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Kommunikation und Markenmanagement in der Musikindustrie

Social Media als Erfolgsgarant oder überschätztes Wundermittel?

Bachelorarbeit 2014 69 Seiten

Medien / Kommunikation - Public Relations, Werbung, Marketing, Social Media

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Hinweise

1 Einleitung

2 Musik im Social Media: Erscheinungsformen und Kommunikationsinstrumente
2.1 Massennetzwerke
2.1.1 Facebook
2.1.2 YouTube
2.1.3 Google+
2.1.4 Twitter
2.1.5 Instagram
2.2 Netzwerke mit thematischem Schwerpunkt auf Musik
2.2.1 Last.fm
2.2.2 MySpace
2.2.3 SoundCloud
2.2.4 Audio-Streamingdienste
2.3 Blogs
2.3.1 Musikblogs
2.3.2 Musikblog-Aggregatoren
2.4 Verknüpfung der Kommunikationskanäle

3 Social Media und die nicht-ökonomischen Kommunikationsziele der Musikindustrie: Einflüsse und Erfolgsfaktoren
3.1 Marketingwert von Social Media
3.2 Grundlegende Notwendigkeit zur Teilnahme an Social Media
3.3 Engagement und Einbindung von Fans
3.4 Mundpropaganda und Word-of-Mouth-Marketing
3.5 Verlagerung der Machtverhältnisse
3.6 Besseres Verständnis von Konsumentenbedürfnissen und Märkten
3.7 Social Media als erster Kontaktpunkt zwischen Konsument und Produkt
3.8 Social Media für Nicht-Mainstream-Künstler
3.8.1 Nischenmusik
3.8.2 Independent-Künstler
3.9 Social Media als Plattform für Newcomer
3.10 Die Künstlermarke und Social Media
3.10.1 Der Künstler: Keine Marke wie jede andere
3.10.2 Markenaufbau: Bekanntmachung und Imagebildung
3.10.3 Markenführung: Fallbeispiel Katy Perry
3.10.4 Authentizität der Künstlermarke
3.10.4.1 Absender der Social-Media-Beiträge in Künstlerprofilen
3.10.4.2 Band-Profile und individuelle Künstlerprofile
3.10.4.3 Genrespezifische Social-Media-Strategien
3.11 Die Label-Marke und Social Media

4 Social Media und die ökonomischen Kommunikationsziele der Musikindustrie: Einflüsse und Erfolgsfaktoren
4.1 Social Media und Musikverkäufe
4.1.1 Social-Media-Wirkung der erfolgreichsten Singles 2013
4.1.2 Blog-Buzz und Musikverkäufe
4.1.3 Abschwächung von Musikpiraterie
4.1.3.1 Piraterie-Rückgang durch Audio-Streamingdienste
4.1.3.2 Mäßigung von Piraterie-Effekten durch Brand Usage und Brand Endorsement
4.1.4 Marketingeffektivität
4.1.5 Kennzahlen sozialer Netzwerke und Musikverkäufe
4.1.6 Fallbeispiel Lady Gaga
4.2 Social Media und das Live-Geschäft
4.2.1 Effektivitätssteigerung im Ticketgeschäft
4.2.2 Effizienzsteigerung im Ticketgeschäft
4.2.3 Sonstige Umsätze im Live-Geschäft
4.3 YouTube und Einnahmen der Musikindustrie
4.3.1 Negativer Einfluss auf Musikverkäufe
4.3.2 Fehlen eines verkaufsfördernden Werbeeffekts für Musik
4.3.3 Monetarisierung lizenzierter YouTube-Videos
4.4 Markenkooperationen

5 Social Media, traditionelle Medien und die Kommunikationsziele der Musikindustrie

6 Social Media und die Organisation der Kommunikation der Musikindustrie: Einflüsse und Erfolgsfaktoren
6.1 Veränderungen in der Firmenstruktur
6.2 Personalentwicklung und -bedarf
6.3 Risiko von Outsourcing und Zusammenarbeit mit dem Künstler
6.4 Relevanz von Major-Labels

7 Best Practice: Erfolgreiche Kampagnen aus der Praxis
7.1 Avicii: „True“
7.2 Katy Perry: „PRISM“
7.3 Daft Punk: „Random Access Memories“
7.4 Beyoncé: „BEYONCÉ“

8 Zusammenfassung

9 Anhang

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Weltweite Verbreitung sozialer Netzwerke

Abbildung 2: Die beliebtesten sozialen Anwendungen auf Spotify

Abbildung 3: Top-10-Twitter-Profile im April 2013 und Anteil der Fälschungen

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Die 10 populärsten Einzelkünstler und Bands auf Facebook (24.05.2014)

Tabelle 2: Mögliche Operationalisierung der Mehrkanalstrategie auf YouTube

Tabelle 3: Die 10 populärsten Musikerkanäle auf YouTube (24.05.2014)

Tabelle 4: Effekt auf Anzahl der Retweets bei Twitter

Tabelle 5: Top-Singles weltweit 2013 nach Absatz

Tabelle 6: Musik in den 50 populärsten YouTube-Kanälen (24.05.2014)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hinweise

Die Bezeichnung „Künstler“ bezieht sich in dieser Arbeit stets auf musikschaffende Künstlerinnen und Künstler. Aus Vereinfachungsgründen wird sich auf die Nennung des Maskulinums beschränkt. Bei der Erwähnung von „Labels“ wird stets von Musik-Labels gesprochen

1 Einleitung

Die Musikindustrie hat durch den digitalen Wandel zur Jahrtausendwende und der damit verbundenen Musikpiraterie starke Umsatzeinbußen hinnehmen müssen. Der Kampf gegen illegales Herunterladen und innovative Geschäftsmodelle wie etwa Audio-Streaming führen zwar dazu, dass sich der Musikmarkt in einer positiven Kehrtwende befindet. Die Umsätze im digitalen Bereich konnten die Verluste der physischen Verkäufe allerdings noch nicht wettmachen.

