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Stadtgeschichte. Die europäische Stadt in der 2. Hälfte des 19. Jh bis 1945

Vorlesungszusammenfassung: Großstadt und Moderne, Vorlesung im Sommersemester 2011

Vorlesungsmitschrift 2011 27 Seiten

Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik

Leseprobe

VL Großstadt und Moderne II VL1 14.04.11

Einführung

- Moderne:Gliederungssysteme der letzten 2,5 Jahrhunderte
- Dreischritt
- Hauptentwicklung in Großstadt während „ Hochmoderne“ 1880-1930er
- Moderne „normativ aufgeladen“ - positiv
- Ambivalenz der Moderne; z. B. Effiziente Organisation des Konzentrationslager
- Entwicklung „vielseitig“ einsetzbar
- „Stadt Indifferenz vs. Differenz“
- Stadt: „Friedliche Verhandlung von Differenz“
- jedoch Empire belegt dies keineswegs
- Epoche: Zwischen 1. und 2. WK
- Gewalt in Großstadt = Ambivalenz der Moderne
- Klausur: 14.07.

Kampf und den städtischen Raum I (bis 1914), Männer und Frauen, oben und unten,

Tag und Nacht

- Konflikte innerhalb und um städtischen Raum vielfältig
- 1902: Gegen Straßenbau wegen Angst vor Lärm von Gaststätten
- Bedeutungsverlust der Öffentlichkeit
- Konflikte zwischen verschiedenen Gruppen
- Formen ebenfalls mannigfaltig
- „Städt. Topographie = Bürgerliche Dominanz“
- Spannung in Hauptstadt offensichtlich
- Symbolische Bedeutung für Konflikte

Zugang der Stadt für respektable Frauen

- Beispiel: Belästigung von Frauen in London, die nicht ortskundig sind und auf der Straßenseite der Prostitution laufen
- Gefahr für Frau im 19. Jh. für Prostituierte gehalten zu werden
- Diskussion: Zugang von öffentlichen Räumen für Frauen
- z. B. Keine öffentlichen Toiletten für Frauen, keine Frauenclubs

Rolle der Kaufhäuser

- Warenhäuser als „erster Brückenkopf“
- ab 1830er Warenhäuser = Warenhäuser = Modernität, Konsum
- symbolische Bedeutung größer als ökonomischer, „konsumsüchtige Frau“
- Konsum = Weiblichkeit, Frauen v. a. Kunden wahrgenommen
- Beschäftigte in Warenhäusern überwiegend männlich
- Verbindung mit nationalen Stereotypen, „typisch englisch, typisch französisch“
- Einkaufsbummel Zugang zum städtischen Raum. „geschützter Raum“
- Frauenclubs bilden sich in Nähe der Kaufhäuser
- Präsenzform bürgerlicher Frauen im städtischen Bereich

Andere „weibliche Orte“ der Frauen

- tätig in Wohltätigkeit: Möglichkeit in Armenviertel zu kommen
- Unterhaltungsmöglichkeiten für Frauen

Soziale Grenzen im städtischen Raum

- Verhältnisse zwischen sozialen Schichten angespannt
- dennoch: „unsichtbare“ Grenzen und Regeln allseits bekannt, „angespannte Ruhe“
- Konflikte wegen verschiedener Interessen
- Soziale Ordnung = Räumliche Ordnung

Die polizeiliche Ordnung im städtischen Raum

- Verhältnis von Zentrum und Peripherie
- Zentrum ist Insel in Meer von „Verbrechen und Unsittlichkeit“
- unsittliches = kriminelles Verhalten (Unfug)
- Was ist ein Verbrechen? = Großer Spielraum der Polizei
- Verschiebung der Klassen; Polizei werden von Ordnungshütern zu Sicherheitskräften Zusammenhang von Verstädterungvon Steigen von Kriminalitätsraten kaum möglich

Kriminalität und Polizei

- Lob wegen Einsatz auf Straßendienst
- ab Ende des 19. Jh. Ausbau der städtischen Polizei
- Tätigkeitsfelder der Polizei vielfältig, Effizienz häufig bemängelt,
- kaum Gefühl von Sicherheit vermittelt

