Lade Inhalt...

Die Rolle des attisch-delischen Seebundes bei der Finanzierung des peloponnesischen Krieges

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 23 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Finanzlage Athens vor dem Krieg

3 Kriegskosten der Athener

4 Überlegungen zur finanz- und machtpolitischen Strukturen des attischen Seebunds

5 Die Rolle des attischen Seebundes bei der Finanzierung des peloponnesischen Krieges

6 Schluss

7 Quellen und Literaturverzeichnis
7.1 Quellenverzeichnis
7.2 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Denn auch sie haben nicht weniger Verbündete, die ihnen zahlen, der Krieg aber ist nicht so sehr Sache der Waffen als des Geldes, durch das die Waffen erst helfen, zumal einer Landmacht gegen Seefahrer.“[1]

Diese Textstelle stammt aus der Rede des spartanischen Königs Archidamos bei Thukydides und deutet an, dass Geld in der Antike im Zusammenhang mit Kriegsführung eine bedeutende Rolle gespielt haben muss.

Bei näherer Betrachtung der Finanzpolitik zur Zeit des klassischen Griechenlandes wird deutlich, dass ein großer Teil der Gelder des Staatshaushaltes für Militärkosten ausgegeben wurde. Dabei darf nicht unerwähnt bleiben, dass sich der Aspekt der Kriegsfinanzierung erst nach den Perserkriegen in der antiken Literatur etablierte[2]. Das hängt einerseits damit zusammen, dass zum Beispiel der Kostenfaktor der Rudererbezahlung ein Phänomen ist, welches während der Zeit des attischen Seebund aufgekommen ist, anderseits wurde in den Perserkriegen gegen einen Eindringling gekämpft, sodass die Kostenfrage ehr nur eine untergeordnete Rolle einnahm.

In den folgenden Texten soll untersucht werden, in wie weit der delisch-attische Seebund zur Finanzierung des peloponnesischen Krieges beigetragen hat und wie sehr Athen auf den Phoros der Bündner angewiesen war. Bevor diese grundlegende Fragestellung beantwortet werden kann, müssen erst die unterschiedlichen Aspekte der Kriegsfinanzierung in Athen betrachtet werden. Dazu soll einleitend die finanzielle Grundlage Athens vor dem peloponnesischen Krieg beurteilt werden, über die unteranderem Thukydides[3] und Plutarch[4] berichten. Danach soll dem Leser vermittelt werden, welche Kostenfaktoren für Athen im Krieg existierten. Im Folgenden soll der Charakter des Bundes analysiert werden, wobei detaillierter auf den Phoros und die Politik, die Athen gegenüber den einzelnen Bündnispartnern übte, eingegangen werden soll.

Die Recherche zu der vorliegenden Arbeit wurde insbesondere auf Grundlage der Ergebnisse des DFG[5] - Projektes zu „Antike Kriegskosten“ vorgenommen, welche unter anderem den neusten Forschungsstand auf diesem Gebiet repräsentieren. Ergebnisse dieses Projektes wurden nach einer Tagung im Jahre 2007 in dem Sammelband „Kriegskosten und Kriegsfinanzierung in der Antike“[6] zusammengefasst. Des Weiteren wird die Argumentation auf Primärquellen, wie Thukydides, Plutarch, Xenophon, Aristophanes und diversen epigrafischen Dokumenten[7] erfolgen.

2 Die Finanzlage Athens vor dem Krieg

Um die Rolle des delisch attischen Seebundes für die Finanzierung des peloponnesischen Krieges besser verstehen zu können, soll zuerst erläutert werden woraus sich das Vermögen Athens zu Beginn des Krieges zusammengesetzt hat. Thukydides informiert seinen Leser in folgendem Abschnitt seiner Schilderungen über die Ressourcen und regelmäßigen Einkünfte. Der vorliegende Auszug stammt aus dem ersten Buch des Thukydides, es handelt sich dabei um einen Teil der Rede von Perikles an die Volksversammlung:

