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Realistische Landschaften. Zur Landschaftsbeschreibung in Gustav Flauberts „L' Éducation sentimentale"

Hausarbeit (Hauptseminar) 2009 28 Seiten

Romanistik - Französisch - Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zum Realismus
2.1 Zeithistorischer Hintergrund
2.2 Einflusse, Trager und Asthetik des Realismus

3. Gustav Flaubert
3.1 Kurzbiographie
3.2 Zum Werk Flauberts - Zwischen Mystizismus und Realismus

4. « L'Education sentimentale. Histoire d'un jeune homme »
4.1 Inhaltsangabe
4.2 Zur werkimmanenten Landschaftsbeschreibung Die Episode im Wald von Fontainebleau
4.2.1 La description du paysage par l'auteur
4.2.2 Le paysage par l'optique de Frederic
4.2.3 Le paysage par l'optique de Rosanette
4.2.4 Zur Stilistik
4.3 Zur Funktion und Bedeutung der Landschaft

5. Fazit

6. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Im Rahmen des Seminars „Les paysages litteraires allemands et fran9ais“ mochte ich mich in der vorliegenden Arbeit der literarischen Landschaft in Flauberts ffiuvre „L'Education sentimentale“ zuwenden

Flaubert gilt gemeinhin als der „Nouveau Realiste“, dessen kunstlerische Ambitionen und Werke der alteren Generation der Realisten - Stendhal und Balzac - Nachfolge leisteten1. Flaubert selbst wies jegliche Stilisierung als Realist und das damit Bedeutete von sich, auch wenn die gewahlte literarische Form, Sujet, Technik und Stilistik diese Zuschreibung nicht obsolet werden lasst. Dennoch, wie die deskriptive Episode im Wald von Fontainebleau zeigen wird, lasst sich Flauberts Werk nicht uneingeschrankt in diesen klassifizierenden Begriff bannen.

Das bewegte 19. Jahrhundert ist von zahlreichen geistesgeschichtlichen „Errungenschaften“ begleitet, die nicht ohne Einfluss auf die kunstlerische Wahrnehmung bleiben sollten. Folglich zeichnet sich in der Kunst und Literatur ein Paradigmenwechsel ab, der nicht zuletzt in der Landschaftdarstellung jener Zeit spurbar wird. So werde ich im Folgenden nach einer kurzen theoretischen Einfuhrung in den Realismus und seinen zeithistorischen Kontext, sowie in das Leben und Werk Flauberts, einen Uberblick uber den Handlungsverlauf der „Education sentimentale“ geben, um mich im Hauptteil der Analyse der erwahnten Landschaftsepisode und ihrer spezifischen stilistischen Auspragung zuzuwenden.[1] gelegt. Die realistische Bewegung

1 Zum Realismus

Der Realismus ist in der Kunst und Literatur ein vager und relativer Begriff, der, eine Tendenz beschreibend, stets in seinem jeweils spezifischen zeithistorischen Kontext zu betrachten und so neu zu definieren ist. Seit jeher waren Kunstler und Literaten um eine wirklichkeitsgetreue Representation ihrer Stoffe bemuht, wobei die Wahrnehmung der Wirklichkeit stets der zeithistorisch gepragten Perspektive der Kunstler unterliegt. Der erstmalig im 19. Jahrhundert auf eine zeitgenossische Gruppe von Kunst- und Literaturproduzenten angewandte Begriff des „Realismus“ soll daher im Folgenden zunachst in seiner zeitgeschichtlichen Verankerung nachvollzogen werden, um letztlich seine Einflusse und Trager samt derer ideeller und stilistischer Credos verstehen zu konnen.

Das Fundament fur den literarischen Realismus in Frankreich wurde um 1830 zur Zeit der Julimonarchie und, geistesgeschichtlich betrachtet, innerhalb der Hochphase der Romantik formierte sich dagegen erst nach 1848, unter der Zweiten Republik. Bezeichnenderweise sollte fur die Nachwelt jedoch ein bis dato unbekannter, kategorischer Anfechter der realistischen Bewegung selbst zum Reprasentanten des Realismus werden: Gustav Flaubert. Dieses vermeintliche Paradoxon gilt es im Folgenden aufzulosen, illustriert es doch die Durchlassigkeit der Kategorie „Realismus“.

