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Soziokulturelle Animation. Ein Vergleich zwischen Schweiz und Deutschland

Hausarbeit 2014 15 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Definitionen und historische Hintergründe
2.2 Ein Blick in die Schweiz
2.2.1 Ausbildung für Soziokulturelle Animation
2.2.2 Methoden und Verfahren des Fachbereiches Soziokulturelle Animation
2.2.3 Arbeitsfelder
2.3 Ein Blick nach Deutschland
2.3.1 Ausbildungen für Soziokulturelle Animation
2.3.2 Anwendung der Methoden und Verfahren in Fachbereichen
2.3.2 Arbeitsfelder
2.4 Gemeinsamkeiten, Unterschiede, Ähnlichkeiten
2.5 Vergleich - Vor- und Nachteile der Systeme

3. Fazit

Literaturverzeichnis

Internetquellen

1. Einleitung

Unter dem Begriff der Sozialen Arbeit haben sich in Deutschland die Studiengänge Sozialarbeit und Sozialpädagogik vereint. In der Schweiz werden diese – in hochschulabhängiger Organisation- um die Fachrichtung der Soziokulturellen Animation erweitert. Die Einteilung in der Schweiz erinnert an die traditionelle Methodeneinteilung der Sozialen Arbeit in Einzelfallhilfe (Sozialarbeit), Sozialpädagogische Gruppenarbeit (Sozialpädagogik) und Gemeinwesenarbeit (Soziokulturelle Animation) (vgl. Husi und Villiger 2012, S.14 ff). Sozialarbeit und Sozialpädagogik wurden in Deutschland hingegen aufgrund der Zielgruppe ihrer Arbeit unterschieden (vgl. Mühlum, 2001, S. 10).

Der Begriff der Soziokulturellen Animation ist heute in Deutschland kaum bekannt. Dennoch ist das Arbeitsfeld existent: Absolventen der Sozialen Arbeit sind auch in Deutschland in Arbeitsbereichen und in einer Art und Weise tätig, die in der Schweiz unter dem Begriff der Soziokulturellen Animation erfasst wird.

Der Vergleichsgegenstand dieser Arbeit sind die Qualifikation der Professionellen im Arbeitsfeld der Soziokulturellen Animation in Deutschland und der Schweiz vor dem Hintergrund der Fragestellung, welche Vor- und Nachteile die in Bezug zum Arbeitsfeld der Soziokulturellen Animation unterschiedlichen Qualifikationen haben.

Relevante Vergleichskategorien dieser Arbeit sind somit Ausbildungen, Methoden und Verfahren des Fachbereiches Soziokulturelle Animation in der Schweiz sowie Arbeitsbereiche der Professionellen.

Zu Gunsten der einfacheren Lesbarkeit wird sowohl für die männliche wie die weibliche Form die männliche Form verwendet.

2. Hauptteil

2.1 Definitionen und historische Hintergründe

Sozialarbeit, die in der Schweiz klar der Einzelfallhilfe zugeordnet wird (vgl. Husi und Villiger 2012, S.56), wurde in Deutschland eher als psychosoziale Hilfe angesehen. Dementsprechend gab es Zuschreibungen hinsichtlich der Zielgruppen und Institutionen. Sozialarbeit war stärker therapeutisch orientiert und auf Erwachsene bezogen. Sie war familien- und umfeldbezogen. Sie zielte auf Beratung, Behandlung und Administration (vgl. Mühlum, 2001, S. S.10ff). Sozialpädagogik wird in der Schweiz der sozialen Gruppenarbeit zugeordnet (vgl. Husi und Villiger 2012, S.56), in Deutschland wurde sie als Erziehungshilfe gesehen (Mühlum, 2001, S. 226). Sie war auf Kinder und Jugendliche bezogen und stärker prophylaktisch orientiert. Die Arbeit mit Gruppen stand auch hier im Mittelpunkt. Sie zielte somit auf Erziehung, Bildung und Beratung. Aufgrund der zunehmenden Überschneidungen vor allem in der praktischen Arbeit wurde eine Differenzierung der verschiedenen Fachrichtungen in Deutschland schwerer (Mühlum, 2001, S. 10ff). Die Fachrichtungen Sozialarbeit und Sozialpädagogik wurden in dem Titel „Soziale Arbeit“ zusammengeführt.

