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Die Kulturpolitik im Dritten Reich. Beethoven-Rezeption in der nationalsozialistischen Ideologie

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 11 Seiten

Musik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kulturpolitische Strukturen im „Dritten Reich“
2.1 Die Reichskulturkammer
2.2 Die Reichsmusikkammer

3. Beethoven-Rezeption in der Nationalsozialeistischen Ideologie

4. Schluss

5. Quellen und Literaturverzeichnis

6. Anhang

1. Einleitung

Rezeption von Musik findet auf verschiedenen Ebenen und in unterschiedlichen Kontexten statt. Sie passt sich beispielsweise auf der funktionsgeschichtlichen Ebene den politischen Rahmenbedingungen an. Rezeption von Musik unterscheidet sich in einer Demokratie und Diktatur grundsätzlich, nicht nur weil die eine politische Form eine liberale ist als die andere, sondern auch weil Kultur in dem jeweiligen politischen System eine andere Funktion zugewiesen wird.

In den folgenden Texten soll der Zusammenhang zwischen der Kulturpolitik des „Dritten Reiches“ und der Beethoven-Rezeption in der Ideologie der Nationalsoziallisten hergestellt werden. Dazu soll erst erläutert werden welche Institution im NS Regime für die Kulturpolitische Verwaltung zustän- dig war. Nach der Klärung der Struktur und Funktion der Reichskulturkammer wird näher auf die Reichsmusikkammer eingegangen, die als Unterkammer der Reichskulturkammer speziell für die Organisation der musikalischen Strukturen verantwortlich war. In dem letzten Beitrag wird versucht zu erklären warum gerade Ludwig van Beethoven in dieses komplex zentralisiert verwaltete System gepasst hat und in weit die Person Beethoven auf die Ideologie der Nationalsoziallisten zu- geschneidert worden ist. Bei der Recherche wurde insbesondere auf der Grundlage des Aufsatzes „Beethoven im Dritten Reich - Eine Materialsammlung“ von Heribert Schröder und der Mono- grafie von Uwe Julius Faustmann, „Die Reichskulturkammer: Aufbau, Funktion und rechtliche Grundlagen einer Körperschaft öffentlichen Rechts im nationalsozialistischen Regime“ zurückge- griffen, die daneben noch verwendete Literatur ist am Ende der Arbeit als Bibliographie aufgeführt.

2. Kulturpolitische Strukturen im „Dritten Reich“

2.1 Die Reichskulturkammer

„ In einem prinzipiellen Sinn gehören die kulturellen und wissenschaftlichen Themen, weil eine totalitäre Diktatur jeden und alles, vor allem auch die Gemüter und Gefühle, die Körper und Gedanken der Untertanen zu kontrollieren bemüht ist, in den auch für das „ Dritte Reich “ konstitutiven Rah men einer staatliche propagierten Lenkung. “ 1

Um diesem, von Klaus Hildebrandt formulierten Ziel, der Lenkung kulturellen Öffentlichkeit, wurde, als mächtigstes Werkzeug der nationalsozialistischen Kulturpolitik, am 22. September 1933 die Reichskulturkammer gegründet. Den Vorsitz dieser neuen Institution übernahm der Minister für Volksaufklärung und Propaganda, Joseph Goebbels.

§ 1. Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda wird beauftragt und ermächtigt, die Angehörigen der Tätigkeitszweige, die seinen Aufgabenkreis betreffen, in Körperschaften desöffentlichen Rechts zusammenzufassen. “ 2

Die Reichskulturkammer wurde somit in sieben Einzelkammern untergliedert: in die Reichskammer der bildenden Künste, die Reichspressekammer, die Reichsrundfunkkammer, die Reichsmusikkammer, die Reichstheaterkammer, die Reichsfilmkammer und die Reichsschriftumskammer. Diese neu geschaffenen Organe des NS-Staates sollte den Gleichschaltungspolitik im Kulturbereich überwachen, diese Überwachung wurde durch Zensur und Zwangsmitgliedschaft der deutschen Künstlerschaft umgesetzt. Für die Mitgliedschaft3 in der jeweiligen Kammer musste jeder Kunstschaffende einen Ariernachweis erbringen, er erhielt nach dem Nachweis einen Ausweis, der ihn berechtigte seine künstlerischen Tätigkeiten öffentlich auszuüben. Diejenigen die diesen Ariernachweis nicht erbringen konnten, wurden ausgeschlossen, was mit einem Berufsverbot gleich zu setzen war. Diese Reglungen betrafen insbesondere jüdische Künstler.