2.1 Zeithistorischer Hintergrund

Das 19. Jahrhundert ist von vielen historischen Ereignissen gepragt, die in tiefe sozio- kulturelle Umwalzungen munden. So ist es in erster Linie ein Jahrhundert der Revolutionen, die die Instabilitat der sozio-politischen Verhaltnisse kennzeichnen und den schnellen Wechsel von Regierungssystemen in Frankreich erklaren. Die bewegte Historie bleibt nicht ohne Einfluss auf die Stoffe der Kunste: Nachdem Napoleon I. 1815 endgultig abgedankt hatte, und unter Ludwig XVIII., ab 1824 unter dem reaktionaren Karl X. die Monarchie restauriert wurde, erscheint 1827 Victor Hugos Manifest der Romantik in der Preface de Cromwell und das romantische Individuum, das als „funktionslos, isoliert, aber erfullt von den Vorstellungen der GroBe und des fatalen Genies“ stilisiert wird , ruckt in den Blickpunkt der Malerei und Literatur. Es dominiert das schmerzerfullte Motiv der Sehnsucht, die auf eine unbestimmte ferne und/oder verlorene, ideale Welt projiziert wird[2] [3] [4]. Das von GroBer Revolution, Empire und Restauration gezeichnete Epochenbild, evoziert erstmalig ein kollektives Geschichtsbewusstsein, das sich in den Kunsten in der Historienmalerei und der Entstehung des historischen Romans manifestiert. Aufgrund der sich mit der industriellen Revolution vollziehenden sozio-okonomischen Umbruche, fokussieren die Sujets der Kunste aber gleichzeitig auch die im Prozess begriffene Gegenwart und ihre Gesellschaft. So vollzieht Honore de Balzac 1829 die Wende vom Historien- zum Gegenwartsroman[5]: Er konzipiert die Comedie humaine, in der er seinen Anspruch, ein authentisches „Sittenbild“ der gesamten zeitgenossischen franzosischen Gesellschaft unter Einbeziehung ihres jeweils spezifischen Milieus zu zeichnen und so zu dokumentieren, zu verwirklichen sucht. Mit diesem „soziologischem“ Anliegen, das den Fokus auf den das Individuum pragenden Kulturraum setzt und so literarische Typen sozialen Handelns hervorbringt6, wird inmitten der romantischen Hochphase das Fundament fur den literarischen Realismus gelegt.

Der reaktionare Politikkurs Karl X., der die Errungenschaften der GroBen Revolution zu revidieren sucht, ruft 1830 die Julirevolution hervor, die sich gegen das verraterische Bundnis von restaurativem Konigtum, Adel und reichgewordener Bourgeoisie auflehnt. Das Volk erzielt die Abdankung Karl X., dem jedoch der zunachst liberale Louis Philippe folgt, der „Burgerkonig“, der dem Burgertum sein goldenes Zeitalter verschaffen sollte. Ein Jahr nach der Revolution erscheinen zeitgleich zwei revolutionare Werke von ganzlich unterschiedlichem Couleur: Hugos Hernani, mit dem die Romantik endgultig ihren Triumph erringt, sowie Stendhals Le Rouge et le Noir, der erste realistische Roman, der ein Spiegel der zeitgenossischen Gesellschaft sein will . Der Roman, der das burgerliche Ideologem, Talent und Leistung eines Individuums entschieden uber dessen soziale Position, als verklarend und untauglich entlarvt, initiiert eine kritische literarische Auseinandersetzung mit der Aktualitat, insbesondere eine Auflehnung gegen die „geistfremde, inhumane und kapitalistische ..R

Bourgeoisie“ . Folglich entwickelt sich unter der Julimonarchie eine sozialkritische und antiburgerliche Literaturperspektive, die sich beispielsweise in dem „romantisme de gauche“9 einer George Sand spiegelt. Bis zum Ende der Julimonarchie, die gepragt ist von fortschreitender Industrialisierung, Kapitalisierung und der damit aufkommenden sozialen Frage, hat Pierre Joseph Proudhon seine Schrift De la Propriete und Auguste Compte seine Philosophie positive verfasst, Robert de Lamennais seinen katholischen Sozialismus propagiert und Louis Daguerre 1838 die Fotografie erfunden. Geistesgeschichtliche Errungenschaften, die nicht ohne weitreichenden Einfluss auf die realistischen Konzeptionen bleiben sollten.

