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Zur Kurzgeschichte "First Love, Last Rites" von Ian McEwan

Essay 2012 8 Seiten

Englisch - Literatur, Werke

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Figurencharakterisierung

3. Analyse der Erzählsituation

4. Abschließendes Statement

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

First Love, Last Rites“ ist sowohl der Titel der im Folgenden behandelten Kurzgeschichte, als auch der Titel der Kurzgeschichtensammlung von Ian McEwan, in welcher sie 1975 erschienen ist. McEwans Erstlingswerk wurde 1997 von Vintage London neu aufgelegt und vom Regisseur Jesse Peretz verfilmt. Die Kurzgeschichte selbst bezieht sich, wie die meisten frühen Werke von Ian McEwan, auf den Übergang vom Kind zum Erwachsenen, die Adoleszenz und deren Herausforderungen. Das Entdecken der Liebe, die Sexualität und deren Praktiken, sowie der Initiationsprozess in die Gesellschaft durch Arbeit zählen zu seinen Hauptthemen. McEwan verwendet kleinere Tabubrüche, die exakte Beschreibung des Liebesaktes gemischt mit zum Teil makaberen und grotesken Elementen. In „First Love, Last Rites“ geht es um ein junges Paar, das einen Sommer der Lust und Liebe in einer Hafenstadt in einem kleinen Apartment verbringt und nach einiger Zeit mit Alltagsproblemen und einem komischen Geräusch hinter ihren Wänden, konfrontiert wird. Bevor ich im weiteren auf die Erzählsituation eingehen werde, charakterisiere ich die beiden Protagonisten.

2. Figurencharakterisierung

Vorweg zu schicken ist, das die Geschichte in einer industriellen Hafenstadt, höchstwahrscheinlich in einer der englischen Industriestädte wie Manchester oder Liverpool. Die meisten Menschen dort lassen sich dem Proletariat zuordnen, was auch ihre Ausdrucksweise bestätigt. Sie arbeiten in Fabriken, wie die Protagonistin im Verlauf der Geschichte oder vom Fischfang.

Der Namenlose Erzähler und Protagonist ist, nach Pfister, in seiner Konzeption als ein sehr offener Charakter zu beschreiben, da er über die Geschichte einer ständigen Entwicklung ausgesetzt ist. Seine zurückgelegte Entwicklung innerhalb der Geschichte ist enorm, da er sowohl seine inneren Konflikte, wie auch die Äußeren anfängt zu verstehen und zu beheben. Die Charakterisierung lässt sich hauptsächlich als figural explizit beschreiben, da der Erzähler sich durch seine Gedanken dem Leser erschließt. Sein Verhalten bezüglich der Ratte beschreibt den Erzähler implizit außersprachlich und seine Sprache lässt auf einfache Verhältnisse während der Jugend schließen, dies wäre eine implizit sprachliche Beschreibung des Protagonisten. Am Anfang von „First Love, Last Rites“ ist er ein naiver, unbekümmerter Teenager, der in den Tag hineinlebt und die Probleme seiner gleichaltrigen Freunde aus London nicht versteht: „[...] I pretended not to understand them. [...] it was so easy to have a purpose.“. Er ist begeistert von der Idee von Sissels Vater und investiert euphorisch sein gesamtes Erspartes in die Erstellung von Aalfallen, obwohl ihm die Fischer am Hafen klar gemacht hatten, das er davon nicht leben kann: „There´s eels down there, they said, and you´ll catch a few but you won´t make no living on it.“. Er jedoch ist sich sicher, dass sie dadurch reich werden können: „[...] I was certain we would be rich.“ Im weiteren Verlauf der Kurzgeschichte resigniert er immer mehr, sowohl bezüglich der Aalfallen, als auch in seiner Liebe zu Sissel, welche anfangs das Höchste der Gefühle für ihn ist. McEwan lässt den Leser diesen schleichenden Prozess durch geschickte Zeitraffung miterleben: „As the weeks passed we heard it other times in the day, [...]“ Der Protagonist fängt an über das Leben nachzudenken. Diese Tatsache spiegelt die Intention Ian McEwans wieder, der hier gezielt eines der Hauptprobleme der Adoleszenz anspricht. Als die Ratte sich durch die Wand gegraben hat, ist auch das immer aufgeschobene Problem in der Beziehung zwischen den Beiden im Raum. Der Raum an sich ist auch ein Indikator der Geschichte, da er symbolisch für die stagnierende Stimmung in ihrer Beziehung ist. Am Anfang wird die Matratze auf einen schweren Eichentisch gelegt, der etwas von Beständigkeit ausstrahlt. Sie liegen auf dieser dünnen Matratze, die als Zeichen für die einfachen Verhältnisse steht, in welchen sie leben. Sie lieben sich vor einem offenen Fenster bei einer leichten Brise, die anfangs vom Hafen ins Zimmer weht. Dieses Szenario symbolisiert die anfängliche Freiheit und Unbekümmertheit eines Teenagers, der noch ohne wirkliche Sorgen in der Welt lebt. Dieser Raum verändert sich aber gegen Mitte der Geschichte in einen unbehaglichen Platz, genau wie die Beziehung der Protagonisten.