Gleichzeitig haben sich durch Social Media aber auch neuartige Kommunikationsmöglichkeiten entwickelt. Baym & Burnett sprechen sogar von einem elementaren Wandel der Musikindustrie durch die interaktive Unterstützung von Fangemeinden im Web 2.0:

[…] voluntary fan effort can be seen throughout the music industry, and speaks to the fundamental changes that global industry is experiencing as the music business increasingly shifts to digital formats.[1]

Die Tatsache, dass Musiker nach außen eine Marke darstellen, bringt eine weitere Facette in die Diskussion des Themas dieser Arbeit ein. Der frühere Warner-Bros.-Records-Manager Mark Goldstein beschreibt in diesem Zusammenhang:

We live in a world where artists are not artists, they’re brands.[2]

Auch Glenn Peoples vom US-Musikmagazin Billboard sieht Social-Media-Management nicht mehr nur als Kür an, sondern als ein fundamentales strategisches Feld jeder Marketingkampagne der Musikindustrie. Er formuliert treffend:

[…] social media: You can’t not do it.[3]

So haben die sozialen Medien dank Senkrechtstartern wie Lady Gaga und Justin Bieber den Ruf erlangt, Künstlern kommerziellen Erfolg zu garantieren. Dabei ist es gerade Troy Carter, früherer Manager von Lady Gaga und Wegbereiter ihres Aufstiegs, der 2012 davor warnt, die Kraft sozialer Medien zu überschätzen:

Facebook ist kein Marketingtool.[4]

Ziel dieser Arbeit ist es aufzuzeigen, wie Social Media von der Musikindustrie zur Kommunikation und zum Markenmanagement genutzt werden kann, welche Erfolgs- und Misserfolgsfaktoren bestehen und welche Einflüsse auf die wirtschaftlichen Ziele der Musikbranche wirken. Aus den Ergebnissen soll beantwortet werden: Ist Social Media für die Musikindustrie ein Erfolgsgarant oder ein überschätztes Wundermittel?

Die Problemstellung der Arbeit ist dabei in erster Linie für die Musiker selbst relevant, da die sozialen Medien den Künstlern nicht nur eine weitere Stimme verleihen, sondern auch den Einsatz dieser verlangen. Doch um im Social-Media-Dschungel zu bestehen bedarf es oftmals der Unterstützung durch Management und Plattenfirma. Künstlermanager, Produktmanager und Digitalmarketing-Manager aus der Tonträgerindustrie sind aus diesem Grund ebenfalls primäre Adressaten dieser Arbeit. Letztlich werden auch alle beruflich Mitwirkende von Social-Media-Angeboten mit Musikinhalten angesprochen.

Kapitel 2 umfasst eine einführende Beschreibung der für die Musikindustrie interessanten Social-Media-Kanäle. Es werden die großen, weltweit bekannten Massennetzwerke sowie thematisch auf Musik spezialisierte Netzwerkseiten und Blogs beleuchtet. Dabei wird dargestellt, wo Musikinhalte auftreten und welche Kommunikationsmöglichkeiten sich für die Musikindustrie ergeben.

In Kapitel 3 wird darauf aufbauend der Einfluss der sozialen Medien auf die nicht-ökonomischen Kommunikationsziele des Musikgeschäfts aufgezeigt – und weshalb die pure Existenz sozialer Netzwerkportale die Teilnahme darin erfordert. Die Wirkungsbereiche von Social Media umfassen u. a. den Machtverlust von Plattenfirmen und die neuen Möglichkeiten für Newcomer sowie Künstler abseits des Mainstreams. Ferner kristallisieren sich Erfolgsfaktoren für den Marketingwert von Social Media, die Einbindung des Musikkonsumenten, Word-of-Mouth-Marketing und die Umsetzung von Konsumentenwünschen heraus. Schließlich setzt sich der Verfasser auch mit dem Thema Markenmanagement auseinander und erörtert die Bedeutung der sozialen Medien für die Künstler- und Label-Marke. Präsentiert werden entsprechend Empfehlungen für Aufbau und Führung der Künstlermarke sowie ein Blick auf die Vorteile, die die Ausgestaltung der Plattenfirmenmarke mit sich bringt.

Widmet man sich der Frage, wie sich das Internet auf die Umsätze der Musikindustrie auswirkt, so spielen die negativen Folgen von Piraterie stets eine große Rolle. Autoren wie Blumenthal stellen jedoch fest, dass speziell Social Media und die neuartigen Wege, Musik und korrespondierende Inhalte zu konsumieren auch gewinnbringende Vermarktungsmöglichkeiten bieten.[5] Kapitel 4 setzt sich mit dieser Aussage kritisch auseinander und sucht nach Belegen für den Einfluss der sozialen Medien auf die wirtschaftlichen Kommunikationsziele der Musikbranche. Dabei stehen die Umsatzquellen Tonträgerverkauf, Live-Geschäft und Markenpartnerschaften im Fokus. Das Videoportal YouTube wird in einem eigenen Unterkapitel erforscht, da es nicht nur Musikverkäufe beeinträchtigt, sondern durch Musiklizenzierung und Werbeeinnahmen einen gesonderten Umsatzbereich darstellt.

Kapitel 5 beschreibt das Zusammenspiel traditioneller und neuer Medien in der Kommunikationspolitik der Musikindustrie und weist den Stellenwert nach, den klassische Medien wie etwa der Hörfunk in Zeiten von Social Media besitzen.

Im Anschluss blickt Kapitel 6 auf die organisatorischen Aspekte der Social-Media-Kommunikation, die von Kompetenzerweiterung über den optimalen Einsatz benötigter Humanressourcen bis hin zum Einfluss auf die Label-Strukturen reichen.

Abschließend werden in Kapitel 7 vier erfolgreiche Albumkampagnen präsentiert, die aufgrund ihrer Aktualität und ihrem Social-Media-Bezug besonders relevant sind.

2 Musik im Social Media: Erscheinungsformen und Kommunikationsinstrumente

2.1 Massennetzwerke

Diese Arbeit blickt auf die fünf global populärsten Netzwerkseiten, die relevant für Beteiligte der Tonträgerindustrie sind. Dazu gehören Facebook, YouTube, Google+, Twitter und Instagram (s. Abbildung 1). Das auf Geschäftskontakte ausgerichtete Portal LinkedIn ist nicht Gegenstand der Betrachtung.

Abbildung 1: Weltweite Verbreitung sozialer Netzwerke[6]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.1.1 Facebook

Mit weltweit 1,23 Milliarden aktiven Nutzern pro Monat (31.12.2013)[7] ist Facebook (URL: http://www.facebook.com/) das weltweit größte soziale Netzwerk im Internet (s. Abbildung 1). Aufgrund dieser Reichweite und den diversen Hilfsmitteln zur Vermarktung von Musik – nachfolgend beschrieben – stellt sich Face­book als obligatorischer Social-Media-Kanal zur Kommunikation von Künstlerinformationen dar. Collard bestätigt die herausragende Eignung der Netzwerkseite für Musiker.[8]

In der Rubrik „Music on Facebook“ wird aufgezeigt, wie eine Facebook-Seite als kostenloses und einfach handzuhabendes Werkzeug der Musikindustrie dienen kann. Dazu zählen im Einzelnen:[9]

- Ankündigen von Neuigkeiten über Tourneen und Konzerte
- Hochladen von Fotos und Videos von beispielsweise Live-Auftritten
- Vorstellung von Neuveröffentlichungen
- Mit Fans und Journalisten in Kontakt treten z. B. Frage-Antwort-Stunde, gemeinsames Verfolgen einer Fernsehübertragung, Durchführung einer Pressekonferenz