Nachdem Louis-Philipp zunehmend vom anfanglichen Liberalismus abweicht, vereinigen sich das Proletariat und die Bourgeoisie und sturzen am 25. Februar das Burgerkonigtum. Die Zweite Republik wird ausgerufen. Doch nur wenige Wochen spater, findet sich die Arbeiterschaft vom Burgertum erneut um ihren Sieg betrogen. Es kommt zum Juniaufstand des Proletariats, der blutig niedergeschlagen wird. Dieses Ereignis markiert die endgultige Abspaltung des reaktionaren Proletariats vom Burgertum.

Louis Bonaparte wird Staatsprasident und unternimmt 1851 einen Staatsstreich, der zur Ausrufung des Zweiten Kaiserreichs fuhrt.

Mit dem bewegten Geschichtsbild wird der Zeitgeist von Hoffnung und Enttauschung begleitet, in deren Gefolge sich in der Literatur eine Desillusionsthematik abzeichnet. So im Falle Flauberts, der als einer der ersten die weitreichenden Folgen der Februar-Revolution erahnte und so tatsachlich als erster 1869 jene Ereignisse stofflich in seiner Education sentimentale verarbeitete und so ein Bindeglied zwischen Historien- und Gegenwartsroman setzte. Sein Desillusionsmotiv, die Resignation vor der gefestigten Herrschaft der von ihm verhassten Bourgeoisie, der er in detaillierten „Milieustudien“ der bourgeoisen Welt fortan Ausdruck verleihen wird, erscheint in einer ganzlich neuen stilistischen Einbettung, die ohne die ideellen Errungenschaften des von Revolutionen gepragten Jahrhunderts undenkbar gewesen ware.

2.2 Einflusse, Trager und Asthetik des Realismus

Wie bereits oben angemerkt, erfindet 1838 Louis Daguerre das erste praktikable fotografische Verfahren, die Daguerreotypie. Die Bekanntgabe der Erfindung in Paris 1839 stieB auf einen fur sie vorteilhaften Zeitgeist. So erschien im selben Jahr die erste Veroffentlichung von Auguste Comptes “Philosophie positive”, die den Wissenschaftsbegriff des 19. Jahrhunderts als “Herleitung der Gesetze aus der Beschreibung des Gegebenen”[6] [7] [8] [9] und sinnlich Erfahrbarem definieren sollte. Wichtigster Gegenstand der positivistischen Philosophie war neben der Soziologie die exakte Erforschung der Natur, die jegliche theologischen und metaphysischen Erklarungsmuster ersetzen, bzw. an diese anschlieBen sollte . Schnell in den Dienst der Wissenschaften, wie der Medizin, Ethnologie und Geologie gestellt, machte die Fotografie bislang Unsichtbares sichtbar, veranderte und scharfte so zugleich die Wahrnehmung der zeitgenossischen Wirklichkeit. Die von den Wissenschaften angestrebte Objektivitat und die vermeintliche Exaktheit der Realitatsdarstellung der Fotografie sollte nicht ohne Folgen fur die kunstlerische Wahrnehmung und Praxis des 19. Jahrhunderts bleiben. So sahen sich die Kunstler und Schriftsteller zur Neudefinierung ihrer kunstlerischen Ausdrucksformen gezwungen, weshalb das wissenschaftliche Paradigma der Objektivitat und die wirklichkeitsgetreue Formsprache der Fotografie zu ihrem neuen kunstlerischen Credo erhoben werden sollten.14