Soziokulturelle Animation zielt auf eine aktive Lebensgestaltung unterschiedlichster Gruppen der Gesellschaft in Form von Selbstaktivierung der Adressatinnen und Adressaten. Soziokulturelle Animation interveniert in den gesellschaftlichen Teilbereichen Politik, Kultur, Soziales und Bildung und erfüllt dabei vier Funktionen: Partizipation, kulturelle Vermittlung, Prävention und Bilden. Die Angebote sind niedrigschwellig und knüpfen an den Bedürfnissen der Adressaten an (vgl. Fachpool, 2013). Soziokulturelle Animation setzt vor allem in der Freizeit der Menschen an, auch wenn sich ihre Aktivitäten ebenfalls auf Schule, Arbeit und weitere Bereiche beziehen können (vgl. Sachsen, 2014). Die Bezeichnung „Animation“ ist in Frankreich entstanden, ihr Ursprung geht auf die Volksbildungsarbeit und damit bis in die Anfänge der Industrialisierung zurück (vgl. Wandeler, 2013). „Animieren heißt dort ansetzen, wo die Ressourcen vorhanden, die Vorstellungen aber noch vage formuliert und die Bedürfnisse noch kaum artikuliert sind“ (Fachpool, 2013). Volksbildung bezweckte damals die Emanzipation und Mündigkeit der Bürgerinnen und Bürger. Ende der Fünfzigerjahre des 20. Jahrhunderts tauchte in den Niederlanden zum ersten Mal die Wortkombination „Soziokulturelle Arbeit“ auf (vgl. Wandeler, 2013). Wandeler nennt in diesem Zusammenhang auch den Begriff „Community Development“. Hierdurch wird verdeutlicht, dass sich die Soziokulturelle Animation nicht nur regional, also in Bezug auf einen Stadtteil oder eine Gemeinde bezieht, sondern auch bestimmte Gruppen meinen kann, z.B. Jugendliche oder Menschen mit einem gemeinsamen religiösen Hintergrund (vgl. Wandeler, 2013).

Im deutschsprachigen Raum gibt es mehrere Begriffe für die Soziokulturelle Animation. Diese werden im Folgenden dargestellt: In Deutschland wurden die Methoden und Verfahren der Soziokulturellen Animation vor allem im Rahmen der Freizeitpädagogik diskutiert (vgl. Schnee, 2013, S. 217). Im Unterschied zum Kulturpädagogen als Spezialist wird der Freizeitpädagoge eher als Generalist gesehen, der offene Angebote schafft und Kulturberater ist. Der Freizeitpädagoge hat seinen Ansatzpunkt bei den Menschen und ihren Interessen. Die Förderung von politischer Partizipation bzw. das Erlernen von sozialem Engagement wird auch als Freizeitpolitik bezeichnet. Hierbei werden Strukturen erschaffen, die Freizeit möglich machen. Auch die freizeitkulturelle Bildung kann als eigenständig aufgefasst werden (vgl. Musholt, 1995, S. 35ff). In Bezug auf Kulturvermittlung ist in Deutschland von Soziokultureller Arbeit die Rede, die Sozialarbeit und Kulturpädagogik beinhaltet (vgl. Schnee, 2013, S. 217). Ihre vier Zielfunktionen sind Kommunikation, Kreativität, Integration und Partizipation. Freizeit-kulturelle Animation, die dieselben Zielfunktionen kennt, ist demokratisierte Gemeinwesenarbeit. Sie geht nicht von Problemverhalten aus, sondern erkennt den Bedarf an freizeit-kultureller Animation bei allen Bürgern an (vgl. Musholt, 1995, S. 45ff). Während in den 1970er Jahren noch eine Ausbildungssystem für Freizeitpädagogen auch auf Hochschulniveau gefordert wurde und an verschiedenen Hochschulen Angebote entwickelt wurden (vgl. Nahrstaedt, 1974, S. 18ff), ergab eine Internetrecherche dass Studiengänge mit dem Schwerpunkt Freizeit heute vorrangig im Bereich Sport – oder Eventmanagement angesiedelt sind (vgl. Hochschulrektorenkonferenz, 2013). Dies deckt sich mit dem Bericht von Husi, der bemerkt, dass Freizeitpädagogik mal der allgemeinen Pädagogik zugeschlagen, mal als Spezialgebiet der Erwachsenenbildung, Schul-, Sozial- oder Sportpädagogik behandelt wird oder als eigenständige Subdisziplin der Erziehungswissenschaft gilt (vgl. Husi, 2013).

Als dritte Methode neben Einzelfallhilfe und Gruppenarbeit hatte sich in Deutschland bis in die 70er Jahre der Begriff der Gemeinwesenarbeit etabliert. Benachteiligte Quartiere werden dabei mit der dort lebenden Bevölkerung gestaltet. Gemeinwesenarbeit ist eine Übersetzung von „Community Development“. Die Gemeinwesenarbeit wurde im Gegensatz zur Sozialarbeit und zur Sozialpädagogik nicht zu einem eigenständigen Studiengang, sondern nach den 70er Jahren zum Arbeitsprinzip (vgl. Dt. Verein für öffentliche und private Fürsorge, 2007, S. 380). Die Sozialraumorientierung als Konzept der Gemeinwesenarbeit setzt sich praktisch mit den Wechselwirkungen der Gestaltung des Sozialraums und der Sozialwelt auseinander (vgl. Dt. Verein für öffentliche und private Fürsorge, 2007, S. 907f).

Politische Steuerung durch gesellschaftliche Selbstregulierung oder Verhandlungssysteme wird heute in der Sozialen Arbeit als Gouvernance bezeichnet. Sie schließt auch die Produktion kollektiv verbindlicher Regelungen und Maßnahmen sowie Gestaltung der gesellschaftlichen Umwelt ein (vgl. Dt. Verein für öffentliche und private Fürsorge, 2007, S. 420f).