Durch Klicken der „Gefällt mir“-Schaltfläche können Fans die auf der Künstlerseite erstellten Postings abonnieren. Virale Verbreitung der Inhalte entsteht durch interaktives Nutzerverhalten, wie etwa das Kommentieren oder Teilen von Beiträgen.[10]

Neben den Facebook-Seiten werden noch weitere Hilfsmittel für die Musikbranche aufgeführt:

- Werbeanzeigen können für spezifische Zielgruppen geschaltet werden, wobei Merkmale bzgl. Demografie, Interessen und Netzwerk der Zielperson berücksichtigt werden können. So hat die Facebook-Seite des Opernhauses in Sydney durch drei zielgerichtete Kampagnen 21.000 neue Verbindungen gewonnen.[11]
- In die Facebook-Seite integrierte Anwendungen (Applikationen, kurz Apps) dienen dazu, individualisierte Inhalte anzubieten. Dabei können nicht nur bereits bestehende Anwendungen eingebunden, sondern auch eigene entwickelt werden.[12] Beispielsweise verfügt die Seite der Sängerin Rihanna über eine Anwendung, in der Hörproben direkt gespielt und MP3-Downloads gekauft werden können.[13] Ihre Kollegin Lady Gaga bietet wiederum in einer Shop-Anwendung diverse Fanartikel an.[14]
- Künstler können ihren Aufenthaltsort teilen. So gibt Sängerin Katy Perry die Standorte ihrer Tournee an, woraufhin Besucher am jeweiligen Ort „einchecken“ können. Dies wird anderen Nutzern im Netzwerk angezeigt, wodurch sich die Reichweite der Künstlerseite immens erweitern lässt.[15]
- Erstellt ein Künstler Veranstaltungen, können Facebook-Nutzer der Teilnahme an diesen zusagen.[16] So nutzt etwa Rihanna diese Funktion für sämtliche Termine ihrer „Diamonds World Tour“.[17]

Im Mai 2014 kündigt Facebook eine speziell für die Tonträgerindustrie interessante, neue Funktionalität an und unterstreicht damit den Stellenwert von Musik in den sozialen Medien: Erstellt ein Smartphone-Nutzer einen Beitrag in der Facebook-Anwendung, während er Musik hört, fügt das Programm nach erfolgreicher Audio-Identifikation die Künstler- und Titelinformationen in den Beitrag ein. Andere Mitglieder können mithilfe eines Audio-Streamingdienstes (s. 2.2.4) das Musikstück anspielen. Facebook reagiert damit auf den Erfolg von Shazam, einer Smartphone-App zum Erkennen von Musiktiteln.[18]

Nachfolgende Tabelle listet die populärsten Musiker anhand der weltweiten „Gefällt mir“-Angaben ihrer Facebook-Seiten auf und verdeutlicht das große Potential des sozialen Netzwerkes, eine breite Öffentlichkeit zu erreichen.

Tabelle 1: Die 10 populärsten Einzelkünstler und Bands auf Facebook (24.05.2014)[19]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.1.2 YouTube

YouTube (URL: http://www.youtube.com/) ist ein Videoportal, auf dem Videoclips hochgeladen, angesehen und diskutiert werden können.[20] Da es nicht nur das weltweit größte Netzwerk für Videos darstellt[21], sondern auch der global meistgenutzte Musikservice ist[22], spielt es für die Musikwirtschaft insbesondere in der Verbreitung von Musikvideos eine tragende Rolle. Dies zeigt auch ein Blick auf die 50 YouTube-Kanäle mit den meisten Videoabrufen, in der sich 26 offizielle Präsenzen von Künstlern, Musik-Labels, Musikkanälen oder Fernsehshows mit Musikschwerpunkt befinden (Details im Anhang s. 9). You­Tube-Nutzer können diese Kanäle abonnieren.[23]

Das Hochladen von Videos eines Musik-Labels in eigene, strategisch fokussierte Kanäle steigert die Effizienz beim Erreichen der Nutzer. Mögliche Strategiealternativen sind:[24]

- Einzelkanalstrategie: Alle Videos der Künstler eines Labels werden in einem Kanal zur Verfügung gestellt.
- Mehrkanalstrategie: Videos werden in Kanäle für einzelne Künstler hochgeladen und je nach Bedarf zusätzlich auch in den Label-Kanal integriert.
Für ein Major-Label ist demnach folgende Variante sinnvoll:

Tabelle 2: Mögliche Operationalisierung der Mehrkanalstrategie auf YouTube[25]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Innerhalb der Kanäle können wiederum Playlisten erstellt werden, die beispielsweise unterschiedliche Genres bedienen oder weitere Inhalte neben Musik umfassen. So bietet Rihanna neben ihren Musikvideos durch Making-Ofs[26] einen Blick hinter die Kulissen. Ferner werden Trailer, Interviews, Audioproben und reine Songtextvideos insbesondere bei Neuveröffentlichungen als Promotion-Werkzeug empfohlen.[27]

Kuratoren sind Kanalbetreiber, die Musikvideos verschiedener Künstler themenbasiert in ihren Kanal oder in dessen Playlisten integrieren. Der Kanal „new music“ stellt beispielsweise die neuesten Songs einer Woche vor.[28] Vor diesem Hintergrund bietet es sich für Musikschaffende und -vermarkter an, mit beliebten Kanälen zu kooperieren.

Weiterführende Links können in die Videobeschreibung sowie in das Video selbst eingebaut werden, um den Zuseher z. B. direkt zu einem Point-of-Sale wie einer Downloadplattform zu führen.[29]

Neun der zehn erfolgreichsten Künstlerkanäle auf YouTube beruhen auf Partnerschaften mit VEVO (s. nachfolgende Tabelle), dem weltweit führenden Musikvideo-Portal[30]. Diese Videos sind sowohl auf YouTube als auch auf der eigenen Webseite von VEVO verfüg-bar.[31]

Tabelle 3: Die 10 populärsten Musikerkanäle auf YouTube (24.05.2014)[32]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Relevanz von YouTube hinsichtlich Musikvideos für deutsche Besucher der Seite ist eingeschränkt, da viele Videos mit Musikspur hierzulande nicht verfügbar sind. Hintergrund sind Uneinigkeiten zwischen Mutterkonzern Google und der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA), die bisher kein Übereinkommen bezüglich der Lizenzgebühren finden konnten.[33]

Als hiesige Alternative ist MyVideo zu nennen, das mit 6,83 Millionen Unique Usern (März 2014) zu den reichweitenstärksten deutschen Internetseiten gehört[34], ebenfalls Musik als eine der Hauptinhalte anbietet und interaktive Strukturen besitzt[35].

