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Karl der Große: Das Jahr 801

Das Jahr nach seiner Krönung, außenpolitische Erfolge und der neue Titel

Essay 2013 4 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

I. Einleitung

Wir schreiben das Jahr 800 n. Chr. Am Weihnachtstag dieses Jahres setzte Papst Leo III. in der Peterskirche zu Rom dem Frankenkönig Karl dem Großen eine Krone auf sein Haupt und machte ihn zum Kaiser.[1] Damit war Karl der Große der erste westliche Kaiser der Christenheit. In den darauf folgenden Jahren entschied er die Sachsenkriege erfolgreich und endgültig für sich, das Frankenreich wurde dank ihm dem Osten hin weiter ausgebreitet und Karls Kaisertum wurde selbst von Byzanz diplomatisch anerkannt. Doch was passierte im Jahr eins nach seiner Krönung zum Kaiser? Welche Auswirkungen hatte dieses Ereignis auf die kommenden zwölf Monate? Der vorliegende Essay beschäftigt sich neben dieser Frage auch mit der Darstellung, welche chronologisch geordneten Ereignisse Karl dem Großen in diesem Jahr widerfuhren, was 801 normal und was außergewöhnlich war, sowie mit der Frage, wie dieses Jahr die nächsten Jahre seiner Herrschaft und seines Lebens beeinflussten.

II. Hauptteil – Das Jahr 801

Sicherlich gab es im Leben Karls des Großen Abschnitte und Jahre, die bedeutender und ereignisreicher waren als das erste Jahr nach seiner Krönung zum Kaiser. Viele Quellen bekräftigen die These, dass sich der Kaiser in diesem Jahr, wie auch in den Jahren 781 und 800 in Italien befand, um zu diesen Zeiten die heilige Stadt Rom zu besuchen. Während er in den oberitalienischen Städten verweilte, empfing er nun als Kaiser gekrönt zahlreiche Gesandte unter anderem aus Persien und Afrika. Dies bedeutet jedoch nicht, dass keine außenpolitischen Erfolge verzeichnet werden konnten.

1. Die außenpolitischen Erfolge

Obgleich es Matthias Springer mit seiner Behauptung, Karl der Große trat am 24. Juni dieses Jahres die Rückreise aus Italien über die Alpen an und man in Punkto Sachsenkriege aus dem Jahr 801 keine Kunde hat, auf den Punkt bringt,[2] konnte der kaiserlich Gekrönte wenn auch indirekt einen Erfolg in den Spanienfeldzügen verbuchen. Nach zweijähriger Belagerung, so berichten es die Regesta Imperii, konnte die Stadt Barcelona erobert und ihr damaliger Statthalter Zeid gefangen genommen werden.[3] Dieser Erfolg wurde Karls Sohn Ludwig dem Frommen, der am 15. April 781 durch Papst Hadrian I. zum Unterkönig von Aquitanien gesalbt wurde, gutgeschrieben. Gemeinsam mit Wilhelm von Aquitanien, dem Grafen von Toulouse, und dessen Sohn konnte er das von den Mauren besetzte Barcelona zur Kapitulation zwingen. Karl erteilte seinem Sohn daraufhin die Aufgabe, das neu gewonnene Gebiet zu kultivieren und die kirchliche Struktur weiter auszubauen. Überdies belegen die Regesta Imperii, dass in Italien die Stadt Chieti erobert und daraufhin ihr Befehlshaber Roselmus gefangen genommen werden konnte. Gemeinsam mit dem ehemaligen Statthalter Barcelonas Zeid wurde Roselmus daraufhin vor den Kaiser Karl gebracht und von diesem zur Verbannung verurteilt.[4] Die Eroberung Barcelonas und Chietis sind die einzigen außenpolitischen Erfolge, die für das Jahr 801 angegeben werden. Obgleich dieser Erfolg für die Stadt Chieti keine nennenswerte, nachträgliche Bedeutung hat, war dieser Eroberungszug für die Stadt Barcelona immens: Da Karls Sohn Ludwig von den Mauren bei den Flüssen Carderer und Llobregat sowie in Tortosa zurückgeschlagen wurde, bildete jene Stadt die südlichste Region seiner Eroberungen. Diese wurde daraufhin als Spanische Mark bezeichnet. Sie wurde zum Kernland des späteren Kataloniens und entwickelte sich im 13. Jahrhundert zu einer bedeutenden Seemacht. Von mehreren Grafen, die von Karl dem Großen zur Verwaltung eingesetzt wurden, diente diese Region nun der Verteidigung gegen die Mauren im restlichen Spanien.

