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Rezension zu Peter Michelsen: Der Bruch mit der Vater-Welt. Studien zu Schillers "Räubern"

von J A C (Autor)

Rezension / Literaturbericht 2014 5 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Rezension eines wissenschaftlichen Aufsatzes

Bezugsquelle: Michelsen, Peter: Der Bruch mit der Vater-Welt. Studien zu Schillers „Räubern“. Heidelberg: Carl Winter, 1979. S. 71–107.

In seinen Studien zu Schillers Räubern benennt Peter Michelsen das Motiv der feindlichen Brüder, als zentrales Mittel, durch das der Dualismus, welcher die Aufklärung kennzeichnet, dramatisiert wird.

Durch die zeitlich ineinander übergreifenden Strömungen der Aufklärung, der Empfindsamkeit und des Sturm und Drangs, welcher vor allem im Gegenspiel durch Herz und Verstand ausgedrückt wird, werden die feindlichen Brüder zum Normkonflikt dieser Zeiten (71).

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dieser These und mit der Argumentation Michelsens.

Zunächst führt Michelsen ein Beispiel Fieldings an, um zu erklären, inwieweit Schiller sich „Anregungen“ anderer Autoren einholte, somit zu seinem „ Räuber-Motiv “ gelangte und inwieweit die feindlichen Brüder sich voneinander unterscheiden (72).

„Bei Fielding zum Beispiel steht dem moralisch strengen, aber glatten letztlich (...) schurkischen Verstandesmenschen, der mit menschlichen Schwächen versehene, aber letztlich herzensgute Naturbursche gegenüber . So hatte die Literatur auf Grund der (durchaus aufklärerischen, nicht erst von Rousseau entwickelten!) Vorstellungen von „Natur!“, Natürlichkeit rund allem, was damit zusammenhängt, als Gegenbild zum modernen Kulturmenschen die für die ganze Epoche typische Figur des ‚edlen Wilden‘ hervorgebracht, die sicherlich bei Schillers Konzeption seines edlen Räubers Pate stand.“ (72)

Im Folgenden beschreibt er die unterschiedlichen Brüder weiter, indem er Karl als den „sich dem natürlichen Leben nähernden“ und „von Empfindsamkeit überfließenden“ Räuber beschreibt, (72) welcher in keiner „Versöhnung“ oder „Verbindung“ zu seinem „kalten“ und „berechnend-intrigierenden“ Bruder Franz zu stehen scheint (72).

Michelsen sagt außerdem, dass:

„Kaum besser konnte das tiefe, schier endgültige Zerbrochensein der den Menschen zu einem Ganzen verknüpfenden Gemeinsamkeit von Herz und Verstand sinnfällig gemacht werden als durch die Tatsache, da[ss] die beiden Brüder auf der Bühne nie zusammentreffen.“ (72)

Doch schließt er ebenfalls, dass durch die „Blutsverbindung“, die „Familie“, „der Vater“ und „Amalia“, die Brüder trotzdem auf der Bühne agieren und in Gewisserweise „gemeinsame Beziehungen“ haben (72). „Bei beiden Brüdern sind die Bande zur Familie zerrissen“, sagt Michelsen.

In den Vordergrund stellt er den Vater, als Haupt der Familie und versucht ihn, im Hinblick auf die Problemstellung, als Zentrum des Stückes zu verifizieren.

Wichtig hierbei ist der Vater nicht nur als Privatperson, sondern auch als patriarchalische Autorität der Gesellschaft (72).

„Nicht dem Einssein mit sich selbst entspringt die Größe seiner Helden, sondern dem Konflikt“, meint Michelsen über Schillers Inhalt in die Räuber.

Dies begründet der Michelsen damit, dass Franz, welcher auch sonst die treibende aktive Kraft des Geschehens darstellt, den Konflikt mit dem Vater auslöst (73).

Des Weiteren begründet er die zentrale Rolle des Konflikts, durch Franz Monologe, in welchen Franz sein Handeln begründet und der Natur vorwirft, sie hätte in zu einem „hässlichen Menschen“ gemacht und habe gewisse Verpflichtungen ihren Geschöpfen gegenüber (75).

Aber Michelsen führt auch die Korrektur des Franz’ über die Ungerechtigkeit an: „ Der Vorwurf gegen die Natur wird zurückgenommen, und dabei spricht Franz das Gleichheits-Prinzip, das schon dem ersten Abschnitt seiner Rede geheim zugrunde lag, expressis verbis aus: „Jeder hat gleiches Recht“.“ (76)

Außerdem sagt Franz, dass ihm ein „Erfindungs-Geist“[1] von der Natur gegeben wurde.

Nachdem Michelsen noch weiter auf den Freiheitsbegriff und den Erfindungs-Geist Franz’ eingeht, führt er den Monolog Franz’ über die Blutlinie an, welche die „Heiligkeit der Familie“ zeigen soll (79).

„ Ich habe Langes und Breites von einer sogenannten Blutliebe schwatzen gehört [..] Das ist dein Bruder! [..] Das ist dein Vater! [..]“[2] (79), durch dieses Zitat macht Michelsen deutlich, dass eine materialistische Auffassung der Welt, wie sie Franz zugeschrieben wird, nicht gegeben wird und stellt die These auf, dass Franz Worte vielmehr ein Ausdruck eines sehr „konsequenten Dualismus“ (80) sind. Somit hält Franz „Körperliches“ und „Geistiges“ auch beim Menschen für völlig getrennte Sphären.

[...]


[1] Vgl. Friedrich Schiller, Die Räuber. Reclam Ausgabe 2001, Stuttgart: 1.Akt 1. Szene

[2] Friedrich Schiller, Die Räuber. Reclam Ausgabe 2001, Stuttgart: 1.Akt 1. Szene

Details

Seiten
5
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656731313
ISBN (Buch)
9783656731306
Dateigröße
437 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v279418
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
Schlagworte
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Autor

  • J A C (Autor)

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Titel: Rezension zu Peter Michelsen: Der Bruch mit der Vater-Welt. Studien zu Schillers "Räubern"