2.1.3 Google+

Das soziale Netzwerk des Suchmaschinenbetreibers Google liegt im 4. Quartal 2013 auf Rang 3 der am weitest verbreiteten Plattformen (vgl. 2.1). Allerdings profitiert Google+ (URL: http://plus.google.com/) bei diesen Ergebnissen von der engen Verknüpfung mit dem hauseigenen Videodienst YouTube.[36] Mashable berichtet im Mai 2014, dass Google+ lediglich ein Fünftel so viele monatlich aktive Nutzer wie Facebook vorweisen kann.[37]

Spitzenreiterin bei den meistgefolgten Musikerseiten ist US-Popstar Lady Gaga mit 8,6 Millionen Abonnenten (sogenannte Follower).[38] Da die Popularitätszahlen von Künstlern somit deutlich hinter denen von vergleichbaren Netzwerken wie Facebook (s. 2.1.1) und Twitter (s. 2.1.4) liegen und ferner Seiten auf Google+ ähnliche Funktionen bieten wie Facebook-Seiten[39], wird in an dieser Stelle nicht näher auf die Plattform eingegangen.

2.1.4 Twitter

Twitter (URL: https://twitter.com/) ist ein Kurznachrichtendienst, über den Mitteilungen mit maximal 140 Zeichen verbreitet werden können. Ein sogenannter Tweet kann neben Text auch Bilder, Videos und Links enthalten. Während bei Facebook Privatpersonen stets ein Profil pflegen und Künstler meist eine öffentliche Facebook-Seite betreiben, gibt es bei Twitter nur eine Art von Profilen.[40]

Auch findet sich bei Twitter eine stärkere Individualisierung der Profile durch die Künstler: Während Rapper Lil Wayne bei Facebook unter seinem bekannten Künstlernamen zu finden ist, bevorzugt er auf Twitter den Nutzernamen @LilTunechi.[41] Diese Aspekte lassen die Annahmen zu, dass der Fan bei Twitter einen gefühlt näheren Draht zum Künstler hat und der Eindruck entsteht, mit dem Künstler selbst zu sprechen und nicht mit seinem Marketingteam.

Nutzer können die Tweets anderer „retweeten“ – d. h. eine Kopie des Original-Tweets veröffentlichen. Je nach Branche, der die Autoren des Tweets angehören, können unterschiedliche Inhalte die Wahrscheinlichkeit für einen Retweet erhöhen. Folgende Tabelle zeigt die fünf effektivsten Elemente für Autoren der Musikindustrie:[42]

Tabelle 4: Effekt auf Anzahl der Retweets bei Twitter

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ein Hashtag bezeichnet Wörter und Ausdrücke, vor die eine Raute gesetzt wird, z. B. „#RihannasNewAlbum“. Dadurch wird der Ausdruck als Link dargestellt, der nach einem Klick weitere Tweets zum entsprechenden Thema anzeigt. Hashtags finden sich oft in den sog. Trends, einer Liste der zu einem Zeitpunkt meistgenannten Worte oder Ausdrücke auf Twitter.[43]

US-Sängerin Katy Perry führt mit 53,2 Millionen Followern die Liste der meistgefolgten Künstler an.[44] Bei der Bewertung der Kennzahl Fans im Social Media ist aufgrund gefälschter Profile jedoch besonders bei Twitter Vorsicht geboten (s. 3.1).

2.1.5 Instagram

Instagram (URL: http://instagram.com/) ist eine Applikation für mobile Endgeräte, mit der ein Nutzer Fotos aufnehmen, sie mit einem Filter versehen und anschließend in das soziale Netzwerk einstellen kann.[45] Auch Videos mit einer Länge von maximal 15 Sekunden lassen sich teilen.[46]

Die gefragteste Persönlichkeit auf Instagram mit 12,4 Millionen Followern (Januar 2014) ist der kanadische Sänger Justin Bieber.[47]

2.2 Netzwerke mit thematischem Schwerpunkt auf Musik

2.2.1 Last.fm

Last.fm (URL: http://www.last.fm/) wird definiert als soziale Netzwerkseite mit Internetradio-Funktion.[48]

Der Dienst zeichnet mithilfe einer Software das Hörverhalten seiner Nutzer auf und stellt Statistiken zusammen, auf deren Grundlage Empfehlungen zu bisher unbekannter Musik gegeben werden. Dabei werden für die individuellen Vorschläge die Ergebnisse aus dem Hörverhalten aller Last.fm-Mitglieder ausgewertet. Nutzer können sich über die Plattform anhand von Freundschaftsanfragen verbinden und erhalten Mitglieder mit einem verwandten Musikgeschmack als Freundschaftsvorschläge (sog. „musikalische Nachbarn“).[49]

Jeder Nutzer verfügt über eine persönliche Profilseite. Ferner können die Mitglieder im Forum Unterhaltungen führen und sich in einzelnen Themengruppen austauschen.[50]

Last.fm stellt zudem als weltweit größtes Musiknetzwerk einen interessanten Kommunikationskanal für die Musikindustrie dar, um durch Werbung gezielt ein junges und äußerst musikaffines Publikum anzusprechen. Anhand des Hörverhaltens und weiterer Profilinformationen lässt sich eine fokussierte Anzeigenschaltung sicherstellen. Künstler und Labels haben zudem die kostenlose Möglichkeit, ihr Repertoire über das Last.fm-Radio zu promoten. Auch hier ist eine dem Musikgeschmack entsprechende Zielgruppenansprache gesichert.[51]

2.2.2 MySpace

MySpace (URL: http://myspace.com/) erlaubt es Künstlern, kostenlos einen professionellen Webauftritt innerhalb des Portals zu erstellen, Musik hochzuladen und Inhalte wie Albumcover oder persönliche Nachrichten zu teilen. Collard unterstreicht die ursprüngliche Bedeutung der sozialen Netzwerkseite:[52]

MySpace marked the first major milestone in the relationship between musicians and social media.