Kriminalität und Medien

- Aufstieg der Massenpresse, bevorzugte Themen z. B. Gewaltverbrechen
- „Delinquenten überall gefährlich erscheinen lassen“
- z. B. Die Morde „Jack the Rippers“,
- Presse beschreibt Stadtteile als besonders unsicher - Stadtteile werden entfernt
- Antisemitismus, bestimmte Delikte als „typisch jüdisch“ beschrieben
- auch nationale Stereotype für Verbrechen

Prostitution

- Ausmaß ungeheuer hoch, London z. B. 25.000
- unübersehbares Massenphänomen
- Frage nach Kasernierung von Prostitution
- Regulierung von Prostitution durch Sperrbezirke
- Vorschlag: Befreiung von unsichtbaren Grenzziehungen; dauerhafte Präsenz von respektablen Frauen

Jugendbanden

- Gefahr durch diese
- Banden in proletarischen Vierteln vorherrschend
- Gefahr: Eindringen in städtisches Zentrum

Kampf um den städtischen Raum II: Revolutionen und Demonstrationen, Pogrome und Terrorismus

Die Pariser Commune als zentraler Referenzpunkt

- Paris als Hauptstadt der Revolution
- Machtpunkt ist Nationalgarde
- 1871 offener Bürgerkrieg
- unterschiedliche Bataillone
- Bemühung um demokratische Fundierung
- Marx: „Pariser Commune als erste proletarische Revolution“

Abschluss eines frühen Revolutionszyklus

- „Umbau von Paris, um Stadtteilen dem Militär zugänglich zu machen und zukünftig Aufstände niederzuschlagen“
- starker Zusammenhalt, Bereitschaft zu Verteidigung der Stadt“
- blutige Niederlage der Commune, durch Massenexekutionen und spätere Deportationen in Sträflingskolonien
- für Arbeiterschaft Symbol ist Barrikade

Demonstrationen in Berlin

- Gedenkfeier für Opfer der Revolution gleichzeitig Demonstrationen der sozialdemokratischen Arbeiterschaft
- Kooperation von Sicherheitskräften und Demonstranten
- städtischer Raum von organisiertet, kollektiver Meinungsäußerung
- verschiedene Möglichkeiten zur Demonstration (je nach Stadt)
- Versuch Demonstrationen aus städtischen Zentren zu vermeiden, auch aus wirtschaftlichen und repräsentativen Gründen

VL Lenger VL221.04.11

Rückschau:

Grenzziehungen im städtischen Raum, Zugänglichkeit verschiedener Klassen

Pariser Commune von 1871:

- dauerhafter Referenzpunkt für politische Aktivität im städtischen Raum

- Demonstrationsrecht unklar definiert; Grenzen des Erlaubten mit Sicherheitskräften ausgehandelt

01. Mai: ab 1890 internationaler Feiertag der Arbeiterbewegung

- v. a. In Russland unterdrückt
- v. a. Männliche Angelegenheit
- Wohlhabendere verlassen Städte; Sorge vieler vor Ausschreitungen
- Maidemonstration mit Ausflugscharakter

- arbeitsfreier Tag am 01. Mai
- keineswegs rechtlich verankert, Streiktag, Streik für Recht auf Arbeitsfreier Tag
- auch Streik für Lohnerhöhungen
- Meinungsverschiedenheiten über Form des Streiktages (Generalstreik?)
- Barcelona 1890: festlicher Umzug, orientiert an kirchliche Prozession, Streikzug zum Palast des Gouverneurs
- Radikale verlangen Generalstreik, Unterdrückung durch Militär und Polizei
- Mai zwischen Fest, Demonstrationszug, Streik
- Zusammenführung verschiedener Elemente
- in industriegeprägten Städten schnelle Verbreitung von Streiks
- siehe Ruhrgebiet (Bergarbeiterstreiks), Frauen und Kinder am Anfang des Zuges, um Gewalt der Sicherungskräfte zu vermeiden
- Frage : Wichtigkeit der Streikenden für städtische Wirtschaft?
- Struktur der Städte entscheidend für Intensität/Form der Streikes
- weiterhin: Verhalten von Militär und Polizei
- z. B. Berlin-Moabit, Straßenkämpfe durch Repression; Konflikt von Stadtbewohnern und herrschender Obrigkeit
- Grenzziehungen von Streiks und Demonstrationen problematisch

