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Darstellung der Mara Salvatrucha und Migration in die USA in Cary Fukunagas Film „Sin nombre“

Seminararbeit 2014 22 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definition Gewalt

3 Mara Salvatrucha

4 Migrationsflut in die USA

5 Sin nombre
5.1 Ort und Zeit der Handlung
5.2 Erzählperspektive
5.3 Personen
5.3.1 Hauptdarsteller
5.3.2 Nebendarsteller
5.4 Perspektiven der Bevölkerung von Zentralamerika
5.4.1 Mara Salvatrucha
5.4.2 Migration
5.4.3 Erkenntnisse der Protagonisten

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis
7.1 Monoraphien
7.2 Internetquellen
7.2.1 Artikel
7.2.2 Youtube-Videos

8 Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

Mara Salvatrucha, ein Begriff der nahezu jedem Menschen in Nord- und Zentralamerika geläufig ist. Auch in Europa, vor allem in Spanien, ist er der Bevölkerung nicht unbekannt. Viele von ihnen denken dabei an eine kriminelle Vereinigung, bei der es ausschließlich um Drogen, Erpressung, Raub und Mord geht. Ob es sich dabei nun um die Mara Salvatrucha aus El Salvador, Mexiko oder den Vereinigten Staaten handelt, spielt keine Rolle. Des Weiteren werden oftmals korrupte Regierungssysteme mit der Vereinigung in Verbindung gebracht, allen voran wird sich dabei auf Grenzer und Polizisten bezogen. Diese Aspekte werden vor allem durch die Filmindustrie in den Köpfen der Menschen verankert und nicht zuletzt von der Presse forciert, indem fast tagtäglich die Machenschaften der Organisation aufgedeckt werden, oder gezeigt wird wie ihre Mitglieder verhaftet werden. Als aktuelles Beispiel wurde im Juli bekannt, dass tausende Kinder auf illegalem Wege in die Vereinigten Staaten migrieren, da sie in ihren Heimatländern von der Mara Salvatrucha massiv unter Druck gesetzt werden um dieser beizutreten. Wenn sie dem nicht nachkommen, werden ihre Familienangehörigen ermordet. Dies und andere Gründe führen zu Massenabwanderungen.

Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Gewalt- und Migrationsproblematik an Hand des Dramas und Roadmovies Sin nombre von Cary Fukunaga aus dem Jahr 2009 aufzuzeigen und darzustellen inwieweit dies den realen Tatsachen entspricht. Somit erfolgt zu Beginn die Begriffsdefinition Gewalt. Danach erfolgt ein geschichtlicher Abriss, wie es zur Mara Salvatrucha kam, wie sie sich entwickelte und mit ihr die Probleme bezüglich der Kriminalität in Amerika. Um den ersten Block abzuschließen wird in diesem Zusammenhang auf die sich bildende Migrationsflut von Zentralamerika in die Vereinigten Staaten eingegangen. Im zweiten Teil der Arbeit werden Ort und Zeit der Handlung, sowie die Protagonisten charakterisiert, die verschiedenen kriminellen Handlungen der Mara Salvatrucha erläutert und wodurch sich die Organisation auszeichnet. Des Weiteren wird die illegale Migration der Hauptdarstellerin näher beleuchtet. Im Anschluss werden die Erkenntnisse aus der Mitgliedschaft der MS 13 und der Migration aus Sicht der Protagonisten dargestellt. Am Ende der vorliegenden Arbeit erfolgt schließlich die Auswertung der vorangegangenen Kapitel.

