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Phänomen "Burnout"? Die Folgen berufsbedingter psychischer Krankheiten auf Mitarbeiter und Unternehmen

Hausarbeit 2014 20 Seiten

Führung und Personal - Burnout, Stress am Arbeitsplatz

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Aufbau und Zielsetzung der Hausarbeit

2. Grundlagen und Kernbegriffe der Thematik psychische Erkrankungen am Arbeitsplatz
2.1 Unterscheidung „Berufsbedingter“ und „Arbeitsbedingter Erkrankungen“
2.2 Definition: „Psychische Erkrankung“, „Psychische Belastung“ und
„Psychische Beanspruchung“
2.2.1 Definition: „Psychische Erkrankung“
2.2.2 Definition: „Psychische Belastung“
2.2.3 Definition: „Psychische Beanspruchung“
2.2.4 Das Belastungs-Beanspruchungs-Modell
2.3 Aktuelle Zahlen

3. Ursachen psychischer Erkrankungen

4. Erläuterung ausgewählter psychischer Erkrankungen
4.1 Depressionen
4.2 Bipolare Störungen
4.3 Angststörungen
4.4 Burnout
4.5 Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS)

5. Folgen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer
5.1 Folgen für den Arbeitnehmer
5.2 Folgen für den Arbeitgeber

6. Zusammenfassung und Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 – Belastungs-Beanspruchungs-Modell

Abbildung 2 – AU-Tage pro 100 Versichertenjahre auf Grund von Burnout

Abbildung 3 – AU-Fälle pro 100 Versichertenjahre auf Grund von Burnout

Abbildung 4 – Auslöser für Burnout

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

Immer öfter wird, sowohl in den Medien als auch in anderen Kreisen, das Thema „Arbeitsunfähigkeit durch psychische Erkrankungen“ diskutiert. Vielfach sind in Zeitungen Überschriften wie „Burnout: Wenn Arbeit krank macht“ oder „Burnout: Auf welche Symptome muss man achten?“ zu lesen. Burnout ist ein Wort, welches heutzutage schon Grundschulkinder kennen. Aber ist eine psychische Erkrankung im Zusammenhang mit der ausgeübten, beruflichen Tätigkeit immer gleich ein Burnout? Fraglich ist ebenfalls, warum gerade im heutigen Zeitalter immer mehr Menschen psychisch erkranken und dadurch arbeitsunfähig werden und welche Veränderungen im beruflichen Umfeld dazu geführt haben, dass die Zahl der Erkrankungen so stark, im Vergleich zu früheren Jahren, angestiegen ist. Ein weiterer Punkt, welchen es nicht zu vernachlässigen gilt, sind die Auswirkungen dieser Erkrankungen. Welche Folgen haben sie sowohl für den Arbeitnehmer als auch für den Arbeitgeber?

1.2 Aufbau und Zielsetzung der Hausarbeit

Diese Arbeit setzt es sich zum Ziel, die Auswirkungen berufsbedingter psychischer Erkrankungen sowohl auf den Arbeitnehmer als auch den Arbeitgeber zu untersuchen und die daraus resultierenden Folgen aufzuzeigen.

Hierzu soll im folgenden Kapital zunächst definiert werden, was im medizinischen Sinn eine berufsbedingte Erkrankung und was eine arbeitsbedingte Erkrankung ist. Ferner werden aktuelle Trends anhand von Zahlen dargestellt. In Kapitel drei möchte ich näher auf die Ursachen psychischer Belastungen eingehen. In Kapitel vier werden einige ausgewählte Krankheitsbilder näher erläutert. Die aus den Krankheiten resultierenden Folgen sowohl für den Arbeitgeber als auch für den Arbeitnehmer werden in Kapitel fünf aufgezeigt. Den Schluss dieser Arbeit bilden eine kurze Zusammenfassung des Erarbeiteten, sowie das daraus resultierende Fazit.

2. Grundlagen und Kernbegriffe der Thematik psychische Erkrankungen am Arbeitsplatz

In diesem Kapitel möchte ich zunächst die wichtigsten Kernbegriffe der Thematik definieren.