2.2 Ein Blick in die Schweiz

2.2.1 Ausbildung für Soziokulturelle Animation

Die Ausbildung zum Soziokulturellen Animator findet heute auf Fachhochschulniveau statt. Das Studium in den Fachhochschulen ist unterschiedlich organisiert. Als Fachrichtung der Sozialen Arbeit kann die Soziokulturelle Animation z.B. in Luzern von Studenten im Rahmen ihres Bachelor-Studiums als Vertiefungsrichtung gewählt werden. Einige Fachhochschulen bieten heute generalistische Ausbildungen an. Soziokulturelle Animation wird dann ebenso gelehrt wie Sozialarbeit und Sozialpädagogik (vgl. Husi & Villiger, Sozialarbeit, Sozialpädagogik, 2012, S. 152ff).

2.2.2 Methoden und Verfahren des Fachbereiches Soziokulturelle Animation

Soziokulturelle Animation ist nicht nur Arbeitsbereich sondern auch eine Methode. Sie bedient sich ihrerseits wiederum verschiedener Methoden und Verfahren, um ihre Aufgabe erfüllen zu können (vgl. Sachsen, 2014).

Gemäß Husi und Villiger liegt die Methodenkompetenz der Soziokulturellen Animation in der Gemeinwesenarbeit. Weitere Methoden und Verfahren der Soziokulturellen Animation sind das Projektmanagement, verschiedene Moderationsmethoden und das Konzept des Empowerments und der Partizipation als Überbegriffe verschiedener Methoden zur Selbstermächtigung (vgl. Husi & Villiger, 2012, S. 117). Die Methoden der soziokulturellen Animation umfassen das Arrangieren von Lernsituationen ebenso wie die gezielte soziologische Erforschung und Analyse sozialraumbezogener Strukturen (vgl. Wandeler, 2013). Außerdem wurden Öffentlichkeitsarbeit, Lobbyarbeit sowie Methoden partizipativer Prozessgestaltung sowie Leitung und Begleitung von Gruppen angegeben. Weiterhin wurden Analyse, Bildungsarbeit in Kultur und Politik, Migrationsarbeit sowie die Netzwerkarbeit genannt (vgl. Husi & Villiger, 2012, S. 117). Neben der Organisation z.B. von Projekten sind sie in diesen auch selbst kreativ und arbeiten mit Mitteln wie Theater, Musik und Fotografie. Beratung ist ebenfalls eine Methode der Soziokulturellen Animation (vgl. Fachpool, 2013).

Die Methoden können in vier verschiedene Bereiche bzw. Rollen aufgeteilt werden:

1. Der Animator versucht, Zielgruppen zu Selbsttätigkeit zu aktivieren (vgl. Fachpool, 2013). Hierzu zählen die Moderationsmethoden, Empowerment sowie die Beratung.
2. Der sogenannte Konzeptor erforscht das Umfeld und erhebt Daten über den Aktivierungsbedarf der Bevölkerungsgruppen (vgl. Fachpool, 2013).
3. In der Rolle Organisator werden interessierten Individuen, Gruppen usw. unterstützende Angebote unterbreitet (vgl. Fachpool, 2013). Hierunter fallen demnach das Projektmanagement, verschiedene kreative Methoden und das arrangieren von Lernangeboten.
4. Die Rolle des Mediators wird als Vermittler im weitesten Sinne verstanden. Sie reicht von Kulturvermittlung bis Mediation im Konfliktfall (vgl. Fachpool, 2013). Zur Rolle des Mediators gehört demnach die Öffentlichkeits- und Netzwerkarbeit, Bildungs- und Migrationsarbeit und Lobbyarbeit.

2.2.3 Arbeitsfelder

Soziokulturelle Animatoren sind überall dort im Einsatz, wo Menschen Hilfe oder Impulse für die Gestaltung ihres Lebensumfelds brauchen. Sie arbeiten zum Beispiel in Kultur-, Gemeinschafts- und Seniorenzentren an Stellen für offene oder mobile Jugendarbeit, auf Spielplätzen, in Asyl-, Präventions- und Arbeitslosenprojekten, in der außerschulischen Bildungsarbeit, in der Gassenarbeit oder in Heimen. Weiterhin sind sie in Präventionsprojekten, Flüchtlingszentren, Pfarreien, in der Bildungsarbeit der Gewerkschaften und in Freizeitdiensten von Betrieben, im Sport- und Tourismusbereich tätig. Ein wichtiger Tätigkeitsbereich liegt in der Siedlungsentwicklung und im Stadtmanagement (vgl. Fachpool, 2013). Neben ihrer Tätigkeit in Jugend- und Kulturzentren stehen Soziokulturellen Animateuren somit alle Tätigkeiten offen, in denen Sozialpädagogen und Sozialarbeitern in der Schweiz tätig sind.

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Details

Seiten
15
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656718475
ISBN (Buch)
9783656719533
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v278856
Institution / Hochschule
Hochschule Koblenz (ehem. FH Koblenz)
Note
1,0
Schlagworte
soziokulturelle animation vergleich schweiz deutschland

Autor

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Titel: Soziokulturelle Animation. Ein Vergleich zwischen Schweiz und Deutschland