2 Definition Gewalt

Laut dem deutschen Duden (2013, [Online]) ist Gewalt „Macht, Befugnis, das Recht und die Mittel, über jemanden, etwas zu bestimmen, zu herrschen“ oder auch „unrechtmäßiges Vorgehen, wodurch jemand zu etwas gezwungen wird“, beziehungsweise „[gegen jemanden, etwas rücksichtslos angewendete] physische oder psychische Kraft, mit der etwas erreicht wird“. Es gibt jedoch nicht nur physische und psychische Gewalt, die durch einen Menschen auf einen anderen ausgeübt wird. Andere Formen der Gewalt können strukturelle und symbolische, kulturelle, politische, kollektive Gewalt und vieles mehr sein. In dieser Arbeit sind vor allem physische und strukturelle Gewalt vorherrschend. Bei der physischen Gewalt geht es vornehmlich darum, anderen Menschen vorsätzlich und körperlich zu schaden. Dieser Vorgang kann noch einmal in drei Untergruppen kategorisiert werden: lozierende, raptive und autotelische Gewalt. Bei der ersten Kategorie soll Jemand entfernt werden, um etwas zu erreichen. Dieser Akt findet sich häufig in der Form des Raubes, der Schlägerei oder des Mordes wieder (vgl. Gudehus / Christ 2013: 1 f.). Bei Schlägereien handelt es sich um gewaltsame Interaktionen, wobei die Protagonisten Körperverletzungen oder sogar Mord an ihrem Gegner in Kauf nehmen. Sie werden selten geplant und ereignen sich meist in öffentlichen oder halböffentlichen Räumen. Dabei kommt es den Beteiligten oftmals so vor, als würden sie eine Ewigkeit lang kämpfen, obwohl das Gegenteil der Fall ist. Dessen ungeachtet verspüren viele Täter eine Art Glücksgefühl, während sie auf das Opfer einschlagen. Nach einer Schlägerei sind die meisten Akteure sehr schweigsam (vgl. Sturm 2013: 158 ff.). Als Mord wird eine Tötung nur dann bezeichnet, wenn sie außerordentlich empörend war und sich insbesondere durch den Vorbedacht und die Planung auszeichnen. Dies trifft vor allem auf die Täter zu, die über Leichen gehen, um ihre eigenen Interessen zu wahren oder zu erreichen. Viele von ihnen weisen Defizite an der Orientierung von Normen und Werten auf und leiden unter antisozialen Persönlichkeitsstörungen, fehlender Empathiefähigkeit oder weisen sadistische Züge auf. Morde können durch verschiedene Beweggründe verübt werden: zweckrational, wertrational, affektuell oder traditionell. Des Weiteren gibt es vier verschiedene Kategorien von Mördern:

1. Criminal Enterprise Murder Morde für persönlichen Gewinn (z.B. Bandenkriege über Reviere)
2. Personal Cause Murder Emotionale Konflikte (z.B. Rache, ideologischer Hass etc.)
3. Sexual Homicide Mord in Zusammenhang mit sexuellen Handlungen (z.B. Triebtäter)
4. Group Cause Homicide

Gruppenmorde (Mitglied wäre alleine nicht motiviert genug, um einen Mord zu begehen) (vgl. Scheerer 2013: 141 ff.)

Bei der zweiten Kategorie von physischer Gewalt, der raptiven Gewalt, wird bestimmten Körperteilen Gewalt zugefügt in Form von Verletzungen und ähnlichem. Dies tritt bevorzugt bei Vergewaltigungen auf (vgl. Gudehus / Christ 2013: 1 f.). Mühlhäuser (2013: 164) definiert diese wie folgt:

Vergewaltigung bezeichnet die Penetration von Vulva, Vagina, Anus oder Mund, zu der ein oder mehrere Täter eine Person gegen ihren Willen oder ohne ihr Einverständnis zwingen. […] Eine Vergewaltigung kann mit anderen Gewaltpraxen einhergehen, etwa Schlägen und Tritten, dem Einsatz von Waffen, Verbrennungen oder Mord.

Des Weiteren beschreibt sie, dass die Täter aus dem direkten Umfeld der Opfer stammen und es sich dabei meist um Männer handelt. Vor allem in Krisenregionen käme es zu Vergewaltigungen.