Auch Andzulis et al. verdeutlichen, dass MySpace dazu beigetragen hat, Persönlichkeiten im Musikgeschäft zu Ruhm zu führen. Allerdings ist es erst Facebook, das Menschenmassen global vernetzt und eine enge und einfach herzustellende Beziehung zum Konsumenten ermöglicht.[53] Seit dem Siegeszug von Facebook hat MySpace mit sinkenden Besucherzahlen zu kämpfen, trotz Wiedereröffnung der Seite Anfang 2013. Im März 2014 zählt das Portal laut Marktforschungsunternehmen ComScore (im Auftrag von LA Weekly) lediglich 5,4 Millionen Unique Visitors und liegt damit um mehr als 125 Millionen Einzelbesucher unter dem Wert von F­ace­­book.[54]

Dhar & Chang stellen außerdem bereits im Jahr 2009 fest, dass die Zahl der „Freunde“, die ein Künstler bei MySpace besitzt, keinen statistisch signifikanten Einfluss auf den Rang eines Albums in den Amazon-Musik-Charts hat.[55]

2.2.3 SoundCloud

SoundCloud (URL: http://soundcloud.com/) ist das populärste globale Portal für Tonaufnahmen. Die Seite verfügt über klassische Netzwerkfunktionen wie z. B. Profilseiten, „Gefällt mir“-Schaltflächen, Kommentare, Follower und private Nachrichten. Audiodateien – insbesondere Musik – können nicht nur im sozialen Netzwerk selbst geteilt werden, sondern mithilfe eines Abspielprogramms auch auf einfache Weise in andere Webseiten eingebunden werden.[56] So bietet beispielsweise der Guardian Music Blog mithilfe der SoundCloud-Integration die Möglichkeit, ein Album der australischen Sängerin Kylie Minogue vor Verkaufsstart zur Probe zu hören.[57]

Zugleich ist SoundCloud im Jahr 2013 das – im Vergleich zu anderen großen Portalen – am schnellsten wachsende soziale Netzwerk.[58]

2.2.4 Audio-Streamingdienste

Verschiedene Autoren bestätigen die zunehmende globale Popularität von Musik-Streaming. Datta et al. attestieren den werbe- und abonnementfinanzierten Diensten sogar das Potential, sich zur Alternative zum Kauf von Musik zu entwickeln.[59]

Mark Harris vom Expertennetzwerk About.com definiert Streaming – technisch korrekt bezeichnet als Audio-Streaming – als „eine Methode, Ton zu übermitteln, ohne die Notwendigkeit, die Dateien verschiedener Audioformate herunterzuladen.“[60]

Dass Audio-Streaming nicht nur ein Distributionskanal für digitale Tonträgerformate, sondern auch ein attraktiver Kommunikations- und Social-Media-Kanal mit innovativen Gestaltungsmöglichkeiten darstellt, wird am Beispiel des Weltmarktführers Spotify[61] (URL: https://www.spotify.com/) aufgezeigt. Boström et al. küren Spotify als Innovator für den Konsum von Musik im Social Media.[62]

Nutzer der Plattform verfügen wie auch in sozialen Netzwerken über ein eigenes Profil und können Künstlerprofilen folgen. Dadurch erhalten sie Benachrichtigungen bei Neuveröffentlichungen oder Konzertterminen und finden Beiträge des Künstlers im persönlichen Nachrichten-Feed bei Spotify. Dort werden Fans auch darüber informiert, welche Musik die Künstler selbst abspielen. Musiker und Nutzer können Playlisten zusammenstellen und diese untereinander im Netzwerk teilen und empfehlen.[63]

Des Weiteren bietet der Streamingdienst die Möglichkeit, das Nutzerprofil mit Facebook zu verbinden. Nach der Verknüpfung erscheinen Echtzeit-Informationen des Hörers auf Facebook – so wird z. B. im Newsticker der aktuell gespielte Song mitgeteilt. Freunde können plattformübergreifend Musik miteinander teilen. Die Partnerschaft der Netzwerke kann somit die Reichweite eines Künstlers und seiner Musik vergrößern.[64] Spotify-Nutzer können ihr Konto ebenso mit ihrem Last.fm-Profil paaren.[65]

Auf der Startseite des Programms werden ausgewählte Playlisten für verschiedene Themenbereiche vorgeschlagen, Nachrichten über Künstler angekündigt sowie Musikneuheiten vorgestellt. Eine weitere Funktion ist die personalisierte Entdecken-Seite. Je nach bisherigen Hörgewohnheiten schlägt Spotify passende Musik für den Nutzer vor. Künstler und Musik-Labels haben außerdem die Option, Bannerwerbung zu schalten, die auf Alben, Anwendungen, Playlisten oder Profile innerhalb des Programms verlinkt werden.[66]

Ein Herzstück des Programms und somit eine weitere Gemeinsamkeit mit Facebook sind Apps, d. h. eigenständige Applikationen, die innerhalb des Programms aufgerufen werden können. Nachfolgender Screenshot zeigt die beliebtesten „Social Apps“, die beispielsweise das gemeinsame, interaktive Hören von Musik ermöglichen:

Abbildung 2: Die beliebtesten sozialen Anwendungen auf Spotify[67]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.3 Blogs

2.3.1 Musikblogs

Antony Bruno vom US-Branchenmagazin Billboard erklärt, dass Musikblogs dem Musikfernsehen MTV dabei zuvorgekommen sind, sich zu „digitalen Tastemakern“ zu entwickeln, d. h. als meinungsführendes Medium die Verbraucher auf Musik eines Künstlers aufmerksam zu machen und sie zum Konsumieren der Musik zu bringen. Der Autor stuft folgende Blogs als etabliert ein:[68]

- Pitchfork (URL: http://pitchfork.com/)
- Stereogum (URL: http://www.stereogum.com/)
- Brooklyn Vegan (URL: http://www.brooklynvegan.com/)

2.3.2 Musikblog-Aggregatoren

Dem Markt der Musikblogs attestieren Gamble & Gilmore im Jahr 2013 eine Marktsättigung, die mit einer Überforderung der Konsumenten einhergeht.[69] Dies bestärkt die Daseinsberechtigung von Musikblog-Aggregatoren wie etwa Hype Machine (URL: http://hypem.com/), die weltweit Musikblogs verfolgen und deren Inhalte zusammenfassen.[70]

2.4 Verknüpfung der Kommunikationskanäle

Adam Blumenthal, Billboard-Journalist, illustriert beispielhaft die Sinnhaftigkeit der Verbindung digitaler Kommunikationskanäle: So könnte eine Email an die Fans zur Künstler-Webseite weiterleiten, die das neue Album vorstellt. Auf dieser Seite befindet sich ein Online-Spiel – inhaltlich fokussiert auf das Album – welches mit der Facebook-Seite des Künstlers verknüpft ist. Auf Facebook finden dann weitere Aktionen statt. Marketingbotschaften und Calls-to-Action verstärken dabei den Verbundeffekt der Kanäle.[71]

3 Social Media und die nicht-ökonomischen Kommunika­tions­ziele der Musikindustrie: Einflüsse und Erfolgsfaktoren

3.1 Marketingwert von Social Media

Billboard-Redakteur Alex Pham beschreibt, dass der Marketingwert eines Tweets, Facebook-Fans oder SoundCloud-Followers für jede Marke, Produkt, Konsument und Interaktionsquelle unterschiedlich hoch sein kann. Er richtet sich beispielsweise nach dem Absender von Beiträgen in Künstlerprofilen (s. 3.10.4.1).[72]

