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Die ethische Frage des Schwangerschaftsabbruches

Studienarbeit 2014 7 Seiten

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)

Leseprobe

Einleitung

Die Frage nach der Befürwortung oder der Ablehnung eines Schwangerschaftsabbruches ist eine ethisch und allseits aktuell relevante Frage. Deutschland gehört heutzutage zu den Ländern mit der niedrigsten Abtreibungsrate. Jedoch wurden 2013 in Deutschland immer noch rund 102 800 Schwangerschaftsabbrüche gemeldet (vgl. Statistisches Bundesamt, 2014).

Mit Parolen wie z.B.: „Mein Bauch gehört mir“ kämpften Frauen bereits in den 60er Jahren für die Selbstbestimmung und Legalisierung des Schwangerschaftsabbruches. Diese Parole ist möglicherweise nachvollziehbar wenn schwere Schicksalsschläge zur Befürwortung eines Schwangerschaftsabbruches führen. Andererseits stellt sich für mich persönlich die Frage, ob man ethisch gesehen einen Schwangerschaftsabbruch befürworten muss, wenn die Gründe hierfür nicht nachvollziehbar sind? Desweiteren eröffnet sich für mich die Frage wer für die Selbstbestimmung des werdenden Lebens kämpft?

Frauen haben mit der Antibabypille ein Höchstmaß an Selbstbestimmung erlangt. Sie selbst können bestimmen, ob sie schwanger werden möchten oder nicht. Wie sieht allerdings der Umgang mit dem Embryo im Bauch der Frau aus? Können Frauen wirklich über dieses Lebewesen bestimmen, ohne es Fragen zu können?

Vorrangig soll die Frage geklärt werden ob man die Befürwortung oder Ablehnung eines Schwangerschaftsabbruches generell als moralisch richtig oder falsch einordnen kann? Zunächst sollen die Begrifflichkeiten des Schwangerschaftsabbruches und der Ethik definiert werden, wie auch der rechtliche Stand der gesetzlichen Regelung des

Schwangerschaftsabbruches erklärt werden. Desweiteren sollen verschiedene Situationen skizziert werden, die ein Pro oder Contra zum Schwangerschaftsabbruch aufzeigen. Hierbei sollen nicht nur die Befürwortung oder Ablehnung erläutert werden sondern auch, in knapper Ausführung, mögliche Konsequenzen der jeweiligen Entscheidung aufgezeigt werden. Das vorliegende Essay berücksichtigt in seinen Ausführungen im Besonderen das Arbeitsfeld der Schwangerschaftskonfliktberatung. Abschließend erfolgt ein Resümee, in dem die gewonnenen Erkenntnisse zusammengefasst werden. Unter Beachtung von Gender-Aspekten möchte ich darauf hinweisen, dass ich im Folgenden ausschließlich weibliche Bezeichnungen wie ,,Beraterin", „Schwangere“ usw. verwenden werde. Dies soll allerdings männliche Berater etc. nicht ausschließen.

Hauptteil:

Unter einem Schwangerschaftsabbruch versteht man die Unterbrechung einer Schwangerschaft, welche den Tod des Embryos beziehungsweise des Fötus herbeiführt. Grundsätzlich ist der Schwangerschaftsabbruch zwar rechtswidrig, jedoch bleibt er aber unter bestimmten Voraussetzungen gemäß § 218 a Abs.1, § 219 Strafgesetzbuch (StGB) straffrei. Ein Schwangerschaftsabbruch ist nicht strafbar, wenn die Schwangere, welche den Eingriff wünscht, nach der sogenannten Beratungsregelung vorgeht. Hierfür muss die Schwangere eine ärztliche Bescheinigung nachweisen und mindestens drei Tage vor dem Eingriff ein Beratungsgespräch in einer staatlich anerkannten Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle, wie z.B. bei Pro Familia, wahrnehmen. Überdies hinaus muss der Schwangerschaftsabbruch innerhalb von 12 Wochen nach der Empfängnis von einem Arzt vorgenommen werden, der nicht an der Beratung teilgenommen hat (vgl. Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend).