Mit der von der Reichskulturkammer ausgehenden Politik wurde die künstlerische Vielfalt, die ins- besondere in den, als „Golden Zwanzigern“ bezeichneten Zeitraum, aufgekommen war stark einge- schränkt. Dabei spielte zum Beispiel die „Ausstellung für Entartete Kunst“, welche im Jahre 1937 in München eröffnet wurde, eine wesentliche Rolle. Simultan fand die „Die erste große deutsche Kunstausstellung“ statt, sozusagen als Gegenüberstellung, da sie maßgebend für die im Nationalso- zialismus bevorzugte Kunst stand. Des weiteren ist die Ausstellung zur „Entarteten Musik“ anzu- führen, welche parallel zu den Reichsmusiktagen (siehe unten) in Düsseldorf im Mai 1938 stattfan- den, eröffnet wurde.

2.2 Die Reichsmusikkammer

„ Kunst im absoluten Sinne, so wie der liberale Demokratismus sie kennt, darf es nicht geben. Der Versuch ihr zu dienen, würde am Ende dazu führen, da ß das Volk kein inneres Verhältnis mehr zur Kunst hat, und der Künstler selbst sich im luftleeren Raum des l ´ art-pour-l à rt-Standpunktes 4 von den treibenden Kräften der Zeit isoliert und abschlie ß t. Gut mu ß die Kunst sein: darüber hinaus aber auch verantwortungsbewusst, gekonnt, volksnah und kämpferisch. “ 5 - Joseph Goebbels Dies ist die Antwort von dem Reichspropagandaleiter Joseph Goebbels an Wilhelm Furtwängler auf dessen offenen Brief mit Kritik gegenüber der Kulturpolitik des 3. Reiches. Goebbels formuliert hier weitestgehend die Zielsetzung der Reichskultur-, bzw. Reichsmusikkammer, auf die im späte- ren noch einmal detaillierter eingegangen werden soll. Furtwängler war kurze Zeit Vizepräsident der Reichsmusikkammer trat dann jedoch zusammen mit Richard Strauss, der Präsident der Reichs- musikkammer gewesen war, 1934 zurück. Sie wurden von Paul Graener und Peter Raabe, einem Dirigent und Musikwissenschaftler, abgelöst. Der Präsident und der Vizepräsident bildeten den Kopf der Organisation der Reichsmusikkammer. Die Einzelkammer war durch eine Zentralverwal- tung, die sich in sechs Bereiche unterteilte organisiert: Personal, Recht, Kasse, Wirtschaft, Kultur und Organisation. Ferner bestand eine Fachverwaltung, die sich in „Laienmusik“, „Musikwirt- schaft“ und „Berufsmusiker“ unterteilte. Den dritten großen Bereich der Verwaltungsstruktur der Reichsmusikkammer stellte die Regionale Verwaltung dar.

Die grundlegende Aufgabe der Reichsmusikkammer bestand darin die Hegemonie die Deutschland in der gesamtenWelt sich vorbehielt aus dem kulturellen Aspekt zu rechtfertigen. Die Musik, die vom NS-Regime bevorzugt wurde, sollte durch ihre Expression die Ideale der 3. Reiches nach außen tragen - der Musik wurde damit eine repräsentative Rolle zugewiesen. Dies konnte nur durch ein zentrales Organ, wie die Reichsmusikkammer, in vollem Maße umgesetzt werden. Zu den Musikern die in das Bild der vom NS-Regime aufgeworfenen „neuen nationalen Utopie“6 gehörten zum Beispiel Richard Wagner, Adolf Hitler persönlich besuchte immer wieder die Festspiele in Bayreuth, Johann Sebastian Bach oder Joseph Haydn. Es erfolgte eine Trennlinie zwischen entarteter- und deutscher Musik, bzw. jüdischer- und deutscher Musik.