So wandelte sich in den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts, nach dem Tod Balzacs, der fur die Literatur bis dato negativ getonte Begriff „realisme“ aus der Kategorie der Literaturkritik in ein Schlagwort einer neuen literarischen Bewegung. Diese formierte sich zu einer „ecole realiste“, deren Hauptvertreter Jules Champfleury (1821-1889) und Louis-Emile Duranty (1833-1880) waren. Wegweisend waren hierbei weniger ihre Romane, als vielmehr ihre programmatischen Schriften und theoretischen Abhandlungen15. Den beiden zufolge besteht der Realismus in der „exakten, ehrlichen Wiedergabe der gesellschaftlichen Umwelt, der Epoche, in der man lebt“16. Er ist „Ausdruck der alltaglichen Banalitat“ und studiert, in Anlehnung an Balzac, sowie den Positivisten Compte, die soziale Seite des Menschen. Dabei galt ihr Interesse, gemaB der demokratischen Ideale von 1848, insbesondere dem „niederen Volk“. Die Realisten wandten sich gegen die von den Romantikern kultivierte poetische Imagination, die ihnen zufolge zur Verzerrung der Wirklichkeit fuhrte, und pladierte demzufolge fur eine gewissenhafte Beobachtung und letztlich dokumentarisch fundierte Representation der Wirklichkeit . Hierdurch „ruckte der Roman in die Nahe der Reportage, wahrend die kunstlerische Formgebung gen Nullpunkt tendiert(e)“ . Das Augenmerk lag auf dem aufrichtigen Ausdruck und der exakten Wortwahl, die die Realitat transparent werden lieB. Dem gegenuber hatte sich die asthetische Form zu beugen19.

Der programmatische Realismus versteht sich selbst als Oppositionskunst des Zweiten Kaiserreichs und ist als Reaktion auf die zeitgenossische Asthetik des klassizistischen „beau ideal“, als auch auf den romantisch-sozialistischen Idealismus einer George Sand zu sehen . Der literarische Idealismus des Zweiten Kaiserreichs schuf Geschichten auBergewohnlicher und sublimer Gefuhle und kontrastierte so mit den „Niederungen der gewohnlichen Welt (...), (den) gemeine(n) Menschennaturen oder de(m) banalen Gang des Alltags“ des Realismus. Damit ergeben sich stoffliche Dichotomien des romantisch-idealistisch Erhabenen und realistischen Banalen, Schonen und Hasslichen, Idealen und Unzulanglichen, Dramatischen und Monotonen. Die Vernachlassigung der Form und des Stils zugunsten einer authentischen, nahezu szientizistischen Abbildung jener Motive, brachte den Realisten den Vorwurf der Zeitgenossen ein, mangels Erfindungsgabe die Kunst zum reinen Handwerk, zur „knechtischen Nachahmung der Realitat“ herabgewurdigt zu haben.

Der literarische Realismus ist inhaltlich mit dem von Gustav Courbet initiierten Realismus der bildenden Kunst verwoben . Courbet betonte, dass Kunst vulgar werden musse und forderte die „verite“ des „Schulers der Natur“, die sich gegen die „artisterie“ und die „mensonge“ des herkommlichen Kunstbetriebs aufzulehnen hat. Als Republikaner und Freund des sozialistischen Theoretikers Proudhon, weigerte sich Courbet, seine Gemalde der „fete imperiale“ als Reprasentationskunst dienen zu lassen, und suchte so in dem asthetischen Programm seine politisch-demokratischen Ideale zu vermitteln. Ganz im Gegensatz dazu, fuhlten sich die Realisten um Champfleury nach dem Staatstreich von 1851 zur Anpassung an die entpolitisierte Offentlichkeit genotigt, weshalb ihre Werke letztlich nicht zu uberzeugen vermochten. So sollten fur die Nachwelt nicht die selbsternannten Realisten den literarischen Realismus verkorpern, als vielmehr ein bis dato unbekannter, von der Romantik beeinflusster Schriftsteller, der dem Programm der Realisten auBerst skeptisch gegenuber stand: Gustav Flaubert. Mit seiner Madame Bovary schafft er literaturgeschichtlich betrachtet erstmalig eine tatsachliche „litterature du vrai“26, obgleich Flaubert all dies „verabscheu(t)e (...), was man als Realismus zu bezeichnen sich angewohnt hat“ . So erkennt Flaubert schnell, dass die realistische Literatur - und die Kunst im Allgemeinen - immer nur ein Abglanz von Realitat sein kann, die von der Perspektive des Autors, somit durch dessen Wahl und Anordnung der literarisch zu verarbeitenden Tatsachen, die Wahl der handelnden Figuren und die Stilistik der Representation, in ein bestimmtes Licht gehullt und damit verzerrt wird. Mit seiner Uberzeugung, dass das Wahre nicht existiere, vielmehr „des manieres de (le) voir“ jenes bestimmten, entwickelt Flaubert einen Realismus ganz eigener Art, der sich von der 2 Maxime du

