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Grundlagen von Investmentfonds. Geschichte, Risiken, Vorteile, Arten

Akademische Arbeit 2007 32 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Grundlagen von Investmentfonds
2.1Geschichte der Investmentfonds
2.2Funktionsweise von Investmentfonds
2.3Vorteile von Investmentfonds (gegenüber der Direktanlage)
2.4Risiken von Investmentfonds
2.5Kosten von Investmentfonds
2.6Qualitätsstandards der österreichischen Investmentfondsbranche

3. Arten von Investmentfonds
3.1 Allgemeine Kriterien der Fondsklassifizierung
3.2 Differenzierung nach Anteilsumfang
3.3 Differenzierung nach Zugangsbeschränkung
3.4 Differenzierung nach Ausschüttungspolitik
3.5 Differenzierung nach Währung
3.6 Differenzierung nach Laufzeit
3.7 Differenzierung nach Garantien
3.8 Differenzierung nach geographischer Ausrichtung
3.9 Differenzierung nach Anlageschwerpunkt
3.10 Differenzierung nach Anlagesektor/-thema

4. Literaturverzeichnis (inklusive weiterführender Literatur)

1. Einleitung

Diese Arbeit gibt einen Überblick über das Konzept der Investmentfonds. So wird zunächst die Geschichte der Investmentfonds dargestellt. Anschließend wird erklärt, wie Investmentfonds funktionieren, bevor sowohl auf die Vorteile als auch die Risiken von Investmentfonds eingegangen wird. Darauf folgen schließlich die letzten beiden Punkte, nämlich die Kosten von Investmentfonds und es werden noch die Qualitätsstandards für Investmentfonds herausgearbeitet – insbesondere für die österreichische Branche.

Im nächsten Abschnitt werden dann die verschiedenen Arten von Investmentfonds ausführlich illustriert.

2. Grundlagen von Investmentfonds

2.1 Geschichte der Investmentfonds

Die ersten Investmentfonds entstanden im Zuge der Industrialisierung und Kolonialisierung des 19. Jahrhunderts in England und Schottland.1 Vor allem die Schotten hatten die Idee, dass es sinnvoll wäre die Mittel mehrerer Anleger zu bündeln, und somit wurde 1868 der „Foreign & Colonial Government Trust“ als erster Investmentfonds aufgelegt.2 Die Grundidee eines Investmentfonds wurde damals schon im Gründungsprospekt erläutert: „Ziel der Gesellschaft ist es, den kleinen Sparern dieselben Vorteile zu verschaffen wie den Reichen, indem das Risiko durch Streuung der Kapitalanlage vermindert wird.“3

In den USA kamen Fonds besonders in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts auf, um das im Ersten Weltkrieg zerstörte Europa wieder aufzubauen. Jedoch bescherte das Börsenkrachjahr 1929 der Hälfte der Gesellschaften ein jähes Ende und auch im deutschsprachigen Raum scheiterte der Aufbau von Fondsgesellschaften4 an mangelnden Sicherungs- und Kontrollmöglichkeiten.5 Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in

Deutschland durch die Münchner ADIG (Allgemeine Deutsche Investmentgesellschaft) im Jahre 1949 die ersten Fonds aufgelegt6 und einige Jahre später folgte auch in Österreich die durch die Creditanstalt gegründete ÖIG (Österreichische Investmentgesellschaft) als erste Kapitalanlagegesellschaft.7 In den folgenden Jahrzehnten bemühten sich die Fondsgesellschaften redlich, den Anlegern die Vorteile von Diversifikation und professionellem Management schmackhaft zu machen. Der Marktanteil blieb allerdings lange Jahre sehr gering.8

Der Boom an Investmentfonds begann in den achtziger Jahren und vor allem die gute Wertentwicklung der Börsen in den letzten Jahren trug dazu bei.9 In Österreich konnten die Anleger vor dreißig Jahren nur zwischen neun Fonds wählen, vor zwanzig Jahren waren es 22 Fonds und vor zehn Jahren 473 Fonds. Gemäß der letzten veröffentlichten Zahlen der Vereinigung Österreichischer Investmentgesellschaften (VÖIG) verwalteten die 24 österreichischen Kapitalanlagegesellschaften Ende 2006 insgesamt 2.171 Fonds, mit einem Volumen von 167,3 Mrd. Euro.10