Kritik an dieser radikalen Politik übt Wilhelm Furtwängler in seinem Schreiben vom 11. April 1934 an Goebbels mit den folgenden Sätzen:

„ Nur einen Trennungsstrich erkenne ich letzten Endes an: Den zwischen guter und schlechter Kunst. Während nun aber ein Trennungsstrich zwischen Juden und Nichtjuden,auch wo die staats- politische Haltung der Betreffenden keinen Grund zu klagen gibt, mit gradezu theoretisch unerbitt- licher Schärfe gezogen wird wird jener andere, für unser Musikleben auf die Dauer so wichtige, ja entscheidende Trennungsstrich, der zwischen gut und schlecht, allzu sehr vernachlässigt. “ 7

Diese hier von Furtwängler kritisierte Politik wird nach dessen, und der Abdankung von Richard Strauss von der Reichsmusikkammer fortgeführt. Dies geschah in den jeweiligen Situationen mit Berufung auf den Paragraphen 10 der „Ersten Verordnung zur Durchführung des Reichskulturkam- mergesetzes“:

„ Die Aufnahme in eine Einzelkammer kann abgelehnt oder ein Mitglied ausgeschlo ß en werden, wenn Tatsachen vorliegen, aus denen sich ergibt, da ß die infrage kommende Person die für die Ausübung ihrer Tätigkeit erforderliche Zuverlässigkeit und Eignung nicht besitzt. “ 8

Die Reichsmusikkammer war neben den verwaltungs- Aufgaben auch für die Organisation Veranstaltungen im gesellschaftlichen Rahmen verantwortlich, ein Beispiel dafür sind die Reichsmusiktage im Jahre 1938 in Düsseldorf.

Kurzer Beitrag zu den Reichsmusiktagen -

3. Beethoven-Rezeption in der Nationalsozialeistischen Ideologie

In der Einleitung zu seiner Publikation „Zur Geschichte der Beethovenrezeption“9 formuliert Hans Heinrich Eggebrecht verschiedene Ebenen in der Beethovenrezeption stattfinden kann:

„ Sie spielt sich - national differenziert - auf verschiedenen Ebenen ab: kompositionsgeschichtlich (hier auch innerhalb der Kompositionslehre), interpretationsgeschichtlich (im Sinne der Wiederga- be der Musik), wertungsgeschichtlich (im Sinne der wechselnden Bevorzugung von Werken), funkti- onsgeschichtlich (im Blick etwa auf den Ort und Gelegenheit ihrer Reproduktion), perzeptionsge- schichtlich (in Hinsicht auf die geschichtlich sich wandelnden Hörerfahrungen), verwendungsge- schichtlich (Bearbeitung: Collage; Pop), auch kunstgeschichtlich (Gemälde, Plastiken, Denkmäler). “ 10

[...]


1 - Zitat aus: Hildebrand, Klaus, Das dritte Reich. OGG, Band 17, München 2003, S. 243. 3

2 - Auszug aus dem Reichskulturkammergesetz, Berlin 22. September 1933 - Auszug im Anhang, S. 13/14

3 - Mitgliedsschafausweise im Anhang S. 12.

4 - Wörtliche Übersetzung: „Kunst für die Kunst“ - Idee dieses Standpunktes ist die Produktion von Kulturgut ohne Intention an jeglichen Nutzen

5 - Joseph Goebbels in einem Brief an Wilhelm Furtwängler 1934 - gesamter Brief im Anhang

6 - Zitat aus: Broszat, Martin; Frei, Norbert (Hrsg.), Das Dritte Reich im Überblich. Chronik, Ereignisse, Zusammenhänge, April 2007, München, S.95.

7 - Zitat aus: Deutsche Geschichte in Dokumenten und Bildern, Band 7. Deutschland unter der Herrschaft des Nationalsozialismus 1933-1945. Briefwechsel zwischen Wilhelm Furtwängler und Joseph Goebbels über Kunst und Staat, April 1933.

8 - Zitat aus: Erste Verordnung zur Durchführung des Reichskulturkammergesetzes, 01.11.1933, erschienen im Reichsgesetzblatt 03.11.1933 in Berlin. Originalauszug im Anhang auf S.

9 - Eggebrecht, Hans Heinrich, Zur Geschichte der Beethovenrezeption. Beethoven 1970, Mainz 1972.

10 - Zitat aus: Eggebrecht, Hans Heinrich, Zur Geschichte der Beethovenrezeption. Beethoven

Details

Seiten
11
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656721161
ISBN (Buch)
9783656722212
Dateigröße
734 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v279222
Institution / Hochschule
Universität Leipzig
Note
1,0
Schlagworte
kulturpolitik dritten reich beethoven-rezeption ideologie

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Titel: Die Kulturpolitik im Dritten Reich. Beethoven-Rezeption in der nationalsozialistischen Ideologie