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Inspiration und Wahrheit der Heiligen Schriften

Was versteht man unter Inspiration?

Akademische Arbeit 2011 14 Seiten

Theologie - Systematische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

I. Was sagt das II. Vatikanum zur Schriftinterpretation

II. Was versteht man allgemein unter Inspiration

III. Schriftinspiration und wie das „Handel Gottes“ Heute verstanden wird anhand von Bezügen von H. Kessler und K. Stosch

IV. Helmut Gabel zu Inspiration und Wahrheit aktuell

V. Literaturangabe

I. Was sagt das II. Vatikanum zur Schriftinterpretation

In der Dogmatischen Konstitution über die Göttliche Offenbarung „Dei Verbum“ finden wir in Kapitel III. über die Inspiration und Interpretation der Schrift, das Ergebnis eines langen und mühevollen Prozesses.

Die Göttliche Inspiration und die Auslegung der Heiligen Schrift 11. Das von Gott geoffenbarte, das in der Heiligen Schrift enthalten ist und vorliegt, ist unter dem Anhauch des Heiligen Geistes aufgezeichnet worden; denn aufgrund apostolischen Glaubens gelten unserer heiligen Mutter, der Kirche, die Bücher des Alten wie des Neuen Testaments in ihrer Ganzheit mit allen ihren Teilen als heilig und kanonisch, weil sie, unter der Einwirkung des Heiligen Geistes geschrieben (vgl. Jo 20,31; 2 Tim 3,16; 2 Petr 1,19-21; 3, 15-16), Gott zum Urheber haben und als solche der Kirche übergeben sind.

Zur Abfassung der Heiligen Bücher hat Gott Menschen erwählt, die ihm durch den Gebrauch ihrer eigenen Fähigkeiten und Kräfte dazu dienen sollten, all das und nur das, was er – in ihnen und durch sie wirksam geschrieben haben wollte, als echte Verfasser schriftlich zu überliefern.

Da also alles, was die inspirierten Verfasser oder Hagiographen aussagen, als vom Heiligen Geist ausgesagt zu gelten hat, ist von den Büchern der Schrift zu bekennen, dass sie sicher, getreu und ohne Irrtum die Wahrheit lehren, die Gott um unseres Heiles willen in heiligen Schriften aufgezeichnet haben wollte. Daher ‚ist jede Schrift, von Gott eingegeben, auch nützlich zur Belehrung, zur Beweisführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Gott gehörige Mensch bereit sei, wohl gerüstet zu jedem guten Werk’ (2 Tim 3,16-17).

12. Da Gott in der Heiligen Schrift durch Menschen nach Menschenart gesprochen hat, muss der Schrifterklärer, um zu erfassen, was Gott uns mitteilen wollte, sorgfältig erforschen, was die heiligen Schriftsteller wirklich zu sagen beabsichtigten und was Gott mit ihren Worten kundtun wollte.

Um die Aussageabsicht der Hagiographen zu ermitteln, ist neben anderem auf die literarischen Gattungen zu achten. Denn die Wahrheit wird je anders dargelegt und ausgedrückt in Texten von in verschiedenem Sinn geschichtlicher, prophetischer oder dichterischer Art, oder in anderen Redegattungen.

Weiterhin hat der Erklärer nach dem Sinn zu forschen, wie ihn aus einer gegebenen Situation heraus der Hagiograph den Bedingungen seiner Zeit und Kultur entsprechend – mit Hilfe der damals üblichen literarischen Gattungen – hat ausdrücken wollen und wirklich zum Ausdruck gebracht hat. Will man richtig verstehen, was der heilige Verfasser in seiner Schrift aussagen wollte, so muss man schließlich genau auf die vorgegebenen umweltbedingten Denk-, Sprach- und Erzählformen achten, die zur Zeit des Verfassers herrschten, wie auf die Formen, die damals im menschlichen Alltagsverkehr üblich waren.

Da die Heilige Schrift in dem Geist gelesen und ausgelegt werden muss, in dem sie geschrieben wurde, erfordert die rechte Ermittlung des Sinnes der heiligen Texte, dass man mit nicht geringerer Sorgfalt auf den Inhalt und die Einheit der ganzen Schrift achtet, unter Berücksichtigung der lebendigen Überlieferung der Gesamtkirche und der Analogie des Glaubens. Aufgabe der Exegeten ist es, nach diesen Regeln auf eine tiefere Erfassung und Auslegung des Sinnes der Heiligen Schrift hinzuarbeiten, damit so gleichsam auf Grund wissenschaftlicher Vorarbeit das Urteil der Kirche reift. Alles, was die Art der Kirche, deren gottgegebener Auftrag und Dienst es ist, das Wort Gottes zu bewahren und auszulegen.