Bei der letzten Kategorie von physischer Gewalt, der autotelischen, wird Gewalt nur wegen ihrer Selbstwillen ausgeübt, wie beispielsweise bei der Folter (vgl. Gudehus / Christ 2013: 1 f.). Diese steht immer mit Schmerz und Leid in Verbindung, welches dem Opfer zufügt wird. Durch diesen Akt soll das Opfer in den meisten Fällen bestimmte Informationen oder Geständnisse preisgeben, die dem Täter von Nutzen sind. Die Folter dient ebenso der Bestrafung oder der Einschüchterung. Sie tritt vor allem in Kriegen oder Krisenregionen, wie Lateinamerika, in Erscheinung (vgl. Görling 2013: 122 ff.). In diesen krisengebeutelten Regionen sind Parallel zum Staat Gewaltgemeinschaften angesiedelt. Dieser Begriff bezeichnet eine soziale Gruppe, deren existentieller Bestandteil die Gewalt ist, sei es um damit den Lebensunterhalt zu bestreiten oder zur Demonstration von Macht und Anerkennung. Diese Gemeinschaften treten vor allem in Regionen mit schwacher staatlicher Gewalt auf. Des Weiteren schaffen sie ihre eigenen Strukturen, wie der der Hierarchie (vgl. Speitkamp 2013: 184 ff.). Neben der bisher erläuterten physischen Gewalt, ist die strukturelle Gewalt ein wichtiger Bestandteil der vorliegenden Arbeit, denn diese definiert sich vor allem durch die Ungleichheit in diversen Staaten von Zentralamerika. Dabei handelt es sich insbesondere um die Ungleichheit von Wohlstand, Bildung und Ähnlichem, die jedoch keinem eindeutigen Täter zugeschrieben werden kann (vgl. Gudehus / Christ 2013: 3). Gewalt existiert jedoch nicht nur in der Realität, sondern auch in Filmen, wie Thrillern, Horrorfilmen, Dramen und ähnlichen. Bei der filmischen Gewalt wird zwischen realer Gewalt, wie beispielsweise in Dokumentationen und fiktionaler Gewalt unterschieden. Fiktionale Gewalt wird für den Zuschauer auf ästhetische Weise aufbereitet, um eine erfundene Geschichte glaubwürdig darzustellen. Des Weiteren kann die filmische Gewalt in zwei Kategorien unterteilt werden: instrumentelle und expressive Gewalt. Ersteres wird von den Protagonisten ausgeübt, um dadurch die eigenen Ziele zu erreichen. Ebenso soll damit der Zuschauer emotional berührt werden, sodass dieser selbst mit einem Täter mitleid bekommen kann, wenn dieser zum Opfer wird. Die expressive Gewalt dient zur besseren visuellen Darstellung der Handlung, das heißt, den Film möglichst attraktiv darzustellen und somit den Zuschauer fesseln zu können (vgl. Mikos 2013: 282 ff.).

3 Mara Salvatrucha

Die Mara Salvatrucha, auch MS 13 genannt, ist eine in Amerika ansässige Gewaltgemeinschaft, die zu den brutalsten der Welt gehört. Laut dem Duden (2013, [Online]) ist eine Gang ein „[organisierter] Zusammenschluss von Verbrechern“ oder eine „Bande von meist verwahrlosten Jugendlichen, die sich von der Gesellschaft nicht angenommen fühlen und deshalb zu Gewalthandlungen neigen“. Das Wort Gang spiegelt sich auch im Namen der Mara Salvatrucha wieder, denn Mara bedeutet umgangssprachlich Gang. Das Wort Salvatrucha ist eine Zusammensetzung aus salva und trucha. Salva ist die Abkürzung für Salvador oder auch Salvadorianer und trucha bedeutet schlau. Demzufolge sind sie eine Gang schlauer Salvadorianer. Die Herkunft der Zahl 13, welche zur Abkürzung gehört (MS13), ist nicht eindeutig auszumachen. Zum einen ist der Buchstabe M der 13. im Alphabet, zum anderen gibt es die 13th Street in Los Angeles. Genau in dieser Stadt liegt der Ursprung der Mara Salvatrucha (vgl. Gilchrist / Corsi 2006: 132 f.).

