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Wie funktioniert die bildliche Darstellung in Goodmans Schrift "Sprachen der Kunst. Entwurf einer Symboltheorie"?

Hausarbeit 2013 23 Seiten

Philosophie - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Repräsentation
2.1 Denotation

3. Nachahmungstheorie

4.1 Repräsentation - als
4.2 Die Etikettierung von bildlicher Darstellung

5. Realismus

6. Schlussbetrachtung

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Meine Arbeit bezieht sich auf das 1. Kapitel Wiedererzeugte Wirklichkeit von Nelson Goodman aus dem Werk „Sprachen der Kunst. Entwurf einer Symboltheorie (Originalausgabe 1968)“[1]. Im ersten Kapitel analysiert Goodman die Repräsentationsweise von Bildern. Die bildliche Darstellung erklärt Goodman als eine Art der Repräsentationsweise in der Kunst. Bilder gestalten die „Welt“. Sie bestimmen unser gesamtes Umfeld und sie dienen neben der Sprache, als „zweitgrößte Kulturleistung“[2]. Bilder sind nach Goodman an der Schöpfung der Welt beteiligt und können neue Einsichten und Sichtweisen vermitteln in der Welt erzeugen.

Die Theorie des Bildes ist noch sehr unerforscht.[3] Die Analyse Goodmans leistet hierfür einen bedeutenden Beitrag zur Klärung der Fragen „Was ist eine bildliche Darstellung?“ und „Wie funktionieren bildliche Darstellungen?“. In seinem Mittelpunkt steht dabei die Analyse der „Natur der Repräsentation“, mit ihrer untergeordneten Denotation. Goodman grenzt sich hierbei gegen die Annahme der traditionellen „Mimesistheorie“[4] ab, die Kunst als Nachahmung der Natur benannt hat, wonach Repräsentation über die Ähnlichkeit definiert wird. Goodman sieht sich gezwungen, nachdem die Ähnlichkeitstheorie erfolgreich von der bildlichen Darstellung verbannt wurde, auch Bilder zu berücksichtigen, die nicht existierende Gegenstände abbilden: Bilder, die Fiktionen darstellen und Bilder in denen „x- als“ etwas repräsentiert wird. Die Problematik der Denotation, dass sie keinen Bezugsgegenstand bei Bildern dieser Art hat, wird über das klassifizieren der Bilder gelöst. Auch wenn hier die vorherig bestimmte Bezugnahme, die dafür steht, dass etwas als ein Bild gilt, nicht mehr von Notwendigkeit ist, ist das, was ein Bild eines z. B. Zentauren ausmacht, nicht die Ähnlichkeit, sondern , nach Goodman die Einteilung in die Art des Bildes. Die Einteilung von Bildern in Arten unter Klassifizierung wird hierbei durch die Etikettierung vereinfacht. Die Etikettierung der Gegenstände ist damit an der Organisation der Welt beteiligt. Über die Neukombination von alten Etiketten mit neuen ist das Entstehen der Kunst gewährleistet. Das schließt an der Ausgangsfrage an, ab wann ein Bild die Wirklichkeit darstellt und wann ein Bild dem Realismus entspricht. Die Relativität des Realismus ist dem zufolge geprägt durch die Sehgewohnheiten jeder einzelnen Person, ihrer Kultur und der Zeit, die als Norm gilt. Goodman betritt mit der Theorie der Klassifizierung der Bilder ein ganz neues Feld und grenzt sich von den traditionellen Bildtheorien ab.

2. Repräsentation

Die Annahme, dass das Maß an Ähnlichkeit dem Maß an Repräsentation gleichgestellt ist, wie die traditionelle Abbildtheorie besagt, stellt für Goodman einen Irrtum dar. Die Repräsentation ist nicht über Ähnlichkeit zu definieren, da sie unterschiedliche Relationen herstellen. Denn ein Bild A kann ein Objekt B repräsentieren, ohne ihm ähnlich zu sein und umgekehrt, kann das Objekt B ihm auch ähnlich sein, ohne A zu repräsentieren.[5] Die Tatsache, dass Ähnlichkeit reflexiv und symmetrisch ist, hingegen die Repräsentation nicht, haben die Vertreter der Nachahmungstheorie außer Acht gelassen.