2.1 Unterscheidung „Berufsbedingter“ und „Arbeitsbedingter Erkrankungen“

Sowohl berufliche Belastungen als auch ungünstige bzw. schlechte Arbeitsbedingungen können zu gesundheitlichen Beschwerden, wenn nicht sogar berufsbedingten Erkrankungen führen. Von all den möglichen Beschwerden und Erkrankungen ist zur Zeit jedoch nur ein kleiner Anteil offiziell als Berufskrankheit anerkannt. Als berufsbedingte Erkrankungen werden jene Erkrankungen bezeichnet, für die eine berufliche Verursachung festgestellt wurde[1]. Der größere, versicherungsrechtlich nicht anerkannte Teil gilt als arbeitsbedingte Erkrankung.[2] Eine offizielle Definition, was genau eine arbeitsbedingte Erkrankung ist, gibt es nicht. Die Literatur definiert arbeitsbedingte Erkrankungen jedoch wie folgt:

„Bei arbeitsbedingten Erkrankungen spielt die Arbeitswelt als verursachender oder verschlimmernder Faktor eine Rolle, ohne daß [sic!] jedoch die strengen Kausalvoraussetzungen der Berufskrankheiten erfüllt sind.“[3]

Festzuhalten ist, dass es keine psychische Erkrankung gibt, die als Berufskrankheit gelistet wird. Psychische Erkrankungen, die durch die Arbeitsumstände verursacht wurden, gelten somit lediglich als arbeitsbedingte Erkrankungen und nicht als berufsbedingte.

2.2 Definition: „Psychische Erkrankung“, „Psychische Belastung“ und „Psychische Beanspruchung“

In diesem Unterkapitel möchte ich zunächst noch weitere wichtige Begriffe klären.

2.2.1 Definition: „Psychische Erkrankung“

Folgende Merkmale müssen laut der Weltgesundheitsorganisation (im Folgenden nur noch WHO) für das Vorliegen einer psychischen Erkrankung erfüllt sein: Persönliches Leid, Abweichung von Normen, Funktionseinschränkung und / oder Behinderung sowie Selbst- oder Fremdgefährdung. In der Regel müssen mehrere dieser Aspekte erfüllt sein. Dies hat die WHO im ICD-10 festgelegt.[4] Auch HANDERER gibt diese Merkmale in seiner Studie an.[5]

Sucht man Informationen zum Thema „psychische Erkrankungen“ stößt man häufig auf Begriffe wie z. B. „psychische Störung“, „psychische Beeinträchtigung“ oder „psychische (Fehl)belastung“ etc. In der Medizin spricht man heute nur noch von „psychischen Störungen“.[6] Der Einfachheit halber möchte ich im weiteren Verlauf der Arbeit diese Begriffe synonym verwenden.

2.2.2 Definition: „Psychische Belastung“

Die DIN EN ISO 10075-1 definiert „psychische Belastung“ wie folgt:

„Psychische Belastung ist die Gesamtheit aller erfassbaren Einflüsse, die von außen auf den Menschen zukommen und psychisch auf ihn einwirken.“[7]

Erfassbare Einflüsse sind z. B. die Arbeitsaufgabe, die Arbeitsmittel, die Arbeitsumgebung, die Arbeitsorganisation oder der Arbeitsplatz.[8] All diese Einflüsse wirken auf den Menschen ein und lösen somit psychische Vorgänge aus, welche jedoch als neutral betrachtet werden.

2.2.3 Definition: „Psychische Beanspruchung“

Die DIN EN ISO 10075-1 nimmt eine wichtige Abgrenzung zwischen „psychischer Belastung“ und „psychischer Beanspruchung“ vor. Psychische Belastung wird als die „[…] unmittelbare (nicht langfristige) Auswirkung der psychischen Belastung im Individuum in Abhängigkeit von seinen jeweiligen überdauernden und augenblicklichen Voraussetzungen, einschließlich der individuellen Bewältigungsstrategien“ definiert.[9]

Daraus lässt sich ableiten, dass die Auswirkungen einer psychischen Belastung auf jeden Menschen unterschiedlich wirken. Sie hängen davon ab, über welche Möglichkeiten der Bewältigung (Fähigkeiten, Erfahrungen, Selbstvertrauen etc.) das Individuum verfügt.[10] Die psychische Beanspruchung ist demnach im Gegensatz zur psychischen Belastung immer konkret an eine Person gebunden, wohingegen die psychische Belastung sich immer auf alle Mitarbeiter auswirkt.