Daniel Wylkop, Radiopromoter, weist an dieser Stelle auf die Macht hin, die die Kennzahlen z. B. bei der Vermarktung von Newcomern im wichtigen Hörfunkgeschäft haben. So ziehen Radioverantwortliche bei der Entscheidung über die Aufnahme eines Songs in das Programm oft auch die Zahl der Facebook-Fans oder YouTube-Klicks des Künstlers in Betracht. Social Media hat demnach Einfluss auf den medialen Wert von Künstlern.[73]

Unechte Profile können die Kennzahlen auf sozialen Netzwerkseiten allerdings künstlich in die Höhe treiben. Dies ist besonders bei Twitter zu beachten, da dort im Gegensatz zu beispielsweise Facebook eine Anmeldung per Pseudonym und ohne die Angabe des Klarnamens erlaubt ist.[74]

Die Software-Entwicklungsfirma StatusPeople um Chefentwickler Rob Waller kann dabei feststellen, wie viele Twitter-Follower eines Profils gefälscht sind. 2013 untersuchen die Social-Media-Analysten eine Stichprobe über 33.000 Follower von Katy Perrys ersten 1,25 Millionen Followern, die sie zu Beginn ihrer Karriere gesammelt hat. Dabei kommen sie zum Ergebnis, dass 42% der Follower gefälscht sind, 36% inaktiv und 22% als „gut“ einzustufen sind. Dieser Umstand müsse bei der Einschätzung der Beliebtheit und Reichweite von Katy Perry und anderen Persönlichkeiten auf Twitter beachtet werden.[75]

Eine Grafik von Statista mit Daten der Dienste Socialbakers und Twitaholic bestätigt dieses Phänomen und zeigt, dass Katy Perry kein Einzelfall ist:

Abbildung 3: Top-10-Twitter-Profile im April 2013 und Anteil der Fälschungen[76]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.2 Grundlegende Notwendigkeit zur Teilnahme an Social Media

Nicht nur bei vermeintlichen Fan-Accounts tritt das Problem der Fälschung auf – auch bei Künstlerprofilen ist Vorsicht geboten. New Media Marketing Manager Zak Weil von der Concord Music Group erklärt im Interview mit Collard, dass ohne einen offiziellen Social-Media-Auftritt inoffizielle Seiten in den Vordergrund rücken. Deren Betreiber können den Künstler u. U. nicht nur falsch darstellen, sondern auch gezielt dessen Ruf schädigen. Hierin begründet sich für Collard das allgemeine Erfordernis eines offiziellen Künstlerprofils auf den sozialen Netzwerkseiten.[77]

Große Plattformen wie Facebook und Twitter bieten passenderweise eine Verifizierungsmarkierung für die offizielle Künstlerseite an.[78]

3.3 Engagement und Einbindung von Fans

Mit Ausnahme der Erstellung vermeintlich offizieller Präsenzen im Web 2.0 ist das Engagement der Anhänger eines Künstlers wertvoller denn je.

Baym & Burnett legen dar, dass Fans dazu motiviert sind, sich proaktiv für ihre präferierten Künstler einzusetzen. Durch die Digitalisierung und die damit einhergehenden Möglichkeiten, durch eigenes Bemühen einen Künstler im Social Media zu unterstützen, erhalten sie eine bedeutungsvolle Rolle in der Verbreitung von Künstlerinformationen. Die Autoren verdeutlichen, dass das Engagement einzelner Fans dabei gewiss eine unterschiedliche Wirkungsstärke vorweist, in der Summe die Anhänger jedoch eine globale Aufmerksamkeit für einen Künstler und seine Musik bewerkstelligen können, die weder der Musiker alleine noch das Label erreichen können.[79]

Collard erklärt in diesem Zusammenhang, dass Zusatzmaterial wie etwa kostenlose Musik-Downloads oder exklusive Inhalte das kontinuierliche Engagement der Fans sicherstellen.[80]

Auch innovative Live-Erlebnisse haben das Potential, Fans zu animieren. Gamble & Gilmore halten es für realistisch, dass die aktive Einbindung von Konzertbesuchern in Live-Veranstaltungen durch mobile Apps immer vielfältiger und öfter durchgeführt wird, da mobile Geräte stets anwenderfreundlicher werden.[81]

Ein Praxisbeispiel, bei dem sich die Motivation von Fans zunutze gemacht wird, zeigt die Alternative-Rock-Band Pixies, die ihre Fanbasis dazu anspornt, Bildmaterial von Konzerten auf der Band-Webseite zu teilen, um ein gemeinsames Tournee-Archiv zu erstellen.[82] Die Hard-Rock-Band Kiss bietet Konzertbesuchern wiederum eine Smartphone-App an, mit der sie hochgeladene Fotos bei Live-Konzerten auf Leinwänden anzeigen lassen können.[83]

Eine erweiterte Variante dieser Idee stellen Peters et al. im Fachmedium Billboard vor: Bei der 2011 stattfindenden Tournee von Popsängerin Katy Perry wird erstmals eine „Tweet-2-Screen“-Kampagne eingesetzt. Tweets von Konzertbesuchern, die mit einem bestimmten Hashtag versehen sind, werden live und personalisiert auf Bildschirme übertragen. Digitalstratege Glenn Miller sieht in der viralen Verbreitung der Tweets, unterstützt durch die Suche nach Kennworten oder dem jeweiligen Hashtag, einen weiteren Vorteil der Idee.[84]

3.4 Mundpropaganda und Word-of-Mouth-Marketing

Zusätzlich zur Gruppe der Fans hat Social Media auch für das breite Massenpublikum neue Möglichkeiten zum Diskutieren über Musik hervorgebracht, wie Dewan & Ramaprasad verdeutlichen. So ist es einfacher, gleichzeitig mit der Empfehlung für Musik diese mit dem Gesprächspartner auch direkt zu teilen. Hinzu kommt, dass verschiedene Ausprägungen von Social Media auf das Teilen und Konsumieren von Musik spezialisiert sind. Dazu zählen Videoportale wie YouTube, Last.fm, Streamingdienste wie Mog und Pandora, Musikblogs und Musikblog-Aggregatoren wie Hype Machine.[85]

In klassischen Massennetzwerken sind laut Gamble & Gilmore Diskussionen über Musik ebenfalls omnipräsent: Geteilt werden das Produkt selbst (Songs, Musiktexte, Musikvideos) sowie vor allem meinungsbasierte Unterhaltungen dazu.[86]

Ferner legen Datta et al. im Zusammenhang mit Word-of-Mouth dar, dass Brand Endorsement durch Konsumenten – beispielsweise mit einem Facebook-Like – andere Nutzer im Social Media beeinflussen kann und sprechen von der Möglichkeit eines „Ansteckungseffekts“.[87]