Militär und Polizei als Ordnungskräfte

- unterschiedliche repressive Aufgaben
- je nach Land unterschiedliche Einsatzgebiet
- „Mailänder Revolution“ Streik bei Pirelli, Einsatz des Militärs, massive Unterdrückung der Streikenden, Militärgerichtsbarkeit
- in Preußen: bei gewisser Größe der Streiks schneller Eingriff des Militärs
- Verhalten der Arbeitgeber häufig verschärfend, denn sie haben zu bestimmen
- kompromisslose Linie
- Streik z. T. Internationale Angelegenheiten durch Soldiarisierung, Pressestimmen

Generalstreik als Konzept und Realität

- Welcher Zweck? Verschiedendste Auslegungen
- Generalstreiks zu Mittel zum Erlangen politischer Rechte
- in Barcelona: Ausweitung zu Straßenkämpfen, blutige Niederschlagung durch Militär

Die russische Revolution vom Oktober 1905

- Streiks 1905 in Russland: Solidarsierung der Arbeiterschaft mit ehemaligen Chefs von Vereinen
- Petition in Russland: Soldaten richten Massaker in friedlicher Demonstration an
- Monarch kann zwischen Kapital und Arbeiterschaft vermitteln, steht über dieser
- Eskalation der Gewalt
- Streikzunahme im Herbst 1905
- weitere Städte erfasst
- Mitte Oktober russisches Eisenbahnnetz stillgelegt, Versorgung der Städte schnell gefährdet
- Zar verkündet Oktober-Manifest, Zugeständnisse an Arbeiterschaft
- Anfang Dezember erneuter Generalstreik, blutig niedergeschlagen
- Erinnerung an Niederschlagung Pariser Commune

1. erster Einsatz terroristischer Mittel (z. B. Attentate)
2. Pogrome spielen erhebliche Rolle
3. Nationale Emanzipationsbestrebungen

Die Anfänge des Terrorismus

- relativ neues Phänomen
- typische Aktionsformen v. a. Pistolen- und Bombenattentate
- Ziele: Monarchen, Staatsoberhäupter, gesellschaftliche Gruppen
- Opernhäuser und Justizpaläste symbolische Orte im städtischen Raum
- Terrorismus dreipolig mit Täter, Opfer und Medien
- Zaren machen Straßen zu Herrschaftsgebiet durch Spazierengehen
- Mythos der Unverwundbarkeit und Nähe zu Untertanen des Herrschers beendet
- Attentat auf Alexander II. 1881
- Zar nicht mehr frei bewegen in Stadt
- mediale Resonanz, Hauptstädte v. a. Schauplätze terroristischer Aktionen
- je größer Repressionen, desto häufigere Anzahl von Attentaten

Pogrome

- Pogromwellen, Attentat auf Alexander Auslöser für überregionale Pogromwellen
- Streitigkeiten zwischen griechisch-orthodoxen und jüdischen Bevölkerungsgruppen
- gegenseitige Beschuldigungen wegen Grabschändungen, Auftragsmorde etc.
- Plünderungen, Morde, Verwüstungen von Geschäften
- Vielzahl von Städten im Russischen Reich
- zögerliches Eingreifen von Ordnungskräften
- „Einvernehmen mit Obrigkeit“ dachten
- Täterin des Attentats auf Alexander Jüdin (Vorwand)
- Antisemitismus
- Pogrom nicht Ende des Antisemitismus, Jüdische Bevölkerung in ständiger Angst
- ab 1903: Pogrom an 70 Juden, kein Eingreifen von Sicherheitskräften trotz ausreichender Zahl von Soldaten
- jüdische Bevölkerung bildet Selbstschutzgruppen
- wenig effektiv
- Pogromwelle von 1905: antijüdische Ausschreitungen
- monarchistisch-national-konservative Gesinnungen auch innerhalb Arbeiterschaft
- Arbeiterschaft beteiligen sich an Pogromen
- wesentlich mehr jüdische Opfer als 1881
- Reaktion von Juden: Emigration
- Pogrome im restlichen Europa seltener, da schnell polizeilich unterbunden
- siehe Nordirland-Konflikt, Iren katholisch, Briten anglikanisch-protestantisch