2.2 F u n k t i o n sw e ise von Investmentfonds

Im Mittelpunkt der organisatorischen Abläufe steht die Kapitalanlagengesellschaft (KAG)11 , in der das Kapital von vielen Anlegern gebündelt wird.12 Dieses gesammelte Vermögen und die damit gekauften Wertpapiere werden offiziell als „ Sondervermögen “ bezeichnet.13 Die Ansprüche der Kapitalgeber am Sondervermögen werden durch Anteilscheine verbrieft, und der Wert eines Anteils ergibt sich aus der Teilung des Werts des Sondervermögens durch die Anzahl der ausgegebenen Anteile.14 Die Kapitalanlagegesellschaft übernimmt hauptsächlich Verwaltungsaufgaben, führt also die Fondsbücher und erfasst die Pflichtveröffentlichungen (den vollständigen Prospekt, den vereinfachten Prospekt, den Rechenschafts- und

Halbjahresbericht). Ferner ist sie für den Erwerb und die Veräußerung der dem Fonds zugehörigen Vermögensgegenstände verantwortlich, wozu Fondsmanager engagiert werden.15

Die Fondsmanager haben die Aufgabe, unter Berücksichtigung der Chancen und der eingegangenen Risiken, Entscheidungen über den Kauf und Verkauf von Wertpapieren zu treffen. Sie müssen sich jedoch sowohl an die gesetzlichen Anlagerichtlinien (z.B. Mindeststreuung) als auch an die Fondsprofile der KAG (z.B. Anlageschwerpunkt,

Anlageregion) richten.16

Die KAG’s sind verpflichtet, für die Verwahrung des Sondervermögens eine Depotbank einzuschalten. Neben dieser Aufgabe übernimmt die Depotbank außerdem noch die Kontrolle der Fondsbestimmungen, die Berechnung des Anteilswertes bzw. die Prüfung der Ausgabe- und Rücknahmepreise der Anteile, die Kontoführung und die Verbuchung von Ausschüttungen.17

In Abbildung 1 wird das Zusammenwirken von Anlegern, Investmentfonds, Kapitalanlagengesellschaft und Kontrollbank grafisch dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Dembowski [Profi-Handbuch Investmentfonds 1999], S.37 (leicht modifiziert)

Abb.1: Funktionsweise von Investmentfonds

Zusammenfassend gesagt, ist ein Investmentfonds ein Sondervermögen, das von einer Kapitalanlagengesellschaft geführt und von einer von ihr unabhängigen Depotbank verwahrt wird. Die Anlage der Gelder hat in Übereinstimmung mit den Veranlagungsvorschriften des Investmentfondsgesetzes zu erfolgen. Außerdem muss jeder österreichische Investmentfonds sowie die Bestellung der Depotbank seitens der Finanzmarktaufsicht (FMA) genehmigt werden.18

2.3 Vorteile von Investmentfonds (gegenüber der Direktanlage)

2.3.1 ersifikationseffekt

Durch den Kauf von Investmentfondsanteilen erwerben die Anleger einen Anteil an einem diversifizierten Portfolio. Ihr Vermögen wird nicht in einen einzelnen Anlagetitel investiert, sondern es wird versucht, das Kapital möglichst effizient auf mehrere Anlageobjekte aufzuteilen, um eine Risikominimierung zu erlangen.19 Das unsystematische Risiko20 sollte möglichst eliminiert werden.