13. In der Heiligen Schrift also offenbart sich, unbeschadet der Wahrheit und Heiligkeit Gottes, eine wunderbare Herablassung der ewigen Weisheit, ‚damit wir die unsagbare Menschenfreundlichkeit Gottes kennen lernen und erfahren, wie sehr er sich aus Sorge für unser Geschlecht in seinem Wort herabgelassen hat’. Denn Gottes Worte, durch Menschenzunge formuliert, sind menschlicher Rede ähnlich geworden, wie einst des ewigen Vaters Wort durch die Annahme menschlich-schwachen Fleisches den Menschen ähnlich geworden ist.[1]

II. Was versteht man allgemein unter Inspiration

Unter Inspiration (von lat.: inspiratio = Beseelung, Einhauchen von „spiritus“ = Leben, Seele, Geist) bedeutet allgemeinsprachlich eine Eingebung, etwa einen unerwarteten Einfall oder einen Ausgangspunkt künstlerischer Kreativität. Begriffsgeschichtlich liegt die Vorstellung zugrunde, dass einerseits Werke von Künstlern, andererseits religiöse Überlieferungen Eingebungen des (nicht notwendig personal verstandenen) Göttlichen seien - eine Vorstellung, die sich sowohl in vorderorientalischen Religionen wie auch bei vorsokratischen Philosophen findet und dann eine breite Wirkungsgeschichte entfaltet.[2]

Hesiod und Demokrit waren der Meinung dass die Quelle ihrer Werke göttlicher Herkunft war und das Resultat daraus mit Gewissheit etwas Erhabenes und Schönes sein muss und auch Cicero war dieser Ansicht, nur verwendet er den Ausdruck „Afflatus“ aus dem lateinischem. Aus diesem Wortstamm kennen wir die Aeolsharfe, die als Sinnbild für den Poeten an sich gilt und uns auch an die vielen Psalmen denken lässt, welche mit der Harfe begleitet wurden.

Künstlerisch gesprochen versteht man „Afflatus“ als den göttlichen Wind, welcher die Idee einhaucht, dessen sich der Mensch nicht entziehen kann. Die Entstehung dieser Idee ist dem Empfänger meist unerklärlich.

III. Schriftinspiration und wie das „Handeln Gottes“ Heute verstanden wird anhand von Bezügen von H. Kessler und Klaus v. Stosch

Was wäre der christliche Glaube, ohne die Grundüberzeugung, dass Gott in dieser unserer Welt wirkt, wirkte und weiterhin wirken wird. Wäre dem nicht so, wäre das Buch Genesis bedeutungslos und der Rest nur noch ein Märchen. Wie aber genau, ist das Handeln Gottes in der Zeit und durch die Zeit zu verstehen. Auf welche Art und Weise wirkt Gott und gibt es gar einen Maßstab dafür. Waren die Verfasser der kanonisierten Schriften von sich aus Handelnde, oder handelte Gott durch sie?

In unserer Zeit fällt es schwer von einem Gott zu sprechen, der nicht nur von den Toten auferstanden ist, sondern weiterhin präsent ist und wirkt. Spätestens mit dem Kollaps der antik- mittelalterlichen Welt und dem Beginn der Aufklärung wurde das Wirken Gottes etwas genauer unter die Lupe genommen. War Gott bei „Descartes“ noch denknotwendig, erscheint das Wirken Gottes „Heute“, vielen Zeitgenossen eher als „etwas“ das auf diese Weise sicherlich nicht stattgefunden hat.

Man könnte aber auch ganz einfach die einseitige Dominanz der kognitiv-instrumentellen Rationalität in unserer modernen westlichen Kultur dafür verantwortlich machen.[3]

Es scheint schier unmöglich diesen „Handelnden Gott“ in Beziehung zu bringen mit einer Welt, in der ein wissenschaftlich instrumentelles Denken vorherrscht. Von hier aus ist es dann nicht mehr weit, dass Gott für nichtig und tot abgetan wird. Ein Gott der quasi nur in unseren Gehirnen existiert, und deshalb ins Reich der Fiktion gehört, geschweige wirklich ernst genommen werden sollte. Müsste man aber annehmen, dass es diesen Gott wirklich gibt, dann wäre es natürlich auch ein handelnder Gott, was letztlich auch zur Konsequenz hätte, dass so mancher Zeitgenosse seine/ihre vermeintlich unbeschränkte Eigengesetzlichkeit aufgeben müsste.

