterer Grund könnte die einfache Bedienung des Tools sein, da die meisten Nutzer bereits mit OnlineUmfragen oder ähnlichem vertraut sind.

Allerdings verbirgt sich hinter dem scheinbar einfachen Konzept des Wahl-O-Maten eine sehr komplexe und auch zugleich teure Prozedur. Insbesondere die Erarbeitung der Thesen findet in einem höchst anspruchsvollen Rahmen statt und ist ein komplizierter Prozess, der einige Monate vor dem Onlinestellens des Tools startet.9

2.2 Funktionsweise des Wahl-O-Mat

Der Wahl-O-Mat zeigt dem Nutzer, nach Beantwortung einer Anzahl von Thesen, die im entsprechenden Wahlkampf eine große Rolle spielen, inwiefern seine eigenen Ansichten mit denen der von ihm zum Vergleich ausgewählten Parteien übereinstimmen. Die Anzahl der Thesen variiert zwischen 30 und 40 Stück. Diese Thesen kann der Nutzer entweder mit „stimme zu“, „stimme nicht zu“ , „neutral“ beantworten oder die These Überspringen. Außerdem können Nutzer den Thesen, die ihnen sehr wichtig sind, eine höhere Gewichtung vor der Berechnung zuteilen.

Die Thesen werden von der Redaktion auf Grundlage der vorliegenden Wahlprogramme erarbeitet und zunächst den Parteien zum Beantworten gegeben. Die Parteien können zu jeder einzelnen These außerdem eine Erklärung für ihr „Ja“ oder „Nein“ abgeben. Beim Erarbeiten der Thesen wird darauf geachtet, dass sie bezeichnend für die verschiedenen Parteien sind, dass die Parteien dazu bewegt sind, unterschiedlich zu antworten und, dass sie für die Wählerschaft relevant und leicht zu verstehen sind.

Nachdem der Nutzer zu allen Thesen Stellung genommen hat, berechnet der Wahl-O-Mat die Übereinstimmung mit den verschiedenen Parteien und erstellt eine Rangliste, an deren obersten Stelle die Partei steht, mit der die größte Übereinstimmung erreicht wurde. Dem Nutzer wird am Ende auch die Möglichkeit gegeben die einzelnen Erklärungen der Parteien zu den jeweiligen Thesen einzusehen.10

30 bis 40 Thesen erfassen zwar viele Themen, doch können nicht alle für jeden individuell wichtigen Aspekte aufgegriffen werden. Außerdem korrigiert es das Programm nicht, wenn auf eine These eine Antwort gegeben wird, die sich mit der Antwort einer anderen These widerspricht. Demzufolge kann der Wahl-O-Mat keine konkrete Empfehlung, welche Partei der Nutzer nun wählen soll, erstellen. Er bietet lediglich eine Orientierung und eine Einführung in eine sachpolitische Auseinandersetzung mit den Parteien.11

2.3 Entwickelung des Wahl-O-Mat

Seit 2002 hat sich nicht nur das Design des Wahl-O-Maten geändert, es wurden auch zusätzliche Auswertungs- und Informationsmöglichkeiten integriert sowie didaktische Materialien für den Schulunterricht entwickelt und online gestellt. Außerdem nahm die BpB bis einschließlich 2008 nur die Parteien in den Wahl-O-Maten auf, die bereits im Wahl-O-Mat, in: Cedroni, Lorella / Garzia, Diego (Hrsg.), Voting Advice Applications in Europe. The State of the Art, Neapel 2010, S. 69.

[...]


1 Vgl. Cedroni, Lorella / Garzia, Diego (Hrsg.), Voting Advice Applications in Europe. The State of the Art, Neapel 2010, S.9.

2 Vgl. Ebd.

3 Vgl. Marschall, Stefan, Wahlen, Wähler, Wahl-O-Mat, in: APuZ 4 (2011), S. 41.

4 http://www.bpb.de/die-bpb/51244/der-bpb-erlass [Zugegriffen am 18.12.2013]

5 Vgl. http://www.bpb.de/die-bpb/51743/demokratie-staerken-zivilgesellschaft-foerdern [Zugegriffen am 18.12.2013].

6 Vgl. https://www.wahl-o-mat.de/bundestagswahl2013/popup_faq.php? wombundestagswahl2013=db6c811199f7bc35e93793412b0efe1c&servername=www.wahl-o-mat.de#qe2 [Zugegriffen am 15.12.2013].

7 Vgl. Marschall, Stefan, Idee und Wirkung des Wahl-O-Mat, in: APuZ 51-51 (2005), S. 41.

8 Vgl. https://www.wahl-o-mat.de/bundestagswahl2013/popup_faq.php? wombundestagswahl2013=db6c811199f7bc35e93793412b0efe1c&servername=www.wahl-o-mat.de#qe2 [Zugegriffen am 15.12.2013].

9 Vgl. Marschall, Stefan; Schmidt, Christian K., The Impact of Voting Indicators: The Case of the German

10 Vgl. Marschall, Idee und Wirkung des Wahl-O-Mat, S. 42.

11 Vgl. Marschall, Wahlen, Wähler, Wahl-O-Mat, S. 46.

Details

Seiten
9
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656733188
ISBN (Buch)
9783656733164
Dateigröße
452 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v279447
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Institut für Politikwissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Voting Advice Aplication Wahl-O-Mat

Autor

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Titel: Voting Advice Applications. Der Einfluss des Wahl-O-mat auf die Wahlen in Deutschland