„Sie sollten sich zum Kriege bereitmachen, von den Feldern alles in Sicherheit bringen, nicht zur Schlacht ausrücken, sondern die Stadt beziehen und verteidigen, dafür die Flotte, wo ihre Stärke liege, instand stellen und ihre Bündnisse im Auge behalten, denn daher, sagte er, stammte ihre Kraft, und zur Hauptsache entscheide im Krieg Einsicht und ein Überschuss an Geld. Darum hieß er sie getrost sein, da die Stadt Beiträge der Verbündeten meist 600 Talente jährlich beziehe, ohne die andern Einkünfte, und auf der Akropolis damals noch 6000 Talente gemünzten Silbers lagen (zur Zeit des Höchststandes hatten nur 300 gefehlt an 10000, aber davon war für das Eingangstor zur Akropolis und die andern Bauten und für Poteidaia verwendet worden), außerdem an umgemünztem Gold und Silber in Weihgeschenken Einzelner und des Staates und in all den heiligen Geräten für die Umzüge und Wettspiele, in der Perserbeute, und was sonst etwa noch derartiges da sei, mindestens 500 Talente. Ferner rechnete er aus den anderen Heiligtümern die nicht unbedeutenden Reichtümern dazu, die sie verwenden würden, und wenn sie in äußerster Not wären, auch das Gold, womit die Göttin selbst bekleidet war, und zeigte ihnen, dass das Standbild 40 gewogene Talente schieren Goldes enthielt, alles abnehmbar. Hatten sie das zu ihrer Rettung verwendet, so müssten sie ihr später, sagte er, mindestens gleiches Ersatzgewicht dar wägen.“[8]

Laut den Ausführungen des Thukydides setzt sich der Staatshaushalt der Athener aus einer Rücklage von 6000 Talenten, welche auf der Akropolis lagern, regelmäßigen Einkünften, wie dem Phoros oder innerstaatlichen Einnahmen zusammen. Des Weiteren werden noch Teile des Standbildes der Athene erwähnt, die abgenommen werden können, welche vermutlich einen Wert von 40 Talenten hatten.

Die Rücklage umfasste beim Höchststand einen Betrag von 9700 Talenten („zur Zeit des Höchststandes hatten nur 300 gefehlt an 10000“[9]), dieser Betrag wurde jedoch unter anderem durch Teile des Akropolis Bauprogramms, der Militäroperation gegen Poteidaia und andere Bauprojekte auf 6000 Talente vermindert, was auch den Stand vor dem peloponnesischen Krieg darstellt.

Der Phoros, den Athen jährlich von seinen Bundesgenossen bezog belief sich, laut Perikles bei Thukydides auf 600 Talente. Phoros meint aber hier nicht nur im eigentlichen Sinne die Zahlung von Geldern, sondern umfasst auch Lieferungen von Baustoffen verschiedener Bündner, zum Beispiel von Holz für den Schiffbau:

„Die Wegnahme von Amphipolis war für die Athener ein großer Schreck, zumal die Stadt ihnen nützlich war durch die Lieferung von Schiffsbauholz und die Abgabe, die sie zahlte {...}“[10]

Neben Amphipolis zahlte auch beispielsweise Eion, eine griechische Bürgerkolonie, nicht im eigentlichen Sinne einen Phoros, sondern lieferte Athen unteranderem Rohstoffe.

Die genauen Abgaben der jeweiligen Bündner wurden in den Tributlisten festgehalten, auf sie soll noch mal anderer Stelle detaillierter eingegangen werden.[11]

Neben dem Phoros und der Rücklage spricht Thukydides mit dieser Textstelle : „{...},ohne die andern Einkünfte{...}“, wahrscheinlich die Einkünfte an, welche Athen aus seinen Handelsbeziehungen zog, dazu gehört zum Beispiel der Handel mit Keramik, Waffen, Lederwaren oder die Hafengebühren, bzw. Haffenzölle. Bei Ermittlung des konkreten Betrages von diesen „andern Einkünften“ kann sich auf Xenophon bezogen werden:

„{...} außerdem hatten wir viel Geld in der Stadt und eine jährliche Einnahme aus den einheimischen Steuern und den Zahlungen des Auslandes von nicht weniger als tausend Talenten {...}“[12]

Da wir laut Thukydides wissen, dass die Beiträge, die Athen am Anfang des Krieges aus dem Seebund bezog sich jährlich aus ungefähr 600 Talenten zusammensetzen, ergeben sich für die restlichen Einnahmen 400 Talente. Diese Summe ist jedoch sehr spekulativ zu betrachten, da es keine konkreten Angaben dazu gibt, wie viel Athen wirklich jährlich bezog und in wie weit dort eine Regelmäßigkeit bestand, da sicherlich auch die wirtschaftlichen Strukturen durch den Kriegsverlauf beeinflusst wurden.