Gegenstände, die sich im höchsten Maße ähnlich sind, stehen nicht immer repräsentativ für das eine oder das andere. Das sagt darüber aus, dass ein Objekt, welches dem einen ähnlich ist, kein Bild des anderen sein muss. Die Ähnlichkeit ist also nicht hinreichende Bedingung für Repräsentation.[6] Was Repräsentation jedoch ausmacht, ist schwer zu fassen und Goodmans Unterscheidung, was es bedeutet, Ähnlichkeit oder die Kopie von der Repräsentation abzugrenzen, zeigt dass Ähnlichkeit nicht Repräsentation ist. Eine Schwierigkeit ergibt sich bei der Vorstellung, dass Bilder sich untereinander sehr ähnlich sein können, aber die Ähnlichkeit nicht Kriterium dafür ist, dass das eine die Repräsentation für das andere ist, wie es das folgende Beispiel zeigt.

„Ein Gemälde des Schlosses Marlborough von Constable ist jedem anderen Bild ähnlicher als dem Schloß, und doch repräsentiert es das Schloß und nicht ein anderes Bild – nicht einmal die getreuste Kopie.[7]

Auch wenn die Ähnlichkeit der Bilder hier im Vordergrund stehen mag, erkennen wir, dass es sich um eine Repräsentation des Schlosses handelt. Diese Schwierigkeit löst Goodman durch das Voraussetzen der Bezugnahme für die Repräsentation, das ein Bild einen Gegenstand abbildet. Es gilt also: Damit ein Bild einen Gegenstand repräsentiert, muss Beziehung zwischen einem Bild und einem Gegenstand existieren.

„Tatsache ist, dass ein Bild, um einen Gegenstand repräsentieren zu können, ein Symbol für ihn sein, für ihn stehen, auf ihn Bezug nehmen muß; und daß kein Grad von Ähnlichkeit hinreicht, um erforderliche Beziehung der Bezugnahme herzustellen.“[8]

Wenn ein Bild auf einen Gegenstand Bezug nimmt, wird das Bild erst zum Symbol gemacht, wenn wir es als ein Symbol gebrauchen. Wie die Bezugnahme zustande kommt, beschreibt Goodman hier nicht genau.[9] Aber das hier die Ähnlichkeit nicht von Belang ist, wird eindeutig. Schon der Vergleich der oben genannten Eigenschaften des Bildes, mit der symmetrischen Beziehung der Ähnlichkeit, macht klar, dass Repräsentation keine Sache der Ähnlichkeit ist. Ähnlichkeit ist weder hinreichende Bedingung für Repräsentation, noch ist Ähnlichkeit notwendig für Bezugnahme.[10] Erst die Annahme, dass Repräsentation etwas mit der Bezugnahme eines Bildes auf einen Gegenstand zu tun hat, bringt uns weiter.

2.1 Denotation

Den Begriff der Denotation führt Goodman ein, um die Beziehung zwischen einem Bild und dem Gegenstand zu beschreiben, die erforderlich ist, damit ein Gegenstand repräsentiert wird.[11] Denotation heißt bezeichnen und bei Goodman findet der Begriff seine Bedeutung in der Bezugnahme. Die Denotation ist eine Weise der Bezugnahme auf ein Prädikat.[12] Goodman stellt zwar keine universale Definition des Begriffs auf, aber er benennt die Denotation als den „Kern der Repräsentation“ und als eigentlich unabhängig von Ähnlichkeit.

„Ein Bild, das einen Gegenstand repräsentiert – ebenso wie eine Passage, die ihn beschreibt-, nimmt auf ihn Bezug und, genauer noch: denotiert ihn. Denotation ist der Kern der Repräsentation und unabhängig von Ähnlichkeit.“[13]

