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Das römische Heer in Ägypten, das Abinnaeus-Archiv und vagabundierende Soldaten in P.Abinn. 28

Seminararbeit 2011 15 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

1. Einleitung und historischer Rahmen

1.1. Einleitung

Die folgende Arbeit befasst sich mit dem römischen Heer und seinen Aufgaben in der römischen Provinz Ägypten, dem dort stationierten Offizier Flavius Abinnaeus, seinen gesammelten Schriften und der Aufarbeitung des Papyrus P.Abinn. 28. Im ersten Teil der Hausarbeit befindet sich ein kurzer historischer Abriss, der das behandelte Thema zeitlich einordnen soll um ein besseres Verständnis für die nachfolgenden Ausführungen zu ermöglichen. Nachfolgend möchte der Autor auf das römische Heer in der römischen Provinz Ägypten eingehen. Hierbei soll es vor allem darum gehen, die Hierarchie aufzuzeigen und den Offizier Flavius Abinnaeus darin einzuordnen. Weiterhin werden die Aufgaben des Heeres dargestellt. Das Hauptaugenmerk liegt vor allem auf der Einrichtung und Ausübung der administrativen Verwaltung, sowie der Ausübung der Polizeigewalt. Nachdem geklärt wurde, welchen Posten Flavius Abinnaeus inne hatte, soll es nun um sein Leben, seine Karriere und vor allem auch um die Funktionen seines Amtes im Vergleich zu den allgemeinen Aufgaben des Heeres gehen. Im Nachhinein wird die Entdeckung der von Abinnaeus gesammelten Papyri und ihre Aufarbeitung im sogenannten Abinnaeus-Archiv betrachtet. Hier soll es vor allem um die Geschichte des Archivs und seinen Aufbau gehen. Die Informationen dies bezüglich stammen aus der für diese Arbeit hauptsächlich genutzten Quellenedition „The Abinnaeus Archive. Papers Of A Roman Officer In The Reign Of Constantius II“ von H. I. Bell und anderen. Anschließend wird der Papyrus P.Abinn. 28 in einer englischen Übersetzung aus oben genanntem Werk vorgestellt, in das Archiv eingeordnet, erläutert und interpretiert.

Es soll also darum gehen, am Beispiel des vorgestellten Papyrus einen Einblick in das alltägliche Wirken und Leben des römischen Heeres in Ägypten zu ermöglichen und herauszustellen, wer Flavius Abinnaeus war und tat, um heute mit seinem Archiv ein wichtiger Quellenlieferant zu sein.