2. Isaak und Abul Abbas

Außenpolitisch war 801 für Karl den Großen also ein eher ruhiges Jahr. Dennoch konnte er in Punkto Handelsbeziehungen und diplomatischer Vereinigungen speziell mit dem Islam einen entscheidenden Triumph für sich verbuchen. Drei Jahre zuvor, also 798 empfing der damalige Kalif Harun ar-Raschid eine Gesandtschaft Karls, von dieser schließlich Isaak, ein jüdischer Kaufmann und Übersetzer der kaiserlichen Gesandtschaft bei Harun, als Einziger überlebte. Er wurde nach Bagdad geschickt, um den Kalifen als Bündnisgenossen für den Konflikt gegen Byzanz und deren Kaiserin Irene zu gewinnen.[5] 801 kam Karl dem Großen daraufhin die Nachricht zu, Isaak sei mit zahlreichen Geschenken des Kalifen auf der Rückreise nach Italien. Franz-Reiner Erkens berichtet überdies über den Transport eines weißen Elefanten namens Abul Abbas, den Isaak mit den weiteren Präsenten im Gepäck hatte und mit dem er einige Monate später, nachweislich am 20. Juli 802 schließlich in der kaiserlichen Pfalz zu Aachen ankam.[6] [7] Dieses besondere Geschenk stabilisierte zum einen die politischen, diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen des Islams mit dem westlichen Kaiserreich und zum anderen kann es als Anerkennung für den kaiserlichen Titel Karls verstanden werden. Ob dieses gewonnene Bündnis mit dem Kalifen Harun ar-Raschid im Konflikt Karls mit Byzanz eine entscheidende Rolle gespielt hat, ist jedoch nicht klar.

3. Der neue Titel

Fest steht jedoch, dass am 29. Mai 801 Karl der Große den Titel „Romanum Gubernans Imperium“ an sich nahm[8] und damit, so berichtet es Matthias Becher, den Ansprüchen seiner wichtigsten Völker gerecht wurde.[9] Ab diesem Zeitpunkt lautete sein vollständiger Titel also: „ Karolus serenissimus Augustus a Deo coronatus magnus pacificus imperator Romanum gubernans imperium, qui et per misericordiam die rex Francorum atque Langobardum “, was frei übersetzt so viel heißt wie „Karl, allergnädigster, erhabener, von Gott gekrönter, großer, Friede bringender Kaiser, der das römische Kaiserreich verwaltet und der durch Gottes Barmherzigkeit auch König der Franken und Langobarden ist“.[10] Laut Werner Ohnsorge versuchte der kaiserlich Gekrönte hiermit den römischen Kaisertitel nach Möglichkeit zu entrömisieren und zielte darauf hin, einen vom römischen unabhängigen Kaisergedanken zu verfassen. Überdies, so Ohnsorge weiter, habe Karl den Titel „König der Franken und Langobarden“ weitergeführt, um zu verhindern, dass sich sein Reichsvolk durch die neu gewonnene Kaiserwürde zurückgestellt fühlen könnte.[11] Obgleich Byzanz die Kaiserwürde Karls zunächst nicht akzeptierte, sich diese Streitigkeiten 806 in einem Krieg zuspitzten, wurde im Friede von Aachen von 812 das fränkische Kaisertum schließlich vom byzantinischen Kaiser Michael I. anerkannt. Laut Ohnsorge durfte sich Karl der Große ab diesem Zeitpunkt „ Imperator “ ohne einen Zusatz, der ihn als Kaiser der Römer charakterisiert hätte, bezeichnen, während sich Michael I. von Byzanz nun als „Kaiser der Römer“, wörtlich als „ Basileus tòn Rhòmaion “, ausweisen durfte. Er verzichtete letztendlich wieder auf den Titel „Romanum Gubernans Imperium“, den er im Mai 801 annahm und für lediglich elf Lebensjahr trug.[12]

c) Die Geburt Drogos von Metz

Innerhalb der großen Familie Karls des Großen konnte 801 Zuwachs verzeichnet werden. Aus seiner Verbindung mit des Kaisers Konkubine Regina wurde am 17. Juni 801 im Kloster Luxeuil, eine Benediktinerabtei im französischen Luxeuil-les-Bains, Karls Sohn Drogo geboren. Im Laufe seines Lebens, er wurde 56 Jahre alt, nahm er zahlreiche, geistliche Aufgaben war: Er war Abt von Luxeuil, wurde kurze Zeit später Priester und elf Tage nach seinem 22. Geburtstag schließlich zum Bischof von Metz erkoren.[13] [14] In Anbetracht der Tatsache, dass Karl mit seinen Ehefrauen und Konkubinen nachweislich jedoch mehr als 18 Nachkommen zeugte, handelt es sich bei der Geburt Drogos von Metz jedoch nur um eine Nebensächlichkeit im ersten Jahr als zum Kaiser Gekrönten.

III. Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es im Leben Karls des Großen durchaus Jahre und Abschnitte gab, die prägnanter und speziell im Hinblick auf die außenpolitischen Erfolge des Kaisers ereignisreicher waren als das erste nach seiner Krönung zum Kaiser. Auch hatte das jahr 801 nicht derartige Auswirkungen auf die folgenden Jahre, wie in Anbetracht der Kaiserkrönung eventuell angenommen Außenpolitisch gab es bis auf die Eroberungen von Barcelona und Chieti keine weiteren, nennenswerten Geschehnisse 801. Der Grund für dieses vermeintlich ruhige Jahr liegt nachweislich in der Tatsache, dass Karl der Große noch bis weit in das Jahr 801 in Rom verweilte. Laut Johann Sporschil blieb der neue Kaiser „bis nach dem Osterfeste 801 in Rom, beschäftigt mit den Angelegenheiten der Kirche, der Stadt Rom, ganz Italien […]“.[15] Dort konsolidierte er zudem seine neue Kaiserwürde und trat erst Ende Juni die Rückreise über die Alpen an. Dennoch lässt sich nicht von der Hand weisen, dass Karl, mit neuem Titel, „Romanum Gubernans Imperium“, im Gepäck und seine Nachkommen nachweislich für die weitere Entwicklung Spaniens sowie in den Handelsbeziehungen mit dem Islam eine nicht unerhebliche Rolle spielte. Die für ihn wohl entscheidende Veränderung dieses Jahres, die seines dazu gewonnenen Titels, legte Karl der Große schließlich 812 im Frieden von Aachen ad acta. Die großen außen- sowie innenpolitischen Nennenswertigkeiten, wie beispielsweise die Verwaltungs- und Bildungsreformen, die Erfolge in den Sachsenkriegen und Feldzügen gegen die Langobarden, sowie die Ausschreibung der Divisio Regnorum, konnten erst in den Folgejahren verbucht werden. Somit lässt sich resümierend festhalten, dass das Jahr 801 eine nicht derartig entscheidende Rolle im Leben Karls des Großen gespielt hat, wie man das im Folgejahr nach der Krönung zum westlichen Kaiser der Christenheit eventuell vermuten könnte.

[...]


[1] Steffen Patzold, Geheimnis eines Weihnachtstages, in: Spiegel Geschichte 6 (2012), S. 78-85

[2] Matthias Springer, Die Sachsen (Stuttgart 2004) S. 75-215 und 259-261

[3] RI I n. 274e, in: Regesta Imperii Online, URL: http://www.regesta-imperii.de/id/id/0801-00-00_3_0_1_1_0_1025_274e (Abgerufen am 10.04.2013)

[4] RI I n. 374e (Abgerufen am 10.04.2013)

[5] Adolf Kober, Artikel ISAAK, in: Jüdisches Lexikon, Band III (Berlin 1927), S. 40

[6] Charles Verlinen, Eberhard Schmitt, Die mittelalterlichen Ursprünge der europäischen Expansion, Otto Harrassowitz Verlag (1986) S. 81

[7] Dorothea Walz, Karl der Große - ein verhinderter Seefahrer. Die Reichenauer Heiligbluterzählung aus dem 10. Jahrhundert, in: Franz-Reiner Erkens, Karl der Große und das Erbe der Kulturen (Berlin 2001) S. 237ff.

[8] „Karl d. Gr. D. 55-316“. In: (MGH/DD/4/77)

[9] Matthias Becher, Karl der Große (München 2007) S. 21

[10] Becher, S. 21

[11] Werner Ohnsorge, Das Zweikaiserproblem im frühen Mittelalter (Hildesheim 1947) S. 22 ff.

[12] August Nitschke, Frühe christliche Reiche. In: Propyläen Weltgeschichte. Band 5 (Frankfurt 1991) S. 302

[13] Heinz Löwe, Drogo. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 4 (Berlin, 1959) S. 128

[14] Bernhard von Simson: Drogo (Bischof von Metz). In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 5 (Leipzig 1877) S. 412 f.

[15] Johann Sporschill, Karl der Große: sein Reich und sein Haus, S. 248

Details

Seiten
4
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656720683
ISBN (Buch)
9783656721826
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v279403
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Historisches Institut
Note
2,0
Schlagworte
Karl der Große 801 Kaiserkrönung Außenpolitik

Autor

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