Die Rechtswidrigkeit eines Schwangerschaftsabbruchs ist „…im Falle der medizinischen Indikation (§ 218 a Abs. 2 StGB), um Lebensgefahr oder die Gefahr einer schwerwiegenden Beeinträchtigung des körperlichen oder seelischen Gesundheitszustandes der Schwangeren abzuwenden, und im Falle der kriminologischen Indikation, weil die Schwangerschaft auf einem Sexualdelikt (§§ 176 bis 179 StGB) beruht…“ (zit. Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) ausgeschlossen.

Demnach ist ein Schwangerschaftsabbruch nicht rechtswidrig, wenn die Mutter durch die Schwangerschaft oder die Entbindung erheblichen gesundheitlichen Risiken ausgesetzt wäre. Desweiteren ist eine Abtreibung nicht rechtswidrig, wenn die Schwangerschaft, z.B. durch eine Vergewaltigung entstanden ist. Eine verpflichtende Beratung ist hier nicht vorgesehen. Es genügt eine schriftliche Feststellung durch einen Arzt, der jedoch den Schwangerschaftsabbruch nicht selbst vornehmen darf. Allerdings besteht auch hier eine Frist bis zur 12. Woche. Außerdem ist für viele Frauen eine voraussichtliche Behinderung oder schwere Krankheit des noch ungeborenen Kindes ein Grund sich für eine Abtreibung zu entscheiden. Sofern bei der Pränataldiagnostik eine Behinderung oder schwere Krankheit des Embryos festgestellt wird, kann ein Schwangerschaftsabbruch ebenso mit dem § 218a, Abs.2a, StGB, also einer medizinischen Indikation der Mutter, begründet werden. Hierbei gibt es keine zeitliche Begrenzung, das bedeutet, dass auch Spätabtreibungen, theoretisch bis kurz vor der Geburt stattfinden können. 2009 wurde hierfür eine verpflichtende Beratung und drei Tage Bedenkzeit eingeführt. Die Abtreibung darf nicht von dem Arzt vorgenommen werden, der die Diagnose gestellt hat (vgl. Pro Femina e.V. (1)). Wie ist ein Schwangerschaftsabbruch jedoch nicht aus medizinischer oder juristischer Sicht, sondern aus ethischer Sicht und dem Sozialen Arbeitsfeld zu sehen? Um dies erörtern zu können muss zunächst der Begriff „Ethik“ näher erläutert werden. Eine exakt einheitliche Definition von „Ethik“ existiert nicht. Jedoch besteht weitestgehend Einigkeit darüber, dass Ethik die Reflexion von Moral darstellt.

„Die Aufgabe der Ethik besteht nicht darin, eine Moral zu predigen, sondern Moral zu reflektieren. Sie fragt nach ihrer Begründung und sucht eine systematische Antwort auf die Frage, was moralisch richtig und falsch ist“ (zit. Ethikdiskurs).

Damit verschiebt sich allerdings das Definitionsproblem auf den moralischen Begriff.

„Moral als ein beschreibend gebrauchter Begriff bezeichnet summarisch alle von einem Menschen oder einer Gesellschaft als richtig und wichtig anerkannten Normen und Ideale des guten und richtigen Sichverhaltens“ (zit. Düwell et al., 2002, S 458).

Jeder Mensch entwickelt für sich eigene Moralvorstellungen, erst wenn diese kritisch und methodisch reflektiert werden, betritt man das Gebiet der Ethik. Da eigene und fremde Werte reflektierbar sind, entsteht, wenn auch unbewusst, bei der Reflektion von Werten und Normen anderer Personen, ein Vergleich mit den eigenen Werten und Normen. Somit fließen stets die eigenen Idealvorstellungen in ethische Reflexionen mit ein. Daher ist Ethik ausnahmslos Selbstreflexion, folglich immer auch Selbst- Infragestellung (vgl. Springer Gabler / Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH).