Bis in die 1970er Jahre wurde El Salvador von reichen Familien beherrscht, die nicht nur die wirtschaftliche Lage beeinflussten, sondern auch die Politik bestimmten. Infolgedessen kam es zu Widerständen durch die Bevölkerung und der Kirche, die sich für eine gerechte Verteilung von Macht- und Reichtumsverhältnissen einsetzten. Auslöser für den Bürgerkrieg in El Salvador war schließlich die Ermordung des berühmten und beliebten Kirchenvertreters Óscar Arnulfo Romero im Jahr 1980. Der blutige Bürgerkrieg, bei dem mehr als 70.000 Menschen starben endete zwölf Jahre später mit einem Friedensvertrag (vgl. Peetz 2008, [Online]). Auf Grund dieses blutigen Bürgerkrieges flohen viele Salvadorianer nach Mexiko und in die Vereinigten Staaten, um sich dort ein neues Leben aufzubauen. Jedoch bildeten sie in ihrer neuen Heimat, vor allem in Los Angeles, die Minderheit und wurden daher von anderen Immigranten diskriminiert und angegriffen. Da die Salvadorianer bereits viel Gewalt gesehen und erlitten haben, lernten sie schnell sich gegen die anderen Immigranten zu verteidigen. Aus dieser Not heraus entstand die Mara Salvatrucha. Ab dem Jahr 1996 schoben die Vereinigten Staaten alle Immigranten ab, die länger als ein Jahr im Gefängnis saßen. Dies hatte zur Folge, dass sich die Gang auch in El Salvador entwickeln konnte und zusätzlich in all den Ländern, in denen salvadorianische Bürger ansässig waren (vgl. Kommer 2010, [Online]). Heutzutage ist die Mara Salvatrucha vor allem in den Staaten von Zentralamerika verbreitet. Dazu zählen insbesondere Guatemala, El Salvador, Honduras, Nicaragua und Panama. Aber auch in Nordamerika, insbesondere in Mexiko und den Vereinigten Staaten, ist die Gang beheimatet (vgl. Benini 2011, [Online]). Die MS 13 ist jedoch nicht nur in den jeweiligen Ländern angesiedelt, sondern ist auch untereinander vernetzt und hierarchisch aufgebaut, wie die nachfolgende Abbildung zeigt.

An der Spitze stehen die Bosse aus El Salvador, welche mit allen anderen clikas, beziehungsweise mit deren Bossen, Kontakt halten. Sobald ein Boss verhaftet oder getötet wird und somit seine clika nicht mehr anführen kann, tritt sein Stellvertreter in Aktion. Die Mitglieder einer Gruppe werden soldados genannt (vgl. Football King Nr. 1 2013, [Onlinevideo]). Die verschiedenen Gruppen der Mara Salvatrucha wachsen stetig, denn sie bieten den Anwärtern und Mitgliedern das, was ihnen der Staat und die eigene Familien nicht bieten können: Solidarität, Respekt, Zuneigung und Zusammenhalt. Daher ist die Gang für viele Jugendliche ein Familienersatz (Kommer 2010, [Online]). Diese Fakten werden vor allem durch folgende Probleme in El Salvador, aber auch in anderen Ländern begünstigt:

Hohe Arbeitslosigkeit, vor allem bei Jugendlichen

Unzureichende Bildung

Abwesenheit der Eltern, sofern die Kinder und Jugendlichen welche haben

Korruptes Rechtssystem

Auswirkungen des Bürgerkrieges

Zugang zum Drogen- und Waffenmarkt

[...]

Details

Seiten
22
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668204157
ISBN (Buch)
9783668204164
Dateigröße
5.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v279217
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Institut für Romanistik
Note
1,0
Schlagworte
Mara Salvatrucha Sin nombre Migration Gewalt

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