Des Weiteren taucht bei Thukydides die Summe von 500 Talenten auf, die sich aus Weihgeschenken, der Perserbeute und sonstigen Wertsachen („und was sonst noch derartiges da sei“[13] ) zusammensetzt. Allein letzteres zeigt wie spekulativ diese Angabe ist, die Perikles hier bei Thukydides macht.

Die Formulierungen sind zusammenfassend als optimistisch zu bewerten, da in diesem Zusammenhang unerwähnt bleibt, dass bei einem Abfall von Bündnern eine große Menge von Finanzen beansprucht werden mussten, wie Poteidaia oder Thasos[14] zeigen.

Zusätzlich zu den Geldern die für die machtpolitischen Operationen innerhalb des Seebundes zu Buche schlugen darf nicht vergessen werden, dass das politische System in Athen auch ein Kostenfaktor war, der einen Anteil an der Rechnung zum Staatshaushalt der Athener einnahm. Hierbei spielten die Diäten, zum Beispiel für die Richter, die Perikles einführte, eine Rolle:

„Bezahlung erhält zunächst das Volk, und zwar für die übrigen Volksversammlungen eine Drachme, für die Hauptversammlungen aber neun Obolen. Sodann gibt es für die Gerichtshöfe drei Obolen; der Rat wiederum erhält fünf Obolen, den Prytanen wird jedoch noch ein Obolos für ihre Verpflegung dazugegeben. Ferner bekommen die neun Archonten für ihre Verpflegung je vier Obolen und unterhalten einen Herold und einen Flötenspieler; der Archon von Salamis erhält eine Drachme pro Tag.“[15]

Bekannt ist auch, dass zu den regelmäßigen Ausgaben, die Bezahlung der Skythen oder die Unterstützung von verwaisten Kindern hinzukam, was insbesondere im späteren Teil des Kriegsverlauf eine größere Rolle gespielt haben könnte.

Es wird deutlich, dass es neben den militärischen Ausgaben noch weitere Faktoren gab, welche den attischen Haushalt regelmäßig belasteten und die Perikles in seiner Rede bei Thukydides außen vor lässt um eine positive Stimmung vor dem Krieg zu vermitteln.

3 Kriegskosten der Athener

„Each trireme, in contrast, cost one talent for construction and another talent of both private and public expenditure per month to keep afloat. If Athens had on average two-thirds of her ships at sea for the 240 days during the eight sailing months, from March through October, these 200 ships might in theory cost the city 1,600 talents, or more than twice the entire annual tribute from the empire. That cost was unsustainable for more than a year or two. To wage a multifaceted naval war, in which such a sizable fleet went out on annual patrol for some twenty-seven years from Sicily to Corcyra to the Aegean and Ionia, could have cost over 43,000 talents, seven times the entire financial reserves of Athens at the beginning of the war and more than its aggregate imperial income over some three decades.“[16]

In diesem kurzen Ausschnitt aus der Monografie „A war like no other“ wird deutlich wie schwer es ist zu ermitteln, wie hoch die Kosten des peloponnesischen Krieges für Athen wirklich waren und das nur grobe, theoretische Schätzungen durchgeführt werden können. Dennoch soll in dem folgenden Abschnitt der Abhandlung versucht werden, dem Leser einen Eindruck über die Kostenfaktoren im peloponnesischen Krieg gegeben zu werden. Des Weiteren soll geprüft werden ob eine Schätzung von 40.000 Talenten[17] für die Gesamtkosten des Krieges vertretbar ist.

Wie Hanson schon andeutet stand im Mittelpunkt der Kosten die attische Flotte, welche gebaut und dann instand gehalten werden musste. Die Kosten für den Bau einer Triere werden meist in der Literatur auf ein Talent fest geschrieben[18].

Vincent Gabrielsen bezeichnet diese Annahme, dass eine Triere ein Talent gekostet haben soll als willkürlich und begründet dies mit den Bemerkungen Herodots:

„Aber nach einer Quelle aus der Mitte des 5. Jahrhunderts, die die 100 Talente nicht erwähnt, bauten die Athener nicht 100, sondern 200 Schiffe (Hdt. Buch 1, 14, 1-2).“[19]

Gabrielsen bezieht sich viel ehr auf Quellen aus den Jahren 326/325 v. Chr., in denen vermerkt ist, wie hohe Entschädigungen Trierarchen[20] für Schiffsrümpfe zahlen mussten, nämlich 5000 Drachmen. Zu den Aufwendungen für die Schiffsrümpfe kamen dann noch die Kosten für die Ausrüstung des Schiffes, welche in den Überlieferungen stark schwanken, was zum Beispiel daran liegen kann, dass es zu Schwierigkeiten bei der Lieferung von Bauholz oder anderem Baumaterial kommen konnte, was den Preis beeinflusste.