1.2. historischer Rahmen

Um das Leben und Wirken des Flavius Abinnaeus kennen zu lernen und zu verstehen, ist es zunächst einmal von großer Bedeutung, einen historischen Rahmen um das Geschehen zu ziehen. Wie allgemein bekannt, ist Ägypten seit der Annektierung durch Kaiser Octavian im Jahre 30 v. Chr. Teil des römischen Reiches. Durch die Einnahme der Stadt Alexandria in diesem Jahr, wurde Ägypten zur römischen Provinz und stand somit ab sofort unter der Verwaltung des Reiches. Dies sollte sich - von einigen Ausnahmen abgesehen - bis in die Mitte des 6. Jahrhunderts nicht ändern. Für die vom Autor betrachteten Problemstellungen ist vor allem die Zeit der Spätantike - insbesondere die Zeit des 3. und 4. Jahrhunderts - von großer Bedeutung, da die Datierung der Geburt Flavius Abinnaeus' in eben jene Zeit fällt (s. Kap. 3.1.). Die wohl wichtigsten Ereignisse dieser Zeit fanden unter Kaiser Diokletian ( 284-305 ) statt. Zunächst wäre hier die Einrichtung der sogenannten Tetrarchie, eines Mehrkaisertums mit zwei Haupt- und zwei Nebenkaisern zu erwähnen. Des weiteren führte Diokletian verschiedene Verwaltungsreformen ein: Er lies zunächst alle Provinzen verkleinern und neu ordnen, wodurch sich ihre Zahl auf ca. 100 Stück erhöhte. Im selben Zug schuf er eine Neuordnung innerhalb der Provinzen. Diese standen aufgrund der Einrichtung neuer Stufen innerhalb der Verwaltung nun direkter unter dem Kaiser. Die neu geschaffenen Stufen waren zunächst die Präfekturen, welche über der zweiten Stufe, den Diözesen, standen. So wurde eine direkte Verbindung zwischen dem Kaiser und den Provinzen errichtet, was das Verwaltungswesen ungemein vereinfachte.1 Nebenbei sorgte Kaiser Diokletian für die Einführung einer Steuerreform. Die Grundsteuer wurde nun nach diversen Kriterien wie Besitz und Tätigkeit eingetrieben. Seit dem Jahr 314 n. Chr. erfolgte die Eintreibung der Steuern dann nach der Indiktionszählung im Abstand von 15 Jahren. Weitere Neuerungen waren die Einführung einer Münzreform und der sogenannten Höchstpreisedikte.2 Aufgrund der vielen Kriege und ihrer Folgen ergab sich für die Bevölkerung eine starke finanzielle Belastung, welche zur Manipulation in der Geldherstellung führte, die sich im immer weiter sinkenden Silbergehalt der Münzen äußerte. Dies führte zu einer stetigen Geldentwertung und demzufolge zu einer inflationären Entwicklung. Der daraus resultierenden stetigen Verteuerung von Gütern sollte nun durch die oben genannten Höchstpreisedikte entgegengewirkt werden.3

Weiterhin sind die Religionsreformen zu nennen. Während es unter Kaiser Diokletian noch starke Christenverfolgungen gab, wurden diese im Jahr 311 n. Chr. durch das Toleranzedikt des Galerius weitestgehend eingeschränkt.4 Man erkannte, dass die christliche Religion durchaus als Legitimation für die „von Gott gegebene“ kaiserliche Herrschaft dienen könnte. Ein wesentlicher Förderer des Christentums war Diokletian's Nachfolger Konstantin der Große (306-337). Auch er sorgte für eine weitere Stabilisierung im gesamten römischen Reich. Eine wichtige Rolle dafür spielte vor allem auch das Heer, welches die Arme der Verwaltung des römischen Reiches massiv stützte.

2. Das römische Heer in Ägypten

2.1. Hierarchie und Aufbau unter dem Praefaectus Aegypti

Während Ägypten teil des römischen Reiches war, wurde die Herrschaft des Kaisers dort durch einen von ihm ernannten Statthalter vertreten. Dieser Statthalter - der Praefaectus Aegypti - bekleidete dieses Amt im Normalfall für ein Jahr. Besoldet wurde der Präfekt mit Teilen der eingenommenen Steuern. Die Verwaltung und bestmögliche Nutzung eben jener Steuereinnahmen war seine Hauptaufgabe. Bis zur Zeit Diokletian's hatte der Praefaectus Aegypti auch noch die Befehlsgewalt über das Militär. Er vereinte somit die militärische und die zivile Gerichtsbarkeit in einer Person. Dies änderte sich jedoch mit dem Kaiserwechsel: Die neue und gleichzeitig höchste militärische Gewalt war nun der Dux Aegypti Et Thebaidos Utrarumque Libyarum. Diese neu eingeführte Gewaltenteilung führte nicht selten zu einem gespannten Verhältnis zwischen den jeweiligen Würdenträgern.5 Unterstützt wurden jedoch beide von den ihnen direkt unterstellten Epistrategen, die für die Verwaltung der Gaue zuständig waren und dort juristische, militärische, aber auch zivile Kompetenzen inne hatten.6 Darunter befanden sich wiederum die Centurionen, die entweder für die Legionen - also die Kampftruppen - oder für die Auxiliartruppen - die Hilfstruppen - verantwortlich waren. Da es für das hier zu bearbeitende Thema von höherer Relevanz ist, möchte sich der Autor nun vor allem den Hilfstruppen zuwenden. Verwalter dieser Truppen war der sogenannte Praefaectus Alae. Er unterstand dem Befehl des Centrurionen und war verantwortlich für eine Alae - also eine Kavalerie von ca. 500 Mann. Ihm unterstanden 16 Decurionen, die für jeweils eine Turmae den Befehl inne hatten. Eine dieser Einheiten bestand aus ca. 30 Soldaten.7