Da kaum ein Anleger über ein so hohes Vermögen verfügt, um mittels Direktanlagen ein vergleichbar breit gestreutes Portfolio aufzubauen, genießen die Investoren in Investmentfonds den besonderen Vorteil, ihren vergleichsweise geringen Geldbetrag breit über die verschiedenen Finanzmärkte streuen zu können.21 Die Streuung kann sowohl über mehrere unterschiedliche Einzeltitel, über verschiedenen Märkte (z.B. Länder) als über diverse Vermögensklassen (z.B. gemischter Fonds aus Anleihen und Aktien) erfolgen.22

Es ist jedoch zu beachten, dass der Erfolg eines Investmentfonds von der Entwicklung der Märkte abhängt, und dass trotz breiter Streuung das systematische Risiko23 des Marktes nicht eliminiert werden kann.24

2.3.2 P rof essionelles Management

Die Anteileigner von Investmentfonds profitieren von den hervorragenden Kenntnissen der Fondsmanager über die Finanzmärkte. Die Aufgabe der Fondsmanager ist es, das Vermögen zu verwalten und den Wert über die Jahre hinweg nachhaltig zu steigern, wofür ihnen Datenbanken, Informationsdienste und zahlreiche weitere Informationsquellen zur Verfügung stehen.25

2.3.3 G ünstige Konditionen

Da Fonds mit weitaus größeren Kapitalbeträgen als Privatpersonen operieren, reduzieren sich dadurch auch die Transaktionskosten, die durch Kauf und Verkauf von Wertpapieren entstehen.26

2.3.4 Liqu idität

Die Anteile an Investmentfonds müssen laut gesetzlichen Bestimmungen jederzeit von der Kapitalanlagegesellschaft zurückgekauft werden. Der Rücknahmepreis richtet sich nach dem von der Investmentgesellschaft und Depotbank täglich errechneten Wert des Anteils. Fondsanteile zeichnen sich somit im Vergleich zu anderen Wertpapieren durch eine hohe Liquidität aus.27

Es ist zu erwähnen, dass die beschriebenen Fondsvorteile sich nicht bei allen Fondsarten im selben Ausmaß ausprägen. Bei Rentenfonds sind zum Beispiel die Vorteile eines professionellen Managements begrenzt, und auch der Konditionenvorteil verliert in Zeiten des Discount-Broking sowohl im Fall von Aktien als auch bei Anleihen mehr und mehr an Bedeutung.28

2.3.5 Rec htliche Sicherheitsmaßnahmen

Die Sicherheit von in- und ausländischen Fonds beruht auf Investmentgesetze, gesetzlich verpflichtete Mindeststreuung, Überwachung durch eine Aufsichtsbehörde, regelmäßige Berichterstattung und Überprüfung des Jahresberichtes durch einen unabhängigen Wirtschaftsprüfer. Investmentfonds gehören somit zum „weißen“ Kapitalmarkt, der staatlich überwacht wird.29

2.4 Risiken von Investmentfonds

Risiko bedeutet für den Anleger die Gefahr, das investierte Geld zu verlieren bzw. die geleistete Einlage nicht in voller Höhe zurückzubekommen.30 Das Fondsrisiko hängt stark von seiner Zusammensetzung ab und kann aufgrund der unterschiedlichen Fondsarten verschieden stark auftreten.31 Im Folgenden wird auf die wichtigsten Risikoarten eingegangen:

2.4.1 Ma rk t r isiko

Darunter versteht man das Risiko von Kursverlusten aufgrund von Veränderungen der Marktpreise der Anlagen im Fonds (z.B. Veränderung von Zinssätze, Aktienkurse, Wechselkurse, Immobilien-, Gold- und Rohstoffpreise).32

Spezialitätenfonds sind den zyklischen Bewegungen des Marktes voll ausgesetzt und neigen zu überdurchschnittlich hohen Kursverlusten.33

2.4.2 Ma n a gementrisiko

Wenn die Fondsmanager nicht in der Lage sind, sich an die gesetzlichen Anlagerichtlinien und Anlageziele des Fonds zu halten, oder die Interessen der Anleger vernachlässigen, so wird dies als Managementrisiko bezeichnet. Fondanleger haben keinen Einfluss mehr über die Objektauswahl oder das Timing.34

2.4.3 W echselkurs- und Währungsrisiko

Besteht das Fondsportfolio aus Wertpapieren, die auf fremde Währung lauten, so ist der Anleger dem Wechselkurs- und Währungsrisiko ausgesetzt.35 Das Wechselkursrisiko ist das generelle Risiko der Wechselkursschwankungen und demgegenüber misst das Währungsrisiko die zusätzliche Volatilität, die entsteht, wenn die Renditen von auf ausländischen Währungen lautenden Anlagen in die einheimische Rechnungseinheit des Fonds umgerechnet werden.36 Reine Branchenfonds sind den Kursschwankungen der jeweiligen Branche ausgesetzt und beinhalten ein vergleichsweise höheres Wechselkursrisiko.37

[...]