Interethnische und interkonfessionelle Gewalt

- Irische Nationalisten: Fremdherrschaft durch Engländer
- Nach Aufstand von Polen 1883: Herrschaftsdemonstration der Russen durch Bau orthodoxer Kirchen, obwohl Warschau katholisch
- Polnische Sozialisten Mittel des Terrors, Bombenattentate
- große Zahl von Hinrichtungen
- Herrschaftsanspruch vs. Nationale Selbstbestimmungsbestrebungen
- z. B. Ungarische Revolution vs. Habsburger Monarchie
- weitere Konflikte in Habsburgerreich, jedoch Nationalitätenkonflikte

Europas Städte im 19. Jh.

1. Europas Städte kein Ort der friedlichen Verhandlung von Differenzen

- Konflikte an ethnisch-konfessionell. Und nationalen Differenzen schnell gewaltvoll
- sozialer Status weniger konfliktreich

2. Städte treten Konflikte hervor, strukturierten Konfliktfelder (Identitäten werden produzierten und medial verbreitet)

- Bilder werden in Stadt entworfen und medial verbreitet
- Stadt maßgeblichen Anteil an Konflikte

3. Städte keine Inseln „saturierten Moderne“

- zu positive Darstellung
- Ambivalenz: ZWAR Moderne; dennoch quellen von Nationalismus und Massenideologien
- Städte hatten Anteil am Krieg

Europäische Städte im Ersten WK: Unmittelbare Kriegsfolgen

- Städte in Vorgeschichte wichtige Rolle

Die Anfänge der Luftbombardements

- noch keine entscheidende Rolle, erst gegen Ende
- noch beschränkte Reichweite der Flugzeuge
- D kein Schauplatz des Kriegs (Problem)
- D nicht mit Flugzeugen erreichbar, höchstens Grenzgebiet (Freiburg)
- Verhalten der Bevölkerung ambivalent, z. T. Angst vs. Neugier
- Schäden deutscher Bombardements viel höher (London, 600 Tote im 1. WK; 30.000 im 2. WK)
- psychologische Wirkung

Zerstörung von Städten im Kriegsgebiet

- Städte des östlichen Schauplatzes stärker betroffen (Polen höher als FR)

- Ausgleich der materiellen Verluste kaum möglich

- Wechselseitige Beschuldigungen von Kriegsgräueltaten

- z. B. Zerstörung historischer Gebäude
- Massaker als Rache

- „Krieg der Kulturen“ - kulturelle Überlegenheit der eigenen Kultur

Besetzte Städte

- im Westen Brüssel: größte von Deutschen besetzte Stadt

- städtisches Leben von Kooperation von deutschen Militär und belgischer Kommunalverwaltung geprägt

- möglichst wenig Militär in Stadt haben, Politik dennoch Einflüsse
- Konflikte dennoch vorprogrammiert
- Militärpolizei der Deutschen vs. Belgische Polizei, verschiedene Polizeiformen
- besonders Meldelisten problematisch; Listen auch für Erfassung von Belgiern für Zwangsarbeiter im deutschen Reich
- Ziel: Grundzufriedenheit der Bevölkerung herstellen und halten, damit nicht mehr Militär in Stadt stationiert werden muss

- im Osten Lodz

- Beschlagnahme von Ressourcen
- große Zahl von Zwangsarbeiter deportiert
- Bemühung von Militärverwaltung kommunale Bevölkerung in Politik mit einzubeziehen

[...]

Details

Seiten
27
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656708384
ISBN (Buch)
9783656712008
Dateigröße
584 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v278107
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Historisches Institut, Osteuropäische Geschichte
Note
Schlagworte
stadtgeschichte stadt hälfte vorlesungszusammenfassung großstadt moderne vorlesung sommersemester

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Titel: Stadtgeschichte. Die europäische Stadt in der 2. Hälfte des 19. Jh bis 1945