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Karl der Große: Innen- und Außenpolitik

Seine politischen Erfolge und die Wiedereinrichtung des christlichen Kaisertums

Essay 2013 4 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

I. Einleitung

Die innen- und außenpolitischen Erfolge Karls des Großen in seiner 46 Jahre langen Herrschaft sind nicht von der Hand zu weisen. Der Verlauf der äußeren Expansion des Frankenreiches zeigt, dass er sich zwar früh dazu entschloss, wie seine ruhmreichen Vorfahren über die merowingischen Reichsgrenzen auszugreifen, hierbei jedoch Vorausschau und Planung nur selten erkennen ließ. Rudolf Schieffer stellte in seinem Eröffnungsvortrag des Symposiums am 15. März 1999 fest, dass nichts darauf hindeute, Karl hätte eine Erneuerung des römischen Kaisertums vor Augen gehabt. Dieses Essay beschäftigt sich demnach mit der Frage, ob sich die Politik Karls des Großen aus seiner Vision der Wiedererrichtung des christlichen Kaisertums erklärt. In diesem Zusammenhang werden zunächst kurz die innenpolitischen Maßnahmen Karls beschrieben, um dann ausführlich auf seine Außenpolitik und Intentionen dahinter einzugehen. Der Fokus liegt hierbei auf die Sachsenkriege, den Spanien – und Langobardenfeldzügen, die Kaiserkrönung sowie auf die Divisio Regnorum Karls des Großen, um dieser Frage nachzugehen.

II. Hauptteil – Die Politik Karls des Großen

1. Die Innenpolitik

Ein wichtiger Punkt von Karls Innenpolitik ist die Bildungsreform. Damit die Geistlichen und Gelehrten in der Lage waren, der Bevölkerung ihr Wissen und durch bessere Lateinkenntnisse auch Gottesdienste korrekt zu vermitteln, versammelte Karl der Große diese an seinem Hof und ließ sie in der Hofschule unterrichten. Zu diesem Zweck wurden auch Bischöfe und Äbte beauftragt, Schulen zu unterhalten. Durch die Gründung von Klosterschulen im Zuge seiner Neuordnung von Erzbistümern, wurde die Verbesserung des allgemeinen Bildungsstandes zusätzlich angetrieben. Somit war sein Volk auch in der Lage, das Vaterunser, das bekannteste Gebet des Christentums, zu verstehen. Ein weiterer Aspekt seiner innenpolitischen Züge ist die Grafschaftsverfassung und das damit verbundene, einheitliche Verwaltungssystem in seinem Reich. Als Stellvertreter Karls übten Grafen in einem für sie vorgesehenen Gebiet die königlichen Hoheitsrechte aus. Um die Grafschaften eines bestimmten Gebietes zu kontrollieren, bestimmte Karl Königsboten, die er, wie die Grafen, mittels eines Treueides an sich band. Diese bereisten die jeweiligen Gebiete, überwachten die Grafen und überbrachten den Verantwortlichen die königlichen Anweisungen. Sie sorgten auch für die Durchsetzung der Kapitularien, mit denen Karl eine einheitliche Gesetzgebung anstrebte. Diese Vereinheitlichung des Verwaltungs – sowie Bildungssystem im Reich zeigen, dass Karl der Große vorausschauend und zukunftsorientiert dachte, obgleich insbesondere der Erfolg der Kapitularien bisweilen ausblieb. Zudem kann man daraus nicht automatisch den Gedanken einer Wiedererrichtung des christlichen Kaisertums ableiten. Um diese Frage zu klären, sind nun die außenpolitischen Maßnahmen Karls hinzuzuziehen.