formlosen „Nachahmung“ der Wirklichkeit zu distanzieren sucht, ohne dabei die Treue zur Realitat zu verlieren. Dieses wird anhand der folgenden Analysen zu exemplifizieren sein. Dabei werden wir ein uns einem Motiv nahern, um dessen realistische Abbildung Kunstler und Literaten seit Anbeginn ihres Kunstschaffens bemuht waren: die Landschaft. Doch da, wie eingangs bereits erwahnt, die Wahrnehmung der Realitat dem jeweiligen Zeitgeist unterworfen ist, kennzeichnet Landschaftbeschreibungen stets eine eigenstandige Asthetik. Diese gilt es fur den Fall Flauberts naher zu betrachten. Doch zunachst eine kurze Hinwendung zum Leben und literarischen Schaffen Gustav Flauberts.

3. Gustav Flaubert 3.1 Kurzbiographie

Gustav Flaubert wird als Sohn eines Chirurgen, in den familiaren Kreis von Medizinern und Reedern am 13. Dezember 1821 in Rouen geboren. Folglich wachst er in einem bourgeoisen Milieu, im Kontext der Restauration auf. In der Dienstvilla seines Vaters lebend, die an das stadtische Krankenhaus angrenzt, wird Flaubert fruh Zeuge ”de toutes les miseres humaines (...)“: “Tout enfant, j’ai joue dans un amphitheatre. Voila pourquoi, peut-etre, j’ai les allures a la fois funebres et cyniques. Je n’aime point la vie et je n’ai point peur de la mort“ .

Als begabter, aber undisziplinierter Schuler, gilt seine Leidenschaft bereits fruh der Literatur. Im Alter von nur 15 Jahren hat er bereits acht Werke verfasst , die sein Interesse an romantischen und historischen Sujets bezeugen.

In den Sommerferien lernt Flaubert 1836 die altere und vergebene Elisa Foucault, spatere Schlesinger, kennen, die fortan als unerreichbare und einzige „passion veritable“ Flaubert absorbieren und sein Schreiben inspirieren sollte .

1842 nimmt er auf Drangen des Vaters ein Jurastudium in Paris auf, verkehrt ab 1843 im Haus der Schlesinger und macht die Bekanntschaft zu Victor Hugo. Aufgrund einer 1844 erlittenen Nervenkrise bricht Flaubert sein Studium ab, was ihm die Tur zu seiner Literatenkarriere offnet. Er wird fortan auf dem Familienanwesen in Croisset, nahe Rouen, bei seiner verwitweten Mutter ein zuruckgezogenes, seinem Schriftstellertum gewidmetes Leben fuhren: „Ma vie active, passionnee, emue, pleine de soubresauts opposees et de sensations 9 Flaubert, 1857, siehe http://flaubert.univ-rouen.fr/biographie/biodetai.php.

[...]


[1] So bilden die drei Autoren in der Gemeinvorstellung das Dreigestirn des literarischen Realismus in Frankreich. Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Honor%C3%A9 de Balzac.

[2] Kohler (2006), S. 203.

[3] Erstmalig in Confession d'un enfant du siecle von Alfred de Musset. Vgl. ebd..

[4] Die Romantik ist gekennzeichnet von der Wiederentdeckung des Mittelalters und einer Wirklichkeitsflucht, die sich im traumerisch-melancholischen Sehnsuchtsmoment des Individuums manifestiert. Als Reaktion auf das Zeitalter der Aufklarung betont die Romantik die Empfindsamkeit und praktiziert einen schwelgerischen „Selbstkult". Vgl. zur Charakteristik der Romantik u.a. http://www.etudes-litteraires.com/romantisme.php.