2.2. Aufgaben des Heeres in Ägypten

Das römische Heer hatte während der Herrschaft des Kaisers über Ägypten drei Hauptaufgaben: Zunächst einmal übernahmen die Soldaten die Polizeigewalt innerhalb der Provinz. Die Auxiliartruppen waren nun für die Bewachung von Straßen und öffentlichen Plätzen verantwortlich, während die Marine damit beauftragt wurde, das Meer zu überwachen und somit Häfen und Küstenstädte vor Piraten zu schützen. Weiterhin waren die Soldaten an der Erbauung und natürlich auch der Überwachung von Gefängnissen beteiligt, verfolgten entflohene Sklaven und bildeten zeitgleich eine Art Sicherheitsdienst, einen Geleitschutz für hohe Beamte und Würdenträger.8 Die zweite und überaus wichtige Aufgabe war das Einrichten der administrativen Verwaltung und die damit verbundene Eintreibung der Steuern. Um eben jene eintreiben zu können, musste zunächst einmal die Bevölkerung nach Kriterien wie Besitz, Tätigkeit, Status und etwaigen Privilegien erfasst und eingeteilt werden. Dies wurde durch die bereits oben in Kapitel 1.2. erwähnte Einrichtung von Gauen ermöglicht. Wichtig für die Erfassung der Bevölkerung war aber auch die Kenntnis über ihre Bewegung, ihre Migration innerhalb der Provinz. Da den Behörden schon damals das Phänomen der Landflucht und den damit verbundenen ungemeldeten Umzügen von Bürgern zu schaffen machte, wurden sogenannte Reintegrationsedikte eingeführt, die die Steuerflucht eindämmen und die bäuerlichen Arbeitskräfte zurück auf das Land führen sollten. Diese straf-freien Anordnungen zur Rückführung der Bürger an ihren eigentlichen Wohnort gingen jedem Provinzialzensus voraus und dienten damit auch der ständigen Aktualisierung der Bürgerlisten. Dieser enorme bürokratische Aufwand brachte es außerdem mit sich, dass militärische und zivile Behörden nun enger

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1 Piepenbrink, Karin: Das Altertum, Hg. : Michael Erbe, Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2006, S. 226.

2 Scholl, Prof. Dr. Reinhold: Handreichung für das Basismodul I Geschichte, Übung Alte Geschichte, Kapitel „Spätantike: Bas Empire / Later Roman Empire / Dominat“.

3 Huttner, Ulrich: Römische Antike, A. Francke Verlag Tübingen und Basel, Tübingen 2008, S. 384-385. 3

4 Scholl, Prof. Dr. Reinhold: Handreichung für das Basismodul I Geschichte, Übung Alte Geschichte.

5 Hübner, Heinz: Der Praefaectus Aegypti. Von Diokletian bis zum Ende der römischen Herrschaft, Filser Verlag, München-Pasing 1952, S. 10-88.

6 Palme, Bernhard: Militärs in der administrativen Kontrolle der Bevölkerung im römischen Ägypten; in HISTORIA, Zeitschrift für Alte Geschichte, Heft 211, Die Verwaltung der kaiserzeitlichen römischen Armee, S. 149-164.

7 Alston, Richard: Soldier And Society In Roman Egypt. A Social History. London & New York 1995, S. 21.

8 Bohec, Yann le: Die römische Armee. Von Augustus zu Konstantin dem Großen, Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1993, S. 15-16.

Details

Seiten
15
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656717171
ISBN (Buch)
9783656717119
Dateigröße
640 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v278539
Institution / Hochschule
Universität Leipzig
Note
1,0
Schlagworte
heer ägypten abinnaeus-archiv soldaten abinn

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