In den Augen von Preston & Rogers gewinnt Word-of-Mouth in Zeiten von Social Media dabei insbesondere für Independent-Künstler abseits des Mainstreams an Bedeutung, da es nicht mehr auf die Personen im unmittelbaren Umfeld begrenzt ist. Mundpropaganda findet heutzutage über weite, geographische Grenzen statt und erreicht zudem mehr Personen. Die Autoren sehen aber auch für die gesamte Musikindustrie neue Facetten im Word-of-Mouth-Marketing. Hierbei ist der Einbezug von Meinungsführern durch das Internet generell vielschichtiger geworden.[88]

Marketing durch Mundpropaganda setzt somit auch die Zusammenarbeit mit Musik-bloggern voraus (s. 2.3). Dhar & Chang weisen jedoch darauf hin, dass Blogs je nach ihrem Einflussreichtum auch entsprechend stark von der Medienlandschaft beobachtet werden. Eine Manipulation des Inhalts durch Absprachen zwischen Plattenfirma und Blogger wird dann auf einfache Weise offensichtlich.[89]

Halpern, Redakteur der britischen Music Week, sieht Empfehlungen und Kommunikation abgezielt auf Mundpropaganda ebenfalls als unerlässlich für eine Musik-Marketing-kampagne an.[90] Auch Gamble & Gilmore vertreten diese Meinung und prognostizieren im Jahr 2013, dass die Macht des Konsumenten und seine aktive Einbindung der Kern zukünftiger Vermarktungsstrategien bilden werden.[91]

Der auf die Musikindustrie spezialisierte PR-Berater Dawes sieht weiterhin den Vorteil, dass sich die Nachricht neuer Musik in Windeseile herumsprechen kann. Er warnt jedoch davor, dass sich umgekehrt falsche oder schädigende Informationen ebenso einfach verbreiten können. Social Media muss wie klassische Nachrichten zu jeder Tages- und Nachtzeit beobachtet werden. Es muss in der Weise genutzt werden, dass die Reichweite positiver Beiträge ausgedehnt wird und Falsch- oder schädigende Informationen zügig kontrolliert werden können.[92]

Ein passendes wie auch gleichzeitig erfolgreiches Praxisbeispiel ist David Bowies Album „The Next Day“ im Jahr 2013, für dessen Vermarktung Word-of-Mouth im Mittelpunkt steht. Die PR-Agentur Outside Organisation bringt – angetrieben durch das Überraschungs-Comeback des britischen Sängers – eine aufmerksamkeitsstarke Twitter-Kampagne ins Rollen.[93]

Aus den Erkenntnissen ist zu schließen, dass durch die interaktive Natur von Web 2.0 das Word-of-Mouth-Marketing für die Musikindustrie umso gewichtiger wird. Die erhöhte Erreichbarkeit von Personen als auch der technische Komfort zum Teilen von Inhalten können zudem die Dynamik von Mundpropaganda bezüglich Musik steigern.

3.5 Verlagerung der Machtverhältnisse

Einen etwas radikaleren Blick auf die heutige Rolle von Konsumenten werfen Baym & Burnett, die im Laufe der Zeit eine Verlagerung der Machtverhältnisse von Plattenfirmen hin zum Konsumenten beobachten: Waren Musik-Labels früher mit monopolistischer Macht über den Erfolgsweg eines Künstlers ausgestattet, so können im digitalen Zeitalter auch die (Nicht-)Fans das Schicksal von Künstlern beeinflussen.[94]

Betrachtet man die britische Band Arctic Monkeys, die zu Beginn ihrer Karriere ohne Unterstützung einer Plattenfirma durch engagierte Online-Fans Erfolge feiern kann[95], stellt sich die Frage, ob Labels überhaupt noch relevant für den Künstlererfolg sind. In Kapitel 6, das die Organisation der Kommunikation der Musikindustrie zum Thema hat, wird ein detaillierter Blick auf die Relevanz von Major-Labels geworfen (s. 6.4).

3.6 Besseres Verständnis von Konsumentenbedürfnissen und Märkten

Infolge des gestiegenen Einflusses der Konsumenten scheint es für die Tonträgerindustrie sinnvoll, sich noch intensiver auf die Wünsche jener auszurichten.

Vor diesem Hintergrund stellt Collard fest, dass Social Media Künstlern die Möglichkeit eröffnet, auf direktem Weg Präferenzen und Bedürfnisse von Musikfans zu erfahren und diese besser erfüllen zu können. So können nicht nur Meinungen zur eigenen Künstlermarke aufgedeckt werden, sondern auch die Richtungen, in welche der Musikmarkt und die Hörerbedürfnisse steuern. Nikki Sixx, Mitglied der Rockband Motley Crue, erkundigt sich beispielsweise auch nach anderen Bands, deren Musik seine Follower aktuell hören, um deren Vorlieben heraus­zufinden.[96]

Pham spricht diesbezüglich in einem Billboard-Bericht das Thema „Big Data“ an: Wissenschaftler sehen in den immensen Datenmengen aus sozialen Medien eine wertvolle Quelle für Social Analytics mit Vorhersagekraft für die Musikindustrie. Diese Informationen standen vor der Digitalisierung nicht zur Verfügung und man musste sich mit Verkaufszahlen, Kritiken und Radiostatistiken begnügen – Informationen, die erst nach Veröffentlichung der Musik zur Verfügung standen. Die heutigen Analysemethoden erlauben es somit besser, Trends zu erkennen. Ein Beispiel ist Shazam, eine Smartphone-App zum Erkennen von Musik. Die Anwendung nutzen Konsumenten vor allem bei ihnen unbekannter Musik in Funk und Fernsehen; der identifizierte Titel kann anschließend in den sozialen Netzwerken geteilt werden. Mit den erworbenen Statistiken kann Shazam den kommerziellen Erfolg eines Musikstücks voraussagen.[97]

Datta et al. verdeutlichen ebenso, dass sich die aus sozialen Portalen gewonnenen Massendaten als vorteilhaft für das Verstehen von Musikmärkten und -konsumenten erweisen. Plattenfirmen haben nun die Möglichkeit, kontinuierlich die Wertschätzung ihrer Produkte von Konsumenten festzustellen – also auch in Zeiten geringer Verkaufszahlen, in denen bisher auf Marktkennzahlen und Umfragen zurückgegriffen wurde. Dies hat besonders hohe Relevanz für die Musikindustrie, da die Verkaufszahlen nach der Veröffentlichung eines neuen Produkts für gewöhnlich stark sinken. Die in Big Data enthaltenen Zahlen spielen somit eine hilfreiche Rolle, um die dauerhafte Performance einer Künstlermarke zu untersuchen. So lässt sich anhand der Zahl abgespielter Titel auf Last.fm unabhängig von den Verkaufszahlen feststellen, wie oft und wie lange ein Musiktitel tatsächlich konsumiert wird. Auch die „Gefällt mir“-Angaben auf Facebook bieten sich in stillen Verkaufszeiten als Stimmungsbarometer der Künstlermarke an.[98]