It was the room itself. It was no longer four floors up and detached, there was no breeze through the window, only a mushy heat rising off the quayside and dead jellyfish and clouds of flies, fiery grey flies who found our armpits and bit fiercely, houseflies who hung in clouds over our food. […] We no longer lifted the mattress on to the table, the coolest place now was the floor and the floor was coveresd with greasy sand which would not go away.

Das immer lauter werdende Schaben und Kratzen an der Wand steht für das wachsende Bedürfnis einer Aussprache, die am Ende der Geschichte mit einem langen Spaziergang angedeutet wird: „[...] and then go for a long walk, a walk along the river dyke.“ Dieses angedeutete Gespräch und die Tatsache, das sie am Ende der Kurzgeschichte, die Matratze wieder auf den Tisch heben, zeigt das aus der anfangs überschwänglichen Liebe zweier Teenager eine Beziehung gereift ist. Der Titel der Geschichte „First Love, Last Rites“ lässt sich genau auf dieses Ereignis zurückführen. Erst die unbekümmerte Liebe, und nach dem Reifungsprozess der Beziehung am Ende der Geschichte das Ritual, die Matratze symbolisch auf den Tisch zu heben. Auf die zweite Geschäftsidee von Sissels Vater geht die Hauptfigur nur noch sehr kritisch ein. „Well, I said, I suppose that needs some thinking about.“ Hier ist deutlich zu sehen, das die dynamische Figur reift, und er nicht alles was ihm gesagt wird ohne darüber nachzudenken annimmt, wie er es zuvor getan hatte. Sissel, die Freundin des Erzählers, ist nach Pfister in Ihrer Konzeption nicht ganz so offen, da sie verhältnismäßig wenigen Konflikten ausgesetzt ist. Ihre zurückgelegte Entwicklung über den Verlauf der Geschichte ist demnach eher gering, wobei die Tiefe ihres Charakters beachtlich ist. Sie fast ausschließlich von ihrem Freund charakterisiert, also in einem Fremdkommentar, sowohl im Monolog, als auch im Dialog. Außersprachliche Einflüsse, wie das auf der Matratze kauern aus Angst vor der Ratte oder ihr Schweigen definieren ihren Charakter zudem. „She had nothing to say, she did not make abstractions or discuss situations, she lived inside them.“ So beschreibt der Protagonist Sissel zu Beginn der Geschichte. Sissel ist im allgemeinen ein eher introvertierter oder auch ein träumender Charakter, was sich an anderen Textstellen öfter zeigt:

[...]

Details

Seiten
8
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656721505
ISBN (Buch)
9783656722328
Dateigröße
485 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v278592
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Englische Philologie
Note
2,3
Schlagworte
kurzgeschichte first love last rites mcewan

Autor

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Titel: Zur Kurzgeschichte "First Love, Last Rites" von Ian McEwan