[5] Beide Genres unterscheiden sich lediglich durch die epochale Distanz, respektive Teilhabe. Mit dem neuen, durch schnelle soziale Veranderungen provozierten Geschichtsbewusstsein ist auch der Gegenwartsroman letztlich als Historienroman zu betrachten.

[6] Vgl. Kohler (2006). Vgl. zu Balzac Grimm (1994), S. 253.

7 Stendhal benutzt selbst diese Spiegelmetapher zur Beschreibung seiner Asthetik: „Le roman est un mirroir qui se promene sur une route." Zitiert nach Grimm (1994), S. 251.

8 Kohler (2006), S. 204. Dieser bezieht sich hierbei auf Alfred de Vignys Chatterton (1835).

9 Grimm (1994), S. 254.

[7] Schaar (1978), S. 524.

[8] Erstmalig sollten naturwissenschaftliche Methoden auch auf die Gesellschaft als Forschungsobjekt angewendet werden. Damit wird die Disziplin der Soziologie, deren Namengebung auf Comte zuruckgeht, ins Leben gerufen.

[9] Vgl. Kohler (2006), S. 206. Vgl. Schaar (1978), S. 524-525.

15 So Champfleurys Aufsatz „Le realisme dans I'art" (1850), sowie die Artikel in Durantys kurzlebiger Zeitschrift „Le Realisme" (1856-1857).

16 Duranty (1856), In: Le Realisme (Novembre 1856), zitiert nach Heitmann (1979), S. 81.

17 Hierbei sei erneut auf die Bedeutung der Fotografie verwiesen, sowie die Entwicklung des Positivismus.

18 Heitmann (1979), S. 81.

19 So teilte Champfleury die Romanciers in "sinceristes" und „formistes", wobei letztere den ersten gegenuber als unterlegen galten. Vgl. ebd., S. 81.

20 Fur diese sollte Kunst per Definition nicht das Studium der positiven Wahrheit anstreben, vielmehr eine Verdrangung dieser durch Uberhohung, Idealisierung und Verzerrung. Vgl. ebd., S. 82, sowie Grimm (1994), S. 254/55.

21 Heitmann (1979), S. 81. Camp, zitiert nach Schmoll, gen. Eisenwerth (2004), S.13.

23 Gustav Courbet ist gleichzeitig der Namensgeber jener kunstlerischen Bewegung. Als er 1855 fur die Weltausstellung nicht zugelassen wird, organisierte er kurzerhand in einem Pavillon am Eingang der groBen Schau eine Gegenausstellung, die er mit „Le Realisme - G. Courbet" betitelte. Vgl. KrauBe (2005), S. 67.

24 „Il Faut encanailler I'art", Courbet, zitiert nach Heitmann (1979), S. 82.

25 Courbet, 1849, zitiert nach ebd..

26 Ebd., S. 80.

27 Flaubert, zitiert nach ebd., S. 83. Nicht zuletzt musste Flaubert dem Realismus wegen dessen sozialistischer Ausrichtung skeptisch gegenuber stehen, war er doch selbst von einer unpolitischen Haltung gepragt. So war er enttauscht von dem Burgertum, das dessen anfanglichen, demokratischen Ideale verraten hatte, als auch vom „peuple", das sich als Trager neuer Ideale nicht hervortun konnte. Vgl. Grimm (1994), S. 261.

28 Flaubert, zitiert nach Tondeur (1984), S. 15.

30 Darunter Deux mains sur une couronne, Un secret de Philippe-le-Prudent und Un parfum a sentir.

31 Flaubert, 1846, zitiert nach Neefs (1999), S. 558.

32 So wird diese zur Figur der Maria in Memoires d'un fou (1838), zur Emilie in der 1. Fassung der (L') Education sentimentale (1845), sowie zur Marie Arnoux in dem uns interessierenden Werk L'Education sentimentale. Histoire d'un jeune homme (1869).

Details

Seiten
28
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656714835
ISBN (Buch)
9783656714828
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v278418
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen – Seminar für Romanische Philologie
Note
1,3
Schlagworte
realistische landschaften landschaftsbeschreibung gustav flauberts

Autor

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Titel: Realistische Landschaften. Zur Landschaftsbeschreibung in Gustav Flauberts „L' Éducation sentimentale"