2. Die Außenpolitik

Außenpolitisch sind vor allem die Kriege gegen die Sachsen, die Feldzüge gegen die Spanier und Langobarden, sowie die Kaiserkrönung und die Nachfolgeregelung Karls für seine Intentionen bedeutsam.

a) Die Sachsenkriege

Einen Überblick über den Verlauf, die Hintergründe und Nachwirkungen der Sachsenkriege Karls des Großen liefern die Reichsannalen sowie die Vita Karoli Magni Einhards, der diesen Krieg als „den langwierigsten, grausamsten und für das Frankenvolk anstrengendsten“ ansah. Zunächst verfolgte Karl der Große das Ziel, den dauernden Grenzstreitigkeiten zwischen den heidnischen Sachsen und den christlichen Franken ein Ende zu machen. Hermann Rothert betont überdies Karls Ziel von einem „Großreich, das sich von den Pyrenäen bis nach Thüringen, vom Ozean bis zu den Alpen und bald auch tief nach Italien und Ungarn erstreckte.“ Mit diesem Ziel und der Zerstörung der Irminsulsäule begannen 772 die Sachsenkriege. Diese heidnische Kultstätte eroberten die Sachsen unter der Führung des westfälischen Adeligen Widukind jedoch zurück, Karl setzte seinen zunächst angesetzten Expansionskrieg fort und nahm einige Teile Sachsens ein. Als Reaktion auf einen sächsischen Gegenschlag 774, unternahm der fränkische König ein Jahr darauf einen erneuten Feldzug, bei dem sich einige Sachsen Karl unterwarfen. Die Reichsversammlung 777 in Karlsburg sollte die Bekehrung des sächsischen Volkes vorantreiben. Trotz erster Erfolge kam es zu erneuten Überfällen der Sachsen, woraufhin dieser 782 mit dem Blutgericht von Verden, bei dem angeblich 4500 Sachsen enthauptet wurden, reagierte. Widukind konnte infolgedessen zwar fliehen, leistete 785 jedoch den Treueid auf Karl und ließ sich taufen. Nach dem Übertritt Widukinds zum Christentum brachen sieben Jahre später erneut sächsische Aufstände auf, auf die Karl mit Repressionen und Deportationen reagierte. Das Ende der Sachsenkriege trat 804 mit der endgültigen Einverleibung und Christianisierung des sächsischen Volkes ein, nachdem 802 das Lex Saxonum statuiert wurde. Was in der Vorbereitung wie eine Strafexpedition aussah, ereignete sich langwieriger als zunächst gedacht, wodurch sich auch die Ziele Karls änderten. Erst im Laufe der ersten Schlachten kamen seine Intentionen, die Sachsen zu unterwerfen, zu christianisieren und in das fränkische Reich einzugliedern, größere Bedeutung zu. Karl sah es als seine Pflicht an, die Sachsen dem Christentum zu unterwerfen, da auch seinem Vater Pippin schon zwanzig Jahre zuvor solche Bemühungen zuzuschreiben waren. Durch die politische Zersplitterung der Sachsen ohne Hauptstadt und ohne König, dessen Zerstörung bzw. Gefangennahme das Volk hätte handlungsunfähig machen können, war es ihnen 32 Jahre lang möglich, Widerstand zu leisten. Selbst die Taufe Widukinds und Karls Erlass eines Sondergesetzes, das die Missachtung der christlichen Reichsordnung mit der Todesstrafe sanktionierte, brachte nur allmählich das Ende der Sachsenkriege. Allerdings, so stellt es auch Matthias Springer fest, sind die Sachsenkriege kein Indiz dafür, dass Karl mit dem Gedanken eines christlichen Kaisertums spielte, da dieser nur bei den Sachsen das Christentum mit solch brutalen Mitteln einführte. Karl sah sie „lediglich“ als geborene Untertanen an, die eben durch Zwangstaufen Christen zu sein hatten. Bei den heidnischen Westslawen, gegen die er Krieg führte, geschahen die Bekehrungsversuche nur nebenbei. Die Christianisierung war somit nur ein politisches Instrument für die Machterhaltung und Durchsetzung Karls.

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Details

Seiten
4
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656720690
ISBN (Buch)
9783656722816
Dateigröße
419 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v279402
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Historisches Institut
Note
2,0
Schlagworte
Karl der Große Innenpolitik Außenpolitik Christentum

Autor

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Titel: Karl der Große: Innen- und Außenpolitik