[...]


[1] Thuk., Der peloponnesische Krieg, Buch 1, 83; Übersetzung: Georg Peter Landmann.

2 Vgl. Malitz, Jürgen, Der Preis des Krieges. Thukydides und die Finanzen Athens, in: Burrer, Friedrich/ Müller, Holger (Hrsg.), Kriegskosten und Kriegsfinanzierung in der Antike, Darmstadt 2008, S.29.

[3] Thuk., Buch 2, 13, Übersetzung: Georg Peter Landmann.

[4] Plut., Aristeides 24.

[5] DFG = Deutsche Forschungsgemeinschaft.

[6] Burrer, Friedrich/ Müller, Holger (Hrsg.), Kriegskosten und Kriegsfinanzierung in der Antike, Darmstadt 2008.

[7] Brodersen, Kai/ Günther, Wolfgang/ Schmitt, Hatto H. (Hrsg.), Historische griechische Inschriften in Übersetzung, Studienausgabe (WBG), Darmstadt 2011.

[8] Thuk. Buch 2, 13; Übersetzung: Georg Peter Landmann.

[9] Thuk. Buch 2, 13; Übersetzung: Georg Peter Landmann.

[10] Thuk. Buch 4, 108,1; Übersetzung: Georg Peter Landmann.

[11] Siehe Abschnitt zu „Überlegungen zur finanz- und machtpolitischen Strukturen des attischen Seebunds“.

[12] Xen. Anabasis Buch 7 1,27; Übersetzung: Helmuth Vretska.

[13] Thuk. Buch 2,13.; Übersetzung: Georg Peter Landmann.

[14] Die angeführten Beispiel Thasos als hoher Kostenfaktor ist hier jedoch mit Vorsicht zu beachten, da Thasos nach der dreijährigen Belagerung an Athen Kriegsentschädigungen zahlen musste (Vgl. Thuk. Buch 1, 101). Es ist jedoch nicht bekannt ob Thasos überhaupt in der Lage war die Entschädigungen, die Athen die Operation gekostet hatte, in vollem Maße zu bezahlen.

[15] Aristoteles, Der Staat der Athener, Kap. 62, 2; Übersetzung: Martin Dreher.

[16] Hanson, A war like no other, Kapitel 8, S. 262.

[17] Vgl. Jürgen Malitz, Der Preis des Krieges, in: Burrer, Friedrich/ Müller, Holger (Hrsg.), Kriegskosten und Kriegsfinanzierung in der Antike, Darmstadt 2008, S. 34.

[18] Vgl.: Ath. Pol. 12,7.

[19] Gabrielsen, Vincent, Die Kosten der attischen Flotte in der klassischer Zeit, in: Burrer, Friedrich/ Müller, Holger (Hrsg.), Kriegskosten und Kriegsfinanzierung in der Antike, Darmstadt 2008, S. 48.

[20] Trierarchie: „Verpflichtung eine Triere ein Jahr lang auszurüsten und die Mannschaft (ca. 200 Mann) zu befehligen. Eingeführt 483/2 v. Chr. als militärische Leiturgia. Anstelle der Naukrariai die nach dem Flottenbauprogramm des Themistokles nicht mehr genügten. Später auch als t. t. für die Führung anderer Kriegsschiffe. Wegen starker finanzieller Belastung wurde das System 410 v. Chr. modifiziert durch die Syntriearchie (d.h. zwei Trierarchoi).“ in: Der neue Pauly, Enzyklopädie der Antike, Band 12/1, Hrsg. Cancik, Hubert/ Schneider, Helmudt, Juni 2002 Stuttgart, 810-811.

Details

Seiten
23
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656721444
ISBN (Buch)
9783656722489
Dateigröße
567 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v279174
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Historisches Seminar
Note
1,0
Schlagworte
rolle seebundes finanzierung krieges

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Die Rolle des attisch-delischen Seebundes bei der Finanzierung des peloponnesischen Krieges