Dieser Umstand schmeckt verderblich, wie es bereits Kant formuliert hat, dass allein schon der bloße Begriff „Wille Gottes“ jegliche Religion verdirbt. Dahinter steckt die von Kant aber auch anderen Zeitgenossen empfundene Macht des Anderen.[4]

Der neuzeitliche Autonomiegedanke und der immer stärker werdende Rationalismus als Basis einer gedanklichen Welt einer Generation von Menschen, verbannen jegliches Eingreifen Gottes in das Handeln und Denken des Menschen in das Dunkel vorsintflutlicher Denkweisen. Geht es nach Kant, kann von einem Handeln Gottes gar keine Rede sein kann, wenn wir nicht beweisen können, dass es Gott ist, der handelt?

Wenn es also überhaupt so etwas wie einen Gott gibt, dann doch sicher nur ausgehend davon, dass der Mensch etwas „tut“ oder „handelt“, sich quasi in Beziehung setzt mit diesem Gott. Ein tatsächliches Handeln und Wirken Gottes aus der Sicht eines wissenschaftlich instrumentell denkenden Menschen ist aber völlig ausgeschlossen. Zu viele Denker und Philosophen sind es inzwischen, als dass ich sie hier aufzählen möchte, welche in radikaler Art und Weise jegliches „Handeln Gottes“ bestreiten, ja sogar so weit gehen und verlangen, dass man das Wort „Gott“ nur noch als Konjunktion oder Präposition verwenden sollte/dürfte.

Bezeichnender Weise gerät dabei der christliche Glaube gegenüber anderen Religionen am meisten ins Visier, wenn wir dabei nur an den Philosophen Friedrich Kambartel denken, und dessen oben genannte Aufforderung an die Christen, Gott auf eine grammatikalische Beifügung zu reduzieren.

Man kann also getrost von einem Frontalangriff gegenüber dem Offenbarungsverständnis des christlichen Glaubens sprechen. Dieser Stachel sitzt tief und hat lange schon die breite Basis praktizierender Christen erreicht, welche zwar meist nicht zugeben würden, dass sie am Handeln Gottes Zweifel haben, ihm aber in Wirklichkeit nicht sehr viel zutrauen und dafür lieber selber in Aktion treten. Als Zeugnis dafür, stehen wir praktizierenden Christen exemplarisch als eine Generation von „Handelnden“ da, mit wenigen Ausnahmen. Hier dürfte auch der Grund dafür liegen, wieso gerade jene Christen, welche vermehrt auf das Handeln Gottes setzen und vertrauen, mit harscher Kritik aus den eigenen Reihen rechnen müssen und als rückständig und erzkonservativ verteufelt werden.

Schluss also mit dem Gerede über den brennenden Dornbusch und einem Gott der für alles sorgt, denn wir müssen letztendlich doch selber dafür sorgen, dass die Kirchenbänke sich wieder füllen. Ein fataler Irrtum wie sich zeigt. Wie aber gießt man Demut und Vertrauen in eine Gesellschaft, welche lieber selbst das „Sagen und Handeln“ hat? Zweifelsohne hat die Wissenschaft und wohl auch die Mehrheit der aufgeklärten Welt die „inspirierter Schriften“ in einer Art und Weise als persönlichen Angriff aufgenommen und sie entweder zu widerlegen versucht oder dessen Autor, wie einen ausgedienten Regisseur ins Abseits geschossen.

Betrachtet man diese Reaktion aus der Sicht des Glaubens, so erscheint sie einem nicht nur unvernünftig und gänzlich überspannt, sondern bisweilen militant und äußerst befremdend, wenn doch die gesamte jüdische und christliche Religion sich auf einen Gott gründet, welcher durch sein Handeln in Beziehung zu uns Menschen tritt!

Für Kessler ergeben sich grundsätzlich zwei Grundvoraussetzungen welche hinsichtlich des „Handeln Gottes“ zu berücksichtigen sind. Die erste Voraussetzung dafür findet er im eindeutigen Gottesverständnis, sichtbar in der Geschichte Israels, wodurch Gott sich als der „Eine“ der Urheber von allem offenbart und sich damit als „Subjekt“ deklariert, welches in absoluter Freiheit, d.h. in sich selber kommunikativ zu denken ist.[5]

[...]


[1] Karl Rahner/Herbert Vorgrimler, Kleines Konzilskompendium, Herder Verlag, Freiburg im Breisgau 1966, 373-375.

[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Inspiration

[3] Vgl. J. Habermas, Theorie des kommunikativen Handelns, Bd. 1, Frankfurt 1981, 102.112f

[4] Vgl. H.Kessler, Was heißt: Gott handelt?, 90.

[5] Vgl. Kessler, Was heißt Gott handelt, 94.

Details

Seiten
14
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656716792
ISBN (Buch)
9783656716761
Dateigröße
399 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v278875
Institution / Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck – Systematische Theologie
Note
Gut
Schlagworte
inspiration wahrheit heiligen schriften

Autor

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