1 Vgl. Esser [Investmentfonds für Einsteiger 1998], S.44.

2 Vgl. Dembowski [Profi-Handbuch Investmentfonds 1999], S.18f.

3 Shaperjahn/Weber [Vermögensverwaltung mit Investmentfonds 1995], S.737.

4 Die Begriffe „Fondsgesellschaft“, „Investmentfondsgesellschaft“ und Kapitalanlagengesellschaft“ werden synonym verwendet.

5 Vgl. Weber [Zukunftssicher anlegen 2001], S 36.

6 Vgl. Esser [Investmentfonds für Einsteiger 1998], S.45.

7 Vgl. o.V. [Capitalinvest 2006], o.S.

8 Vgl. Beike/Schlütz [Finanznachrichten 2001], S.672.

9 Vgl. Esser [Investmentfonds für Einsteiger 1998], S.45.

10 Vgl. o.V. [Historische Entwicklung Fonds 2006], o.S.

11 Die exakte juristische Bezeichnung für den umgangssprachlichen Begriff „Investmentfonds“

12 Vgl. Esser [Investmentfonds für Einsteiger 1998], S.15.

13 Vgl. Dembowski [Profi-Handbuch Investmentfonds 1999], S.37.

14 Vgl. Fehrenbach/Kapferer [An Investmentfonds verdienen 1999], S.105.

15 Vgl. Beike/Schlütz [Finanznachrichten 2001], S.681f.

16 Vgl. Dembowski [Profi-Handbuch Investmentfonds 1999], S.38 und Beike/Schlütz [Finanznachrichten 2001], S.682.

17 Vgl. Hanak/Jost [Investmentfonds 2002], S.24.

18 Vgl. Hartmann [Investmentfonds 2006], S.6.

19 Vgl. Hanak/Jost [Investmentfonds 2002], S.26f.

20 Darunter versteht man das spezifische Risiko einzelner Unternehmen (z.B. Managementfehler, Schadensfälle im Unternehmen…),

21 Vgl. Dembowski [Profi-Handbuch Investmentfonds 1999], S.64 und Beike/Schlütz [Finanznachrichten 2001], S.674.

22 Vgl. Hanak/Jost [Investmentfonds 2002], S.26ff.

23 Darunter versteht man Marktrisiken (z.B. Inflation, politische Risiken, Konjunkturrisiko…)

24 Vgl. Otter [Investmentfonds 1999], S.30.

25 Vgl. Beike/Schlütz [Finanznachrichten 2001], S.674.

26 Vgl. Hanak/Jost [Investmentfonds 2002], S.30.

27 Vgl. Hartmann [Investmentfonds 2006], S.4.

28 Vgl. Beike/Schlütz [Finanznachrichten 2001], S.676f.

29 Vgl. Dembowski [Profi-Handbuch Investmentfonds 1999], S.65.

30 Vgl. Otter [Investmentfonds 1999], S.111.

31 Vgl. Eisenmenger [Investmentfonds 2001], S.53.

32 Vgl. Otter [Investmentfonds 1999], S.112.

33 Vgl. Müller [Handbuch Geldanlage 1999], S.240.

34 Vgl. Beike/Schlütz [Finanznachrichten 2001], S.678

35 Vgl. Beike/Schlütz [Finanznachrichten 2001], S.678f.

36 Vgl. Otter [Investmentfonds 1999], S.112.

37 Vgl. Müller [Handbuch Geldanlage 1999], S.240.

Details

Seiten
32
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783656707783
ISBN (Buch)
9783656716297
Dateigröße
599 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v278283
Institution / Hochschule
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt
Note
1,0
Schlagworte
grundlagen investmentfonds geschichte risiken vorteile arten

Autor

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