3.7 Social Media als erster Kontaktpunkt zwischen Konsument und Produkt

Collard legt Künstlern nahe, ihre eigenen Social-Media-Profile als primäre Kanäle zur Verbreitung von Inhalten zu wählen. Dadurch geben sie ihren Fans das wertschätzende Gefühl, die bevorzugten und ersten Adressaten von Neuigkeiten zu sein.[99]

Darüber hinaus sehen laut einer Umfrage in zehn führenden Weltmärkten für Musik 46% der Befragten die Möglichkeit, Musik zu entdecken als einen der Hauptgründe, Video-Streamingseiten aufzurufen.[100] Dickinson erklärt zugleich, dass Konsumenten Musikblogs lesen, da sie nur dort über die vorgestellte Musik erfahren würden.[101]

Dies lässt auf eine Erweiterung der Reichweite für Musik durch Social Media schließen, das in vielen Fällen den ersten Kontakt zum Produkt für den Konsumenten herstel­lt. Dies gilt besonders für Musik abseits des allgemeinen Trends – wie das nachfolgende Kapitel zeigt.

[...]


[1] Baym & Burnett (2009), S. 434

[2] Collard (2012), S. 7

[3] Peoples (2013a), S. 30f.

[4] Pellikan (2012)

[5] Blumenthal (2010), S. 4

[6] GlobalWebIndex (2014), S. 3

[7] Facebook (2014a)

[8] Collard (2012), S. 43

[9] Bezieht sich auf diesen Absatz und die folgende Aufzählung: Facebook (2013); Facebook (2014b)

[10] Facebook (2014c)

[11] Ebd.

[12] Ebd.

[13] Rihanna (2012)

[14] Lady Gaga (2014)

[15] Facebook (2014c)

[16] Facebook (2014c)

[17] Rihanna (2013)

[18] Pepitone (2014)

[19] Fan Page List (2014a)

[20] YouTube (2014)

[21] GlobalWebIndex (2014)

[22] International Federation of the Phonographic Industry (2014), S. 20

[23] Socialbakers (2014a)

[24] Bezieht sich auf diesen Absatz und die folgende Aufzählung: YouTube (2013), S. 7f.

[25] YouTube (2013), S. 9

[26] Rihanna (2014)

[27] YouTube (2013), S. 14

[28] YouTube (2013), S. 11

[29] YouTube (2013), S. 12, 16

[30] VEVO (2014)

[31] Peterson (2013)

[32] Socialbakers (2014a)

[33] MusikWoche (2014a)

[34] Arbeitsgemeinschaft Online Forschung e.V. (2013)

[35] MyVideo (2014)

[36] Smith (2013)

[37] Wagner (2014)

[38] Socialbakers (2014b)

[39] Google+ (2014)

[40] Twitter (2014a)

[41] Peoples (2013a), S. 30f.

[42] Bezieht sich auf diesen Absatz und die folgende Tabelle: Twitter (2014b)

[43] Twitter (2014c)

[44] Fan Page List (2014b)

[45] Instagram (2014)

[46] Instagram (2013)

[47] The Roosevelts (2014)

[48] Oestreicher-Singer & Zalmanson (2013), S. 592f.

[49] Last.fm (2014a)

[50] Last.fm (2014b)

[51] Last.fm (2014c); Last.fm (2014d)

[52] Bezieht sich auf diesen Absatz und das folgende Zitat: Collard (2012), S. 13f.

[53] Andzulis et al. (2012), S. 306

[54] Westhoff (2014)

[55] Dhar & Chang (2009), S. 305

[56] SoundCloud (2014a); SoundCloud (2014b)

[57] The Guardian (2014)

[58] Pham (2013), S. 28-30

[59] Datta et al. (2013), S. 29; International Federation of the Phonographic Industry (2014), S. 5

[60] Harris (2014)

[61] Pilz (2014)

[62] Boström et al. (2013), S. 106

[63] Spotify (2014a)

[64] Boström et al. (2013), S. 106

[65] Dredge (2014)

[66] Spotify (2014b)

[67] Dieser Screenshot vom 18.05.2014 stammt aus der Spotify-Version 0.9.10.14.g578d350b für Windows.

[68] Bruno (2011), S. 16-19

[69] Gamble & Gilmore (2013), S. 1874

[70] Hype Machine (2014)

[71] Blumenthal (2010), S. 4

[72] Pham (2013), S. 28-30

[73] Wylkop (2014), S. 18

[74] Ingram (2011)

[75] Waller (2013)

[76] Statista (2013)

[77] Collard (2012), S. 58

[78] Protalinski (2013)

[79] Baym & Burnett (2009), S. 434-437

[80] Collard (2012), S. 24

[81] Gamble & Gilmore (2013), S. 1874

[82] Forde (2010a), S. 1

[83] Forde (2010b), S. 1

[84] Peters et al. (2012), S. 4f.

[85] Dewan & Ramaprasad (2014), S. 101f.

[86] Gamble & Gilmore (2013), S. 1875

[87] Datta et al. (2013), S. 29

[88] Preston & Rogers (2011), S. 15f.

[89] Dhar & Chang (2009), S. 306

[90] Halpern (2005), S. 18

[91] Gamble & Gilmore (2013), S. 1880

[92] Pakinkis (2013), S. 16

[93] Pakinkis (2013), S. 17

[94] Baym & Burnett (2009), S. 439

[95] Gamble & Gilmore (2013), S. 1879

[96] Collard (2012), S. 25f.

[97] Pham (2013), S. 28-30

[98] Datta et al. (2013), S. 27, 37

[99] Collard (2012), S. 30-32

[100] International Federation of the Phonographic Industry (2014), S. 11

[101] Dickinson (2011), S. 33

Details

Seiten
69
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656723455
ISBN (Buch)
9783656723448
Dateigröße
1003 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v279239
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main – Professur für Dienstleistungsmarketing, Fachbereich Wirtschaftswissenschaften
Note
1,3
Schlagworte
Musikindustrie Musik Last.fm MySpace SoundCloud Streaming Spotify Katy Perry Lady Gaga Plattenfirma Plattenfirmen Label Piraterie Musikpiraterie YouTube GEMA Major-Label Avicii Daft Punk Beyoncé Social Media Markenmanagement Kommunikation Brand Management Marken Marke Künstler Facebook Instagram Twitter Google+ Google Plus Google + Napster Blog Musikblog Mundpropaganda Word-of-Mouth Independent Label Musiklabel Markenaufbau Fan Genre

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Titel: Kommunikation und Markenmanagement in der Musikindustrie