2.2.4 Das Belastungs-Beanspruchungs-Modell

Oben genannte Zusammenhänge werden auch noch einmal von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin im sogenannten „Belastungs-Beanspruchungs-Modell“ dargestellt. Dieses Modell zeigt auf, dass die psychische Beanspruchung nicht nur negative Folgen, wie z. B. allgemeine psychosomatische Störungen und Erkrankungen, sondern auch positive Folgen, wie z. B. Übung oder die Weiterentwicklung körperlicher und geistiger Fähigkeiten, haben kann. Eine Darstellung des genannten Modells ist dem Anhang unter Abb. 1 zu finden.[11]

2.3 Aktuelle Zahlen

Die Zahlen belegen, dass sich der Trend, dass deutsche Arbeitnehmer immer häufiger auf Grund von psychischen Erkrankungen am Arbeitsplatz fehlen, fortsetzt (siehe Abb. 2). Die Anzahl der Fehltage ist in den vergangenen Jahren drastisch gestiegen; sie hat sich beinahe verdoppelt. Im Jahr 2001 wurden 33,6 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage erfasst. Bis 2010 gab es einen Anstieg um 59,23 % auf 53,5 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage. Auch der Anteil an allen krankheitsbedingten Fehltagen verdoppelte sich in dieser Zeit von 6,6 % auf 13,1 % (siehe Abb. 3).[12] Anzumerken ist jedoch, dass sich die Dauer einer Krankschreibung auf Grund von psychischen Problem kaum verändert hat. Sie liegt nach wie vor zwischen drei und sechs Wochen. Der Anstieg der Arbeitsunfähigkeitstage durch psychische Erkrankungen geht somit im Wesentlichen auf einen Anstieg der Arbeitsunfähigkeitsfälle zurück.[13] Diese Zahlen gehen auf Studien der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) zurück, welche jährlich die Angaben der größeren deutschen gesetzlichen Krankenkassen (DAK, TK, AOK, BKK) zu Arbeitsunfähigkeit auf Grund psychischer Erkrankungen auswertet. Die aktuellsten Zahlen stammen aus dem Jahr 2012.

Auch wenn in vielen Zeitungen, Fernseh- oder Radiosendungen häufig über Burnout gesprochen wird, so macht Burnout doch nur einen kleinen Teil an psychischen Erkrankungen aus. Dies zeigt die Studie der BPtK aus dem Jahr 2012 auf. Einen weitaus größeren Anteil machen Depressionen oder Anpassungsstörungen aus. Im Jahr 2011 entfielen auf 100 Versicherte in etwa 9,1 Tage Krankschreibung wegen Burnout, ca. 73 Tage auf Grund von Depressionen und etwa 39 Tage auf Grund von Anpassungsstörungen.[14] Auf die verschiedenen Erscheinungsformen psychischer Erkrankungen werde ich in Kapitel 4näher eingehen.

Insgesamt entfielen 2011 auf 100 Versicherte über 200 Fehltage auf Grund von psychischen Erkrankungen. Die Ausfälle wegen Burnout machen jedoch nur 4,5% der Fehltage aus. Anzumerken ist jedoch, dass Burnout gemäß der WHO keine anerkannte psychische Erkrankung ist.[15]

Laut dem BKK Bundesvorstand waren psychische Störungen die dritthäufigste Krankheitsursache im Jahr 2011. Es gingen somit im Jahr 2011 so viele Krankheitstage wie noch nie in der 30-jährigen Berichtserstattung auf psychische Erkrankungen zurück.[16]

Außerdem ist es auffällig, dass die Krankschreibung auf Grund von psychischen Erkrankungen vergleichsweise lang ausfallen. Sie liegen im Durchschnitt bei etwa 30 zusammenhängenden Tagen.[17] Zum Vergleich: eine durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit dauert ca. 13 Tage. Sogar auf Krankschreibungen auf Grund von Krebsdiagnosen entfallen weniger Fehltage.[18]