Die Denotation ist die eigentliche Bezugnahme, also das, was für einen Gegenstand steht und auf ihn Bezug nimmt. Was es bedeutet, dass ein Bild einen Gegenstand denotiert, ist eigentlich noch sehr unklar. Goodman wendet sich von der Ähnlichkeitstheorie ab und setzt an dessen Stelle die Denotation ein, die die Beziehung zwischen einem Gegenstand und einem Symbol, das für den Gegenstand steht, beschreibt. Die Denotation lässt sich als Eigenschaft der pikturalen und verbalen Repräsentation einstufen. Sie kann als „Beziehung zwischen einem Prädikat und etwas, worauf es zutrifft, [...].“[14], gefasst werden und im weiteren Sinne für ein Etikett stehen. Hier muss zwischen „speziellen Art[en] der Denotation“[15] unterschieden werden. Zum Beispiel bedeutet A denotiert B: Ein Bild des Schlosses Marlborough von Constable denotiert das Schloss Marlborough von Constable.[16] Über die Ähnlichkeitsbezüge verstehen wir die Beziehung der Denotation. Die Ähnlichkeit kann als „Produkt“[17] der Repräsentation angesehen werden und wenn überhaupt als „Merkmal der Denotation“ stehen.

3. Nachahmungstheorie

Zu zeigen, was es bedeutet, einen Gegenstand zu kopieren oder einem Gegenstand ähnlich zu sein, zeigt was die Nachahmungstheorien von der Repräsentation unterscheidet und welche Einwände Goodman noch hat. Auch die Erfassung einer Kopie, die dem Gegenstand im höchsten Maße ähnlich ist, ist kein Kriterium für ein Bild.[18] Noch die Herausforderung, einen Gegenstand so zu kopieren „[...], wie man ihn unter aseptischen Bedingungen mit dem freien und unschuldigen Auge sieht.“[19], ist das was Bildlichkeit ausmacht. Einen Gegenstand so zu kopieren „wie er ist“, ist kaum möglich, weil es nicht möglich ist, alle „Weisen“ wie der Gegenstand ist, zu erfassen. Eine Kopie eines Gegenstandes unter diesen Bedingungen zu machen, bedeutet, ihm im höchsten Maße ähnlich zu sein.[20] Das größte Vertun liegt wohl in der Annahme über die „Mythen vom unschuldigen Auge“, die besagen, dass die Kopie mit dem neutralen unschuldigen Auge eine Kopie des Gegenstandes ist, die ihm im höchsten Maße ähnlich ist. Die „getreuste Kopie“ ist jedoch auch nicht das, was ein Bild zu einem Bild macht. Es gibt eindeutige Einwände die Goodman zu dieser Position hat.

Erstens, können nicht alle Weisen, wie der Gegenstand ist, dargestellt werden, weil es unterschiedliche Ansichten gibt, wie ein Gegenstand ist und der Gegenstand auf unterschiedliche Weisen sein kann, man nicht alle gleichzeitig kopieren kann und jede einzelne Weise nur einen Aspekt darstellt. Die Nachahmungstheorie eignet sich keineswegs für die Repräsentation da sie über das Unvermögen nicht zu wählen wie abgebildet wird, sich der Sache entzieht. Man könnte sagen, es soll das kopiert werden, was für alle als gleich repräsentativ für den Gegenstand ist. Das Problem ist nur, dass wir nicht genau wissen, was von einem Gegenstand für alle gleich repräsentativ ist, da, wie Goodman später betont, das von der Art des Sehens abhängt.[21] Zweitens, sagt Goodman und bezieht sich hierbei auf Belege von Gombrich, die Weise wie wir Sehen ist immer von der jeweiligen Interpretation abhängig. Das Sehen ist immer „[...] durch Bedürfnis und Vorurteil reguliert." Dass die „Seh-Art“ von der Praxis, Interessen, Einstellung abhängt, ist ein weitaus größeres Argument das Gombrichs Belege zeigen, für die „Relativität des Sehens“[22]. Gerade weil das Sehen so strak von Faktoren abhängt, ist es schwer zu denken, dass die Mythen über das unschuldige Auge wirklich überzeugend sind.[23] Für den Künstler kann das Bemühen des Sehens mit dem „unschuldigen Auge“ sehr von Vorteil sein. Es bewahrt ihn vor den „ausgetretenen Pfaden“ und ermöglicht neue Einsichten. Es ist aber ein äußerst anstrengender Akt.Es bleibt dabei, dass die Nachahmungstheorie, in deren Zentrum die Kopie steht, in jeglicher Hinsicht Probleme macht.