Wie sollte demnach eine soziale Beratungseinrichtung Stellung zum Schwangerschaftsabbruch beziehen? Die Schwangerschaftskonfliktberatung, meist ein Arbeitszweig sozialer Einrichtungen, muss ein Angebot schaffen, welches der Schwangeren ermöglicht über die Gründe, die Sie zum Abbruch der Schwangerschaft veranlassen, zu sprechen. Die Schwangere hat das Recht über alle Fragen und Probleme zu sprechen, die Sie persönlich in dieser Situation bewegen. Die Konfliktberatung dient dem Schutz des ungeborenen Lebens. Die Beratung soll in erster Linie die Frau zur Fortsetzung der Schwangerschaft ermutigen und ihr Perspektiven für ein Leben mit dem Kind eröffnen. Der Schwangeren soll ausreichend Hilfestellung gegeben werden um eine verantwortliche und gewissenhafte Entscheidung treffen zu können. Hierbei wird dem Ungeborenen in jedem Stadium der Schwangerschaft ein eigenes Recht auf Leben eingeräumt. Die Beratung darf nicht belehren oder bevormunden (vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2014, S.12). Die Beratung muss ergebnisoffen geführt werden. Die Beraterin soll ermutigen und Verständnis wecken, nicht belehren oder bevormunden, laut § 5 Absatz 1, Schwangerschaftskonfliktgesetz (SchKG). Die generelle Aufgabe der Beraterin liegt also darin die Frau zur Fortführung der Schwangerschaft zu ermutigen. Ethisch gesehen findet demnach keine wirkliche Reflektion der moralischen Werte und Normen der Schwangeren statt. Gesetzlich ist die Funktion und Rolle dieser Beratung zur Ermutigung zur Fortsetzung der Schwangerschaft festgelegt, siehe § 5 Absatz 1 (SchKG). Bedenkenswert hieran ist, dass eine Beraterin zur Fortsetzung der Schwangerschaft weiterhin ermutigen muss, auch wenn sie die moralischen Normen und Werte der Frau versteht oder sich die soziale Situation der Schwangeren als sehr schwierig erweist und eine sehr schlechte Zukunft für das Neugeborene Kind vorherzusehen ist. Auch könnte sich die Beratung als problematisch gestalten, wenn der Frau bereits z.B. eine Mehrfachbehinderung des Neugeborenen von Ärzten vorhergesagt wurde und die Frau bereits erahnen kann, dass ihrem Kind vielleicht ein nur sehr schwer zu ertragendes Leben bevorstehen könnte? In einer solchen Situation verbietet die festgeschriebene Aufgabe der Beraterfunktion, die ethische Reflexion der Normen und Werte und der jeweiligen Gründe, die für den Abbruch sprechen. Die Beraterin kann gemäß ihrer Aufgabe, welche die Ermutigung zur Fortsetzung der Schwangerschaft darstellt, nicht ein Für und Wider eines Abbruchs gemeinsam mit der Schwangeren reflektieren. Allerdings muss man wiederum die festgelegte Beratungsaufgabe in diesem Spezifischen Fall mit der Vorhersage einer Behinderung des ungeborenen Lebens, als positiv erachten. Wer kann sich schließlich anmaßen, dass ein Leben mit Behinderung nicht lebenswert sein kann?

Meiner Ansicht nach sollte eine Beraterin grundsätzlich viel mehr die Möglichkeit haben mit der Schwangeren das Für und Wider eines Schwangerschaftsabbruches, unter Berücksichtigung der persönlichen Gründe und der jeweiligen Situation, abwägen zu können.

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Details

Seiten
7
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656726357
ISBN (Buch)
9783656726296
Dateigröße
1.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v278433
Institution / Hochschule
Alice-Salomon Hochschule Berlin
Note
1,3
Schlagworte
frage schwangerschaftsabbruches

Autor

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Titel: Die ethische Frage des Schwangerschaftsabbruches