In der Wissenschaft wird seit längerem die Zunahme psychischer Erkrankungen kontrovers diskutiert. JACOBI fand mit Hilfe einer Studie heraus, dass nicht die Erkrankungen zunehmen, sondern dass die Erkrankungen lediglich häufiger diagnostiziert werden.[19]

Zum Abschluss dieses Kapitels sei darauf hingewiesen, dass die oben aufgeführten Zahlen keinen Hinweis darauf geben, ob es einen Zusammenhang mit der Arbeit oder dem Arbeitsumfeld gibt. Jedoch machen sie deutlich, dass arbeitsbedingte psychische Erkrankungen ein immer wichtigeres Thema werden. Die Auswirkungen auf den Arbeitnehmer und den Arbeitgeber möchte ich am Ende dieser Arbeit erläutern. Im nächsten Kapitel möchte ich jedoch zunächst auf mögliche Ursachen eingehen.

[...]


[1] Kaufmann, O., Selbig, M., Döhler, H.: Berufsbedingte Erkrankungen in Sachsen 1998 bis 2007, S. 2.

[2] Vgl. Buchter, A.: Diagnostik arbeitsbedingter Erkrankungen und arbeitsmedizinisch-diagnostische Tabellen, 2011, S. 11.

[3] Vgl. Kuhn, J.: Arbeitsbedingte Erkrankungen, S. 1-2.

[4] ICD steht für International Classification of Diseases. Hierbei handelt es sich um ein von der WHO herausgegebenes Handbuch aller anerkannten Krankheiten und Diagnosen. Die für Deutschland gültige Version heißt „ICD-10-GM 2013“, welche seit dem 01.01.2013 gültig ist.

[5] Handerer, J.: Klinische Psychologie, S. 2.

[6] Vgl. Riechert, I.: Psychische Störungen bei Mitarbeitern: Ein Leitfaden für Führungskräfte und Personalverantwortliche, 2011, S. 20.

[7] Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: Psychische Belastung und Beanspruchung im Berufsleben: Erkennen – Gestalten, 2010, S. 9.

[8] Ebd., S. 9

[9] Ebd., S. 10

[10] Richert, I., 2011, S. 22.

[11] Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, 2010, S. 11.

[12] Deutscher Ärzte-Verlag GmbH: Krankschreibungen: Mehr Fehltage wegen psychischer Erkrankungen; URL: http://www.aerzteblatt.de/archiv/125769/Krankschreibungen-Mehr-Fehltage-wegen-psychischer-Erkrankungen; aufgerufen am 06.01.2014

[13] Vgl. Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK): BPtK-Studie zur Arbeitsunfähigkeit: Psychische Erkrankungen – Keine Frage des Alters; 2011, S. 3.

[14] BPtK: BPtK-Studie zur Arbeitsunfähigkeit: Psychische Erkrankungen und Burnout, 2012, S. 8

[15] Ebd., S. 3

[16] Deutscher Psychologen Verlag: Nachrichten aus der Wirtschaftspsychologie vom 14.08.2012, URL: http://www.wirtschaftspsychologie-aktuell.de/nachrichten/nachrichten-20120814-psychische-stoerungen-sind-dritthaeufigste-ursache-fuer-krankschreibung.html, aufgerufen am 06.01.2014.

[17] BPtK, 2012, S.9.

[18] Spiegel Online: Krankschreibung: Tausende Arbeitnehmer fehlen wegen psychischer Leiden vom 13.08.2012, URL: http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/krankschreibung-mehr-fehltage-durch-psychische-leiden-laut-bkk-a-849826.html, aufgerufen am 06.01.2014.

[19] Jacobi, F.: Nehmen psychische Störungen zu? 2009, S. 22.

Details

Seiten
20
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656732228
ISBN (Buch)
9783656732211
Dateigröße
532 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v279347
Institution / Hochschule
AKAD-Fachhochschule Pinneberg (ehem. Rendsburg)
Note
1,7
Schlagworte
phänomen burnout folgen krankheiten mitarbeiter unternehmen

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Titel: Phänomen "Burnout"? Die Folgen berufsbedingter psychischer Krankheiten auf Mitarbeiter und Unternehmen