„Die Abbildtheorie der Repräsentation wird also schon zu Beginn durch ihr Unvermögen behindert, das zu spezifizieren, was kopiert werden soll. Nicht ein Gegenstand in der Weise, wie er ist, noch in allen Weisen, noch in der Weise, wie er für das geistlose Auge aussieht.“[24]

Das Sehen ist eher eine Sache von Perspektive und die Kopie kann keine Weise sein, wie etwas dargestellt wird, denn für Goodman ist die Kopie nur eine „Version“ wie wir den Gegenstand sehen. Die Repräsentation ist nicht passives Kopieren, sondern aktives Erstellen eines Konstrukts, wie Goodman betont.

„Wenn wir einen Gegenstand repräsentieren, dann kopieren wir nicht solch ein Konstrukt oder eine Interpretation – wir stellen sie her.“[25]

Warum Goodman abstreitet, dass auch die getreuste Kopie nicht für Repräsentation steht, liegt auf der Hand. Es können nicht alle Aspekte eines Gegenstandes erfasst werden, weil auch immer unsere eigene Interpretation mit hallt. Die Wiedergabe eines Aspekts ist für Goodman nur die stumpfe Wiedergabe einer „[...]Version oder Konstrukts des Gegenstandes“[26]. Bilder sind nicht einfache Kopien eines Gegenstandes, sie stellen etwas her.

[...]


[1] Goodman, Nelson: Sprachen der Kunst. Entwurf einer Symboltheorie. (1968) Übers. Philippi, Bernd (1995), 7. Auflage Frankfurt Main. 2012. [im Folgenden abgekürzt mit SK ]. S. 7.

[2] Vgl.: Nida- Rümelin, Julian/Betzler, Monika (Hrsg.) n. b. v. Cojocaru, Mara- Daria: Ästhetik und Kunstphilosophie von der Antike bis zur Gegenwart in Einzeldarstellung. 2., aktualisierte und ergänzte Auflage. Stuttgart, 2012. S. 365.

[3] Vgl.: Scholz, Oliver R.: Bild, Darstellung, Zeichen. 3. Auflage. Frankfurt/M., 2009. S. 4.

[4] Henckmann, Wolfhart/ Lotter, Konrad (Hrsg.): Lexikon der Ästhetik. München, 1992. S. 246.

[5] Vgl. Goodman, SK. S. 15-16.

[6] Vgl.: Goodman, SK. S.16.

[7] Goodman, SK. S.16.

[8] Goodman, SK. S.17.

[9] Vgl.: Goodman, SK. S. 17.

[10] Vgl.: Goodman, SK. S. 17.

[11] Goodman, SK. S. 24.

[12] Vgl.: Goodman, SK. S. 24.

[13] Goodman, SK. S. 17.

[14] Nida- Rümelin, Julian/Betzler, Monika(Hrsg.) n. b. v. Cojocaru, Mara- Daria: Ästhetik und Kunstphilosophie von der Antike bis zur Gegenwart in Einzeldarstellung. Stuttgart, 2012. S. 366.

[15] Goodman, SK. S. 17.

[16] Vgl. Goodman, SK. S.16 -17.

[17] Nida- Rümelin, Julian/Betzler, Monika(Hrsg.) n. b. v. Cojocaru, Mara- Daria: Ästhetik und Kunstphilosophie von der Antike bis zur Gegenwart in Einzeldarstellung. Stuttgart, 2012. S. 367.

[18] Vgl. Goodman, SK. S.18.

[19] Goodman, SK. S. 18.

[20] Vgl. Goodman, SK. S.17.

[21] Vgl. Goodman, SK. S.18.

[22] Vgl. Goodman, SK. S. 21.

[23] Vgl. Goodman, SK. S.19.

[24] Goodman, SK. S. 20.

[25] Goodman, SK. S. 20.

[26] Goodman, SK. S. 20.

Details

Seiten
23
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656719410
ISBN (Buch)
9783656719397
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v278878
Institution / Hochschule
Universität Kassel
Note
2,0
Schlagworte
Goodman Symboltheorie Sprachen der Kunst Bildtheorie

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